„Ich habe mich gefühlt wie ein Tier. Die letzten drei Jahre habe ich mich wie ein Tier gefühlt. Wie ein Rennpferd, das um sein Leben rennen muss, und wenn’s nicht schnell genug ist, wird es weggegeben.“

Arigona Zogaj im NEWS-Interview

Arigona Zogaj ist nicht mehr daheim. Sie ist jetzt im Kosovo, in einer Welt, die für sie weitesgehend unbekannt ist, an einem Ort, den sie nicht als Zuhause sieht. Und Herr und Frau Österreicher werden jetzt wahrscheinlich feiern, den Sieg der Gesetze über die Humanität. Aber glücklicherweise kann man die Bewohner Österreichs nicht verallgemeinern. Glücklicherweise ist für viele die Geschichte noch nicht zu einem Ende gekommen.

Zum, man verzeihe mir die Wortwahl, Kotzen finde ich – wenig überraschend – das Verhalten der FPÖ. Die „soziale Heimatpartei“ ist erbost, dass Arigona Zogaj, ihre jüngeren Geschwister und ihre Mutter womöglich im Herbst wieder nach Österreich zurückkehren könnten. Via Schüler- und Saisonarbeitervisum, also auf völlig legalem Weg. Nein, nicht nur Innenministerin Maria Fekter musste an Arigona Zogaj ein Exempel statuieren, auch für die FPÖ ist diese Causa unglaublich wichtig.

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky betonte, dass die Innenministerin der Familie diese Möglichkeiten nicht zukommen lassen dürfe, denn „dann macht sich Fekter zur Helferin dieser Gutmenschen-Schickeria, die mit dem Rechtsstaat auf Kriegsfuß steht […]“.

NEWS: Was ist in Ihnen vorgegangen, als die Medien Sie zu jagen begannen wie eine Filmdiva?
Zogaj: Es war schrecklich, sich verstecken zu müssen, ich musste durch den Hinterausgang aus der Schule gehen, und daheim musste ich schnell ins Haus rennen, weil draußen die Presse gestanden ist.

Arigona Zogaj im NEWS-Interview

Fünf Mal Nicht Genügend. Ein Wahnsinn. Und sowas glaubt von sich, Österreicherin zu sein? Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen und meine, dass so ein Nicht Genügend sehr schnell den Weg ins Zeugnis finden kann. Bei mir war es einerseits, weil ich eine grundlegende Mathematik-Schwäche zu haben scheine und andererseits, weil ich mich in der Klasse nicht wohlfühlte. Aber wie muss man sich erst einmal fühlen, wenn es so aussieht, als hätte sich eine ganze Nation (gut, dass man auch hier den Terminus nie verallgemeinernd verwenden sollte) gegen einen verschworen?

Für Heinz-Christian Strache ist das ein Skandal. Der Mythos der „Vorzeigeschülerin“ ist gebrochen, „wie zu erfahren gewesen sei“. Es ist schon interessant: Wie kommt eine Partei wie die FPÖ an das Zeugnis einer Arigona Zogaj? Wo ist die Lücke im System? Oder sitzen eh schon überall Maulwürfe, die jede Möglichkeit ergreifen, um jemanden diffamieren zu können.

Nebenbei wagt er es sogar, NGOs zu unterstellen, an der, wie er es nennt „Asylindustrie“ gut zu verdienen. Eine Anmaßung sondersgleichen. Vielleicht sollte sich die FPÖ ein Beispiel an der Volkspartei nehmen, und ihre Leute in den ersten Reihen während der Sommerferien in eben solchen NGOs arbeiten lassen. Damit sie sehen, welche Mittel ihnen zur Verfügung stehen, damit sie mitkriegen, um welche Schicksale es dort geht.

NEWS: Was ist für Sie Glück?
Zogaj: Normal sein zu können, so wie jeder andere. In dem land aus dem ich herkomme. Wen mich hier wer fragt, woher ich komme, sage ich: Österreich.

Arigona Zogaj im NEWS-Interview

Schön hat sie das gesagt, die Arigona. Genau das ist es doch, was sich die FPÖ wünscht: Menschen, die sich in die österreichische Gesellschaft integrieren, die Österreich als Heimat ansehen. Und ich will einfach nicht verstehen, warum sie es der Familie Zogaj, einem Paradebeispiel für Integration trotz aller Widrigkeiten, nicht glauben wollen. Aber vielleicht ist dieser Gedanke ganz einfach über deren Horizont.

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