Der amtierende Bundespräsident hat nun seine Erwartung zur kommenden Wahl geäußert. Während Gegenkandidat Gehring es für realistisch hält, dass er mit seinem Ergebnis eine Stichwahl erzwingen könne, und sich die FPÖ uneinig ist, ob die von Heinz-Christian Strache gewünschten 35 Prozent für Barbara Rosenkranz möglich sind, meinte Heinz Fischer, dass er sich eine „sehr eindeutige Mehrheit“ erhoffe.

Das beste Wahlergebnis bei einer Bundespräsidentenwahl aller Zeiten schaffte Rudolf Kirchschläger (SPÖ) bei seiner zweiten Kandidatur 1980 mit 79,9 Prozent der Wählerstimmen. Sein damaliger Gegner war der FP-Kandidat Willfried Gredler. Die FPÖ von heute sei mit der FPÖ von damals nicht vergleichbar, betonte Fischer: damals war sie eine 5%-Partei, heute wäre sie irgendwo zwischen 15% und 18%, als ungleich stärker. Für Rudolf Gehring erschätzt Heinz Fischer im Ö1-„Journal Panorama“ „zwei, drei, vier Prozent“, wie Die Presse berichtet.

Für den Standard hat Tatjana Lackner, Politiker-Profilerin und Direktorin der Schule des Sprechens die bisher im ORF aufgetretenen Bundespräsidentschaftskandidaten, Rudolf Gehring und Barbara Rosenkranz, auf ihre Rhetorik analysiert.

Zu Frau Rosenkranz verliert sie kaum ein gutes Wort: Ihr fehle Souveränität, aber ihr gelinge – als langjährige Politikern – schwierige Fragen zu ihrem Vorteil umzudrehen. Besonders kritisierte Frau Lackner die vagen Aussagen:

Viele der Rosenkranz-Sätze sind voll mit diesen unkonkreten Platzhaltern wie beim Thema kirchlicher Kindesmissbrauch: „Es ist ganz sicher wichtig, dass man diese Verbrechen ganz besonders brandmarkt.“

Mindestens vier Fragen ergeben sich allein aus einen FPÖ-Stehsatz wie diesem: 1. Wer oder was ist „es“? 2. In Bezug worauf ist was „ganz sicher wichtig“? 3. Wer ist „man“? und 4. Wie sieht eine Verbrechens-Brandmarkung à la Rosenkranz im gelebten Strafvollzug genau aus? All das blieb ungelöst. (via: Der Standard)

Auch Rudolf Gehring wird in hohem Maße kritisiert: Er genieße zwar die nationale Aufmerksamkeit, konnte sich aber scheinbar nicht genug vorbereiten. Bei näherem Hinhören wirken manche seiner Antworten grotesk, und darüber hinaus stolpert er auch gerne noch über Suggestivfragen.

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