Als das BZÖ 2008 bei den Gemeinderatswahlen antrat, kam zum Wahlkampfauftakt Jörg Haider zur Unterstützung angereist. Doch trotz Haider organisierte man die Veranstaltung in einer schmäleren Seitenstraße der Grazer Herrengasse. Wo wenig Platz ist, wirken auch wenige Menschen nicht so verloren. Damals hieß der Spitzenkandidat Gerald Grosz, und erreichte den für viele überraschenden Einzug in den Gemeinderat. 2 1/2 Jahre später wird er sein Mandat dort zurücklegen, um zu demonstrieren, wie sicher er sich des Erfolgs bei den steirischen Landtagswahlen ist, in die er das BZÖ als Spitzenkandidat und One-Man-Show führt.

Gerald Grosz bleibt seinem Mentor Jörg Haider treu
Fotos: viZZZual.com und BZÖ Steiermark. Bearbeitung: Thomas Knapp

Für die Gemeinderatswahlen lies sich Gerald Grosz (gemeinsam mit Peter Westenthaler) mit einem Besen und dem Motto “Wir säubern Graz” plakatieren. Provokation als Allzweckwaffe und Auffallen um jeden Preis ist bis heute sein Markenzeichen geblieben. Die Plakate des Jahres 2010 sind weit weniger aggressiv, als der Mann den sie zeigen. Die Kampagne erinnert stark an jene, mit der Jörg Haider in die Nationalratswahl 2008 zog. Auch beim Wahlkampfauftakt des BZÖ war Haider omnipräsent. Weiße BZÖ-Shirts bedruckt mit einem Foto das Grosz und Haider gemeinsam zeigt prägten das Bild der kleinen Gruppe, die sich auf den Grazer Hauptplatz verirrt hatte. Selbstsicher genug zu sein, einen so großen Platz für den Wahlkampfauftakt zu wählen, war ein Risiko das sich, vielleicht auch wegen des schlechten Wetters, nicht ausgezahlt hat. Die beim besten Willen höchstens 300 Menschen (inkl. BZÖ-Prominenz aus Wien) waren keinesfalls die Manifestation einer Wahlbewegung, die groß genug ist um in den Landtag einzuziehen. Aber – Jörg Haider soll das noch richten.

Der verstorbene BZÖ-Gründer ist in der steirischen Landespartei allgegenwärtig. Man spricht mit großem Respekt, geradezu Verehrung, von ihm. Je weiter die meisten Menschen im Zuge der nicht enden wollenden Enthüllungen in Kärnten zu Haider auf Distanz gehen, desto enger stehen seine Getreuen in der Steiermark zu ihm. Das Video zum neuen Parteiprogramm des BZÖ Steiermark dauert insgesamt 4 Minuten, wovon die erste nur aus Schwarz/Weiß-Bildern die Haider in der Steiermark zeigen besteht. Im Programm selbst wird Haider 9 Mal erwähnt, und damit gleich oft wie z.B. Kultur, Sozialsystem, Sozialleistungen, Integration, Kriminalität oder Menschenrechte, und öfter als z.B. Justiz, Bildung, Energie, Schulen, Universitäten oder die EU. Beim Landesparteitag im Frühjahr trug Grosz stolz ein altes Sakko Haiders, das ihm dessen Witwe geschenkt hatte. Den (ehemaligen) BZÖ-Größen verlieh er die vom BZÖ-Steiermark gestiftete “Dr. Jörg Haider Medaille für Verdienste um die politische Erneuerung“. Und letzte Woche schließlich veröffentlichte man das Buch „Jörg und die Steiermark„(PDF).

Jörg Haiders Schwester Ursula Haubner hatte mit ihrem ebenfalls stark auf Haider setzenden Wahlkampf in Oberösterreich kein Glück. Und das war vor den anhaltenden Enthüllungen über das “System Haider”. Auch wenn man Gerald Grosz zugute halten muss, ohne Zweifel ein medienwirksamerer Spitzenkandidat zu sein, als Haubner es war, so spricht im Moment doch sehr wenig für einen Einzug des BZÖ in den Landtag.

Die Landtagswahlen in der Steiermark und in Wien sind auch die möglicherweise endgültige Entscheidung über das Schicksal des BZÖ. Die steirische Landespartei ist die letzte, die über eine funktionierende Organisation und relevante Mandate (im Grazer Gemeinderat) verfügt. Scheitert diese, ist das BZÖ außerhalb des Nationalrats inexistent. Sollte allerdings das Wiener BZÖ sensationell in den Gemeinderat einziehen, wäre Buchers Kurs bestätigt, insbesondere wenn gleichzeitig der Rechtspopulismus in der Steiermark scheitert.

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.