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Die TV-Konfrontation zwischen Heinz Christian Strache (FPÖ) und Alexander van der Bellen (Die Grünen) vom 9. September 2008 ist vorbei (Video bei ORF). Es gab komplett unterschiedliche Ansichten. Das war Rechts und Links. Schwarz und Weiß. Tag und Nacht.

Hier eine Übersicht und Kurz-Zusammenfassung des Analysten Peter Filzmaier sowie Interviews mit Sophie Karmasin, Werner Kogler (Die Grünen), Dieter Brosz (Die Grünen) und Heinz Christian Strache (FPÖ).

Mehr Bilder von der Konfrontation gibt es: hier (Slideshow)

» Analyse von Peter Filzmaier (ORF)
» Neuwal danach
» Analysen in Blogs
» Beiträge in Online-Medien
» Interview mit Sophie Karmasin
» Interview mit Heinz Christian Strache (FPÖ)
» Interview mit Dieter Brosz (Die Grünen)
» Interview mit Werner Kogler (Die Grünen)

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Peter Filzmaier
(zitiert von ORF) Inhaltlich war es eine ähnliche Auseinandersetzung wie zwischen Haider und van der Bellen. Nach 15 Minuten wurden die Vorwürfe sehr extrem: Rechtsextremismus gegen Multi-Kulti. Strache wurde als „Wachtelei“ bezeichnet. Die Schnittmenge beider Zielgruppen ist sehr klein – nur 30.000 Wähler wechselten die Partei beim letzen Mal.

Bei der Strategie geht es nicht nur um die Botschaft – sondern auch ums Thema. Straches Thema ist Ausländerpolitik. Seine Botschaft ist: „Für die Heimat“. Van der Bellen’s Botschaft ist „Offenheit der Gesellschaft“.

Beide brauchen enorme Wählermobilisierung, da es eine konkrete Chance auf Regierunsgbeteiligung gibt. Das ist das größte Wahlmotiv. Das Problem von Strache derzeit ist, „was tue ich, wenn ich drittstärkste Partei werde?“ Wenn die Regierunsbeteiligung utopisch scheint, dann ist es für die FPÖ-Wähler auch nicht so fein. Es fehlt das Ziel. Daher spricht man hier vorallem die unentschlossenen Wähler an.

Es gibt Pakte zwischen Rot und Blau? Das stärkt die Grün-Wähler. Andererseits gibt es im Arbeiterbereich SPÖ und FPÖ-Wähler, die sich gegenseitig Stimmen wegnehmen können.

Neuwal.
Persönlich: Starker Auftritt von van der Bellen. Neutral: Unentschieden.

Eine Diskussion wie Tag und Nacht, kaum Gemeinsamkeiten. Rechts gegen Links. So klar ist mir das selten aufgefallen. „Multi-Kulti“ gegen „Stacheldraht aufziehen“ – das sind die Sachen, die bei mir hängen bleiben. Eine Positionierung in ihren eigenen Zielgruppen. Van der Bellen hatte Argumente –  einen klaren Kopf hatten beide. Rechte Hetzerei, negative Statements können mich nicht beeindrucken. Ich mag keine Angstmacherei und platte Aussagen.

Persönlich sehe ich einen Sieg van der Bellens. Neutral gesehen muss ich sagen, dass jeder der Beiden  seine Standpunkte klar gemacht hat. Dort wo es keine Gemeinsamkeiten gibt, kann man sich nicht messen. Daher: Unentschieden.

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Reviews in Online-Medien
derstandard.at: Angriffslustiger van der Bellen, zurückhaltender Strache (Review der LIVE-Statements)
derstandard.at: Analyse von Tatjana Lackner
orf.at: Harter Streit über soziale Treffsicherheit
kurier.at: Ein Duell mit Untergriffen
diepresse.com: Harte Bandagen um Minarette und Zuwanderung
news.at: Harte Debatte bleibt wie erwartet ohne Gemeinsamkeiten
oe24.at: Strache und van der Bellen schenkten sich nichts
nachrichten.at: Harte Debatte bei Grün-Blauem TV-Duell
kleine.at: Grün-Blaues TV-Duell: Debatte ohne Gemeinsamkeiten
vol.at: Harte Debatte ohne Gemeinsamkeiten

Blogs und Twitter
quitzlipochtli: ich fand es schade das vdb08 und turnher erst im letzten drittel aufgewacht sind. so konnte hc lange „ungestört“ wahlkämpfen
clemensticar: klarer sieger findet der clemens nicht, sieger aber ganz ganz sicher…
quitzlipochtli: hat dem vdb08 wer zeichen gegeben, agressiver zu werden?
sonjyschiff: VdB gegen Strache: Gut geschlagen Sascha!! Wann wenn nicht jetzt: Die GRÜNEN 😉
quitzlipochtli: 2/3 der zeit war hc besser, da vdb08 schlief, im letzten drittel wacht dieser plötzlich auf und schon schaut hc schlecht aus…
rupprECHT: Die heute etwas längere Aufwärm-Phase ist definitiv vorbei.
rigardi: „ich habe kein Problem mit der Kirche, sie haben ein Problem mit Moscheen“ – genial!
sonjaschiff:
VdB: Abtreibung ist grundsätzlich immer der letzte Ausweg……
rupprECHT: Thurnher hat eingegriffen – grade noch rechtzeitig, würd‘ ich sagen. Aber was für ein Themenwechsel – von den Jägern zur Lendenkraft in Ö

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Sophie Karmasin

Neuwal: Frau Karmasin, Sie verfassen in kurzer Zeit ihre Analysen. Wie geht es Ihnen dabei?

Sophie Karmasin: Hätte man einen Tag Zeit, wäre es leichter. Das ist klar. Es ist eine schnelle Analyse und ich muß mich aufs wesentliche beschränken. Ich könnte eigentlich eine Stunde darüber reden, muß bei den Highlights bleiben und den Kontex betrachten. Der Zuseher möchte allerdings gleich eine erste Reaktion und Einschätzung, wie er selbst bewerten soll.

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Was reizt sie so besonders bei der Tätigkeit als Analystin?

Sophie Karmasin: Es ist eine Herausforderung, die immer wieder Spaß macht. Man lernt schnell zu beobachten und schnell etwas daraus etwas zu schließen. Ich lerne sehr viel dabei. Ich habe nicht viel Zeit. Ich muß erkennen: Was ist auffällig, was ist wert zu Kommentieren und wie ziehe ich daraus den richtigen Schluß.

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Was konnten Sie heute bei Heinz Christian Strache und Alexander van der Bellen beobachten?

Sophie Karmasin: Strache war ruhig und ist entgegen seiner üblichen Art nicht ins Wort gefallen. Von der Beziehungsebene gesehen war er war wirklich ruhig und überraschend zurückhaltend.

Auch van der Bellen überraschte: Er hatte sehr schnell einen „Sager“ eingeworfen, der auch unterhaltsam war und für ihn nicht so üblich ist. Dies ist als Signal für junge Wähler zu sehen. Ich interpretiere es auch so, dass er es verstanden hat, warum sich die Leute die Konfrontationen ansehen.

Es geht einerseits um Inhalte, man möchte Neues erfahren und erleben. Wenn man alles in den Zeitungen lesen kann, braucht man sich die Diskussion nicht anschauen. Im Besten Fall möchte man etwas Persönliches hören: So wie Haider, der letztes Mal von seiner Operation erzählt hat. Weiters möchte man etwas Unterhaltsames hören. Vorallem wenn Strache und Haider dabei sind, darf man diesen Faktor nicht unterschätzen.

Die Leute wollen einen Kampf der Gladiatoren sehen. Und da hat Alexander van der Bellen diesmal verstanden.

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„Ich habe den Eindruck gehabt, dass ich heute der Kanzlerkandidat war. „
Heinz Christian Strache  (Spitzenkandidat FPÖ)

Neuwal im Gespräch mit Heinz Christian Strache (neuwal.com)

Heinz Christan Strache (FPÖ): Ich habe den Eindruck gehabt, dass ich heute der Kanzlerkandidat war. Van der Bellen war jener, der unterbrochen und Dinge ins Lächerliche gezogen hat. Also nicht unbeding ministrabel.

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Der Unterschied zwischen Grün und Blau ist sehr groß. Mir fällt dies auch vorallem im Bereich des Niveaus auf.

Heinz Christan Strache (FPÖ): Nein. Es ist so, dass die Grünen eine Links-Linke Partei sind und daher auch eine komplett andere politische Position einnimmt.

Wir haben heute die politische Mitte und auch rechtsschaffende Themen vertreten. Das zeigt, dass wir mit unseren Inhalten und der Stärkung der österreichischen Interessen, die wir in den Vordergrund rücken wollen, eine große Breite in Österreich haben. Die Grünen dagegen geraten immer mehr in Probleme und Turbulenzen. Wo sogar der Parteichef in der eigenen Partei gar nicht mehr so viel Unterstützung bekommt.

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Wie lautet Ihr aktuelles Wahlziel?

Heinz Christan Strache (FPÖ): Wahlziel Nummer 1 ist die 2/3 Verfassungs-Mehrheit von SPÖ und ÖVP zu brechen. Das zweite Ziel ist es, dritte Kraft zu werden. Und das deutlich vor den Grünen.

Das bedeutet, dass wir 15 % überspringen müssen – je höher desto besser.

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Heute wieder kein Geschenk von Ihnen an den Diskussionspartner. Was hätten Sie Herrn van der Bellen am Liebsten mitgebracht?

Heinz Christan Strache (FPÖ): Ich hätte ihm ein Atomium mitbringen können. Er hat im EU-Vertrag rechtsverbindlich mitgestimmt, dass die Euratom-Beiträge verdoppelt werden. Und das verschweigt er seinen Wählern. Er hat damit Umwelt- und Naturschutzpolitik genauso verraten wie den Bereich der Gentechnik, der uns aus Brüssel zwangsverordnet werden könnte. Van der Bellen ist in dieser Frage nicht konsequent.

Wir Freiheitliche haben eine  EuGH-Klage gegen Temelin eingebracht. Auch in dieser Frage schläft van der Bellen und die Grüne Partei. Es scheint, dass es sich dabei um Opportunisten handelt, die gar nichts mehr mit Umwelt- und Naturschutzpolitik zu tun haben wollen.

Wenn eine Partei ständig gegen die Heimat vorgeht und diese verachtet, kann man kein
Umwelt- und Naturschützer sein. Denn Heimat, Umwelt und Natur gehören untrennbar zusammen.

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„Die FPÖ steht rechts außen und wir stehen sicherlich links von der SPÖ.“
Dieter Brosz, Die Grünen, Bildungs- Sport & ORF-Sprecher, Abgeordneter zum Nationalrat

Neuwal in Gespräch mit Dieter Brosz (neuwal.com)

Dieter Brosz (Die Grünen): Heute war es aus unserer Sicht eine sehr gute Diskussion. Van der Bellen war nicht nur witzig, sondern auch sehr angriffig. Er hat auf Angriffe von Herrn Strache sehr gut gekontert und hat die Position der Grünen wunderbar dargestellt.

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Neuwal: Die Unterschiede zwischen Grünen und FPÖ waren heute klar ersichtlich.

Dieter Brosz (Die Grünen): Das liegt an der Gesprächsführung von Herrn Strache. Haider zum Beispiel dagegen versucht den Landeshauptmann hervorzukehren. Zwischen den Grünen und den Freiheitlichen liegen allerdings Welten, was die Politik in den letzten Jahren auch bewiesen hat. Die Gegensätze sind sehr groß.

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Also ‚Die Grünen‘ links und ‚die Blauen‘ rechts?

Dieter Brosz (Die Grünen): Es deckt das Parteienspektrum in Österreich ab. Die FPÖ steht rechts außen und wir stehen sicherlich links von der SPÖ. Und so sind wir von den Parlamentsparteien diejenigen, die am weitesten auseinander liegen. Es sollte auch eine Meinungsvielfalt im Parlament geben – das ist das Positive an der Demokratie.

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Kann man sich eine Grün-Blaue-Koalition vorstellen?

Dieter Brosz (Die Grünen): Eine Koalition ist absolut undenkbar. Das heißt allerdings nicht, dass es in einzelnen parlamentarischen Aktivitäten immer wieder Überschneidungen gibt: Vorallem, wenn es um parlamentarische Kontrolle geht – da müssen alle Oppositionsparteien zusammenarbeiten.

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„Es geht darum, wer so an Stimmen zulegt, dass die Regierungsbeteiligung maßgeblich beeinflusst werden kann“
Werner Kogler (Die Grünen), Abgeordneter zum Nationalrat

Neuwal in Gespräch mit Werner Kogler (neuwal.com)

Werner Kogler (Die Grünen): Das Hauptthema wurde sehr gut angesprochen: „Wer soll den Kurs und die Richtung bestimmen?“

Es geht jetzt  nicht mehr nur um „Soziale Gerechtigkeit“ oder die Reichen-Besteuerung. Es geht darum, wer so an Stimmen zulegt, dass die Regierungsbeteiligung maßgeblich beeinflusst werden kann.

Wenn Blau und Orange nicht in der Regierung sein soll und wenn eine große Koalition nicht mehr sein soll, dann ist die „Grüne Partei“ mit Alexander van der Bellen die sichere Bank.

Genau das hat er heute angesprochen. Morgen ist unser Wahlkampfauftakt und dann werden wir sehen, ob wir das schaffen.

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