Es ist ja nun wirklich nicht einfach, es dem Österreicher -und hier im speziellen dem Wiener – recht zu machen. Man muss die regierende SPÖ schon verstehen: da macht man sich trotz absoluter Stimmenmehrheit die Mühe, das gemeine Volk um seine Meinung zu fragen – und niemand honoriert es.

Nicht die Opposition: „Windige Suggestivfragen“, „eine Farce“, „schlecht getarnte Eigen-PR vor der Wahl“ oder „Geldverschwendung“ tönt es fast unisono von Blau, Schwarz und Grün. Bei der Themenauswahl in Ungnade gefallen, wurde ihnen jegliches Mitbestimmungsrecht verwehrt.

Nicht die Wähler: Diese fühlen sich von der Aufbereitung der Fragen, die die gewünschte Antwort mehr als deutlich vorgeben und tendenziös formuliert sind, gefrotzelt und genervt.

Nicht die eigenen Beamten: Die glauben ohnehin zu wissen, was „gut fürs Volk“ ist und arbeiten hinter den Kulissen bereits eifrig an der Umsetzung jener Punkte, deren Zustimmung sie für gewiss halten (etwa die Nacht-U-Bahn am Wochenende), während sie die übrigen nicht einmal andenken wollen.

Es droht das Schicksal jeder österreichischen Wahl – egal, wofür man seine Stimme abgibt, das Endergebnis bleibt stets gleich – bundespolitisch etwa (mit einer unrühmlichen Ausnahme) die Große Koalition.

Wie also reagieren auf die millionenteure Selbstbestätigung einer Partei, die offensichtlich die Bodenhaftung verloren hat? Die Antwort polarisiert, schließlich machen sich zahlreiche Personen im engeren und weiteren Bekanntenkreis für den Schub an „direkter Demokratie“ stark, dazu schießt die Stadt medial aus allen Rohren.

Dennoch ist die Lage eigentlich klar, wenn man sich die richtige Frage stellt. Anstatt „Seid ihr nicht auch total für die direkte Demokratie, die unsere tolle Volksbefragung euch jetzt ermöglicht?“ muss sie lauten: „Lassen wir uns durch blanken Aktionismus mit vorprogrammiertem Ausgang als politisches Feigenblatt einer zu mächtig gewordenen (Stadt-)Partei missbrauchen?“. Mein Nein wird Sie nicht überraschen.

„A bissl regieren werden wir schon noch dürfen“, meinte Bürgermeister und Umfragen-Mastermind Michael Häupl unlängst im Standard.

Herr Häupl, regieren Sie! Abgestimmt wird bei der Wahl, die ja leider bereits ihre düsteren Schatten vorauswirft und schmutzige Abwehrkämpfe gegen Rechts befürchten lässt.

Und gerne auch bei einer Volksbefragung – sofern sie seriös aufbereitet, von parteiübergfreifenden Experten vorbereitet und ergebnisoffen konzipiert ist. Alles andere ist eine Augenauswischerei.