Reinhard Eberhart - (c) www.rem.at

Donnerstag, 20. Jan. 2010.

Ich sitze gerade im Akademietheater, als um 20:15 Uhr das Telefon läutet. Ich freue mich – es ist der erwartete Anruf.

Während ich Hr. Reinhard Eberhart von „Das neue Kärnten“ am Telefon begrüße und wir über die politische Situation in Kärnten zu reden beginnen, höre ich im Hintergrund Zeilen aus Samuel Beckett’s „Fin de Partie“. „Endspiel“ sozusagen.

Reinhard Eberhart

Reinhard Eberhart ist ein Kärntner Multitalent mit vielen Begabungen, Gesichtern und unzähligen Selbst- und Fremddefinitionen. Er ist Inhaber der weltweiten Ideenbörse und einer ambulatnen Ideen-Fabrik, selbsternannter Faschingsgeneralintendant, Gründer und Bundesparteiobmann der Besten Partei, Herausgeber von Alles Fasching, Europas größter Faschingsillustrierten, mit allen politischen Wassern gewaschener Verleger, Rekordhalter, Mail-Artist, Postkartenkünstler, Aktionist, Erfinder und Lizenzgeber des Ackerns, Unternehmensberater und Gast-Kommentator (Quelle: http://www.reinhard-eberhart.com/person.html)

Das neue Kärnten

Reinhard Eberhart vertritt derzeit offiziell die Kärntner Initiative „Das neue Kärnten„. Diese möchte jene Kärntner ansprechen, die genug von der derzeitigen Politik haben, die das Polit-Gequatsche der Vertreter der so genannten etablierten Parteien nicht mehr aushalten und die derzeitige politische Situation nicht mehr vertreten können.

„Das neue Kärnten“ setzt sich mit Menschen aus allen möglichen Bereichen zusammen. Einige kommen auch aus dem öffentlichen Dienst – also Landesregierung, Schuldienst und Krankenhaus. Eberhart erzählt, dass aus diesem Grund die Unterstützer derzeit nicht veröffentlicht werden und es derzeit keine Unterstützunglisten gibt. Es könnte leicht passieren, dass sie sonst ihr „blaues Wunder“ erleben würden.

„Wir wollen Seriosität in die Landespolitik zurück und bei der derzeitigen Entwicklung nicht mehr zusehen.

Wir müssen jetzt etwas unternehmen – wer zusieht und schweigt, macht sich mitschuldig. Wir möchten daher alle, die jetzt enttäuscht sind – auch die Nichtwähler – ansprechen und eine Stimmung der Veränderung erzeugen.

Eine Veränderung für Kärnten ist notwendig. Alle Parteien sind gefordert und müssen neue Kandidaten ans Licht bringen. Die jetzigen Kandidaten sind verbrannt und haben die Kärntner Politik kaputt gemacht.“

„Die Website ist seit Samstag, 16. Jan. 2010 online und hat innerhalb 5 Tage mehr als 3.600 Zugriffe. Es melden sich sehr viele Personen, die ich noch nicht kenne und die gerne mitarbeiten möchten“, zeigt sich Eberharter erfreut.

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Wie sehen sie die derzeitige politische Situation in Kärnten?

Wir haben in Kärnten seit Jahren erstmals eine aufgeklärtere Situation. Medien berichten offener und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo etwas Neues ans Tageslicht kommt.

Kärnten ist derzeit ein Sonderfall. Seit 1945 hat es so etwas in keinem Bundesland wie Kärnten gegeben: Es gibt Korruptionsanschuldigungen gegen führende Politiker und die Liste der Skandale und Vergehen werden in den letzten Wochen immer länger. Anständige Politiker wären wegen kleinerer Vergehen schon längst zurückgetreten.

Es gibt Menschen in Kärnten, die mit 1.000 Euro auskommen müssen. Im Gegensatz dazu haben sich alle Kärntner Parteien – obwohl wir uns in einer wirtschaftlichen Schieflage befinden – mit 1 Milliarde Schilling (72,672.834,17 Euro) gefördert. Das ist unglaublich, wie man sich an öffentlichen Geldern bedient.

Weiters bricht die Hypo-Bank weg, die in den letzten Jahren vieles in Kärnten finanziert hat.

Das ist nicht das Kärnten, das es ist – Scheuch, LH Dörfler & Co repräsentieren eine Minderheit.

Es besteht die Hoffnung, dass Sachen aufgedeckt werden, die noch nicht aufgedeckt worden sind.

Welche Aktionen planen sie in der nächsten Zeit mit „Das neue Kärnten“?

Wir suchen Auswege aus der jetzigen Situation. Es ist sehr viel los und es gibt laufend Arbeitsbesprechungen um die anfallenden Tätigkeiten aufzuteilen.

Wir planen einen „Rosenmontag des Widerstandes“ in meinem Museum und nehmen die „Brenn Es(s)el-Suppe“ als Symbol des Widerstandes.

Wir möchten in Kärnten gemeinsam mit Künstlern und Freiwilligen ein „Festival gegen die Dummheit“ veranstalten. Die Einnahmen, die wir daraus generieren möchten wir zu 100 % an die Caritas Flüchtingshilfe weitergeben.

Mit der Dummheit derer wollen wir denen, gegen die sie sind, Geld verdienen.

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brennesselsoup

Bild von http://dasneuekaernten.at/dnk/dnkda0001.php

Was möchten Sie erreichen – fordern sie Neuwahlen?

Wir suchen Auswege aus der jetzigen Situation: Wie ist es in einem Land, in dem die Wähler aufstehen und sagen: „Wir wollen die Herrschaften nicht mehr“?

Stellen sie sich vor, es gehen tausende Menschen auf die Straße und fordern eine Volksabstimmung: Neuwahlen Ja oder Nein – das würde einiges ändern. Wir möchten so viele Freiwillige organisieren, dass wir eine Volksabstimmung abhalten können. Die Politiker sind zwar gewählt, aber es ist nicht akzeptierbar, was derzeit passiert.

Neuwahlen zum jetzigen Zeitpunkt zu fordern wäre nicht klug. Die, die gewählt worden sind, treten nicht freiwillig zurück.

Wir sehen es als notwendig, dass demokratische Mechanismen dazwischengeschoben werden, damit das Land nicht noch tiefer in den Sumpf gezogen wird.

An demokratischen Ordnungsmustern rüttelt keiner, die sollen auch so bleiben.

Können Sie sich vorstellen mit ihrer Bewegung bei Wahlen anzutreten?

In Kärnten gibt es derzeit eine große Politikverdrossenheit. Daher können wir derzeit nicht vorhersehen, wie stark unsere Bewegung wird. Wir können uns durchaus vorstellen, dass wir auch eine eigene politische Bewegung werden. Wenn die Parteien nicht zur Vernunft kommen, können sie sicherlich mit einer Liste rechnen, mit der wir antreten werden.

Ich selbst habe nicht vor zu kandidieren. Ich freue mich, dass viele junge und erfahrene Leute aus den verschiedensten Bereichen zu unserer Gruppe dazu stoßen werden.

Wir werden zeigen, wie gut Kärnten wirklich sein kann.
Die Vernunft wird Überhand nehmen.

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Alles Gute, Reinhard und viel Erfolg!


Großes Bild am Textanfang aus http://www.rem.at/rem_99.php

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.