Barbara Rosenkranz 2008 in St. Pölten. (CC) Christian Jansky
Barbara Rosenkranz 2008 in St. Pölten. (CC) Christian Jansky

Im Ernst: Ich bin der Präsidentschaftskandidatin des rechten Lagers, stramm freiheitlich, zehnfache Mutter, klares nationalistisches Bekenntnis – extrem dankbar.

Während sich ganz Österreich über ihr Antreten echauffiert, bin ich heilfroh, dass eben KEINE konsensfähige bürgerliche Kandidatin nominiert wurde.

Doch warum ist ihre Kandidatur in Wahrheit ein Segen für Österreich?
1. Rosenkranz wird die Wahl verlieren, das erwarten nicht nur die pessimistischsten ihrer Kritiker, sondern sogar ihre glühenden Befürworter. Man stelle sich vor, ein gemäßigter Anwärter mit populistischem Talent und Chancen auf eine Stichwahl hätte sich gefunden – ich sehe schon die europaweiten Schlagzeilen vor mir. Waldheim, schau obe!
2. Fast die vollständige politische, geistige und kirchliche Elite des Landes sah sich gezwungen oder hatte das innere Bedürfnis, sich von Person und Gesinnung zu distanzieren. Ich kann mich – selbst in der jüngsten Vergangenheit, an deutlich schlimmere (Nicht-)Reaktionen erinnern.
3. Sie wird dem dritten Lager letztendlich schaden. Entgegen der landläufigen Meinung, das Nichtnominieren von Kandidaten (für die ÖVP und Grüne über die Maßen gescholten werden) und das vorübergehende Einbüßen einiger Umfragenprozente mangels medialer Präsenz, profitieren Parteien selten bis gar nicht von Kandidaten – außer, sie gewinnen grandios oder überraschend.

Natürlich hätte es eine verheerende Signalwirkung, wenn Österreichs höchstes Amt im Staate von Holocaust-Leugnern, Nazi-Buchstabierern und/oder Juden- bzw. Ausländerfeinden ausgeübt würde. Doch das ist nicht einmal in Österreich realistisch.

Die eigentlichen Skandale schlummern anderswo. Dass ein extrem rechtes, seine Gesinnung stolz vor sich hertragendes FPÖ-Urgestein wie Martin Graf ohne gröbere Proteste (einzig die Grünen dürfen sich hier ausnehmen) zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt wurde, ist ein Tabubruch, der die österreichische Politik auf Jahrzehnte prägen wird.
Auch zuvor gab es Dammbrüche, etwa die Durchsetzung der universitären Gremien mit schlagenden Burschenschaften oder die skandalösen „Buberlpartie“-Freundschaftsgeschäfte, wo so richtig in den aus Steuergeldern gefüllten Honigtopf gelangt wurde. Das gab es zwar immer, auch unter Rot, Schwarz und Rot-Schwarz – doch die Dimension und die Chuzpe der überführten Täter sucht auch historisch ihresgleichen.

In diesem Lichte: Freuen wir uns auf eine bevorstehende Niederlage und ein hoffentlich peinliches Ergebnis für die FPÖ, das Österreich seinen Nachbarländern weiterhin in Freundschaft und mit Würde entgegentreten lässt.

Österreich ist anders! Österreich ist mehr. Zeigen wir es.