Dieser Tage ist ein neues FPÖ-Plakat in Wien aufgetaucht. Rein optisch folgt es den bekannten Klassikern, inhaltlich wurde aber nochmals an der Eskalationsschraube gedreht. Eine Windung zu viel! Wir leisten Widerstand, die Nazi-Keule lassen wir stecken.

"Mehr MUT für unser Wiener Blut" - deshalb JA zu HC STRACHE, Foto: Helge Fahrnberger
Foto: Helge Fahrnberger, http://www.helge.at
Es geht um „Mut“. Den braucht es wirklich, um jene Sprüche zu plakatieren, die das neueste Plakat der FPÖ im Vorfeld der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen zieren. Dumme Sprüche hatten wir ja schon genug in den letzten Jahren, zuletzt hab sich „Bürgermeisteranwärter“ HC Strache aber etwas staatstragender – man plakatierte Slogans wie „Endlich Gerechtigkeit“ oder „Endlich Sicherheit“. Damit ist nun vorerst einmal Schluss, der Wahlkampf scheint auch bei den Blauen in die heiße Phase zu kommen.
 
Vorsicht, Gutmenschen-Falle!
Die Frage ist wieder einmal: Wie reagiert man richtig? Klar ist nur, was alles nicht geht: Wer sofort „Skandal“ schreit und die Nazi-Keule schwingt, steht schwuppdiwupp im linkslinken Gutmenschen-Eck, wo die verpufften Entrüstungsstürme der letzten Jahrzehnte in Einweckgläsern konserviert verstauben.
 
Eine Frage des Anstands
Spannend ist auf jeden Fall, wie die anderen Parteien reagieren. Wird man sich hart abgrenzen oder überwiegt doch die Angst, rechte Wechselwähler zu vergraulen? Kommt es zu einem Schulterschluss, oder schaffen es die handelnden Personen (wieder einmal) nicht, über ihren parteipolitischen Schatten zu springen?
 
Ein Aufruf zum Widerstand
Wir von neuwal sind jedenfalls der Meinung, dass eine derartige Botschaft nicht unkommentiert mit Partei- und somit Steuergeld an gewista-Plakatwänden in Wien prangen dürfen soll. Wenn man ein bisschen zwischen den Zeilen liest, klingt der Slogan „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ mit dem Zusatz „Zu viel Fremdes tut niemandem gut“ bedenklich nach einer Aufforderung, sich zu wehren. Aktiv etwas zu tun gegen „Andersartige“, gegen „Fremde“, die „nicht hier her gehören“. Notfalls mit Gewalt?
 
„Die wollen ja nur spielen“
Ich höre schon die Stimmen, die wieder einmal abwiegeln. „Alles halb so wild“, „Aufregen bringt nichts“, „Gebt denen doch keine Publicity“, „Einfach ignorieren, das ist ja nichts Neues“. Ja, eh. Würde ich gerne machen – und glauben. Nur: die Plakate, die Botschaften, die Stimmungsmache haben eine Auswirkung – das kann man spüren und sehen.
 
Rassismus ist salonfähig – in Wien 2010!
Beispiel gefällig? Letzte Woche hat ATV im Magazin „Life“ vom Mittwoch, 11. August, den Versuch gestartet, wie es einem dunkelhäutigen Diplomatensohn mit sehr passablem Deutsch beim Discobesuch ergeht. Ein Thema, bei dem das große Gähnen kommen sollte. Die ernüchternde Bilanz: an allen vier getesteten Lokalitäten (darunter die Disco in der Millennium City und der Praterdome) wurde der gepflegte, elegant gekleidete Mann abgewiesen („geschlossene Veranstaltung“, „Einladung notwendig“, „nur für Stammgäste“). Der ATV-Reporter kam Minuten später problemlos rein.
 
Protest kennt viele Formen!
Man kann auch sachlich gegen ein Plakat protestieren. Seinen Protest kundtun. Unserem Bundespräsidenten ein Mail schicken, mit der Bitte, sich das anzusehen. Bei der Partei seines Vertrauens nachfragen, wie sie dazu steht. Jeder kann etwas tun, um diese Botschaft nicht einfach so im Raum hängen zu lassen.
 
Denn dieses Image haben wir Österreicher nicht verdient!