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7. TV-Duell: Werner Faymann (SPÖ) und Jörg Haider (BZÖ)

Am Donnerstag, 11. September 2008 gab es das 7. TV-Duell und das erste direkte Aufeinandertreffen in einer ORF-TV-Diskussion zwischen Werner Faymann (SPÖ) und Jörg Haider (BZÖ).

Die Konfrontation ging um Themen rund um Teuerung und um Pensionen. Die Konfrontation war sehr heftig, beide schenkten sich gegenseitig nichts. Man machte sich gegenseitige Vorwürfe (20 Monate SPÖ-ÖVP standen 7 Jahre Schwarz-Blau-Orange gegenüber) und schloss eine Koalition mit dem BZÖ von Seiten SPÖ aus.

» Analyse von Peter Filzmaier und Sophie Karmasin im ORF
» Neuwal danach
» Analysen in Blogs
» Beiträge in Online-Medien
» Interview mit Doris Bures (SPÖ)
» Interview mit Stefan Petzner (BZÖ)

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Neuwal danach
Ich war überrascht von dieser Diskussion: Ein defensiver Werner Faymann und ein offensiver Jörg Haider. Haider beherrscht die Rethorik, das Spiel mit Worten und der Leichtigkeit, Themen zu beschreiben und näherzubringen. Er ist der Showmaster – dass ist auch im vierten Duell ersichtlich gewesen.

Klar ersichtlich war die Taktik Haiders „Fragen an Werner Faymann“ zu stellen: Fragen, die Faymann in Bedrängnis brachten und Fragen, die von Faymann nicht beantwortet werden konnten („Ich werde mir das anschauen“). Zwischenzeitlich bemerkte ich auch ein „Schwimmen“ von Werner Faymann und ein Aufkommen von Unsicherheit. Ebenso konnte ich „Rechtfertigungen“ von Werner Faymann erkennen – ungewöhnlich für eine stärkere Partei.

Im ORF-Atrium war das selbe Bild: Emotionen auf Seite des BZÖ, gekennzeichnet durch Szenen-Applaus. Auf der anderen Seite der SPÖ konnte ich eine gewisse Anspannung und Stille bemerken. Für mich beschriebt dies auch den Verlauf der Diskussion.

Sehr überrascht war ich auch von ganz kurzen Szenen, in denen Werner Faymann „eingebrochen“ ist: Die Sicherheit war weg und das Gesicht ist eingefallen (Haider: „Sie brauchen nicht so beleidigt schauen“). Das hat mich sehr überrascht, da ich es anders und einen stärkeren, sicheren Faymann erwartet habe.

Peter Filzmaier
Werner Faymann und Jörg Haider sprachen die richtigen Themen an: Teuerung und Pensionisten. 80 % der Bevölkerung leiden unter der Teuerung. Pensionisten sind für die SPÖ eine sehr wichtige Zielgruppe. Vorallem Pensionisten wandern allerdings ins Nichtwähler-Lager ab – BZÖ kam mit dem „Holzhammer“ im Themenbereich der Pension um genau diese Wähler anzusprechen.

Die Gegenseitigen Schuldzuweisungen und die Aufarbeitung der Vergangenheit: Suche nach Schuldigen. Haiders Strategie ist das Feindbild der großen Koalition. Faymanns Feindbild war die Schwarz-Blau-Orange Regierung.

Wahlentscheidend sind allerdings Blicke in die Zukunft und nicht die Aufarbeitung der Vergangenheit.

Eine BZÖ-SPÖ-Koalition halte Filzmaier nicht realisitisch.

Sophie Karmasin
Ein überraschendes Bild: Werner Faymann zeigt sich auch angriffslustig, nicht nur lächelnd. Haider lobte ihn, es kam allerdings gleich das Thema der Pension. Beide griffen sich an und beide diskutierten heftig. Faymann hat sich sehr gut in den Gegenpart gegeben. Faymann war angriffslustiger und entschlossener – er konnte besser kontern.

Vergangenheitsdiskussion: Mehr als 50 % können den Wahlkampf nicht mehr folgen, weil die Themen sich vermischen – für was stehen die Parteien, was möchten sie verändern, das interessiert die WählerInnen. Diese Strategie stößt nicht auf Interesse.

Herr Haider zeigte sich kompromissbereiter – Faymann konterte: „Nein, das können wir uns anschauen, aber im Moment kann ich dazu nichts sagen.“

Wir streiten, also können wir nicht miteinander.

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Medien
derstandard.at: Kuschelnder Haider, abweisender Faymann
diepresse.com: Große und kleine Parteigrößen im Wettstreit um Pensionisten
kleine.at: Haider vs. Faymann: Streit über die Vergangenheit
kurier.at: Die Last der Vergangenheit
tt.com: Gegenseitige Vorwürfe und Vergangenheitsbewältigung
krone.at: Sie brauchen nicht so beleidigt schauen
vol.at: Offener Schlagabtausch bei Faymann – Haider
news.at: Harte Konfrontation samt Taferl-Einsatz
oe24.at: Faymann siegte in einem beinharten Duell

Blogs und Twitter
clemensticar: Faymann vs. Haider
rupprECHT: Filzmaier über Haider: „Das war schon eher mit dem Brecheisen, mit dem Holzhammer.“
schaffertom: Überraschend klarer Sieg für Faymann. Habe Haider das erste Mal stottern sehen.
clemensticar: @NEUWAL meiner meiung nach die schlechteste Konfrontation bisher. Vergangenheit ohne Ende, Themen die Zukunft betreffend Mangelware…
mhmmm: Aus. War eine wirklich interessante Runde heute Abend. Knapper Sieg fuer Haider wuerde ich sagen. #politik #nrw2008
rupprECHT: Faymann: „Der Herr Haider hat in der Politik eine Vergangenheit, dafür kennen wir ihn …“
rupprECHT: Thurnherr zu „Wortschwall“ (kam von Faymann über Haider): „Da bleiben Sie sich gegenseitig nichts schuldig.“
rupprECHT: Faymann: „Natürlich bin ich nicht der Meinung des Herrn Haider!“ Notiz: Diesen Tweet aufheben für später mal, man weiß ja nicht, was kommt.
hipslu: thurnher will über die zukunft reden. ich bin dafür. dass die letzten beiden jahre schlecht waren, weiß ohnehin jeder

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„Unser Ziel ist stärkste Partei zu werden“
Doris Bures, Wahlkampfleiterin der SPÖ

 Neuwal im Gespräch mit Doris Bures (neuwal.com)

Doris Bures (SPÖ): Werner Faymann hat deutlich gezeigt was er will. Er kennt die Probleme und hat Lösungsansätze. Er ist trotz großer politischer Unterschiede bereit, über Parteigrenzen gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Das ist gerade in einer Situation wie heute, wo viele Leute von der Teuerung betroffen sind besonders wichtig.

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Neuwal: Wie geht es der SPÖ im Wahlkampf?

Doris Bures (SPÖ): Die ÖVP ruft immer dann Neuwahlen aus, wenn sie glaubt, besonders gute Umfragewerte zu haben und nicht, wenn die Legislaturperiode. Viele Leute konnten nun davon überzeugen. Und das ist nicht gut fürs Land. Es führt dazu, dass man nicht kontinuierlich und konzentriert daran zu arbeiten, die Lebenssituation zu verbessern. Insofern bin ich mit dem Wahlkampf und dem Verlauf sehr zufrieden. Es ist wichtig, dass die Leute die politische Beziehungsunfähigkeit der ÖVP jetzt alle Leute sehen.

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Wie ist ihr Wahlziel?

Doris Bures (SPÖ): Stärkste Partei zu werden.

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„Ein Bundeskanzler muß verbinden und Brücken bauen. Und nicht Brücken sprengen und trennen.
Stefan Petzner (Wahlkampfleiter BZÖ)

Neuwal in Gespräch mit Stefan Petzner (neuwal.com)

Stefan Petzner (BZÖ): Die Wahlkonfrontation des heutigen Abends ist überraschend verlaufen. Ich habe es mir weniger Konfliktfrei vorgestellt. Das Signal heute war deutlich: Werner Faymann hat gezeigt,  dass er kein Bundeskanzlerkandidat für das Land ist. Ein Bundeskanzler muß verbinden und Brücken bauen. Und nicht Brücken sprengen und trennen. Das hat heute allerdings Herr Faymann gemacht. Ich weiß nicht, ob ihm das gut tut.

Der Landeshauptmann hat im Gegenzug versucht mit Inhalten zu punkten. Es wurden verschiedene Themen auf den Tisch gebracht. Herr Faymann versteifte sich darauf über irgendwelche Dinge von „damals“ zu philosophieren und dem Landeshauptmann ständig ins Wort zu fallen.

Wir konnten unsere Positionen klar kommunizieren.

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Wie hat heute die strategische Vorbereitung ausgeschaut?

Stefan Petzner (BZÖ): Werner Faymann hat in den letzten TV-Duellen stets unterschiedlich reagiert. Daher war der angriffige Beginn vom Landeshauptmann bewusst gewählt, um die Reaktion von Werner Faymann abzutesten.

Bei diesem Austesten hat man gemerkt, dass es Werner Faymann sehr aggressiv angelegt hat, obwohl er Kanzlerkandidat ist. Das war in dieser Form sehr überraschend. Diesen Weg hätte ich an seiner Stelle nicht gewählt. Der Landeshauptmann hat sich darauf sehr schnell eingestellt.

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Wir haben heute das letzte direkte TV-Duell gesehen.

Stefan Petzner (BZÖ): Ja, die Vorbereitungen dafür sind sehr intensiv. Danke an das Team, dass das alles macht.

Die TV-Duelle haben für das BZÖ sicherlich entscheidend dazu beigetragen, dass wir einen Sprung nach vorne gegangen sind und eine Dynamik in die Wählerbewegung gebracht haben.

Vor uns liegt noch die Elefantenrunde. Die direkten TV-Duelle sind abgeschlossen und wir konnten dabei klar punkten.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.