„Weder Franz Voves, noch Hermann Schützenhöfer!“ Darin die Spitzenkandidaten der beiden Großparteien gleichermaßen abzulehnen, sind sich Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ), Werner Kogler (Grüne), Gerhard Kurzmann (FPÖ) und Gerald Grosz (BZÖ) einig. Wie die Spitzen der steirischen Parteien auf die „heiße Phase“ des Wahlkampfs zugehen, hat neuwal von ihnen erfragt, nachdem Stefan Egger sich zuvor schon die Themen der Parteien vorgenommen hat („Wer hat den dicksten Kürbis?“ Teil1 und Teil 2). Dazu haben wir allen einige vergleichbare Fragen gestellt und bieten jeweils eine Kurzbiografie der Personen an (am Ende, einfach zu erreichen durch einen Klick auf den Namen).


Wen Voves bzw. Schützenhöfer als Landeshauptmann favorisieren, ist klar. Aber warum? „Weil die Menschen Offenheit und Ehrlichkeit in der Politik wollen“, antwortet der Landeshauptmann, während sein Herausforderer der Meinung ist, dass er die Wahl gewinnen soll, „weil die Steiermark in Wien wieder etwas gelten muss“. Denn, so Schützenhöfer, „Verlässlichkeit und Handschlagqualität bringen der Steiermark mehr, als Beliebigkeit und unberechenbare Bocksprünge“.

Da ist wohl nichts dabei, was jemand abstreiten würde. Angriffiger ist da schon Werner Kogler, der mit dem Ziel in die Landtagswahl geht „jedenfalls dazu zu gewinnen“. Er meint „dass die entscheidende Frage bei der Landtagswahl nicht ‚Voves oder Schützenhöfer?‘ lautet, da SPÖ und ÖVP in den letzten zehn Jahren ‚bewiesen‘ haben, dass sie nichts weiterbringen – egal wer von den beiden vorne liegt.“ Die eigentliche Frage sei, wer neben SPÖ und ÖVP den Einzug in die Landesregierung schaffe, so Kogler: „Die nach gestern gewandten Rechten, deren Spitzenkandidat bekennendes Mitglied eines SS-Veteranenvereins ist? Oder wir Grüne mit klaren Zielen und Plänen für die Zukunft der Steiermark!“

Der hier angegriffene FPÖ-Spitzenkandidat Kurzmann hat selbst als Ziel für die Wahl das „Beenden der Blockade zwischen SPÖ und ÖVP“ ausgegeben. Er möchte künftig „als Zünglein an der Waage an der Landespolitik mitwirken“. Als solches will er den Fokus auf die Jugend legen, „die ja schließlich unsere Zukunft darstellt. Daher ist es unerlässlich Vollzeitarbeitsplätze für unsere Jugend zu schaffen.“ Dabei kann er auf durchaus erschreckende Zahlen verweisen, denn „laut einer aktuellen Statistik waren alleine in der Steiermark über zehn Prozent der jungen Menschen von einer Delogierung betroffen.“ Weitere Ziele Kurzmanns sind „die Sicherung der Spitalsversorgung auch für den ländlichen Raum und ein Verbot der Bettelei in der Steiermark.“ Über letzteres könnte er sich nach den Wahlen auch eine Volksabstimmung vorstellen.

Mit einem Interview zum Thema „Bettelverbot“ hat Voves vor einiger Zeit für Unruhe in seiner Partei gesorgt. Das wird ihm mit diesem Artikel wohl nicht passieren, seine Vision für den Fall einer Wiederwahl dürfte über die Parteigrenzen hinweg konsensfähig sein: Er bedient die Lieblingsschlagworte der österreichischen Innenpolitik „Budgetkonsolidierung und Verwaltungsreform“ und möchte außerdem auf eine „Stärkung der Regionen durch noch intensivere Kooperation der steirischen Klein- und Großregionen“ hinarbeiten. Das es noch unkonkreter geht, zeigt Hermann Schützenhöfer, dessen Wahlziel „Mehr Steiermark, Mehr Sicherheit, Mehr Arbeit“ ist. Immerhin verweist er darauf, dass man sich von der Website der ÖVP seine „Wege für die Steiermark“ herunterladen kann, um sich ein Bild von seinen Vorstellungen machen zu können. Voves kann hier nichts anbieten, denn die SPÖ Steiermark hat bis heute kein Wahlprogramm vorgelegt.

Anders die steirischen Grünen – von ihnen liegt zwar auch kein Gesamtkonzept vor, doch sie veröffentlichen dies ganz bewusst in kleinen Happen, „100 Ideen für die Steiermark“ nennt sich das dann. „Die Steiermark zur Ökowirtschaftsregion Nummer eins in Europa“ machen möchte Spitzenkandidat Kogler, der betont dass „das was in Oberösterreich dem Grünen Umweltlandesrat Rudi Anschober gelang, nämlich in der letzten Legislaturperiode 20.000 neue Grüne Arbeitsplätze zu schaffen auch in der Steiermark Steiermark möglich und machbar ist“. Arbeitsplätze liegen wenig überraschend auch der KPÖ-Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler am Herzen. Mehr als alle anderen betonte sie den konkreten Menschen, erzählte von tragischen Schicksalen und zeigte sich entschlossen daran „in kleinen Schritten“ etwas zu ändern. Der konkrete Plan dafür liegt allerdings noch nicht vor.

Doch das was sie als ihre großen politischen Erfolge sieht, die Abschaffung des Regresses bei der Sozialhilfe sowie die deutliche Verkürzung der Fristen bei eben dieser, dürfte den Weg weisen, auf den die KPÖ die Steiermark führen möchten. Freilich, dazu muss erst der Wiedereinzug in den Landtag geschafft werden, Klimt-Weithaler zeigte sich dazu auch sehr zuversichtlich, und gab als Ziel darüber hinaus an, den Stand von 4 Mandaten halten zu wollen. Ein Ergebnis mit dem Gerald Grosz (BZÖ) wohl überglücklich wäre, der, angesichts aktueller Umfragen recht optimistisch, meint in der Steiermark „ein Potential zwischen 5 bis 9 Prozent zu haben“, womit er auch sein Wahlziel festlegt. Seine Vision geht aber darüber hinaus. Grosz möchte „einen Generationenwechsel in der Politik schaffen“. Er hat großes vor, denn „die Zukunftschancen gerade meiner Generationen (Grosz wurde 1977 geboren, Anm.) stehen im Mittelpunkt, gerade deswegen muss die rot/schwarze Koalition in der Steiermark der Vergangenheit angehören“.

Biografien:


Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ)

neuwal: Was war ihr größter politischer Sieg, was ihre größte Niederlage?
Mein größte Sieg war die Wahl zum Landeshauptmann der Steiermark. Als Niederlage sehe ich, dass die ÖVP die Abschaffung des Proporzes bislang verhindert hat.

Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ)Der amtierende Landeshauptmann wurde am 28. Februar 1953 in Graz geboren. Sein Vater Franz sen., ein Arbeiter, war in Graz Gemeinderat für die KPÖ, seine Mutter Eleonore Hausfrau. Voves hat eine Schwester und zwei Brüder. Er ist in zweiter Ehe verheiratet und hat aus seiner ersten Ehe eine Tochter, seine Frau Ingrid hat aus erster Ehe einen Sohn.

Voves war Eishockeyspieler des ATSE Graz (Mittelstürmer), wurde 1975 österreichischer Meister, und spielte mit der österreichischen Nationalmannschaft bei 7 Weltmeisterschaften und den olympischen Spielen 1976 in Innsbruck. Gleichzeitig studierte er von 1972 – 1978 Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Graz. Bis 2002 war er bei der Merkur Versicherung AG tätig, von 1989-2002 als Vorstandsmitglied zuständig für den Finanzbereich.

Seit 1995 war Voves als Präsident des ASKÖ kooptiertes Mitglied des Landesparteivorstandes der SPÖ Steiermark. Am 2. März 2002 wurde er als Nachfolger von Peter Schachner zum SPÖ-Landesparteivorsitzenden und am 12. März zum Ersten Landeshauptmann-Stellvertreter der Steiermark gewählt. Bei den Landtagswahlen 2005 überholte er mit der SPÖ erstmals in der Geschichte der Steiermark die ÖVP und ist seit 25.10.2005 Landeshauptmann.
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Hermann Schützenhöfer (ÖVP)

neuwal: Was war ihr größter politischer Sieg, was ihre größte Niederlage?
Als ich vor mehr als 20 Jahren den Mindestlohn erstmals und später immer wieder gefordert
habe, haben mich SPÖ wie ÖVP ordentlich „abgewatscht“. Er wurde dann doch umgesetzt.
Darauf bin ich stolz. Die größte politische Niederlage? Ich bin der Meinung, in Sport und Politik muss man mit Niederlagen leben..

Hermann Schützenhöfer (ÖVP)Der erste steirische ÖVP-Spitzenkandidat der nicht Landeshauptmann ist, wurde am 29.02.1952 in Edlitz geboren. Seit 1979 ist er mit seiner Frau Marianne verheiratet, mit der er 2 Kinder hat. 1970 schloss Schützenhöfer eine kaufmännische Lehre in Kirchbach ab, und wurde im selben Jahr Landessekretär der Jungen ÖVP Steiermark, der er von 1976-79 als Landesobmann vorstand. Seine weitere politische Karriere nahm ihren Lauf im steirischen ÖAAB für den er von 1978-91 als Landessekretär, von 1991-95 als geschäftsführender Landesobmann und von 1995-2006 als Landesobmann tätig war. Seit 1981 war er Abgeordneter im steiermärkischen Landtag, wo er 1994 Klubobmann wurde und dies bis 2000 blieb, ehe er in die Landesregierung aufstieg. Nachdem die steirische ÖVP bei den Landtagswahlen 2005 erstmals in der Geschichte nur Platz 2 belegte, folgte er Waltraud Klasnic an der Spitze der Partei nach und wurde 2005 Erster Landeshauptmann-Stellvertreter und 2006 Landesparteiobmann der steirischen ÖVP.
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Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ)

neuwal: Was war ihr größter politischer Sieg, was ihre größte Niederlage?
Sicher die Abschaffung des Regresses bei der Sozialhilfe und die Verkürzung der Fristen. Als Niederlagen empfinde ich etwas immer dann, wenn wir mit einer guten Idee nicht durchkommen, vor allem wenn plötzlich eine Großpartei umfällt, die zuerst noch auf unserer Linie war, weil es gegen die andere Großpartei geht.

Claudia Klimt-Weithaler (KPÖ)Klimt-Weithaler wurde am 1. Februar 1971 in Fohnsdorf geboren. Nach der Ausbildung zur Kindergartenpädagogin studierte sie Pädagogik und arbeitete parallel dazu in verschiedenen Kinder – und Jugendorganisationen sowie in Frauenprojekten mit. Die Alleinerzieherin lebt mit ihren beiden Töchtern in Graz, wo sie 2003 eine Kinderkrippe mit dem Schwerpunkt „geschlechtssensible Pädagogik“ aufbaute, die sie bis Anfang 2010 selbst leitete.

Im Jahr 2000 kam sie zur KPÖ, für die sie 2005 in den steiermärkischen Landtag einzog.
Seit 1. März 2010 übt sie die Funktion der Klubobfrau ihrer Fraktion aus, in der sie, wie auch in der Position als Spitzenkandidatin, Ernest Kaltenegger nachfolgte.
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Werner Kogler (Grüne)

neuwal: Was war ihr größter politischer Sieg?
Jedesmal, wenn wir Grüne beweisen können, dass man auch als „kleine Partei“ Erfolge erzielen kann – zum Beispiel, wenn wir die verstärkte Kontrolle des 100 Milliarden-Bankenpakets durch den Rechnungshof durchsetzen konnten.
Und die größte politische Niederlage?
Keine.

Werner Kogler (Grüne)Kogler wurde am 20. November 1961 in Hartberg geboren und wurde im Mai 2010 mit 93,5 % – dem bisher besten Ergebnis der steirischen Grün-Geschichte – zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 26. September gewählt. Kogler, der Gründungsmitglied der Grünen Steiermark ist, war früher als Grazer Mandatar der jüngste Gemeinderat Österreichs. Seit 1999 sitzt er für die Grünen im Parlament und führt dort, als studierte Volkswirt, den Rechnungshofausschuss. Seit 2009 ist der bekennende „Fußballfeinspitz“ auch Stellvertreter von Eva Glawischnig.
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Gerhard Kurzmann (FPÖ)

neuwal: Was war ihr größter politischer Sieg, was ihre größte Niederlage?
Meinen größten politischen Erfolg sehe ich in der Tatsache, dass ich die steirischen Freiheitlichen im September wieder in den Landtag führen werde. Nach einer fünfjährigen Abwesenheit ist ein Wiedereinzug in den Landtag natürlich auch für uns parteiintern ein ganz zentrales Thema. Im parlamentarischen Bereich halte ich meine Mitwirkung am Bundesarchivgesetz für erwähnenswert.

Als eine große Niederlage bezeichne ich das Ausscheiden der steirischen Freiheitlichen im Herbst 2005 aus dem Steiermärkischen Landtag nach der Abspaltung des BZÖ.

Gerhard Kurzmann (FPÖ)Kurzmann wurde am 30. Oktober 1953 in Graz geboren. Er studierte Geschichte und Germanistik an der Universität Graz und schloss sein Studium mit dem Doktorat ab. 1984 wurde er Beamter der Stadt Graz. Seine politische Karriere begann bereits 1978 als Obmann des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ). Sechs Jahre später wurde er Bezirksvorsteher der FPÖ in Graz/Geidorf und blieb es, bis er 1993 in den Grazer Gemeinderat einzog. Diesen verließ er 1998 und wechselte in den Nationalrat. Nach dem FPÖ-Debakel 2002 verlor er sein Mandat, hielt der FPÖ aber, wie auch bei der Abspaltung des BZÖ, die Treue. 2003 wurde er Obmann der Grazer FPÖ und seit 2006 ist er Obmann der Landespartei und wieder Mitglied des Nationalrats.
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Gerald Grosz (BZÖ)

neuwal: Was war ihr größter politischer Sieg, was ihre größte Niederlage?
Mein größter politischer Erfolg war zweifelsohne neben der Nationalratswahl 2008 wo wir in der Steiermark knapp 14 Prozent errungen haben, die Grazer Gemeinderatswahl, wo wir auf Anhieb knapp 5 Prozent und den Einzug in den Grazer Gemeinderat mit zwei Mandaten geschafft haben. Am Wahltag konnte ich noch eine Gallup-Umfrage in einer Tageszeitung lesen, die mir exakt 1 Prozent ausgewiesen hat. Keiner hat uns diesen Erfolg zugetraut, umso schöner war das Wahlergebnis.

Die größte politische Niederlage ist eigentlich eine tägliche Erkenntnis, dass ich nach wie vor noch nicht alles von dem für die Menschen der Steiermark umsetzen kann, was ich im „Der neue Weg 2010“ auf 64 Seiten und 148 konkreten Umsetzungsvorschlägen formuliert habe. Die Landtagswahl wird mich aber einen Schritt weiter bringen!

Gerald Grosz (BZÖ)Grosz wurde am 15. Februar 1977 in Graz geboren. Nach der Volksschule, der Hauptschule und der HAK in Deutschlandsberg absolvierte er eine Ausbildung in einer Grazer Werbefirma für die er bis 1999 tätig war. Danach wurde er parlamentarischer Mitarbeiter von Beate Hartinger und Herbert Haupt, dessen Pressesprecher und persönlicher Sekretär er von 2000-2005 war. 2005 wechselte er in das von Jörg Haider neu gegründete BZÖ und wurde dessen steirischer Landesparteiobmann. Ebenfalls 2005 wurde Grosz Gemeinderat in Deutschlandsberg (bis 2007) und Pressesprecher von Sigisbert Dolinscheck. 2006 stieg er zum Generalsekretär des BZÖ auf, und blieb dies bis 2008, als er Gemeinderat in Graz und Nationalratsabgeordneter wurde. Seit 26. April 2009 ist er stellvertretender Bundesbündnisobmann des BZÖ.
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