Alfons Haider ist eine der wenigen Stimmen in Österreich, die öffentlich über das Thema „Arigona Zogaj“ von einer anderen Sichtweise redet. Er spricht sich sogar für eine Hochzeit mit Arigona Zogaj aus: „Wenn ich wüsste, dass es ihr helfen würde, dann würde ich Arigona auch heiraten. Das wäre dann aber keine Scheinehe, sondern das wäre aus Liebe und aus ganzem Herzen und mit voller Überzeugung. Das würde ich auch wirklich tun“, wird er in der Tageszeitung ÖSTERREICH zitiert.

Ich möchte mehr über die Beweggründe von Alfons Haider erfahren und bedanke mich, dass er die Einladung zu einem kurzen Gespräch angenommen hat.

Am 14. Juni wurde eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof und ein Einspruch gegen den Ausweisungsbescheid der Familie Zogaj abgelehnt. Für die Familie Zogaj gilt, dass sie aus Österreich ausreisen muß.

„Aufgrund ihres ’noch sehr jungen, mit einer hohen Anpassungsfähigkeit verbundenen, Alters‘ sei davon auszugehen, dass ‚der Übergang zu einem Leben im Herkunftsstaat nicht mit unzumutbaren Härten verbunden‘ sei“, zitiert Doris Knecht vom Kurier am 14. Juni 2010 den Beschluss des Verfassungshofs. Ihre ausgezeichneten Deutsch-Kenntnisse und eine stattgefundene Integration wurden in diesem Bericht zwar hervorgehoben, aber „aus Sicht des Schutzes der öffentlichen Ordnung in den Hintergrund gerückt“.

FPÖ, BZÖ sprechen von „Asylmissbrauch“ –
Die Grünen fordern „Humanitäres Bleiberecht für Arigona Zogaj und ihre Familie„. Bei ihrer Petition an den Bundeskanzler und Bundespräsidenten kann jede(r) unterschreiben, der dauerhaften Aufenthalt für die Familie Zogaj in Österreich fordert.

2008 und zwei Jahre später

„Ja, da bin ich dafür“, sprach sich im Juli 2008 der damalige Verkehrsminister Werner Faymann für ein Bleiberecht Arigona Zogaj’s – die Politik habe viel zu lange gebraucht, um die entsprechenden Verfahren zu verkürzen.

SPÖ-Politiker hoffen zwei Jahren danach, dass „die Kosovarin wieder zurück darf“ – am Bescheid hat sich nichts geändert und von Unterstützungserklärungen regierender Parteien ist nichts mehr zu hören. Zwei Jahre, in denen (rechte) Politik und Meinungsbildung auf Kosten Arigona Zogaj’s gemacht werden konnte. Auf der anderen Seite wurden neue Ideen, Chancen und vorallem Aufklärung – vorallem gegenüber der eigenen Bevölkerung -, um sich hier positiv, weltoffen und modern  zu zeigen nicht generiert. Nachhaltige Ideen, die ein sich öffnendes, kulturreiches und immer größer werdendes Europa braucht.

Dieser endgültige Bescheid, die Argumente und harten Aussagen, bestätigt meiner Ansicht die vielen paraphrasierenden ÖsterreicherInnen, die mit Slogans freiheitlich denkender Parteien sympatisieren. Damit wird diese Art der Politik bestätigt – WählerInnen fühlen sich nicht enttäuscht:  Das gibt Platz für jede Menge (neuer) Wahlplakate und Themen, die WählerInnen nicht aufklären, sondern noch mehr polarisieren, aufhetzten und Menschlichkeit wenig Fläche bietet.

Alfons Haider

Alfons Haider ist eine der wenigen Stimmen in Österreich, die öffentlich über das Thema von einer anderen Sichtweise redet. Er spricht sich sogar für eine Hochzeit mit Arigona Zogaj aus: „Wenn ich wüsste, dass es ihr helfen würde, dann würde ich Arigona auch heiraten. Das wäre dann aber keine Scheinehe, sondern das wäre aus Liebe und aus ganzem Herzen und mit voller Überzeugung. Das würde ich auch wirklich tun“, wird er in der Tageszeitung ÖSTERREICH zitiert.

Ich möchte mehr über die Beweggründe von Alfons Haider erfahren und bedanke mich, dass er die Einladung zu einem kurzen Gespräch angenommen hat.

Herr Alfons Haider, sie wollen Arigona Zogaj heiraten, damit sie weiterhin in Österreich bleiben kann. Was ist ihre Grundintention dahinter?

Alfons Haider: Das Schicksal der Familie Zogaj erschüttert mich. Als ich Arigona Zogaj vor drei Jahren privat kennengelernt habe, war mir klar, dass hier geholfen werden muß. Mein Verständnis von Demokratie, Sozialdemokratie und Freiheit ist, dass ein Jugendlicher, der – ohne selbst entschieden haben zu dürfen – hier aufwächst, hier die Sprache erlernt und mit ihren/seinen Geschwistern zum Österreicher/zur Österreicherin wird, nicht so einfach abgeschoben werden kann. Hier muß es meiner Meinunung nach Möglichkeiten geben, auch wenn Politiker sagen, es wäre ein Willkürakt.

Es geht hier um 3.500 Menschen, die ein ähnliches Schicksal haben wie Arigona Zogaj. Diese Menschen leben hier, beherrschen die Sprache und sind zum Teil schon fast Österreicher. Also, warum kann man für diese Menschen keine Ausnahme machen? Vorallem für jene, die schon seit 7, 8, 9 oder 10 Jahren auf einen Bescheid warten.

Die Politik versteckt sich nun hinter dem Höchstgericht und sagt „so ist es, Recht muß Recht bleiben„. Das muß ich als Demokrat anerkennen.

Allerdings frage ich mich: Was ist mit den Ortstafeln in Kärnten? Da gibt es auch einen Höchstbeschluß und es wird auch nicht durchgeführt.

Danke für die Frage von fatmike182: http://twitter.com/fatmike182/status/16466246197

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Wie kann diese Ausnahme ihrer Meinung nach aussehen?

Arigona Zogaj – und das sagen auch die Menschenrechtsorganisationen – hätte humanitäres Recht bekommen können. Weiters, dass Arigona eine deutliche Zusicherung bekommen würde, wenn sie legal versucht einzureisen: Dass sie das eben tun könnte.

Wir befinden uns derzeit im Wahlkampf: Was immer man jetzt im Wahlkampf für oder gegen Arigona macht, wird politisch vom politischen Gegner benutzt.

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Was ist mit all den anderen Menschen und Kindern, die täglich abgeschoben werden? Was kann man verändern?

Österreich nimmt sehr viele Asylanten und Flüchtlinge auf – nicht alle werden ausgewiesen. Letztes Jahr haben 1.400 Menschen diese Ausnahmen und Hilfe erfahren. Arigona Zogaj und ihre Familie sind einfach die Spitze eines Problems, das damit ein Gesicht bekommen hat. Gleichzeitig ist es auch Pech und sie zahlt damit die Rechnung für all die anderen Fälle.

Man kann in der Politik vieles Verändern: Jedes Gesetz kann man nach oben und unten nachjustieren. Die Politik verändert auch sehr viel, wenn sie Vorteile für sich selbst und für die Bevölkerung erkennt.

Dramatisch ist für mich die neue Brutalität von einem Teil der Bevölkerung, die den Kampagnen gegen Arigona Zogaj erlegen sind und nun sagen, sie soll das Land verlassen. Das ist das, was mir weh tut.

Danke für die Frage von windprincesshttp://twitter.com/windprincess/status/16457121386

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Was würden Sie an ihrer Stelle tun? Was raten sie Arigona Zogaj zum jetzigen Augenblick?

Ich würde ihr dringend empfehlen, dass sie freiwillig ausreist. Weiters, dass sie auf legalem Weg wieder einreist. Jede Art des Widerstandes gegen den Rechtsstaat wäre hier sinnlos und kontraproduktiv.

Danke für die Frage von mahlo: http://twitter.com/mahlo/status/16458455169

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Es ist schön, wenn sich Menschen einsetzen. Oft gibt es massive Kritik aus Medien und Bevölkerung…

…es ist meine persönliche Überzeugung.

Ich bin ein Mensch, ich habe eine politische Meinung – habe auch eine politische Ausbildung. Als Moderator und Unterhalter gibt es viele, die sagen, ein Moderator hat keine politische und keine gesellschaftspolitische Meinung zu haben. Das sehe ich anders.

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Sind sie politisch aktiv und wie ist ihre Einstellung?

Ich bin weder Mitglied einer politischen Partei oder Fraktion. Ich bin ein erklärter Feind alles Reaktionärem und Rechtem. Ich sehe mich als einen liberalen sozialdemokratisch denkenden Österreicher.

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Ich wünsche mir, dass wir mehr Politiker wie Franz Voves hätten, die auch während des Wahlkampfes sagen: „Das, das man Arigona Zogaj antut, ist das inhumanste und menschenunwürdigste, was der Rechtsstaat seit langem ausführt“.

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