neuwal Freitagsdemonstraion in Klagenfurt (neuwal.com)

Ich habe Klagenfurt nicht mehr wieder erkannt.

Als ich am Freitag Nachmittag um 15:40 Uhr zur dritten Freitagsdemonstration vor der Kärntner Landesregierung dazu gestoßen bin, zogen bereits mehr als 600 Menschen durch die Klagenfurter Innenstadt. Die überparteiliche Demonstration wird von den Kärntner Grünen rund um Landesparteiobman Rolf Holub organisiert.

Was vor einigen Jahren noch unvorstellbar war, ist jetzt möglich: Es sammeln sich mehr und mehr Menschen, die öffentlich zeigen, dass sie mit der derzeitigen politischen Situation in Kärnten unzufrieden sind. Sie wünschen sich ein „neues Kärnten“ – ein Kärnten ohne Skandale, Proporz und Korruption und gehen dafür auf die Straße. Wobei ich mich frage – wo waren diese Politiker vorher?

Mit Plakaten, Pfeifen und „Rücktritt“-Sprechchören ging es von der Kärntner Landesregierung friedlich durch die Stadt zum Landhaushof, in dem die Kärntner Landesregierung tagt. Im Landhaushof wurden zahlreiche eindrucksvolle Reden von Politikern, Künstlern und Bürgern gehalten. Es wurden Meinungen vorgebracht, Gedichte zitiert und eindrucksvolle persönliche Eindrücke vorgetragen (alle Reden der Freitagsreden sind am Ende des Artikels abrufbar).

Es herrschte eine Aufbruchsstimmung und das Gefühl unter den Demonstrierenden war sehr postiv.

Der Umbruch ist spürbar – es geht in eine neue Richtung.

Schon vor gut einem Jahr habe ich gemerkt, dass die Politik in Kärnten im Umbruch steht: In den Medien wurden erstmals kritischere Themen angesprochen und politische Mißstände öffentlich gemacht. In den Jahren zuvor hat dieser Gegenpol gefehlt und hat der herrschenden Politik absoluten Freiraum gelassen.

Zu groß war damals die Angst von „den Anderen“ verraten und ausgegrenzt zu werden. Die Angst besteht heute noch. Das erklärt auch, warum viele der Unterstützer für „Das neue Kärnten“ noch anonym bleiben wollen, so Reinhard Eberhart, Initiator derselbigen Plattform.

Das Vertrauen in die Politik schwindet und die politische Kultur bricht zusammen.

„Die Zukunft dieses Landes geht hier und steht hier auf der Straße.
Die Vergangenheit ist in der Politik und sitzt da drinnen.“
sagt Lojze Wieser, eine Säule der Kärntner Kultur und zeigt auf das dahinterliegende Kärntner Landhaus

Kärnten steht derzeit vor der einzigartigen Chance eines kompletten Neubeginns auf politischer, sozialer und gesellschaftlicher Ebene.

Ein Neubeginn, der nicht durch sofortige Neuwahlen definiert wird.
Sondern ein Neubeginn, der sich aus Aufklärung und Besonnenheit zusammensetzt.
Eine neue Ära, die von den Bürgern ausgeht und gestartet wird.

Was in Klagenfurt gestartet wird, kann in Villach, Feldkirchen, St. Veit, Spittal, Völkermarkt, Wolfsberg und in jeder kleinen Stadt auch gemacht werden.

Leute, nutzt die Chance und setzt euch und eure Stimme ein. Wir leben in einer Zeit, in dem jeder Bürger mitgestalten und mitreden kann. Gestaltet mit. Verwirklicht eure Ideen.

Kärnten hat die Chance einen politischen Neubeginn mit sozialen und politischen Reformen zu starten. An Ideen und Visionen mangelt es nicht – Kärnten hat das Zeug, neue politische Wege zu bestreiten.

Alles Gute.

Freitagsdemonstrations-Reden (LIVE-Mitschnitte)

podwal. der neuwal.com podcast
Kärnten: Die Zukunft dieses Landes geht hier und steht hier auf der Straße by neuwal

Lojze Wieser
Wieser, eine Säule der Kärntner Kultur, spricht zweisprachig.

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Dobro Jutro – schönen guten Morgen.
Jeder von uns soll einen oder eine mitnehmen an der Hand, damit wir das nächste Mal doppelt so viele sind.

Auch die Zuseher sollen sich an der Nase nehmen – sie haben sich auch verdoppelt.
Der Schritt vom Gehsteig zur Demonstration ist sehr klein.

Die Zukunft dieses Landes geht hier und steht hier auf der Straße.
Die Vergangenheit ist in der Politik und sitzt da drinnen .

Das Land ist frei von diesen Falotten zu machen.
Und ungeteilt, damit alle Kulturen in diesem Land leben.

Mathias Köchl
„Mir ist Kärnten nicht egal“, Die Grünen
http://www.koechl.tv/

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Köchl forder Neuwahlen und neue Verhältnisse in Kärnten: Politiker sind die Angestellten der Bevölkerung. Wir Bürger sind die Chefs von „denen da oben“.

Wir sind Kärnten – die Bürger und Bürgerinnen. Und nicht die Poltik.

Evelyn Schmid-Tarmann (Die Grünen)

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Es werden jede Woche mehr: Wir gehen – wenn sie gehen.

Avanti dilletanti – Adios amigos!

Julian Schmid (Die Grünen)
http://blog.julian-schmid.at/

[podcast]http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/02/neuwal.julian-schmidt.mp3[/podcast]

Es zeigt uns, wie stark das „andere Kärnten“ ist.

Blaue, Rote, Schwarze und Orange haben in den letzten Jahren versagt.
Wir sind das andere Kärnten. Und ich glaube fest daran, dass wir das andere Kärnten schaffen.

Stefan Merkac (Die Grünen)

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Merkac spricht zweisprachig und möchte Kärnten wieder aufbauen: Ein Kärnten der gegenseitigen Wertschätzung. Wir wollen uns vor unseren Nachbarn nicht genieren – genauso wenig wollen wir ignoriert werden.

Jan Millonig (SLP Kärnten)
http://www.slp.at/

[podcast]http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/02/neuwal.jan-milonig.mp3[/podcast]

„Die Anständigen des Landes (FPÖ/BZÖ) haben den Karren anständig in den Dreck gezogen“, so Millonig. Neuwahlen sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht wünschenswert, da es keine guten Alternativen zur etablierten Politik in Kärnten gibt. Für eine soziale Alternative in Kärnten/Coroska.

Barbara Lessiak (Grüne)

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„Wenn wir eine andere Meinung haben, dann können wir auch austreten“, so Lessiak. „Das ist die Antwort der Regierungspolitik, wenn man eine andere Meinung vertritt wird man hinauskomplimentiert.“

Daniela Deutsch

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Deutsch arbeitet im Landeskrankenhaus Klagenfurt und macht auf die dramatische Personallage im Bereich der Pflege aufmerksam: Arbeitsplätze in diesem Bereich werden immer wenige.

Fabian „Mit der Grünen Pfeife“

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Fabian redet über Kärntens Asylpolitik, Ortstafeln, Hypo und dem rassistischen Konsens der Kärntner Politik.

Nationale Identität gründet sich stets auf der Bestimmung des anderen.
Nicht der Zugehörigen.

Peter Raab

Peter Raab zitiert ein Gedicht von Karl Kraus

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In diesem Land

In diesem Land wird niemand lächerlich,
als der die Wahrheit sagte. Völlig wehrlos
zieht er den grinsend flachen Hohn auf sich.
Nichts macht in diesem Lande ehrlos.

In diesem Land münzt jede Schlechtigkeit,
die anderswo der Haft verfallen wäre,
das purste Gold und wirkt ein Würdenkleid
und scheffelt immer neue Ehre.

In diesem Land gehst du durch ein Spalier
von Beutelschneidern, die dich tief verachten
und mindestens nach deinem Beutel dir,
wenn nicht nach deinem Gruße trachten.

In diesem Land schließt du dich doch nicht aus,
fliehst du gleich ängstlich die verseuchten Räume.
Es kommt die Pest dir auch per Post ins Haus
und sie erwürgt dir deine Träume.

In diesem Land triffst du in leere Luft,
willst treffen du die ausgefeimte Bande,
und es begrinst gemütlich jeder Schuft
als Landsmann dich in diesem Lande.

(Quelle: http://www.textlog.de/39708.html)

Rolf Holub (Die Grünen)

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Holub freut sich über die zahlreichen Teilnehmer: „Jeden Freitag eine Freude mehr.“

50 % des Landes haben einen Parteichef, den sie nicht gewählt haben. Das kann nicht so bleiben.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.