Neuwal. Wilhelm Molterer nach der Konfronation (neuwal.com)Neuwal. TV-Konfrontation: Wilhelm Molterer und HC Strache (neuwal.com)Neuwal. Reporter. (neuwal.com)Neuwal.

Am Dienstag, 2. September 2008 hat die vierte TV-Auseinandersetzung zur Nationalratswahl stattgefunden. Diesmal zwischen Wilhelm Molterer (ÖVP) und Heinz Christian Strache (FPÖ). Ich war wieder live im ORF-Zentraum dabei, konnte vorab die Spitzenkandidaten fotografieren und sie nach der Diskussion um Ihre Analyse befragen.

» TV-Konfrontation On-Demand (orf.at)
» Stimmen Sie mit: Wer überzeugte? (in der rechten Spalte)

Mehr Analysen, mehr Interviews, mehr Statements und mehr Insights von Wilhelm Molterer, Heinz Christian Strache und Hannes Missethon gibt es hier…

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Neuwal-Analyse der TV-Konfrontation

Die Diskussionsthemen waren Ausländerpolitik, EU und Teuerung. Bei diesen drei Punkten gab es unterschiedliche Ansichtspunkte. Man fand jedoch in keinen der Punkte Gemeinsamkeiten. Die ÖVP schloss nach der Diskussion eine Zusammenarbeit mit der FPÖ aus – die FPÖ kann sich diese jedoch vorstellen.

Wir haben einen veränderten Wilhelm Molterer gesehen, der durchaus an Sicherheit und Schlagfertigkeit im Vergleich zur Diskussion mit Dr. Jörg Haider dazugewonnen hat.

Die ÖVP konnte ihre Themen inkl. Lösungsvorschläge positionieren – bei der FPÖ fehlten wie bei der letzten Diskussion Ideen und Modelle. Heinz Christian Strache lieferte keine Lösungsvorschläge. Die FPÖ verließ auch als erste Partei ziemlich schnell den ORF.

Frau Thurnherr leitete die Diskussion sehr gut – startete mit einer knackigen Startfrage (HC Strache wurde mit „Che Guevara“ konfrontiert) – auch wenn es klar ersichtlich war, dass Fr. Thurnherr sicherlich keine FPÖ-Wählerin ist.

Alles in allem: Ein klarer und für mich überraschender 3-Satz-Sieg von Wilhelm Molterer. Er konnte mit Themen, Lösungsvorschlägen und vorallem Niveau punkten. Ich habe vor Beginn mit einem ausgeglichenen Unentschieden gerechnet.

Ein sichtlich erfreuter Wilhelm Molterer schickte nach der TV-Konfrontation über twitter die Mitteilung: „So, diskussion zu ende. Den strache habe ichs gezeigt heute…….“ – dazu fällt mir ganz spontan folgendes ein: Wahlplakat ÖVP.

Peter Filzmaier
„Wilhelm Molterer hat an Schärfe zugelegt. Strache hat ruhig und gemäßigt begonnen. Durch die Defensive und mehrfaches unterbrechen mußte er mehr Schärfe als beim ersten Auftreten zeigen.“

oe24-at
Die User kürten den ÖVP-Chef zum Gewinner
mit 56,25% der Klicks – FPÖ-Obmann Strache bekam 43,75%.

Broukal-Analyse
Punktesieg für Molterer

Stimmen aus dem Internet
glyphe
schreibt über die Sachlichkeit und Ruhe von Wilhelm Molterer.
redaktionelli
: „Molterer hat sich verwandelt“
mojzis
(ÖVP): „Molterer bring unsere Standpunkte gut rüber“
manusauvage
: FPÖ-Frauenpolitik: 1 Frau als Abgeordnete
redaktionelli
: Kein Geschenk!
mojzis
(ÖVP): Politik muss Mut machen.
rupprecht
: Molterere vehement

Blogs
Zur Politik
: Molterer kopiert Gusi und entzaubert so Strache

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„Das Plus ist auf meiner Seite“

Wilhelm Molterer (ÖVP Spitzenkandidat)

Neuwal. Wilhelm Molterer in Gespräch mit Neuwal. (neuwal.com)

Neuwal: Herr Molterer, wie analysieren sie die heutige Diskussion?

Wilhelm Molterer (ÖVP): Ich glaube, heute war es eine sehr lebendige und lockere Diskussion, wo Plus und Minus dargestellt worden sind. Das Plus ist auf meiner Seite. Soweit geht es mir sehr gut.

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Worauf ist das zurückzuführen?

Wilhelm Molterer (ÖVP): Ich war anders, weil ich dazulerne. Es ist nicht so, dass man hier hereingeht und sagt: „Man kann alles“. Es ist wichtig, dass man auf das Feedback der Leute reagiert und die Botschaft annimmt, was man besser machen soll. Und ich denke, das ist heute gelungen.

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„Ich hätte heute dem Herrn Finanzminister vielleicht ein Buch von Moliere mitbringen können: Den Geizhals.“

Heinz Christian Strache (FPÖ Spitzenkandidat)

Neuwal in Gespräch mit Heinz Christian Strache (neuwal.com)

Neuwal: Herr Strache, wie geht es Ihnen nach der heutigen Diskussion?

Heinz Christian Strache (FPÖ): Naja, wie geht es einem, der einem Minister gegenübersitzt, der so tut, als ob er in den letzten Jahren keine Regierungsverantwortlichkeit gehabt hat? Der alle Entlastunspakete, alle FPÖ-Anträge für eine soziale Entlastung und für soziale Verbesserungsmaßnahmen abgelehnt hat?

Jetzt, wenn er die Umfragen kennt und ihm die Wähler in Scharen davon laufen und plötzlich, kurz vor der Wahl versucht, das Ruder durch Wählertäuschung herumzureißen?

Da kann man keine sachpolitische Diskussion führen. Heute war es klar: Es ging um reine parteitaktische Manöver und jetzt noch jemand versucht, seinen Kopf zu retten.

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Ich habe heute etwas vermisst. Und zwar ein Geschenk.

Heinz Christian Strache (FPÖ): Es muss ja nicht jedesmal Geschenke geben. Das letzte Mal war das Rückgrat ein Geschenk, das auch Sinn ergeben hat.

Ich hätte heute dem Herrn Finanzminister vielleicht ein Buch von Moliere mitbringen können: Den Geizhals. Ein sehr guter Literaturroman, der zum Finanzminister auch sehr gut passen würde.

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„Eine gute Gelegenheit den Unterschied zwischen einer rückwärtsgewandten und hetzerischen Politik der FPÖ gegenüber einer zukunftsorientierten modernen Politik der ÖVP klarzumachen“

Hannes Missethon (ÖVP Wahlkampfleiter)

Neuwal in Gespräch mit Hannes Missethon (ÖVP) (neuwal.com)

Neuwal: Welche Strategie hat es bei der heutigen (02.09.2008) TV-Konfrontation gegeben?

Hannes Missethon (Wahlkampfleiter ÖVP): Wir haben gewußt, dass vorallem die Themen ‚Ausländer und Europa‘ auf der Tagesordnung stehen. Da wir hier ohnedies klare Konzepte haben, war es für uns eine gute Gelegenheit, den Unterschied zwischen einer rückwärtsgewandten und hetzerischen Politik der FPÖ gegenüber einer zukunftsorientierten modernen Politik der ÖVP in diesen zwei Themenfelder klarzumachen.

[podcast]http://neuwal.com/wp-content/uploads/2008/09/neuwalmissethon01.mp3[/podcast]

Man hat heute gesehen, wer der Chef im Ring ist: Wilhelm Molterer hat ganz klare Konzepte auf den Tisch gelegt, wie wir mit der Zuwanderung umgehen sollen: Dabei muß es klare Spielregeln geben – auch bei der deutschen Sprache. Weiters muß ein Arbeitsplatz vorhanden sein. Menschen, die zu uns kommen, müssen sich auf Basis der Rechtsstaatlichkeit auch in unsere Lebensordnung einordnen

Das war eine klare Abgrenzung gegenüber der rechten Hetzerei eines HC Straches.

Neuwal: Warum fokusiert die ÖVP so sehr aufs Ausländer-Thema?

Hannes Missethon (Wahlkampfleiter ÖVP): Weil wir gesehen haben, daß hier Handlungsbedarf besteht und wir neben den Rechten auch die drei genannten Pflichte einfordern müssen. Wer diese Pflichten nicht erfüllt, kann in diesem Land langfristig nicht leben. Es ist ganz entscheidend, dass es hier klare Ordnung und klare Spielregeln gibt.

Ich glaube, dass dient auch zur Orientierung für die Menschen, die zu uns kommen.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.