Hermann Schützenhöfer wird in den aktuellen „Seiten der Zeit“ als jener beschrieben, der nach der Wahlniederlage 2005 übriggeblieben ist, um die Partei wieder aufzurichten. Das „Der Überbleiber“ betitelte Porträt ist wenig schmeichelhaft:
„Hermann Schützenhöfer ist langweilig, katholisch, stur und seit vierzig Jahren Berufspolitiker. […] Hätten Stimmlagen eine Farbe, dann wäre die von Hermann Schützenhöfer grau.“

Die Strategen der ÖVP scheinen das genauso zu sehen. Die „Schützenhöfer in Symbolen“ genannte Kampagne, versteckt den Parteichef und Spitzenkandidaten fast. Nur einmal sieht man einen Teil seines Gesichts. Auch sonst bietet sie Steilvorlagen für die politischen GegnerInnen.
Die Kampagne der StVP
Das Schützenhöfer sich unter dem Motto „Handschlagqualität“ selbst die Hand gibt, hat für Spott gesorgt, dass er mit dem grünen Steirerherz, dem offiziellen Logo der Tourismuswerbung des Landes, in den Wahlkampf zieht, für Empörung. Ungewohnte Unsauberkeiten beim Geschäftsführer und Strategen Bernhard Rinner, der wohl den größten Anteil daran haben dürfte, dass die nach wie vor lahmende Partei als Favorit ins Rennen geht. Einzig der Anteil der SPÖ daran dürfte noch größer sein.

Deren Schwäche zeigt sich möglicherweise darin am deutlichsten, dass am gestrigen Freitag FPÖ und ÖVP ihren Wahlkampfauftakt in der (ehemaligen) Arbeiterhochburg Leoben begingen. Die ÖVP konnte dabei ihre Geschlossenheit, wahrscheinlich die größte Leistung Hermann Schützenhöfers in den letzten 5 Jahren, zeigen. Unterstützt vom Grazer Bürgermeister Nagl und Bundesparteiobmann Pröll gab sich Schützenhöfer konsensorientiert und staatsmännisch.

Denn der Spagat zwischen einerseits Mitglied der Regierung zu sein, andererseits aber doch Opposition gegen die Landeshauptmannpartei betreiben zu wollen, hat die ÖVP in den letzten Jahr ziemlich angestrengt und oft wenige vernünftig erscheinen lassen. In der Mitte der ablaufenden Legislaturperiode hatte die ÖVP es zwar geschafft, das Franz Voves keinerlei Landeshauptmannbonus entwickeln konnte, wurde aber gleichzeitig im Wesentlichen mit den Worten „destruktiv“ und „blockieren“ verbunden und stand noch schlechter da als die SPÖ. Spätestens aus dem ÖVP-Fiasko bei den vorgezogenen Nationalratswahlen 2008 scheint man gelernt zu haben, dass man einen hohen Preis dafür zahlen muss, den Koalitionspartner zu beschädigen.

Diese Einsicht ist einer der Gründe, warum der ÖVP die Rückeroberung des Landeshauptmannsessels zuzutrauen ist. Gefühlsmäßig steht die ÖVP etwas besser da, als „Titelverteidiger“ Voves. Die Chancen auf einen ÖVP-Sieg dürften bei 60:40 liegen, vielleicht auch nur bei 50:50. Nachdem dies aber seit 5 Jahren das zentrale und wahrscheinlich einzige Ziel der ÖVP war, ist die Ausgangslage, gerade auch angesichts der „Pleiten, Pech und Pannen“-Serie der SPÖ, keine besonders beeindruckende Leistung. In einem ihrer ursprünglichen Kernländer 5 Jahre ohne die fast schon im Parteistatut verankerte Spitzenposition dazustehen, hat die Partei sicher geschmerzt. Doch trotz allem (SPÖ-Probleme, ländliche Struktur der Steiermark, freundliche Printmedien, etc.) hat die ÖVP nicht richtig an Fahrt gewinnen können. Was aber sicher nicht daran liegt, dass sie die Parteiinteressen der Arbeit „für das Land“ untergeordnet hätte. Insofern waren es 5 verlorene Jahre für die ÖVP.

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.