Nachdem ich mich auf die Suche nach aufsehenerregenden Nachrichten zum Bundespräsidentschaftswahlkampf umschaute, und schließlich unglücklicherweise aufgeben musste, stolperte ich über den Wahlkampf der Briten. Und der hat ja wirklich nun mal genug Überraschungen zu liefern.

Die seit 13 Jahren regierende Labour-Partei rund um Gordon Brown wird wohl stark verlieren, die Conservative-Partei unter Vorsitz von David Cameron wird dazugewinnen können. Aber was für mich doch etwas überraschend ist: Es gibt, neben den beiden Parteien, eine weitere politische Gruppierung, die kräftig mitmischt.

Okay, zugegeben: Sehr viel habe ich mich mit dem politischen System Großbritanniens nicht auseinandergesetzt, bisher. Für mich war das, aus der Ferne betrachtet, sehr vergleichbar mit den USA. Zwei große Parteien, die stets um das Präsidentenamt (oder Premieramt) kämpfen, und viele kleine, kaum gewählte Kleinparteien. Aber die große Überraschung der Briten sind die Liberaldemokraten.

Bei der Wahlkonfrontation im britischen Fernsehen stieg deren Parteichef Nick Clegg überraschend als überragender Sieger aus, bei den aktuellen Umfragen befinden sich die LibDem sogar auf Platz 1. Und das zweieinhalb Wochen vor den Wahlen. Wurden die Liberalen bisher immer als mögliche Steigbügelhalter für eine erneute Amtszeit Gordon Browns agieren, könnte Clegg nun selbst nach dem Premierministeramt greifen.

Das gibt mir natürlich zu denken. Wann gab es so etwas eigentlich das letzte Mal? Dass eine relative Kleinpartei für Aufsehen und große Zugewinne sorgte? Die Grünen haben sich im Laufe der Zeit zu einer 10-15%-Partei gemausert, aber ähnlich rasant schaffte es u.a. die FPÖ 1999, oder auch FPÖ und BZÖ 2008.

Auch die Liberaldemokraten sind nicht neu im politischen Schlachtfeld der Briten. Die 1988 gegründete Partei konnte schon 2005 stark zulegen, blieb aber bisher relativ ruhig. Woran liegt es also?

Womöglich an dem Parteivorsitzenden. Ein charismatischer, relativ junger Mann, der rhetorisch gut ausgebildet ist und den Bewohnern der Insel mit etwas mehr Enthusiasmus zeigt, worum es geht. Wahrscheinlich besser als Cameron und Brown. Und vor allem ihre stetige Ablehnung des Irak-Krieges werden ihr eigenes dazu beigetragen haben.

Wer hätte hier in Österreich eigentlich solche Außenseiterchancen? Man nehme mal die Bundespräsidentenwahl: Rosenkranz und Gehring waren Außenseiter, aber sie sind weder jung, noch für die Massen geschaffen. Da hat es der ruhige, besonnene Fischer eindeutig leichter.

Auf Bundesebene könnten alle Parteien einen Erdrutsch auslösen. Okay, das BZÖ ausgenommen. Aber mit dem richtigen Vorsitzenden, der richtigen Linie, könnte es sowohl die SPÖ, als auch die ÖVP, die Grünen und auch die FPÖ es schaffen, überraschend aufzusteigen. Die jetzige Abwechslung in den Umfragen lässt beinahe darauf schließen, dass die Regierungsparteien gerade beide schlecht sind, mit Vorteil für die ÖVP.

Aber nachdem ich einen große Wandel bei keiner der aktuellen Parteien erwarte, möchte ich nur darauf hinweisen, dass, bei einem wirklich möglichen Ablauf einer Legislaturperiode, in 3 Jahren der Nationalrat neu gewählt wird. Kleine Parteien sollten schon jetzt beginnen, sich zu formieren, sollten Grundsätze bestimmen, Zustimmung sammeln. Womöglich mal ganz ohne Populismus und Kampfansagen. Vielleicht einfach mal nur mit Ehrlichkeit und Rückgrat.

Mit ständigem Beharren könnte man schön langsam auf sich aufmerksam machen und 2013 aus der Versenkung heben. Dass ein kurzfristiges Auftauchen wie die Liste Fritz, Rettet Österreich oder Ähnliches kurz vor der Wahl nicht gewinnbringend ist, sehen wohl die Meisten.

Wenn man wirklich für Überraschungen sorgen möchte, sollte man jetzt beginnen. Ich wollte es nur mal gesagt haben.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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