Jene, die uns „naive Gutmenschen“ milde belächelten, werden sich wohl etwas gewundert haben. Seit dem Ableben des Zeitungstycoons Dichand tut sich etwas im Reich der Krone. Abgesehen von den „Die-hards“ und dem Kleinbiotop Leserbriefseite ist der Ton tatsächlich ein anderer geworden, punktuell lehnt man sich sogar ungewohnt weit aus dem Fenster. Aktuelles Beispiel: der Verriss der „Wiener Blut“-Plakate.


Kronen Zeitung "Milde Sorte", (C) www.cigarettespedia.com / Kronen Zeitung, Montage: Stefan Egger
(C) www.cigarettespedia.com / Kronen Zeitung, Montage: Stefan Egger

Die Welt ist bunt. Und die Krone ein bisschen!
Die „Presse am Sonntag“ hat sich unlängst die Mühe gemacht, einige Krone-Geschichten etwas genauer zu verfolgen. Dass etwa zum Ende der Fußball-WM die „bunte Einwanderungsnation Deutschland“ bejubelt wird, wäre der Außenpolitik-Abteilung unter „dem Alten“ wohl nicht in dieser Form eingefallen. Sogar Tourette-Kolumnist Michael Jeannee („wer alt genug zum Einbrechen ist, ist alt genug zum Sterben“) hat Kreide gefressen. Unverändert ewiggestrig bleibt natürilch Wolf Martin – doch sogar er schlug zur WM sehr milde Töne an.
 
Jeannée vs. Strache – das ist Brutalität!
Die aktuellste Überraschung liefert ausgerechnet Jeannée mit seinem kritischen (!) Kommentar zur FPÖ-Kampagne „Wiener Blut“ – neuwal berichtete. Danke fürs Sharen des Kommentars an Peko Baxant!
 
Gehemmter Beißreflex – daran kann man sich gewöhnen!
Auch zum Thema Arigona vertrat die Redaktion – vor allem Kolumnistin Marga Swoboda – eine äußerst milde, positive Position. Ein weiteres zitiertes Beispiel war die Berichterstattung zur Ohrfeige, die Armin Assinger als Kamikazeradler von einem erbosten, motorisierten Holländer kassierte. Der Publikumsliebling wurde überraschend nicht zum Sympathieträger gestempelt.
 
Besonnenheit an der Spitze
Nicht alles ist anders, nicht alles ist natürlich positiv – siehe unfehlbarer Landesfürst Pröll, ungeliebter UHBP Fischer, mit Samthandschuhen angefasster Grasser usw. Mehr diskutiert wird allerdings jetzt unbestritten, wie auch Redaktionsmitglieder bestätigen. Hier kommt Dichand junior sicher zugute, dass er Jus studiert hat und als um Ausgleich bemühter Mensch gilt.
 
Die Reise beginnt… mit ungewissem Ausgang
Weitere Verschiebungen in der Tektonik der österreichischen Medienberichterstattung könnte der weiter ungelöste Führungsstreit mit dem Hälfteeigentümer WAZ mit sich bringen – sogar „Erbe“ Christoph soll den Deutschen ein Dorn im Auge sein.
 
Es bleibt also spannend um den künftigen König der Krone!