Ich wurde ja für Neuwal engagiert, um meine Gedanken zu dem ganzen Walwerbewahnsinn zu formulieren.
Und das hat ja auch Spaß gemacht.
Aber was, wenn das alles vorbei ist?
Wir kennen die neuen Machtverhältnisse, und es ist Zeit für eine ganz persönliche Betrachtung.
Ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe des Ergebnisses (also ab Sonntag 17.00) beginnen die Wahlplakate aller Parteien (und speziell die der Verlierer) eine ganz besondere Aura zu entwickeln.
Hatten sie zuvor noch die Aura der Zuversicht, so switchen sie und beginnen so rasant und radikal unaktuell zu werden, bis sie eine Aura der Morbidität verströmen. Aber sehr sanft, schön und lyrisch. Die Plakate werden von der Faktizität des Augenblicks eingeholt und repräsentieren dabei immer noch eine längst überholte  Hoffnung, die mitiunter ganz besonders rührend wirkt.
Die aggressive Kriegsrethorik wendet sich gegen ihre Verfasser und wird binnen Minuten zum Dokument des Versagens.  Ab ca. 21.00 Uhr des Wahlabends entgleitet die zuvor vermeintlich zwingende Kommunikation den Kommunikatoren und tritt ihren Weg zur Eigenständigkeit an (auch hektisch affichierte DANKE-Störer vermögen nicht, diese Dynamik aufzuhalten).
Dann haben wir den Punkt erreicht, an dem alles sehr menschlich wird.
Und das ist sehr schön.
Der Wahlkampf gleitet aus ins Unerhebliche.