„Es ist eigentlich ein großartiges Erbe, vor dem niemand Angst haben braucht“, meint Georg Holzer (k2020.at) als wir über zweisprachige Ortstafeln in Kärnten sprechen.

Die Angst vor Ortstafeln möchte Georg Holzer aus Klagenfurt nehmen, in dem er positive Begriffe in Deutsch und Slowenisch auf Orstafeln veröffentlicht: Leidenschaft – Strast, Grenzenlos – Brez Meja – Freunde – Prijatelji, See – Jezero, Sommer – Poletje, Sonne – Sonce sind nur einige der 26  Ortstafeln die auf k2020.at zum Downloaden verfügbar sind; mit einer Word-Vorlage lassen sich sogar eigene Ortstafeln generieren – ein öffentliches Google-Doc hilft bei der Übersetzung.

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„Čas je zrel! Die Zeit ist reif“ gibt es auch als podwal Audioversion – als erstes Demo zum Anhören (Dauer: 6:50 Minuten).
podwal. der neuwal podcast.

Sein Ziel ist es, dass Menschen Ortstafeln öffentlich herzeigen: Neben die Sonnenliege im Strandbad, ins Auto, als Facebook-Hintergrund-Bild, als Postkarte, etc. öffentlich herzeigen. Und zwar „Je mehr Leute das machen, desto besser“.

„Čas je zrel! Die Zeit ist reif!” sagen auch wir von neuwal und unterstützen diese Aktion mit über 100 ausgedruckten Ortstafeln, die wir vergangene Woche nach Klagenfurt geschickt haben. Ortstafeln gibt’s auch weiterhin – einfach melden: posten, twittern, mailen. Wir liefern sie euch sogar (fast) nach Hause!

Fotos (CC) Georg Holzer

Dieter Zirnig (neuwal): Georg, wie ist es zu dieser Idee von “Diesen Sonntag für Kärnten” gekommen?

Georg Holzer: Ich bin am Dienstag (Anm.: 13. Juli 2010) um 4 Uhr in der Früh aufgewacht und hatte die Idee dazu. Es muß einmal etwas passieren, dass die Ortstafeln nicht immer als Angstmonster im Raum stehen, sondern als Bereicherung. Zweisprachigkeit ist mehr als nur die Politik, die dagegen redet. Es ist eigentlich ein großartiges Erbe, vor dem niemand Angst haben braucht.

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Wie kann man sich bei der “Ortstafelaktion” beteiligen?
Georg Holzer: Man geht auf www.k2020.at, ladet sich eine der vielen Orstafeln herunter und druckt sie aus und macht es öffentlich. Man kann auch seine eigene Ortstafel gestalten.

Vielleicht das eine oder andere Foto auf Facebook posten, damit es noch mehr Leute sehen, Bilder auf Flickr oder Videos auf YouTube.

Je mehr Leute das machen desto besser. Man zeigt damit, dass man kein Problem damit und keine Angst vor Zweisprachigkeit hat. Einfach am Sonntag Spaß damit haben und zeigen, dass man nichts dagegen hat.

(Anmerkung: Fragen und Antworten zur Aktion gibt es auf k2020.at)

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Was möchtest Du damit erreichen?
Georg Holzer: Ich möchte den Leuten zeigen, dass sie sich vor den Ortstafeln nicht fürchten brauchen. Ich möchte die positiven Begriffe Urlaub, Sommer, Sonne, Liebe, Freundschaft, Leidenschaft mit einer Ortstafel verbinden und zeigen, dass diese nicht unbedingt im Kontext von Ortsnamen passieren.

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Wer fürchtet sich vor zweisprachigen Ortstafeln?
Georg Holzer: Es sind ganz wenige, die sich vor den Ortstafeln fürchten. Ich glaube auch, dass die Kärntner Bevölkerung viel viel weiter ist als die Politik. Mir kommt vor, die Politiker möchten dieses Thema noch bis 2014 am Kochen halten.

Ich denke ja, dass die Politiker vielleicht d’rauf kommen, dass es gut ist, das Ortstafel-Thema so bald wie möglich umzusetzen, wenn sie die Freude der Leute an den Ortstafeln, die sie neben der Sonnenliege haben sehen.

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Wie sind die Reaktionen auf die Aktion?
Georg Holzer: Interessant waren die Reaktionen von den Passanten, als ich die Ortstafeln verteilt habe. Ich bin am Rand vom Europapark beim Strandbad Klagenfurt gestanden und habe gerufen “Ortstafeln zu verschenken” (lacht). Einige Leute sind einfach vorbeigefahren – andere sind stehen geblieben und haben gesagt, wie toll sie es finden würden, wenn es endlich eine Lösung dafür gäbe.

Es hat keine einzige Person gegeben, die sich darüber aufgeregt haben – das war sehr ermutigend. Ich bin mir sicher, dass die Lösung nicht mehr lange auf sich warten lässt.

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Wie sieht die Situation rund um die Ortstafeln in Kärnten aus – wie geht es politisch weiter?
Georg Holzer: Man muß einfach dort anfangen, wo man aufgehört hat.

Es hat ja schon einmal eine Lösung gegeben: Wir haben eine Verfassung und wir haben ein Grundgesetz. An das hat man sich zu halten, auch wenn man “Landeshauptmann” heißt. Weiters hat es ja schon einen Pakt gegeben – den Schüssel-Haider-Pakt aus dem Jahr 2007. Er ist damit eigentlich am Widerstand der SPÖ und einigen Slowenen-Vertretern knapp gescheitert.

So sehr ich auch Heinz Fischer kritisiert habe, war es bei seiner zweiten Angelobung ein tolles Zeichen, der das Thema wieder auf den Tisch gebracht hat. Auch mit der Bestellung von Valentin Inzko zum Chef des Rats der Kärntner Slowenen glaube ich, dass hier wieder Bewegung ist, die wir nutzen müssen.

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Gibt es „Diesen Sonntag für Kärnten“ auch die nächsten Sonntage?
Georg Holzer: Nächsten Sonntag machen wir es wieder! Wir stellen die Ortstafel mit positiven Wörtern in slowenischer und deutschen Sprache neben die Liege, ins Auto. Öffentlich machen – Herzeigen.

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Georg, alles Gute, viel Erfolg und Spaß mit dieser Aktion!

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.