Neuwal.

Ganz überrascht war ich über das Wahlergebnis nicht: SPÖ vor ÖVP, mit „deutlichem“ Vorsprung, FPÖ um die 20 Prozent, BZÖ zweistellig und vor den Grünen.

Beim Liberalen Forum dachte ich mir, dass es sich mit 3.98 % eben gerade nicht ausgehen wird. Dass der Stimmenanteil dann doch so gering war hat mich nachdenklich gestimmt.

Ich hab in den letzten Tagen viel nachgedacht. Man liest, schreibt und redet über einen Rechtsruck. Das ist doch nichts Neues und Überraschendes! Viel mehr wundert es mich, warum keine Gegenpole zur derzeitigen Richtung gesetzt werden. „Rechte Themen“ werden beispielsweise von der ÖVP übernommen und man übergeht hier ganz leicht den Respekt an unseren Mitmenschen.

Ich glaube nicht, dass es sich hier um eine „Protestwahl“ handelt. Man hat ganz einfach in den letzten Jahren etwas versäumt: Das man die Bevölkerung aufklärt. Das man sich die Zeit nimmt, die Bevölkerung vielfältig weiterbildet. Werte und Visionen vorlebt, die menschlich, akzeptabel, gemeinschaftsfördernd, bildend, verbindend und wärmend sind. Man hat anderen Themen den Vorzug gegeben und hat jenen Themen – die vielleicht etwas mühevoller sind und intensivere Arbeit benötigen – keinen Vorzug gegeben.

Es ist für die Politik leichter jemanden Abzuschieben als alles in Kraft zu setzen um mehr über fremde Kulturen kennenzulernen, die Vorzüge anderer Lebensweisen näherzubringen um andere Ansätze zu tolerieren.

Ich stoße in meinen Überlegungen immer wieder auf die SPÖ. Weil sie für mich noch fürs „Soziale“ steht.

Trotzdem hat gerade die SPÖ  in diesem Wahlkampf wesentliche Themen nicht angeprochen. Gerade eine SPÖ hätte sich klarer in ihre Richtung positioniern können: Ich vermisse eine Persönlichkeit an der SPÖ-Spitze, die soziale und menschliche Themen vertritt. Und die Menschen näher zusammenbringt anstatt auseinander. Keine „Figur“, die kurzfristig eingesetzt wird.

Eine Person, die den Leuten auch die Vorzüge einer anderen Seite näherbringt. Eine Persönlichkeit mit Vorbildwirkung. Eine Person, die die Bevölkerung zum Nachdenken bringt und motiviert. Sie in gewisser Weise auch weiterbildet und mit ihnen einfach ein paar Schritte weitergeht.

Mal abseits vom engen Wahlpropaganda-Korsett und weg vom 5-Punkte-Programm – hin zu Menschlichkeit, Transparenz und Gefühl. Weg von den Oberflächlichkeiten und harten Themen. Das würde der Bevölkerung gut tun, sie nicht frustrieren, noch mehr Angst einflößen und meiner Meinung nach eher motivieren, in neue Richtungen zu denken. Das ist für mich eine „Neue Politik“ im Gegenzug zu Polarisieren, Popularisieren und Aufhetzen.

Ja, man kann auch Wärme und Geborgenheit dazu sagen. An Stelle von negativem Gejammere.

Politiker stehen ja im Rampenlicht, in den Medien und wirken als Vorbilder für viele Menschen und geben gewisse Normen und Werte vor. Für jede Schicht. Bewußt und Unterbewußt.

Wo ist der Stolz geblieben?

Mehr Menschlichkeit. Ja, das wünsche ich mir. Und das bitte nicht als Slogan am Wahlplakat.