Am Donnerstag war nun die fünfte Runde der TV-Konfrontation. Dem Politiker Starmania.

Eigentlich sind solche TV-Konfrontationen, die wir bisher erlebt haben, nicht viel anders als ein Wettsingen. Wie bei Starmania. Die Quoten des TV-Senders passen, die Berichterstattung rundherum genauso. Man lernt Spitzenkandidaten oberflächlich kennen. Die jeweiligen Lieder werden interpretiert und vorgesungen.

Das Sakko sitzt.

Die Schuhe sind geputzt. Das Shake-Hand perfekt insziniert und das Mikrophon ist eingepegelt.

Wer war besser? Wer hatte die aussagekräftigsten Argumente? Welcher Sager gewinnt mehr Stimmen? Wer schaut grimmiger drein? Wer ist müder?

Wer trifft den Ton am Besten oder wer versingt sich. Das kostet Stimmen.

Das wollen die Leute. Ein Event. Ein oberflächliches Event. Mit Messbarkeit.

Vielleicht könnte man ein SMS-Voting einführen und diese Stimmen in irgendeiner Art und Weise am Wahltag den Parteien dazu addieren.

Glauben Sie im Ernst, jemand interessiert sich in den TV-Duellen wirklich dafür, wie man tatsächlich etwas gegen die Teuerung unternehmen kann? Wie wir Menschen zum Beispiel aktiv in der Asylfrage mitgestalten können? Man diskutiert über die Abschaffung der Studiengebühren. Über ein „5-Punkte-Programm“, von denen die wenigsten Menschen die ich getroffen habe, die einzelnen Punkte kennen. Aber es klingt gut! Ja.

Als Wilhelm Molterer in einer Diskussion mit „Zahlen“ jonglierte, wurde ihm das negativ ausgelegt. Genau, da steigen die Leute aus. Daher bleiben wir lieber an der Oberfläche und reden über das, was viele kennen und schon gehabt haben: Bienenstich. Magenverstimmung.

Ich wünsche mir politische Persönlichkeiten, die als Vorbilder dienen. Die die Bevölkerung motiviert, zum Weiterdenken und zur Diskussion anregt. Keine Karaokesänger, die Wahlreden vom Blatt der PressesprecherInnen vorgelegt bekommen oder die Lieder der anderen schlecht covern. Wir möchten uns weiterentwickeln.

NEWS macht den „Pinocchio-Test“: Mit welchem Politiker würde ich auf ein Bier gehen? Wem würde ich 1.000 Euro borgen? 

Darüber diskutiert Österreich?

Der Unterhaltungswert in der Politik wird immer wichtiger. Unterhaltung ist gut. Allerdings kombiniert mit Themen, Schwerpunkten, Details und konkreten Vorstellungen und kooperativen Diskussionen. Nichts gegen eine wirklich gute TV-Konfrontation.

Josef Broukal schrieb vergangenen Donnerstag in seiner TV-Konfrontation-Analyse in ÖSTERREICH von einem „Boxkampf“. Der Vergleich mit Sportereignissen ist auch gut. Ein Boxkampf mit Ringrichterin Elisabeth Thurnherr.

Oder wie ein Skirennen. Hermann Maier gegen Benjamin Raich. Wer hat die besseren Ski, wer die bessere Zwischenzeit und wer hat wie, wo, wann und warum Hunderstel (bzw. Stimmen) verloren.

Wie hat Reinhard Fendrich so schön gesungen: „Es lebe der Sport!“

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.