Heute Abend nahm ich an einer Wahlkampfveranstaltung des amtierenden Bundespräsidenten, Heinz Fischer, in Linz teil. Nahe der Donau, am sogenannten Schlossberg im Festsaal des Schlossmuseums. Okay, für Nicht-Linzer wie mich nicht unbedingt sehr leicht zu finden, und entgegen anderer Wahlkämpfer nicht inmitten zu erwartender Menschenaufläufe. Aber wahrscheinlich wusste man, dass der Saal auch so voll sein würde.

Mit ihm geladen hat Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Ackerl (der Nachfolger des furchtbar erfolglosen Erich Haiders), der auch die Eröffnungsrede hielt. Und wie man es von ihm als Politiker bei solchen Veranstaltungen gewohnt war, konnte er mit viel humorigen Seitenhieben gegen die zwei Gegenkandidaten die wählende Meute unterhalten und begrüßte schließlich nicht nur Herrn Fischer, sondern auch seine Frau Margit, die er als das personifizierte soziale Gewissen Österreichs bezeichnete.

Überhaupt lobte man stets die Aktivitäten von Frau Fischer. Mit ihrem Einsatz gegen Armut im Zuge der Volkshilfe-Aktion „Armut tut weh“ ist sie vielen Menschen ein Begriff und auch Moderator Josef Broukal betonte, wie außergewöhnlich und wichtig Margit Fischer ihre Rolle als „First Lady“ nützt.

Weitere Gäste des Abends waren unter anderem die ÖBB-Stimme Chris Lohner, der Linzer Theaterstar Karl M. Sibelius und schließlich (und natürlich) auch der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch, die im Gespräch mit Broukal erklärten, warum sie Heinz Fischer unterstützen. Vor allem Lohner rückte sich mal wieder gerne ins Rampenlicht und trumpfte mit teilweise lächerlichen Aussagen (á la „Berufspolitiker sind viel besser als Quereinsteiger!“) auf.

Als dann Heinz Fischer selbst die Bühne betritt, habe ich mir eine typische, für einen zur Wiederwahl antretenden Kandidaten, ruhige Rede erwartet. Klar, er erklärte hier genau, was denn nun diese Werte sind. Soziale Gerechtigkeit … ein Schlagwort, dass durch die Bundespolitik leider schon viel zu sehr leiden musste. Und daneben beschäftigte er sich auch noch mit dem Thema Wirtschaft: Er stehe für eine soziale Marktwirtschaft. Und im Gegensatz zu den anderen Kandidaten würde er auch weiter Österreich im Ausland gut vertreten.

Ja, vor allem das hat mich sehr überrascht: Heinz Fischer griff seine Konkurrenten an. Nicht mit niveaulosen Untergriffe, sondern mit ausführlichen Erklärungen, warum die beiden nicht für das Amt des Bundespräsidenten passen. Das gefiel natürlich dem Publikum, seiner Wählerschaft.

Immer wieder wachelte man mit den kleinen Papierfähnchen, hie und  da sprang ein hyperaktiver Pensionist auf und versuchte mit seiner Mittelmaß-Digicam ein gutes Bild vom Präsidenten samt Ehefrau zu erhaschen. Es war eine durch und durch inszenierte Veranstaltung. Man könnte ja beinahe sagen: Hier hat jemand Erfahrung. Die Musik stimmte, die Videos wurden perfekt eingespielt, der erste Auftritt wurde zu einem Fähnchenmeer inklusive Standing Ovations.

Und wer immer noch sagt, dass solche Wahlveranstaltungen vor allem Pensionisten anlocke, der irrt ja nicht ganz. Viele, sehr viele Leute dort waren drei Mal so alt wie ich (also in Pensionsalter), aber überraschenderweise fanden sich hier auch überraschend viele junge Wähler ein.

Dass es das aber nicht sein kann, ist hoffentlich auch den Wahlhelfern und Unterstützern von Heinz Fischer klar. Denn bei so einer Veranstaltung genießt man den Applaus genau jener Menschen, die ihn sowieso wählen würden. Viel wichtiger ist es, die Jungen, Unentschlossenen oder überzeugten Nichtwähler zu erreichen. Das dachte ich mir irgendwie den ganzen Abend.

Mal sehen, wie Heinz Fischer bei der ATV-Show „Meine Wahl“ am Sonntag die Nichtwähler zu überzeugen versucht. neuwal wird auch dann live vor Ort sein.

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freier Journalist (dominikleitner.com) • Autor (Neon|Wilderness) • Lokaljournalist (MFG-Magazin) • CD-Kritiker (subtext.at • Journalismus-Student an der FHWien

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