Es roch stark nach der berühmten Konfliktscheue des politischen Wetterhahns, als unlängst bekannt wurde, dass die SPÖ-geführte Regierung am Dollfuß-Gedenken im Kanzleramt festhalten würde. Dabei hatte der jetzige Verteidigungsminister Darabos – so wie zahlreiche andere gewichtige Parteivertreter – zuvor noch gegen die von der ÖVP verteidigte Tradition gewettert.

SPÖ-Boxhandschuh
(C) sxc.hu / Kaliyoda

Ein zu hoher Preis…
Tom Schaffer hat auf zurPolitik.com auch schon darüber geschrieben. Der christlich-soziale Bundeskanzler versuchte, die Nazis mit einem autoritären Ständestaat rechts zu überholen – und wurde letztendlich von ihnen ermordet. Während ihn die Konservativen als – wenn auch gescheiterten – Abwehrkämpfer feiern, schaudert den Sozialisten noch heute vor dem bezahlten Preis: Selbstausschaltung des Parlaments, Einbindung der Kirche als politischer Machtfaktor, Aufrüstung der Bauern und der Heimwehr – und letztlich Bürgerkrieg in Österreich.

Politik heißt auch: Symbolik
Statt dieser heftig umstrittenen Gedenkfeier wird nun eine andere am 2. November treten, bei der allgemein wichtigen verstorbenen Kanzlern und Mitarbeitern gedacht wird. Das ist gut so, und keineswegs ein unwesentliches Detail. Warum? Es war klar, dass die ÖVP auf 180 sein würde – was man auch als ursprünglichen Gedanken vermuten darf, die Tradition beizubehalten, der auch frühere (rote wie schwarze) Kanzler stets gefolgt waren.

Die Wähler reiben sich die Augen…
Umso erfreulicher ist es, wenigstens einmal für etwas einzustehen, woran man glaubt. Sozialdemokratische Wähler wissen meist ja gar nicht mehr, wie sich das anfühlt, wenn man sich so umhört. Und nicht nur das: Faymanns Team kam, rührte um, und sah – dass es gut war!

Verteidigungsminister farbenblind?
Denn in Folge waren Personalentscheidungen  im Bundesheer zu fällen – ein Gebiet, das ebenso heikel wie politisch austariert ist – bzw. war. Denn wiederum entgegen aller Koalitionsraison beförderte Verteidigungsminister Darabos (mit Faymanns Segen) zwei Rote auf die sensiblen Posten: Edwin Potocnik ist neuer Leiter des Heeresnachrichtenamtes, Anton Oschep Leiter des Abwehramtes. Man muss diese Entscheidungen nicht gut finden – und viele tun das auch nicht, doch sie zeugen von etwas, das bisher gefehlt hat: Mut.

It takes balls to make politics
Meine Vermutung ist, dass sich die SPÖ in Fahrt bringt für die Mutter aller Schlachten dieser Legislaturperiode: die Budgetverhandlungen zum Jahresende. Niedrige Einnahmen stehen hohen Schulden gegenüber, die Verhandlungspositionen sind verfahren, es geht auf beiden Seiten um viel. Das Thema ist so heikel, dass Faymann und Pröll dem Parlament am liebsten gar keine Zeit geben würden, ihren Teufelspakt zu beanstanden – dafür werden sogar Gesetze gebeugt, denn das Budget müsste dem Nationalrat eigentlich 10 Wochen vor Jahresende vorliegen.

Der Kampf um die Wurst beginnt
Klar ist jedenfalls: Wer als Schoßhündchen in die Verhandlungen geht, wird als Chihuahua herauskommen – falls er nicht gefressen wird. Die meisten Würste wird man so jedenfalls nicht nach Hause tragen. Daher übt die SPÖ jetzt einmal, wie man laut bellt. Dann muss man im Notfall nicht so oft beißen, das ist Tierfreund Faymann sicher klar.