Plötzlich ging alles ganz schnell. Kaum aus dem Ibiza-Urlaub zurückgekehrt, zündete FPÖ-Mastermind HC Strache die nächste Stufe der Wiener Wahl, für manche “die Mutter aller Schlachten”. Sein Slogan: “Mehr Mut für unser Wiener Blut” und dem Zusatz “Zu viel Fremdes tut niemandem gut.” Jetzt schlägt die linke Szene verbal zurück, und es wird noch blutiger. Schön ist anders.

Heiß umkämpftes Wiener Blut, Plakat (C) FPÖ, Montage Stefan Egger
Heiß umkämpftes Wiener Blut, Plakat (C) FPÖ, Montage Stefan Egger
 
Der Sturm der Entrüstung
neuwal.com war eines der ersten Online-Medien, die berichtet haben – der Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten. Fast alle Parteien reagierten, als erstes die Grünen, sehr schnell auch die SPÖ. In Windeseile war eine Facebook-Gruppe gegründet, die sich “Runter mit den ‘Mehr Mut für unser Wiener Blut’-Plakaten nennt – und mittlerweile mehr als 13.500 Fans zählt (Stand 24.08.2010).
 
Hier spielt es sich ab. Nachdem anfangs noch FPÖ-treue Kampfposter Konter zu geben versuchten, haben die Admins die Seite mittlerweile im Griff und die “linke Szene” kann sich austoben. Neben vielen, äußerst berechtigten Einwänden ist dabei leider auch so mancher glorreiche Griff ins Klo zu bewundern.
 
“Ich scheiß auf die FPÖ, die braucht kein Schwein”
Zu den bereits bekannten – und von der FPÖ natürlich pflichtbewusst verteufelten – Klängen des Songs “Na C.-Strache” von Big DnC groovet man sich hier auf ein Niveau ein, das jenem der Rechten um wenig nachsteht. Der gut gemachte und u.a. im Falter groß präsentierte Song geizt nicht mit starken Sprüchen: “So dämlich wie Sie kann seiner sein, Sie Wixer sind so ein Rassistenschwein […] Sie Missgeburt, Sie Penner, ich mach gern weiter so! […] Sie sind ein blöder Wixer under weden gefickt”.
 
Schön ist anders.
Auf der Wall der Gruppe wird vieles gepostet – darunter viele witzige Variationen des ursprünglichen “Wiener Blut Sujets”, das die FPÖ dankenswerterweise in hoher Auflösung auf die Homepage gestellt hat. Doch auch weniger lustige finden sich, etwa das Bild “Wiener Blut für Braune Brut?” Ralf Ka, online gestellt am 24.08.2010. “Wie wäre es mit dem Plakat? WC Strache, spült die braune schei… runter”, stellt Dejan Ruzic kurz zuvor in den virtuellen Raum. “Österreichs Schandfleck: HcScheiße”, kommentiert Dominic White am Vortag.
 
Gleich und gleich gesellt sich gern?
Zum Glück gibt es einige – wenn auch wenige – Gegenstimmen: „Ich möchte diejenigen, die sich u.a. auf dieser Seite gegen die Plakate aussprechen, darum bitten, ein gewisses niveau zu wahren. Sobald wir uns auf das FPÖ-Niveau herunterlassen (siehe z.B: die Facebook-Gruppe „HC Strache = Echt Arsch“) verzichten wir auf genau das, was uns von dieser unterscheidet – Intelligenz und überlegte Wortwahl.” Alexander Lechner, 23.08.2010.
 
“Die FPOE muss verboten werden…”
Von diesen verbalen Entgleisungen aus ist es nicht mehr weit bis zu jenen, die die Partei verbieten oder Strache aus Österreich verbannen wollen. Dazu zählt etwa Marc Babu Zechner mit seinem Posting: “Die FPOE muss verboten werden…strache ist fuer mich Hitler 2.0” von 23.08.2010. Peter Schmid schlägt in dieselbe Kerbe: “Jeder Österreicher, der HC Strache seine Stimme gibt, würde den gleichen Fehler begehen, wie damals unter A. H.” (21.08.2010). Herlinde Kosa will ebenfalls Verbote, wenn auch “nur” für Poster: “das solche Plakate bei uns genehmigt werden – demokratie …..” (22.08.2010).
 
Hetze mit Hetze bekämpfen
Wieder sind die Stimmen der Vernunft rar, zum Beispiel jene von Alex Bogner am 22.08.2010: “also noch leben wir ja in einer demokratie und da sollte es doch erlaubt sein, zu sagen, was man denkt..und nicht nur wenn es links ist. ich lese hier permanent, „niemand hat das recht menschen auszugrenzen oder gegeneinander aufzuhetzen“…das stimmt..nur wie nennt ihr das, was ihr hier von euch gebt???? hetzen, demonstrieren, und verbale attacken sind doch genau die dinge, die ihr den nicht links denkenden vorwerft. ihr bedient euch der gleichen polemik und denkt gutmenschen zu sein, nur weil ihr anderes gedankengut habt??? ist nicht wirklich logisch und schon gar nicht tolerant.”
 
Wüste Beschimpfungen – und mehr!
Christian Haschka, laut eigener Angabe von der Piratenpartei (PPÖ), will gegen die “Esoteriker” vorgehen: “Der HC Strache ist von der Hitler-Ufo Sekte besessen. Es ist schon langsam Zeit, gegen die Esoterikern vorzugehen.” (20.08.2010) Auch wüstere Beschimpfungen finden sich am selben Tag, etwa von Jason Vansess: “SCHEIS HURENSOHN STRACHE SOLL STERBEN DIE SAU!”. Harald Edlinger dichtet am Vortag wenig treffsicher “Wiener Blut schmeckt nur gut, wenn´s eine illegale Draculina frisch vom der blauen Gurgel zapfen tut!”
 
Vorschläge der Poster: Einweisen & Aufhängen…
Zur grundlegenden Lösung des Problems gibt es auch Vorschläge: Karin Froschauer schlägt am 19.08.2010 vor: “runter mit den plakaten und rauf mit strache! ich würd sofort den strick dazu spendieren ;)” Mindestens so daneben wie die Strache-Sprüche, finden andere Facebook-User. Tom Cisar rät Michael Thaler, dem “fülligen Krieger der HC Strache Fraktion”: “Solltest mal wieder solche Anfälle haben, lass Dich mal mein psychosozialen Notdienst beraten, falls Dir noch zu helfen ist……” 18.08.2010
 
Toleranz ist keine Einbahnstraße
An anderer Stelle kommt Cisar jedoch zur Besinnung und meint: “Runter Damit? Sorry Guys & Dolls, aber das würde der politischen Vielfalt doch schaden… Reines FPÖ-Bashing, ob Ihr wollt oder nicht, die FPÖ hat politisch jedenfalls eine Existenzberechtigung… man muss Andersdenker eben tolerieren! Ich bin übrigens weder Blau noch Orange in irgendeiner Weise nahe… Und ich find das Plakat super, erstens weil sich die Blauen da wiedermal selbst diskreditieren und ins Lächerliche verfallen […]”
 
Das deckt sich weitgehend mit meiner Meinung: “Wehret den Anfängen” ist schon richtig, und lautstarken Protest haben ja unter anderem auch wir von neuwal gefordert. Persönliche Diffamierungen, Drohungen, blöde Sprüche aus der untersten Schublade und völlig überzogene Nazi-Analogien sind jedoch keine probaten Gegenmittel. Unsere Demokratie hält das aus, eine Gegenbewegung ist da und aktiv.
 
Lasst Strache und sein Team arbeiten!
Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass die FPÖ einen äußerst flauen Wahlkampf liefert – mit alten Plakaten, die keine frischen Wähler überzeugen werden und einem Team, dem es aus den Ohren staubt – darunter die soeben vorgestellten Gähn-Geheimwaffen Johann Gudenus und Harald Vilimsky. Lassen wir Strache und sein Team in Ruhe ihre schmutzige Arbeit machen – das ist der beste Garant dafür, dass sie ihr Wahlziel klar verfehlen werden.