Es gibt einige Phrasen, die sagt man schon so lange über die Grazer SPÖ, dass sich nicht mehr sicher eruieren lässt, ob zuerst die Phrase, oder der tatsächliche Zustand da waren. Dazu gehört „Die Grazer SPÖ befindet sich in einer Krise“ genauso wie „Das Verhältnis zur Landespartei ist schwierig, man will sich nichts dreinreden lassen“ und „Der Grazer SPÖ fehlt es vor allem an Einigkeit und Solidarität“. Das alles stimmt und könnte Franz Voves den Landeshauptmannsessel kosten.

3 Monate vor der Landtagswahl kandidiert die Grazer Sozialstadträtin Elke Edlinger gegen den amtierenden Parteivorsitzenden Kulturstadtrat Wolfgang Riedler. Sie begründet dies damit, dass unter Riedler, der die Ruinen einer Stadtpartei vor 2 Jahren nach dem Debakel bei der Gemeinderatswahl übernommen hatte, zu wenig geschehe und die Partei nicht rasch genug Tritt fasse. Die Vermittlungsversuche der Landespartei vor und nach dem Bekanntwerden von Edlingers Entscheidung waren so vorsichtig wie sie ergebnislos waren. Da der Parteivorstand durch die Entscheidung praktisch in der Mitte gespalten wurde, forcieren einige eine dritte Kandidaten (Landesräting Bettina Vollath), was jedoch kaum Chancen auf eine Realisierung hat.

Ebenso unwahrscheinlich ist eine Aussprache und Einigung zwischen Riedler und Edlinger, auf die noch immer manche hoffen. Bei der Grazer Konferenz wird es wohl das von vielen befürchtete knappe Ergebnis geben, was die Spaltung der Partei wohl zementieren dürfte. Dass Riedler oder Edlinger mit knapp über 50 % Zustimmung neuen Schwung aufnehmen können, glaubt niemand. Dabei waren der Zustand der Grazer SPÖ und ihr Standing in der Landespartei schon zuvor alles andere als gut. Voves hat schon vor einiger Zeit begonnen, sich auf Graz zu konzentrieren, da die Stadtpartei finanziell, inhaltlich und personell am Boden liegt.

Obwohl viele der Diagnose von Edlinger zustimmen, ist selbst unter den BefürworterInnen ihrer Kandidatur die Verwunderung über den Zeitpunkt groß. War doch absehbar, dass die Medien auf den Zug aufspringen würden, und bis Mitte Juni die Krise der „Grazer Sozialen“, wie sich die Partei seit einiger Zeit nennt, Dauerthema sein wird. Insbesondere die auflagenstärkste Zeitung des Landes, die „Kleine Zeitung“, die in der Regel ausgezeichnet (und deutlich besser als die Mitglieder) über Interna der steirischen SPÖ informiert ist, und die „Krone“, die ganz offen in Konfliktzustand mit Franz Voves steht, berichten fast täglich.

Als wäre das nicht genug, muss sich die Grazer SPÖ auch mit der SPÖ Graz-Umgebung plagen. Letztere möchte mit den Traditionen bei der Erstellung der Regionalkreisliste für die Landtagswahl brechen, und beansprucht mehr Plätze an wählbarer Stelle, als sie bisher hatte. So droht für die „Grazer Sozialen“ eine zweite Kampfabstimmung innerhalb kurzer Zeit, und diese könnten sie, wenn sich die Uneinigkeit wie befürchtet auf den Mobilisierungsgrad auswirkt verlieren, obwohl sie knapp mehr Delegierte stellt als Graz-Umgebung.

Selbst ohne die von ÖVP und Grünen massiv ausgeschlachteten Themen „Koralmtunnel“ und „Therme Fohnsdorf“ hat die steirische SPÖ mit genug Problemen zu kämpfen. Auch die Listenerstellung im Wahlkreis Obersteiermark hat nicht reibungslos funktioniert. Wenn Franz Voves so stark ist, wie die SPÖ ihn bewerben wird, muss er den internen Streitereien besser gestern als heute ein Ende setzten, will er auch nur die Chance auf Platz 1 wahren.

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Jahrgang 1986, lebt in Graz, bloggt und twittert politisch und schreibt auch sonst gerne.