NEUWAL. Laura Rudas im Gespräch mit Neuwal, (c) by SPÖ. (neuwal.com)NEUWAL. Laura Rudas im Gespräch mit Neuwal, (c) by SPÖ. (neuwal.com)Laura Rudas (27) ist SPÖ-Politikerin und Abgeordnete zum österreichischen Nationalrat und war mit uns im Interview.*

Rudas ist das jugendliche Aushängeschild der SPÖ und setzt sich in ihrer Funktion vorallem für Jugendangelegenheiten ein. „Die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre“ ist eines jener Errungenschaften, auf die sie sehr stolz ist.

Für Rudas ist eine optimale Ausbildung für junge Menschen ein absolutes Ziel – im Bereich der Studienpolitik steht sie klar zur Abschaffung der Studiengebühren.

Sie spricht von einer „Neuen Politik„: Lösungsorientiert und keine Versprechungen, die man nicht einlösen kann.

Das Team rund um Frau Rudas ist auch im Internet vertreten. Es wird für Frau Rudas gebloggt und ge-twittert (Anmerkung: Followers bitte adden…)  – Informationen gibt es auf der Website www.neuepolitik.at.

Fragen, Feedback und Diskussion gerne in diesem Blog bzw. gerne per Video auf www.wahltotal.at.

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*) Das Interview wurde per E-Mail über den Pressesprecher von Frau Rudas gemacht.

Bild von SPÖ Pressedienst


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Neuwal (Dieter Zirnig): Für was steht die Sozialdemokratie heute (Links, Li-Mitte, Mitte):  Was sind die wesentlichsten Punkte im Parteiprogramm der SPÖ und worin unterscheiden Sie sich von den anderen Parteien?

Laura Rudas (SPÖ): Die SPÖ steht für eine neue Politik, die lösungsorientiert arbeitet und sich gegen parteipolitisches Hickhack als Selbstzweck wendet. Diese neue Politik verspricht nichts, was sie nicht halten kann. Sie tritt ehrlich für nachvollziehbare Werte und Ziele ein und übernimmt Verantwortung für die dringenden Probleme der Menschen, wie Arbeitsplätze, (Aus-)Bildung, Teuerung, Gerechtigkeit, soziale Sicherheit oder Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben. Unsere wesentlichen Punkte, die vor allem auch junge Menschen betreffen, sind:

  • Einkommen, von denen man auch leben kann
  • Finanzielle Entlastung und wirksame Maßnahmen gegen die Teuerung
  • Optimale Ausbildung bzw. Bildung und gerechter Zugang für alle
  • Beste Gesundheitsversorgung und Pensionen
  • Nachhaltige Lebensqualität und Sicherheit
  • Bekenntnis zu einem gemeinsamen Europa, das von den Menschen getragen wird

 

Sie stehen in der SPÖ-Bundesliste am 4. Platz – das ist sicherlich eine große Chance für Sie. Für was setzen Sie sich ein, was würden Sie gerne verändern und warum gerade SPÖ?

Laura Rudas (SPÖ): Ich sehe diese Reihung vor allem als Signal dafür, dass junge Menschen in der SPÖ als ernsthafte Partner und Partnerinnen und nicht nur als Aufputz und Feigenblatt gesehen werden. Unsere Themen sind für alle Menschen wichtig, viele betreffen aber Junge ganz besonders. Etwa Themen wie leistbares Wohnen, gerechte Löhne, Teuerung, beste Ausbildung oder die Nachhaltigkeit des Pensions- und Gesundheitssystems.

Zur SPÖ bin ich gegangen weil ich klare Werte haben will und nicht nur punktuelle Lösungsansätze. Ich will wissen, wofür eine Partei steht – diese Sicherheit habe ich bei der SPÖ und ich bin davon überzeugt, dass die Sozialdemokratie der beste Weg ist.

 

„Genug gestritten“: Ein Streit ist ja generell nichts schlechtes – Konflikte werden bereinigt. Eine künftige Regierung ohne Streit, Konflikte – nur Sonnenschein?

Laura Rudas (SPÖ): Wenn Sie „Streit“ als konstruktive und ergebnisorientierte Diskussion verstehen, stimme ich ihnen voll zu. Das ist enorm wichtig und zentral für eine Demokratie. Die politische Kultur der letzten Jahre hatte damit allerdings wenig zu tun.

Dem Koalitionspartner ging es primär darum, alle anderen möglichst schlecht dastehen zu lassen. Partei-Hickhack als Selbstzweck lehne ich ab, Diskussionen für die besten Lösungen sind aber sehr wichtig.

 

SPÖ und Europapolitik: Wie ist Ihre Stellung dazu. Welche Chancen gibt es für Österreich und wo gilt: „Hier müssen wir dranbleiben und mehr rausholen“.

Laura Rudas (SPÖ): Die SPÖ bekennt sich ganz klar zu Europa und der Europäischen Union. Österreich profitiert sehr stark von diesem Friedensprojekt. Aber es ist auch klar, dass die EU kein abgehobenes Konstrukt jenseits der Menschen werden darf. Grundlegende Entscheidungen müssen alle mitbestimmen können. Der Weg der SPÖ ist daher richtig für die Zukunft eines gemeinsamen Europas. Um der neoliberalen Politik der EU entgegenzutreten, müssen die EuropäerInnen direkt eingebunden werden.

 

Sie engagieren sich für die Jugend? Was sind hier ihre Ziele und wie denken Sie über die Herabsetzung des Strafalters von 14 auf 13 Jahre?

Laura Rudas (SPÖ): Es gibt kaum Themen, die junge Menschen nicht betreffen. Aber eines der wichtigsten Themen für Junge ist sicher die Frage der bestmöglichen Ausbildung. Unser Ziel ist, dass jeder junge Mensch die für ihn optimale Ausbildung machen kann. Ebenso wichtig sind steuerliche Entlastungen und Löhne, damit man von ihnen auch leben kann – vor allem am Beginn der Berufslaufbahn. Wir fordern daher höher Einstiegsgehälter kombiniert mit einer flacheren Einkommenskurve und einer Mindestlehrlingsentschädigung.

Auch für PraktikantInnen müssen endlich gerechte Rahmenbedingungen geschaffen werden. Meine Vision ist eine gerechtere Welt – in Österreich muss jedes Kind die gleichen Chancen haben. Ich bin gegen die Herabsetzung des Strafalters. Viel wichtiger sind präventive Maßnahmen, rechtzeitige Kommunikation, Unterstützung der Betroffenen und entsprechend ausgebildete LehrerInnen und MediatorInnen.

 

Viele Produkte und Dienstleistungen werden teurer. Ich möchte zeitlich nicht mehr arbeiten als jetzt und mir trotzdem das Leben leisten können. Was sind die Visionen und Pläne der SPÖ dazu?

Laura Rudas (SPÖ): Gegen die Teuerung müssen wir rasche und wirksame Maßnahmen setzen. Die SPÖ will die Steuerreform vorziehen, sodass sie schon ab Jänner 2009 wirksam ist. Eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel würde allen Menschen sofort etwas bringen. Außerdem brauchen wir wirksame Preiskontrollen vor allem bei Energie- und Lebensmittelpreisen und eine effiziente Wettbewerbsbehörde. Tarife im Öffentlichen Bereich sollen nach Möglichkeit nicht erhöht werden. Das alles muss rasch und gemeinsam beschlossen und umgesetzt werden, daher setzen wir uns für einen Teuerungsgipfel noch vor den Wahlen ein.

 

Was halten Sie von Studiengebühren: Was kann man im Bildungssystem ihrer Meinung nach reformieren?

Laura Rudas (SPÖ): Die SPÖ steht nach wie vor klar zur Abschaffung der Studiengebühren. Im Rahmen der letzten Koalition war das mit der ÖVP leider nicht umsetzbar. Für zentral halte ich einen gerechten und für alle möglichen Zugang zu bester Bildung. Besonders wichtig sind aber auch kleinere Klassen, optimal ausgebildete Lehrer, effizientere Strukturen und bessere Ausstattung für die Universitäten. Auch die Selektion mit 10 Jahren halte ich für verfrüht. Wir setzen uns deshalb für eine Gesamtschule und den Ausbau der Ganztagsschulen ein.

 

NEUWAL. Leserfrage.
Auf welche Leistung Ihrer Polit-Karriere sind Sie am meisten Stolz und was war der bisherige Tiefpunkt?
(
Leserfrage von stoffl_p)

Laura Rudas (SPÖ): Besonders stolz bin ich darauf, dass wir die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre und ein Jugendbeschäftigungspaket durchgesetzt haben. Aber auch im Bereich der Lehrlingsausbildung oder im Kulturbereich hatten wir einige tolle Erfolge. Einer der Tiefpunkte nicht nur für mich sondern für ganz Österreich war sicher die Schwarz-Blaue Regierung, die zum Glück Vergangenheit ist.

Ein persönlicher Tiefpunkt war, dass die ÖVP der Abschaffung der Studiengebühren nicht nachgegeben hat – obwohl es in der ÖVP stimmen gab, die gemeint haben, dass würde sich finanziell ausgehen haben sie aus Parteitaktik nicht nachgegeben – da habe ich rasch mitbekommen, was blockieren im politischen Alltag bedeutet.

 

Vielen Dank, Frau Rudas für das Interview und alles Gute!

 

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.