Oft lohnt es sich nicht besonders, von österreichischen Politikern geschriebene Sachbücher einer näheren Analyse zu unterziehen. Bei „MenschInnen“ von Barbara Rosenkranz ist das anders – neuwal hat das Buch für seine Leser unter die Lupe genommen.

„Gender Mainstreaming – auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen“ lautet der Untertitel des mit großer Überzeugung, aber etwas holprig geschriebenen Werks, in dem die Autorin der „durchgängige Gleichstellungsorientierung“ den Kampf ansagt.

Barbara Rosenkranz - MenschInnen
Barbara Rosenkranz - MenschInnen | (C) Ares Verlag

Interessant sind nicht die bekanntermaßen gescheiterten Umpolungsexperimente, die man mit (teils mit Kindern) durchgeführt hat, um das Geschlecht als rein gesellschaftliche Prägung zu „entlarven“, sondern die die vermeintlich „Schuldigen“ und deren „geheime Agenda“.

Barbara Rosenkranz behauptet in „MenschInnen“ nicht weniger, als dass die EU von der „Gender Mafia“ (meine zuspitzende Bezeichnung) unterwandert worden wäre, die das Teufelswerk von Marxisten, Bolschewiken und Feministinnen zu Ende führen möchten. Der Plan – so Rosenkranz – sei die völlige Auslöschung des biologischen Geschlechts, ausgetüftelt im geheimen, gegen den Willen der Menschen perfide in die Tat umgesetzt – natürlich „in Brüssel“, wo sonst.

Im Visier hat sie dabei neben radikalen Feministinnen auch selbstsüchtige homosexuelle Paare, Wahl-Singles, mütterlose Frauen und hemmungslos berufstätigen Karrieremenschen. Dem gegenüber stellt sie die unverdorbene „einfache Landbevölkerung“, die die ihr aufgezwungene Abwendung von Kindern und Hinwendung zum Beruf aus tiefstem Herzen ablehnt.
Natürlich lässt sich über Gender Mainstreaming, exponierte Vertreter des Feminismus, die Queer-Bewegung und wohl auch über die Gleichstellungs- und Gleichberechtigungsprogramme der Europäischen Union und der einzelnen Mitgliedsstaaten viel kontroverser, teilweise auch absurder Gesprächsstoff finden – und darauf zielt Frau Rosenkranz ab.

Das Kernproblem des Buches bleibt aber die retro-konservative Einstellung der Autorin, die sie auch als Politikerin prägt. Mit den Mitteln der 50er-Jahre möchte sie sämtliche Phänomene und gesellschaftlichen Veränderungen ignorieren. Motiviert wird sie dabei auch durch panische Angst vor Zuwanderern, die uns zahlenmäßig eines Tages „überholen“ könnten. Denn – auch das macht Rosenkranz dankenswerterweise eindeutig klar – „fremde“ Kinder zählen für sie nicht, nur guter österreichischer Nachwuchs wird Land und Leute in eine für sie offenbar wünschenswerte abgeschottete, rückwärtsgewandte, männerdominierte und ungerechte Zukunft führen…

Dennoch – oder gerade deswegen die Lesempfehlung. Nur so kann man sich seine Meinung bilden, wo die Präsidentschaftsbewerberin und NÖ Landesrätin zum bedeutenden Themenkreis Familie sowie der Rolle der Frau in der modernen Gesellschaft steht.

Barbara Rosenkranz
„MenschInnen. Gender Mainstreaming – auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen“
Ares Verlag
ISBN 978-3-902475-53-4
168 Seiten
EUR 19,90