Neuwal. TV-Konfrontation Molterer, Haider mit Thurnherr beim ORF (neuwal.com)

Nach der TV-Diskussion im ORF am Donnerstag, 28.08.2008 zwischen Wilhelm Molterer (ÖVP) und Dr. Jörg Haider (BZÖ) konnte ich von beiden Spitzenkandidaten Statements und Analysen zur Konfrontation einholen.

Diesmal befragte ich auch die beiden Wahlkampfleiter Stefan Petzner (BZÖ) und Hannes Missethon (ÖVP) über Ihren Eindruck und ihre eingesetzten Strategien.

Special: Weiters konnte ich eine Leserfrage von schaffertom an den Politologen Hr. Peter Filzmaier stellen.

» Hier gibt es die Neuwal Review von der TV-Diskussion im ORF

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Neuwal. Wilhelm Molterer beim TV-Duell gegen Jörg Haider (28.08.2008) (neuwal.com)

„Ich mache keinen Purzelbaum, wenn ich einen Purzelbaum für falsch halte.“

Wilhelm Molterer (ÖVP)

Neuwal: Wie geht es Ihnen nach der TV-Konfrontation?

Wilhelm Molterer (ÖVP): Gut. Ich hatte heute meine erste TV-Konfrontation und habe es sehr spannend und interessant gefunden.

Das eigentliche Vis-A-Vis sitzt mir nicht gegenüber, sondern, es sind die Wählerinnen und Wähler zu Hause.

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Neuwal: Konnten Sie alle ihre Themen unterbringen?

Wilhelm Molterer (ÖVP): In der relativ knappen Zeit ist es nicht einfach unsere vielen Themen unterzubringen. Ich konzentrierte mich auf die drei Themen Soziale Gerechtigkeit, Vollbeschäftigung und Sicherheit.

Neuwal: Haben Sie heute Ihr Ziel erreicht?

Wilhelm Molterer (ÖVP): Das sollen die Wählerinnen und Wähler beurteilen. Ein Politiker, der mit sich zufrieden ist, ist irgendwie schon zurück. Das möchte ich nicht. Zufrieden bin ich mit mir grundsätzlich nie.

Ich habe für mich ein ganz wesentliches Prinzip: Es gilt derzeit natürlich Wählerstimmen zu maximieren. Aber nicht um jeden Preis, weil ich mir das selber schuldig bin.

Ich mache bestimmte Dinge nicht mit: Ich mache keinen Purzelbaum, wenn ich einen Purzelbaum für falsch halte.

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Neuwal. Dr. Jörg Haider (BZÖ) nach dem TV-Duell mit Wilhelm Molterer (ÖVP) am 28-08.2008 (neuwal.com)

„Ich habe deutlich gemacht, dass wir ein sehr eigenständiges Profil haben.“

Dr. Jörg Haider (BZÖ)

Neuwal: Wie geht es Ihnen nach der TV-Konfrontation?

Dr. Jörg Haider (BZÖ): Gut, wie auch vorher. Es war für mich keine Konfrontation sondern ein faires Gespräch. Wir haben uns inhaltlich nichts geschenkt, allerdings auch keine Untergriffe gemacht.

Die Zuseher konnten sich ein Bild machen: Ich habe sowohl meine Ideen als auch meine Kritik an der ÖVP vorgetragen. Ich habe deutlich gemacht, dass wir ein sehr eigenständiges Profil haben und die soziale Kälte der ÖVP nicht akzeptieren. Die Menschen erwarten Schutz und Hilfe und nicht eine von oben herablassende Politik die signalisiert, dass die Probleme der Menschen nicht ernst genommen werden.

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Neuwal. Hannes Missethon (Wahlkampfleiter ÖVP) (neuwal.com)

„Das Eine geht nicht ohne dem Anderen.“

Hannes Missethon (Wahlkampfleiter der ÖVP)

Neuwal: Wie geht es Ihnen heute nach der TV-Konfrontation?

Hannes Missethon (ÖVP): Gut. Ich denke, wir konnten den uns vorgenommenen Pfad mit konkreten Projekte, Hilfe für die Menschen, Teuerung umsetzten.

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Neuwal: Wie schaut ihre Strategie vor der heutigen TV-Konfrontation aus?

Hannes Missethon (ÖVP): Es ist uns heute Abend sehr gut gelungen: Wir präsentieren unsere eigenen Stärken. Wir halten die Balance zwischen konkretem Angebot für die Menschen aber halten auch „das Ganze“ im Auge. Das ist eine Kernkompetenz der ÖVP – das Eine geht nicht ohne dem Anderen.

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Neuwal. Stefan Petzner (Wahlkampfleiter BZÖ) (neuwal.com)

„6:0 für Jörg Haider“

Stefan Petzner (BZÖ Wahlkampfleiter)

Neuwal: Wie analysieren sie die heutige TV-Konfrontation zwischen Wilhelm Molterer und Jörg Haider?

Stefan Petzner (BZÖ): In Zahlen zusammengefasst: 6:0 für Jörg Haider. Wir konnten mit Themen und Emotion überzeugen. Das Thema Teuerung ist im Mittelpunkt gestanden und wir konnten beweisen, dass wir im „Kampf gegen Teuerung“ in Kärnten schon sehr viel umsetzen konnten.

Weiters konnte der Landeshauptmann in der heutigen Diskussion Herz zeigen. Herr Molterer zeigte Eiseskälte und eine versteinerte Miene, die furchteinflößend war.

Um es vielleicht ein wenig pathetisch zu formulieren: „Es war ein emotionaler Sieg der Herzen für Jörg Haider“.

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Neuwal: Was war die Strategie heute?

Stefan Petzner (BZÖ): Wir hatten drei strategische Linien im heutigen Duell. Erstens wollten wir die ÖVP als Partei der sozialen Kälte enttarnen. In zweiter Linie ging es uns darum zu zeigen, dass die ÖVP nicht diese staatstragende Partei ist, als die sie sich gerne darstellt: Drei mal eine Koalition aufkündigen und Neuwahlen ausrufen ist nicht verantwortungsvoll und staatstragend. Drittens war uns wichtig zu zeigen, wie es funktioniert und wie wir es in Kärnten umgesetzt haben.

Die Strategie ist voll aufgegangen.

Neuwal: Die Wahlkampagne „Deinetwegen. Österreich.“ wurde von Ihnen gestaltet?

Stefan Petzner (BZÖ): Ich habe eine Liste von 40 Slogans in welcher ich ständig meine Ideen und Slogans notiere. „Deinetwegen. Österreich.“ ist schon vor einigen Monaten entstanden. Der Slogan passt momentan sehr zur politischen Konstellation. Die Botschaften „Den sozialen Weg gehen“, „Österreich den Österreichern“, „Ärmel aufkrempeln und anpacken“ sind nach und nach dazugekommen.

Die Fotos dazu haben wir schon Wochen zuvor in fünf langen anstrengenden Tagen gemacht. Wir haben durchwegs positive Rückmeldungen und sind der Meinung, dass die Plakate sehr gut ankommen.

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NEUWAL in Gespräch mit Peter Filzmaier (neuwal.com)

„Die Vorbereitungszeit für die Analyse beträgt exakt drei Minuten.“

Peter Filzmaier:

NEUWAL. Leserfrage.

Neuwal: Wie leicht fällt es Ihnen nach einer TV-Konfrontation wie heute eine Analyse zu machen? (Leserfrage von schaffertom)

Peter Filzmaier (Politologe): Es ist eine extrem schwierige Herausforderung, da die Vorbereitungszeit exakt drei Minuten beträgt: Die Werbepause zwischen Diskussion und Sendung.

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In diesen drei Minuten wird man mit dem Mikrofon verdrahtet, wird geschminkt und passt auf, dass man sich halbwegs gut hinsetzt.

Es ist schwieriger als 2006. Damals waren die Diskussionen später und man hatte 30 bis 45 Minuten bis zur ZIB3.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.