Neuwal. Werner Faymann und Alexander Wrabetz. (neuwal.com)

Heuer gibt es erstmals im österreichischen Privat-Fernsehen TV-Konfrontationen rund um die Nationalratswahlen:

  • PULS4 veranstaltet am Mittwoch, 17. Sep. 2008 um 20:15 die PULS4 Wahlarena
  • bei ATV findet am Sonntag, 21. September um 20:15 „Meine Wahl“ statt.

Beides Konzepte im Stil der Elefantenrunde, beide Sender fügen hier zusätzlich ein interaktives Element ein: User können über Video ihre eigenen Fragen stellen, mit denen die Spitzenkandidaten aller Parteien konfrontiert werden.

Im Kreise der im Parlament vertretenden Spitzenkandidaten wird Werner Faymann (Spitzenkandidat SPÖ) allerdings weder bei ATV noch bei PULS4 dabei sein. Werner Faymann sagte beide Teilnahmen ab – sein Sessel wird nicht nachbesetzt und bleibt bei beiden Übertragungen leer.

„Wir haben von allen Spitzenkandidaten der im Parlament vertretenden Parteien eine Zusage bekommen – nur nicht von der SPÖ“, habe ich von ATV in einem Gespräch erfahren.

Faymann entschuldigt sich für die Sendung am Sonntag mit einer Teilnahme bei einer SPÖ-Versammlung im Burgenland. „Wir haben Werner Faymann sogar einen Hubschrauber angeboten, damit er in unserer Sendung eingeflogen werden und teilnehmen kann“, so eine ATV-Sprecherin. Ein Hubschrauber sollte Werner Faymann für die Sendung einfliegen und wieder zurückfliegen. Das Angebot wurde von Werner Faymann nicht angenommen. Er bleibt im Burgenland.

Die selbe Vorgehensweise konnte ich bei PULS4 feststellen: Trotz intensiver Bemühungen konnte man Werner Faymann für ein Engagement bei den Privaten nicht bekommen. Ein Ersatzkandidat wird nicht akzeptiert.

„Der Sessel von Werner Faymann bleibt daher bei unserer Sendung nicht besetzt“, so die ATV-Pressesprecherin.

Gerüchte und versuchte Erklärungen zu diesem Thema gibt es von unterschiedlichen Seite: Zum Einen soll es einen starken Einfluss vom ORF geben, der den Spitzenkandidaten „eine Teilnahme im Privat-TV nicht nahelegt“. Auf der anderen Seite ist vom „Medien-Netzwerk Faymann“ die Rede – Faymann fokusiere sich auf sein Netzwerk, Kronen Zeitung und den ORF.

Im Hintergrund kann ich einen Konflikt zwischen Privaten und dem ORF feststellen: Als Antwort auf die heutige PULS4 Wahlarena, setzte ORF bspw. um 20:15 kurzfristig eine Wahl08-„Diskussion zwischen Spitzenpolitikerinnen“ an. Die Macht vom ORF ist spürbar und die politischen Aktivitäten im Privat-TV werden nicht gerne gesehen, ist nicht nur mein Eindruck – auch der Kurier berichtet darüber.

Im Endeffekt kann Werner Faymann selbst entscheiden ob er zu einer TV-Konfrontation geht oder nicht. Es ist halt nur komisch, dass Faymann trotz intensiver Bemühungen als Einziger nicht dabei ist. Das verwundert mich und finde ich unter den ersichtlichen Umständen nicht verständlich und auch nicht in Ordnung.

Vielleicht sollte man den Platz einer Kleinpartei anbieten? Die freut sich sicherlich über Medienpräsenz! Heide Schmidt wird heute das Liberale Forum bei PULS4 vertreten.

Eine große Chance und Möglichkeit lassen sich jedoch auch die Privatsender entgehen: In dem man sich auf bereits bekannte Formate der „Elefantenrunde“ stürzt, werden neue Konstellationen und Ideen nicht gesehen: Meiner Meinung nach liegt in der Berichterstattung rund um Kleinparteien großes Potential und viele Ideen.

Eine Diskussion zwischen LIF und der KPÖ, eine Diskussion zwischen KPÖ und der ÖVP, eine Diskussion zwischen LIF und KPÖ können sehr interessant sein. Alternative Formate, Diskussionsrunden, etc. Wie auch immer, hier gibt es viele neue Möglichkeiten, viele neue Themen, viele interessante Diskussionspartner und ein großes unentdecktes Potential.

Hier kann man viel bewegen. Von allen Seiten.