Wie es die FPÖ schafft, mit den fragwürdigsten Themen und der dadurch entstandenen Medienaufmerksamkeit von den eigentlich wichtigen Themen abzulenken. Wie zum Beispiel die Bundespräsidentenwahl.

Sie machten es schon immer so, und keine andere Partei hat je eine solche Perfektion damit erreicht. Man erinnere sich an die Freiheitlichen in Kärnten, ehemals auch Zukunftsbündnis genannt, welche in den Sumpf des Hypo Alpe Adria-Skandals zurecht zu versinken drohte. Durch die Gründung der FPK schaffte es die Bundes-FP die Aufmerksamkeit von den skandalösen Flecken Kärntens abzuwenden. Erfolgreich, könnte man sagen.

Die  nächste Geschichte begann mit der Nominierung von Barbara Rosenkranz zur Bundespräsidentschaftskandidatin. Mit ihren Sagern zu Gaskammern und Verbotsgesetz wurde sie zwar, laut eigener Aussage, immer und immer wieder falsch verstanden, aber die Gefahr der politischen Braunfärbung des Bundespräsidentenamtes hat die FPÖ und ihre Kandidatin immer noch nicht beseitigen können.

Was sie aber zu den weiteren Vorfällen brachte: Mit dem aufgebauschten Skandal rund um die „Am Schauplatz“-Reportage „Am rechten Rand“ schufen sie den wiedererstarkten Opfermodus. Die FPÖ, allein gelassen in der Opposition, angegriffen vom öffentlich-rechtlichen Staatsfunk. Ein Skandal, der personelle Konsequenzen fordere, und ein für alle Mal zeigen soll, dass die FPÖ eine gute Partei ist, die nur stets von Gutmenschen und Linksextremen untergraben werden möchte.

Das neueste Ding ist das Video „Fuck Na C. Strache“ von dem jungen, österreichischen Rapper BigDnC. Also, das Video ist nicht wirklich neu, seit 2 Jahren geistert es schon auf YouTube herum. Und auch ÖSTERREICH war nicht das erste Medium, dass über dieses Video berichtete; der FALTER hievte es in seiner Ausgabe 03/2010 sogar auf die Titelseite.

Doch nun sieht man darin einen neuen Skandal: weil das Video auf einem privaten Blog eines SP-Mitarbeiters eingebettet war, fordert FP-Generalsekretär Kickl eine Entschuldigung (und personelle Konsequenzen) der SP-Spitze und neuerdings sogar von Bundespräsident Heinz Fischer. Gegen den nun 15jährigen Rapper (das Video machte er mit 13) wolle man mit allen möglichen Mitteln vorgehen. Dieser damals 13jährige linke Gut-Rapper (ich liebe die Wortkreationen der FP) bedrohe das Leben von Heinz-Christian Strache.

Welches Ziel die FPÖ verfolgt? Ich weiß es nicht. Gehen sie denn wirklich so blind vor, dass es ihnen ganz einfach egal ist, was über sie berichtet wird. Hauptsache in den Medien. Die „Am Schauplatz“-Reportage genoss am ungewohnt hohe Zuseherzahlen, das BigDnC-Video, hatte bis vor kurzem (nach 2 Jahren) 13.000 Zuseher, jetzt zählt man mehr als 35.000. Oder will man einfach von fehlenden Themen und Lösungen ablenken?

Und wie reagieren die anderen Parteien? Die SPÖ versucht sich stets holprig zu verteidigen, die Grünen beschäftigen sich mit der Polizei, die von den „Am-Schauplatz“-Neonazis eine Falschaussage erzwungen haben soll. Nur die ÖVP. Die stellt sich selbst bei den fragwürdigsten Themen auf die Seite der FPÖ. Einerseits um einen Grund zu finden, die ORF-Reform noch einmal zu diskutieren. Andererseits versucht man jetzt in verdammt ähnlichem Wortlaut der SPÖ Beteiligung an dem BigDnC-Video zu unterstellen. Warum die Volkspartei so dumm agiert? Warum stört man durch solch dumme Unterstellungen das sonst so hochgelobte Koalitionsklima?