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Marc Pommer-Gutschy (20) ist Gründungsmitglied des steirischen BZÖ. Er ist Obmann der Generation Zukunft Österreichs sowohl auf steirischer als auch auf Bundesebene. Bei den Gemeinderatswahlen im Frühjahr 2010 wurde das BZÖ in seiner Heimatgemeinde St. Peter im Sulmtal auf Anhieb mit 18 % zweitstärkste Kraft, seither sitzt er dort im Gemeinderat.
Marc Pommer-Gutschy (GZÖ)
Thomas Knapp (neuwal): Was ist die GZÖ?

Marc Pommer-Gutschy: Auf keinen Fall eine klassische parteipolitische Jugendorganisation wie beispielsweise die Sozialistische Jugend oder der Ring Freiheitlicher Jugend. Bei uns ist man nicht automatisch Parteimitglied. Wir verbinden politische Arbeit mit gesellschaftlichen Aktivitäten. Was wir machen, hat sehr viel mit Freundschaft zu tun. Wir sind wahrscheinlich auch deshalb nicht so bekannt, weil wir nicht zu den Systemjugendorganisationen gehören.

Wie geht es der GZÖ in der Steiermark?

Marc Pommer-Gutschy: Wir sind nicht in allen Bezirken vertreten. Dafür sind wir in Graz sehr stark, auch in Weiz, Deutschlandsberg und Voitsberg. Im Moment sind wir dabei in der Obersteiermark verstärkt Fuß zu fassen. Ich blicke sehr optimistisch in die Zukunft, und wir werden sicher ein starker Teil der Wahlbewegung des BZÖ sein.

Wie ist eure Beziehung zum BZÖ?

Marc Pommer-Gutschy: Absolut gut. Ich bin auch Mitglied des Bundesvorstandes, ich bin in alle Entscheidungen eingebunden, ich weiß über alles Bescheid. Wir kämpfen für ein gemeinsames Ziel.
Mark Pommer-Gutschy (BZÖ)
Wie läuft der Vorwahlkampf in der Steiermark, wie geht es euch mit dem Sammeln der Unterschriften?

Marc Pommer-Gutschy: Sehr gut. Wir sind in der Steiermark organisatorisch gut aufgestellt und werden die „Unterschriften-Hürde“ problemlos meistern. Es wird einen eigenen Jugendwahlkampf geben. Wir werden Jugendevents besuchen und Lokaltouren machen, um mit der Jugend in Kontakt zu treten.

Was sind aus eurer Sicht die Probleme der Steiermark?

Marc Pommer-Gutschy: Der Stillstand. Wir haben eine durch den Proporz erzwungene große Koalition von zwei Parteien die sich in Wahrheit nicht ausstehen können und nur gegeneinander arbeiten. Sie lähmen sich gegenseitig. Hier könnte das BZÖ als neue, frische Bewegung befreit von alten Ideologien der derzeitigen Parteien eine Reformkraft mit frischen Ideen sein. Dafür ist es höchste Zeit.

Was läuft aus eurer Sicht gut in der Steiermark?

Marc Pommer-Gutschy: Interessante Frage (lacht). Mit der Neuen Mittelschule, die ich persönlich als sehr gutes Modell empfinde, ist die Steiermark natürlich ein Hoffnungsland und ein Vorreiter. Das läuft meiner Meinung nach gut, auch wenn es ausbaufähig ist.

„Der Stillstand im Bildungsbereich ist ekelhaft“

Ihr seid also für die Neue Mittelschule?

Marc Pommer-Gutschy:Ja, sind wir. Im Bildungsbereich haben wir ja seit Jahrzehnten Stillstand, das System geht teilweise noch bis auf Maria Theresia zurück. Wir haben eine schwarze Reichshälfte, die sich gegen rote Reformen wehrt. Dieser Stillstand ist in Wahrheit ekelhaft. Eine Politik wie die Stundenkürzungen bei gleichbleibenden Lehrplänen der Frau Ministerin Gehrer ist absolut skurril.

Welche Strukturreformen strebt ihr an?

Marc Pommer-Gutschy:Sofort wäre die Abschaffung des Proporzes umzusetzen. Auch Gemeinden Zusammenlegungen, ich komme selbst aus einer kleinen Gemeinde, bin dort Gemeinderat und seh dass das solche Kleingemeinden allein nicht überlebensfähig sind. Es ist höchste Zeit zwei bis drei solcher Gemeinden in einer Gebietsgemeinde, also einer Verwaltungseinheit, zusammenzufassen. Der Landesschulrat, ein Relikt aus der Besatzungszeit, ist meiner Meinung nach abzuschaffen. Zur Budgetsanierung sollte die Politik bei sich selbst anfangen. Wir würden Landtag und Landesregierung verkleinern.

Wo ordnet sich die Jugend zwischen dem eher liberalen BZÖ eines Seppi Buchers und eines Walter Sonnleitners und dem eher rechtspopulistischen BZÖ eines Gerald Grosz ein?

Marc Pommer-Gutschy: Ich kann diese Unterscheidung nicht nachvollziehen. Gerald Grosz wird immer als Beispiel genommen, weil er in seiner Rhetorik etwas emotionaler ist als Seppi Bucher ist. Aber er steht zur rechtsliberalen Linie. Er überspitzt vielleicht manche Formulierungen, aber das ist dem BZÖ insgesamt zuträglich, weil wir ein Gesamtbild mit vielen verschiedenen Positionen sind.

„In der Zuwanderungsproblematik haben wir alle Polemiken ausgeklammert“

Also beim BZÖ will niemand mehr 300.000 Ausländer abschieben?

Marc Pommer-Gutschy: Also, das ist immer falsch interpretiert worden. Mittlerweile haben wir eine klare rechtsliberale Positionierung. In der Zuwanderungsproblematik haben wir alle Polemiken ausgeklammert und gehen sachlich an die Problematik heran.

Was hältst du von den wöchentlichen niveaulosen Aussagen von Gerald Grosz? (von @LoicKurzweil )

Marc Pommer-Gutschy: Das ist eine subjektive Bewertung. Gerald Grosz emotionalisiert sehr stark, er spitzt seine Formulierungen sehr zu, was ich in der Art und Weise vielleicht nicht machen würden. Aber er ist ein junger Politiker der sich jedenfalls von den anderen Systemparteien unterscheidet und ich denke gerade mit ihm könnte ein frischer Wind in den Landtag einziehen, der auch insgesamt zur Erneuerung der Steiermark beitragen könnte.

Gerade das Steirische BZÖ betont sehr stark die Person des BZÖ-Gründers Jörg Haider? Was ist daran ein Angebot für die Jugend?

Marc Pommer-Gutschy: Jörg Haider war ja selbst ein jugendlicher Polit-Star. Wer ihn einmal erlebt hat, weiß dass er den Zugang zur Jugend hatte. Ich glaube er ist weil er sich von den anderen Polit-Dinosauriern abgehoben hat, von der Jugend so geschätzt worden. Er prägte einen völlig anderen Stil in der Politik. Für ihn waren nicht irgendwelche Ideologien oder veraltete Lehren wichtig, sondern klarer Hausverstand. Uns geht es nicht um irgendwelche Dogmen oder Glaubenslehren, sondern um den Menschen Jörg Haider, der wie kaum ein anderer die 2. Republik so verändert hat wie er.

„Ja zu Zugangsbeschränkungen“

Wie steht die GZÖ zum Dauerthema Zugangsbeschränkungen an den Unis?

Marc Pommer-Gutschy: Man kann die Unis nicht füllen bis sie aus allen Nähten platzen, man muss auch auf die Qualität schauen. Ob Eingangsprüfungen der Weisheit letzter Schluss sind, muss man schauen, aber grundsätzlich Ja zu Zugangsbeschränkungen.
Marc Pommer-Gutschy
Gibt es Präferenzen für eine der beiden Großparteien?

Marc Pommer-Gutschy: Nein, beide Führer der Großparteien sind in meinen Augen ablösungswürdig. Es gibt in SPÖ und ÖVP gute Köpfe, aber Voves und Schützenhöfer zählen sicher nicht dazu. Sie hatten beide ihre Chance und sind nach der Wahl ja nicht neu in der Landesregierung. Mit den beiden kann ich persönlich mir keine Zusammenarbeit vorstellen. Sie haben ihre Chance verwirkt.

Wie siehst du deine Zukunft in der Politik?

Marc Pommer-Gutschy: Ich bin ehrenamtlicher Funktionär des BZÖ, das wir wahrscheinlich auch so bleiben, ich mache das gern. Für mich ist es wichtig, dass man gemeinsam zu einem Ziel stellt, da sind Personalfragen letztrangig. In erster Linie geht es um das gemeinsame Ziel, und da bin ich sozusagen nur ein einfacher Diener im Garten des Herrn. Wenn man sich zu 100 % auf die Politik verlässt, wird man davon abhängig, und Abhängigkeit ist nie gut. Meine Zukunft kann in der Politik liegen, muss es aber nicht.

Dein Tipp für das Ergebnis der Landtagswahl?

Marc Pommer-Gutschy: Ich denke dass es BZÖ, FPÖ, KPÖ und Grüne in den Landtag schaffen werden. Und die ÖVP wird den Landeshauptmann nicht zurückgewinnen können. Dafür ist Schützenhöfer einfach zu wenig Zugpferd. Er ist absolut uncharismatisch und sogar bei den eigenen Parteimitgliedern unbeliebt, daher glaub ich nicht dass die ÖVP es schaffen wird, obwohl es für das Land besser wäre, da Voves seine Chance verwirkt hat.

Fotos: Klemens Wieringer

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.