Pfarrer Friedl bin ich am Montag, 28. Juni 2010 im 3raum Anatomiethater bei Hubsi Kramer’s Benefizveranstaltung für Arigona begegnet. Josef Friedl, der sich für ein Zölibat auf Zeit einsetzt, mit seiner Lebensgefährtin zusammenlebt hat mich im Gespräch beeindruckt und mich wiederholt zum Nachdenken angeregt. Es ist so genau das Gegenteil zu menschenfeindlichen Aussagen. Also Aussagen, die viele von uns vermissen. Und das ist der Grund, warum ich mich gerade über dieses Gespräch gefreut habe: Tue Gutes und erzähle darüber.

Mein Zugang zur Kirche und zu Religion ist ja mehr als äußert kritisch. Wir kennen sie ja alle: Diese Geschichten vom Mißbrauch, vom Zölibat, von den zahlreichen Skandalen und den vielen beobachteten Unehrlichkeiten. Darauf möchte ich jetzt allerdings nicht näher eingehen.

In Diskussionen und Gesprächen mit einigen – durchaus Kirchen- und Religions-kritischen – Leuten höre ich auch sehr oft, „Dieter, Religion und Kirche… das ist ja nicht nur das: Es gibt jede Menge Hilfsorganisationen, Menschen und Gruppen, die anderen helfen und sich persönlich ganz stark dafür einsetzen. Und… Dieter, in den meisten Fällen sind das Einzelpersonen, also auch Pfarrer kleinerer Gemeinden, die sich eben ganz stark für Menschen engagieren.“

Ich lasse diese beiden Aussagen mal so stehen und schenke Letzterer großen Glauben. Ja, es sind immer wieder Einzelpersonen die sich in dieser Organisation sehr stark engagieren und meinem wahrnehmenden Bild der Kirche eben nicht entsprechen. Die den Mut haben Schritte weiterzugehen, auch wenn diese nicht unbedingt in Einklang mit ihrer Struktur stehen.

Pfarrer Josef Friedl

Eine dieser Personen ist Pfarrer Josef Friedl aus Ungenach in Oberösterreich. Das ist jener Pfarrer, der Arigona Zogaj und Familie (neben vielen anderen Flüchtlingen) bei sich am Pfarrhof aufgenommen hat.

Pfarrer Friedl bin ich am Montag, 28. Juni 2010 im 3raum Anatomiethater bei Hubsi Kramer’s Benefizveranstaltung für Arigona begegnet. Josef Friedl, der sich für ein „Zölibat auf Zeit“ einsetzt, mit seiner Lebensgefährtin zusammenlebt ist bei der Veranstaltung bis zum Schluß geblieben, hat bei Besuchern übernachten können um dann einige Stunden später in der Früh mit dem Zug zurück nach Oberösterreich fahren zu können.

Das Gespräch hat mich beeindruckt, mich wiederholt zum Nachdenken angeregt und auch an Ute Bock erinnert. Es ist so genau das Gegenteil zu menschenfeindlichen Aussagen. Also Aussagen, die viele von uns vermissen. Und das ist der Grund, warum ich mich gerade über dieses Gespräch gefreut habe: Tue Gutes und erzähle darüber.

Pfarrer Josef Friedl (c) Kleine Zeitung, Juni 2010
Pfarrer Josef Friedl (c) Kleine Zeitung, Juni 2010

Dieter Zirnig (neuwal.com) Lieber Pfarrer Friedl, ich freue mich, mit ihnen ein bisschen reden zu können. Sie sind Pfarrer, engagieren sich für Menschen und besonders für Flüchtlinge – was bringt sie dazu…

Pfarrer Josef Friedl: Für mich war das jetzt nicht etwas Neues. Ich nehme seit Beginn der 80er Jahre Flüchtlinge auf. Ich habe immer Flüchtlingsfamilien im Pfarrhof gehabt, genauso wie jetzt auch. Das ist halt meine Seite.

Ich bin 1968 Priester geworden. Seit dem habe ich etwas im Ohr… mein Vater hat zu mir gesagt: Vergiss die kleinen Leute nicht. Die, die ohnmächtig und schwach sind. Das hat bei mir immer nachgeklungen.

Ich sehe das auch als erste Aufgabe für mich als Pfarrer dort zu sein, wo die Menschen am weitesten unten sind und mich dort hinzustellen.

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Was bleibt für sie nach der Zeit, die sie mit Familie Zogaj verbracht haben und was haben sie dabei gewonnen?

Ich habe in den letzten drei Jahren mit der Familie Zogaj ungeheuer tolle Menschen über Österreich hinaus kennengelernt. Ich habe viele kennengelernt die Anders denken, die sehr sensibel sind für die Menschen und die Menschen auch wahrnehmen. Also, ich persönlich habe sehr viel gewonnen.

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Gibt es Menschen aus der Politik, von denen sie am meisten enttäuscht sind? (Frage von Dominik Leitner)

Ich bin dort enttäuscht, wo Worte und Gespräche nicht gehalten wurden. Da bin ich sicher enttäuscht. Aber, ich komme mir selber reicher vor wie diese Politiker, die oft auch Gefangene sind.

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Wie reagiert die Kirche auf ihre Tätigkeiten, bekommen sie Unterstützung?

Die Kirche hat mich am Anfang weniger aber jetzt durch Aussagen unterstützt. Ich habe auch erlebt, Wenn man sich auf die Seite von Schwachen stellt, dann wird man genauso behandelt.

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Dachten sie jemals an ein solches Ausmaß wie in diesem Fall Arigona? (Frage von Dominik Leitner)

Nein, das habe ich mir nicht gedacht. Ich werde auch oft gefragt, würden sie das wieder tun? Da antworte ich immer: Wenn mich jemand braucht und ich hier die Hand reichen kann würde ich es tun. Ich weiß ja nie, was herauskommt.

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…wie reichen sie die Hand?

Das ist ganz verschieden. Dadurch, dass ich jetzt bekannt geworden bin und auch andere Spenden bekommen habe – nicht nur für Arigona -, konnte ich auch in Österreich einigen helfen. Gerade alleinstehenden Mütter mit Kindern, dass sie nicht aus der Wohnung hinausgeflogen sind. Oder Stromabschaltungen habe ich verhindert – oft immer alleinstehende Mütter mit Kindern, die auch am Ärgsten von der Not bedroht sind.

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Das klingt auch durchaus etwas politisch…

Ja, ich war immer auch politisch – stimmt.

Aber nicht parteipolitisch. Dafür bin ich auch bekannt. Ich möchte mir immer den Blick für die Menschen bewahren. Sei es seelisch; ich habe auch hier eine Ausbildung gemacht, ich war beim Watzlawick in Amerika. Das heißt, ganz gleich welches Leid, es kann sehr vielfach sein, ich kann nicht allen helfen, aber einigen. Und das ist für mich eine Aufgabe, wo ich im Nachhinein sage, das ist wert.

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Vielen lieben Dank für das Gespräch, alles Gute und noch einen wunderschönen Abend!