Es war nicht ganz einfach, ein Interview mit der FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz zu bekommen – ihre Mitarbeiter waren aber sehr bemüht, mir weiterzuhelfen. In einer kurzen Pause bei der abschließenden Bundesländer-Wahlkampftour war es dann so weit.

Das Gespräch fand aus Termingründen telefonisch statt, die Fragen wurden vorher mit dem Pressereferenten, Herrn Höferl, abgestimmt. Die Gesprächsatmosphäre war absolut in Ordnung, allerdings wirkte Frau Rosenkranz etwas nervös. Die etwas einstudiert wirkenden Antworten wurden offensichtlich akribisch vorbereitet und sind teilweise sehr vorsichtig formuliert.

Ein freieres Gespräch wurde nicht gewünscht, bei der ersten kleinen Abweichung, die sich aus dem Gesprächskontext der Antwort ergeben hatte, flüsterte der Pressereferent „das sind nicht die Fragen“ und Rosenkranz bat mit Nachdruck um die „Einhaltung unserer Vereinbarung“.

„Ich verfolge keine ausgeklügelten Strategien, sondern bleibe einfach so, wie ich bin: authentisch“

Stefan Egger (neuwal): Frau Rosenkranz, was ist Ihre Motivation, was treibt Ihre Kandidatur an?

Barbara Rosenkranz: Ich bin natürlich motiviert vom Wunsch nach Veränderung. Im Gegensatz zum amtierenden Präsidenten möchte ich dieses Amt aktiv ausfüllen, und insbesondere allen jenen eine Stimme geben, die in der österreichischen Politik kaum Gehör finden. Ich denke, dass man ein aktives Amtsverständnis finden muss.

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Mit welchen Strategien möchten Sie jene Bevölkerungsteile für sich gewinnen, die Sie nicht wählen / Ihnen kritisch gegenüberstehen?

Ich sehe jetzt in der Wahlauseinandersetzung, dass sehr viele Wähler, die nicht unbedingt Anhänger der FPÖ sind, meine Sicht in Bezug auf einen Anwalt, eine Anwältin der Bevölkerung teilen. Kritisch eingestellten Menschen versuche ich, meine Ideen auf die gleiche Weise darzubringen, wie auch jenen, die mir offen Zustimmung zeigen. Ich verfolge daher keine ausgeklügelten Strategien, sondern bleibe einfach so, wie ich bin: authentisch.

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„Kritik und Anfeindungen […] muss man als Politiker ertragen.“

Gab es Situationen im Wahlkampf, die Ihnen Angst gemacht haben oder die Ihnen unangenehm waren? Ich denke da etwa an den Wahlkampfauftakt?

Als meine Kinder von der Kampagne gegen mich betroffen waren, war das für mich natürlich eine sehr unangenehme Situation als Mutter und ich musste darauf achten, dass es für die Kinder nicht zu einer zu großen Belastung wird. Mit der Kritik und den Anfeindungen mir gegenüber kann ich umgehen, das sind Begleiterscheinungen des Wahlkampfs, unerfreuliche zwar, die man als Politiker zu ertragen hat.

Aber es ärgert mich natürlich, wenn die Parteijugend eines Mitbewerbers mit undemokratischen Mitteln versucht, Gespräche zwischen interessierten Bürgern und mir zu verhindern, wie das z.B. in Dornbirn geschehen ist. Angst macht mir das nicht, aber ich bringe dem natürlich keinerlei Verständnis entgegen.

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„Etliche Journalisten haben nicht wirklich Interesse an einem fairen Interview“

Wie sehen Sie den Umgang der Medien mit Ihrer Person – fühlen Sie sich fair behandelt?

Ich bemerke natürlich schon bei etlichen Journalisten, dass sie nicht wirklich ein Interesse an einem fairen Interview haben, andere halten das anders.

Aber was ich zudem sehe, ist, dass die Bürgerinnen und Bürger immer mehr und mehr auch hier Taktiken durchschauen und erkennen, dass die Diskrepanz zwischen der Inszenierung und der Wirklichkeit sehr sehr groß ist. Ich sehe und höre, wenn ich mit ihnen spreche, dass Bürgerinnen und Bürger sich tatsächlich, vor allem auch gilt das, wenn man dann die Möglichkeit hat, direkt und ungeschnitten und live im Fernsehen aufzutreten, ihre eigene Meinung über die Dinge bilden.

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„[Es gibt eine] zunehmende Kluft zwischen politischer Klasse und Bevölkerung“

Wenn Sie eine Woche lang Österreich genau so gestalten könnten, wie Sie es wollen – was würden Sie ändern bzw. forcieren?

Ich halte die zunehmende Kluft zwischen der politischen Klasse und der Bevölkerung für eines der größten Probleme. Ich würde daher die knapp bemessene Zeit dafür nutzen, den Dialog zwischen Bürgern und Politikern zu fördern. Wenn speziell jeder Regierungspolitiker eine Woche lang den Menschen zuhören müsste und Rede und Antwort stehen müsste, dann würde das ganz bestimmt für die Zukunft des Landes und für die Lösung der Probleme eine sehr gute Sache sein.

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In welcher Form können Sie sich vorstellen, besser über die österreichische Geschichte aufzuklären, zur Aufklärung beizutragen?

Also grundsätzlich stelle ich fest, dass wir in Österreich an den Universitäten eine sehr große Anzahl an sehr renommierten Historikern haben, die ihre Arbeit ausgezeichnet erledigen. Ich bin sehr froh, dass z.B. Lothar Höbelt in meinem Personenkomitee ist, der ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet ist. Aber zudem kann natürlich ein Bundespräsident immer wieder den Anstoß dazu geben, dass die Geschichte des eigenen Landes besser verarbeitet und verstanden wird.

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Das heißt, Sie würden hier auch persönlich einen Beitrag leisten wollen?

Ich denke, dass die Wissenschaftler, die in Österreich daran arbeiten, hervorragende Arbeit machen, und dass es darum geht, diese Erkenntnisse, die sie in ihren Studien nach wissenschaftlichen Arbeitsmethoden auf den Tisch legen, dass man die verbreitet, das wäre wohl der geeignete Weg.

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„Familie als Keimzelle jeder Gesellschaft“

Was wäre der größte Wunsch, den Sie sich als Bundespräsidentin erfüllen würden?

Das Amt ist nicht ein persönliches Wünsch-dir-was, aber für die Zukunft unseres Landes und das gute Gedeihen unserer Gesellschaft halte ich es für das allerwichtigste, dass die Familie als Keimzelle jeder Gesellschaft endlich die Achtung und die Förderung bekommt, die ihr gebührt – das wäre ganz wunderbar.

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„Ich würde stärker Stellung beziehen“

Sie haben oft Heinz Fischers Passivität kritisch hinterfragt – würden Sie als Amtsträgerin klarere, schärfere Worte finden? Z.B. zum Thema Ortstafeln oder Asyl, bei denen Herr Fischer sich stark zurückhält?

Ich würde stärker Stellung beziehen, ohne natürlich unmittelbar in die Tagespolitik einzugreifen, und selbstverständlich auch nicht dem Parlament oder den Gerichten vorgreifen. Insbesondere in der Asylpolitik muss der ursprüngliche Schutzgedanke wieder stärker hervorgehoben werden. Und zum Thema Ortstafeln: Eine Sache ist ganz klar, da muss die Meinung der Kärntner Einwohner ganz stark berücksichtigt werden, ohne die Kärntner Bevölkerung kann es keine zukunftstaugliche Lösung geben.

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„Die derzeitigen Entwicklungen […] können nicht im Sinne einer solchen Gemeinschaft sein“

Wie stehen Sie zur EU – in der derzeitigen Situation? Gibt es für Sie Alternativen? Was halten Sie vom Beitritt der Türkei und der Balkan-Staaten?

Die ursprüngliche EG basierte auf den Motiven des Friedens in Europa, das ist selbstverständlich eine ganz wichtige Grundidee, und daran ist festzuhalten. Die derzeitigen Entwicklungen aber, die griechische Finanzkatastrophe oder die überbordende Kriminalität durch die offenen Schengen-Grenzen können ja doch nicht im Sinne einer solchen Gemeinschaft sein. Ich denke, dass es notwendig ist, dass man sich auf das ursprüngliche Europa der Vaterländer, so wie es Charles de Gaulles gesagt hat, wieder zurückbesinnt.

In diesem Zusammenhang ist es natürlich auch ganz klar, dass eine planlose Erweiterung nicht zielführend sein kann. Die EU verkraftet schon derzeit keine weiteren Wackelkandidaten, was zum Beispiel das Währungssystem betrifft. Die Türkei sollte sicher an Europa angebunden werden, eine direkte Mitgliedschaft aber ist nicht anzustreben.

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„EU verkraftet keine weiteren Wackelkandidaten – EU durch Reformen auf den richtigen Weg bringen“

Aber prinzipiell sind Sie für den Verbleib in der EU, Erweiterungen sind geplant und strukturiert möglich?

Grundsätzlich bin ich dafür, immer wieder durch Reformen zu versuchen, die EU auf einen richtigen Weg zu bringen. Erweiterungen zum jetzigen Zeitpunkt, das ist ja nicht nur meine Meinung, sondern das sagen ja auch viele Politiker, die unmittelbar auf der EU-Ebene handeln, daran kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gedacht werden.

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„Nicht sinnvoll, Vorrechte der Ehe auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften auszuweiten“

Mit-Kandidat Gehring, vertritt die christlichen Werte und sieht eine Ehe unter Gleichgeschlechtlichen nicht im Sinne der Bibel. Wie sehen sie das?

Es ist selbstverständlich die ganz persönliche Entscheidung jedes Manns und jeder Frau, wie und mit wem sie zusammenleben möchten. Der Grund, warum die Ehe staatlich gefördert wird, beruht einzig und allein auf der Tatsache, dass nur aus dem Zusammenleben von Mann und Frau Kinder erwachsen können. Bei gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ist das natürlich nicht möglich. Daher halte ich es nicht für sinnvoll, die Vorrechte der Ehe auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften auszuweiten.

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„Ich möchte das beste Ergebnis nach Hause bringen. Ich bin überzeugt, dass das realistisch ist“

Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein – was wäre ein persönlicher Erfolg, was ein Misserfolg für Sie?

Ich habe meine Zielvorstellung immer ganz klar formuliert, ich möchte das beste Ergebnis nach Hause bringen, das ein BP-Kandidat der FPÖ jemals nach Hause gebracht hat, das heißt ich möchte die 17%-Marke von Dr. Willfried Gredler aus 1980 überspringen.

Was wäre ein Misserfolg?

Ich bin überzeugt, dass das ein realistisches Ziel ist.

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Wir kommen zu den ausgewählten Leserfragen: Würden als Bundespräsidentin nach Israel reisen und falls ja, welche Themen würden sie dort debattieren?

Selbstverständlich würde ich einer Einladung nach Israel gerne folgen, die Themen werden ja in aller Regel vom Gastgeber vorgeschlagen, aber natürlich sind die jeweils aktuellen politischen Ereignisse in Israel und im Nahen Osten Gegenstand von Gesprächen, wie auch das österreichisch-Israelische Verhältnis. Die Themenpalette ist hier sicher sehr weit.

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„Zu Hause gibt es oft sehr lebhafte Diskussionen“

Wird bei Ihnen zu Hause innerhalb der Familie viel über Politik gesprochen?

Es wird natürlich über Politik gesprochen, wobei das oft sehr lebhafte Diskussionen sind. Auch in der größeren Runde – es sind ja auch erwachsene Kinder.

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Stellen Sie sich vor, Sie müssten aus unabdingbaren Gründen aus Österreich auswandern – in welches Land würden Sie sich begeben wollen?

Ehrlich gesagt habe ich mir über eine solche Frage noch keine Gedanken gemacht und ich kann mir auch keinen Grund vorstellen, warum ich das einmal tun müsste. Allerdings, in einer realistischen Situation, wenn Menschen aus ihrem Heimatland vertrieben werden, dann haben sie auch nicht die völlige freie Wahl, in welches andere Land sie gehen.

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Vielen Dank für das Interview.