NEUWAL. Wir miteinander. (neuwal.com)

Frau Evelin Stalzer ist Vorsitzende und Spitzenkandidatin von WIR miteinander. WIR tritt für eine grundlegende Neupositionierung des gegenwärtigen Politikverständnisses ein. Nach der Auffassung von WIR dient Politik der aktiven Mitgestaltung von Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur.

Ich habe mit Frau Stalzer über die Partei WIR, deren Zielen, Weltanschauungen, Kirche und Werte sowie deren Ansichten zur derzeitigen Politi gesprochen.

Bei meinen Recherchen und Gesprächen mit Personen, die aktiv mitgestalten möchten, bin ich oft sehr positiv überrascht, welche Möglichkeiten und Denkrichtungen es gibt. Es war ein sehr interessantes Gespräch, das letztlich etwas länger gedauert hat als ich geplant habe.

„Lebensfreude und den Mut aufbringen – persönlich den eigenen Weg vorangehen“, sagt Frau Stalzer wenn Sie von Veränderung und Werten spricht.

Auf der Website www.wir.at findet sich eine Sektion über „Gedanken zu WIR„, auf die mich Frau Stalzer öfter aufmerksam macht. Sie schreibt über Wohlstand, „den einst wunderbaren Gedanken EUROPA, der nun EU heißt und für BürgerInnen großteils nicht mehr greifbar ist“, über den aktuellen Finanzmarkt und vorallem über den Aufruf zur Vernetzung.

Auf dieser Website findet sich auch die Unterstützungserklärung, die ein Antreten zur Nationalratswahl ermöglichen kann.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

» Hier geht es weiter zum Interview mit Fr. Stalzer


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Neuwal (Dieter Zirnig): Ich bin über eine Pressemitteilung und Anfrage von lovion über twitter auf WIR aufmerksam gemacht worden. Was steckt dahinter und was ist WIR?

Eveline Stalzer (WIR): WIR ist die Partei der Zukunft. Zukunft beginnt im JETZT, lässt Vergangenes hinter sich bzw. öffnet sich für Neues.

Wir setzt sich aus Männern und Frauen zusammen, die sich in einem gemeinsamen, neuen Denken gefunden haben. Wir haben es WIR-Bewusstsein genannt, wir beschreiben es auch auf unserer Homepage www.wir.at.

Unser bisheriges Denken lässt uns derzeit immer öfter im Kreis drehen – nicht nur die PolitikerInnen. Daher legt WIR den Schwerpunkt auf ein dringend notwendiges Umdenken, damit wir uns aus diesen alten Denkkreisen hinausbewegen und ganz neue Wege, gemeinsam, gehen können.

WIR geht diesen neuen Weg. Uns geht es um ein Neues, erweitertes Denken, einen Bewusstseinswandel, von dem durch Medien immer wieder zu hören ist. Auch Barack Obama spricht vom Change.

WIR richtet dies als Angebot an die Bevölkerung und als dringlichen Wunsch an die PolitikerInnen.

Was möchte WIR, was sind ihre Punkte und Ziele?

Eveline Stalzer (WIR): WIR möchte primär dieses neue, nachhaltiges Bewusstsein auslösen: Was lösen meine Gedanken, Entscheidungen und Handlungen nicht nur bei mir, sondern auch bei meiner Umgebung und vor allem global auf der Erde aus? Diese 3 Ebenen sind kritisch zu hinterfragen. Das öffnet völlig neue Perspektiven und ist eine neue Basis zur Zusammenarbeit verschiedener Interessensvertretungen.

WIR setzt sich mit den Ursachen auseinander, die Probleme erschaffen haben, um Lösungen gemeinsam mit Fachleuten zu erarbeiten und um völlig neue Strukturen und Programme zu ermöglichen.

Das bestmögliche, größte gemeinsame Ganze“ in den Programmen zu finden, konstruktiv, nachhaltig, mit Einsicht, Respekt und Achtung, ist hier angesagt. Programme, die uns und unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft ermöglichen, werden gemeinsam erarbeitet und umgesetzt.

Derzeit stellt sich mir Politik so dar, parteieigenen Vorteile und Programme bestmöglich durchzubringen, anderes zu bekämpfen oder schlecht zu machen. Das löst permanenten Widerstand aus und scheint eher wie eine Symptombekämpfung zu sein. Druck löst immer Widerstand aus, das kennen wir aus unserem eigenen Leben.

Informationen über WIR, unser Denken, unsere Motivation und unsere Grundsätze sind auf der Website www.wir.at

In einigen Stichworten – wie beschreiben Sie ihre Partei und Politik?

Eveline Stalzer (WIR): Die Politik von WIR sieht sich primär als den Auslöser für Neues Denken, Wertewandel, Neues Bewusstsein in der Politik. Sekundär ist WIR die Partei, die, gemeinsam mit anderen Parteien, Programme nach ethischen und nachhaltigen Grundsätzen ausarbeitet und umsetzt, konstruktiv und friedlich.

  • „Neues Denken – neues Handeln.“
  • „Nachhaltig und Eigenverantwortlich – der Schlüssel für unsere gemeinsame Zukunft.“
    Das ist die Voraussetzung für ein konstruktives MITEINANDER!
  • Einer meiner Lieblingssätze ist: „Sei Du die Veränderung, die Du sehen möchtest.“

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Bisher schien es in unserer Politik üblich: ich vertrete und verteidige einen „bestimmten, oft einseitigen Interessenskreis“ – aber leider meistens gegen andere – was folgt? Streit, Machtkampf und Erstarrung.

Ein Ziel ist: Auch wenn ich die Meinung anderer nicht vertrete, kann ich eine Akzeptanz dafür entwickeln, das ist Voraussetzung für eine gemeinsame Arbeitsbasis der Regierungsparteien.

Wie beobachten Sie die derzeitige Politik?

Eveline Stalzer (WIR): Es schaut so aus, als ob es zurzeit wenig Veränderungschance gibt. Es ist immer das Gleiche, nach kurzer Zeit erscheint Streit und Machtkampf. Es scheint ein Dilemma zu sein, das kann doch für PolitikerInnen nicht befriedigend sein.

Schuldzuweisungen werden öffentlich über Medien ausgetragen, Schuld wird beim Anderen gesucht: Der Stärkere versucht, das Beste für sich herauszuholen oder Zusammenarbeit zu blockieren. Der Schwächere bleibt dabei auf der Strecke. Ist das fair?

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer und die Polarisierung stärker.

Generell beobachten wir ein kollektives Ohnmachtsgefühl. Viele Menschen sind politikverdrossen und kommentieren häufig: „Ich bin unzufrieden, aber es hat ja doch keinen Sinn auf Veränderung zu hoffen, es ist ja immer das Gleiche“ – eine traurige Sichtweise vieler ÖsterreicherInnen.

Persönliche Entgleisungen mancher Politiker sehe ich nicht gerade als große Vorbildwirkung, vor allem nicht für unsere Jugend.

Was erwarten Sie sich von PolitikerInnen?

Eveline Stalzer (WIR): Ich erwarte mir von einem Politiker einen sozialen, emotional ziemlich stabilen, vorbildhaften und bewussten Menschen. Einen Menschen, der sich nicht nur ausschließlich für die Interessen seiner Partei einsetzt, sondern sich auch mit den Perspektiven anderer Parteien auseinandersetzt. Der aus verschiedensten Sichtweisen die Auswirkungen seiner Parteiprogramme auf gesamt Österreich, gesamt Europa und den gesamten Planeten beleuchtet.

Ich erwarte kritisches Beleuchten ohne Verurteilung, sondern zur gemeinsamen Lösungssuche.

Wie sehen Sie „Veränderung“ und was verstehen Sie darunter?

Eveline Stalzer (WIR): Primär, wie schon gesagt, notwendige Veränderung des Denkens, das sind wir nicht sehr gewohnt: Ich möchte positive Veränderung, aber meine Bequemlichkeit, Gewohnheit oder Angst hindern mich, dafür etwas zu tun? Dann sollte ich mir der Konsequenz dessen zumindest bewusst sein und mich nicht über unangenehme oder ungewollte Folgen wundern.

Meistens erwarten wir Veränderung durch einen Impuls von Außen. Wir wollen, dass vieles von anderen für uns getan und richtig entschieden wird. Wir müssen wieder lernen, viele eigene Entscheidungen selber in die Hand zu nehmen. Es kann sonst sein, dass jemand anderer für uns Entscheidung trifft. Dann ist es vielleicht nicht das, was wir erwartet hatten und wir sind enttäuscht.

Setzen wir doch wieder selbst mehr Impulse zu Veränderungen in unserem Leben, werden wir eigenverantwortlicher, das lässt auch viele Schuldfragen schwinden.

Das neue WIR-Denken kann man leicht üben: Wie denke und handle ich, was löst es bei mir aus, in meiner Umgebung und in der ganzen Welt? Wenn man das ein paar Tage übt, beginnt man über vieles Neues, Ungewohntes nachzudenken und der Blickwinkel hebt sich, ich blicke über meinen bisherigen, geistigen Tellerrand. Es ist ganz einfach.

Es ist so, als ob man in einer Mulde steht. Man schaut nur bis zu einem gewissen Punkt, plötzlich beginnt man seinen Blick zu heben und schaut über den Muldenrand hinaus. Man entdeckt plötzlich ganz neue Dinge, Situationen und Zusammenhänge. Es ist höchste Zeit für uns alle, über unseren Muldenrand zu blicken.

Diese Werte werden uns ja eigentlich nicht „gelernt“. Wir leben in einer Zeit, in der viele Sachen vorgegeben werden und Meinungen teilweise nicht gefragt sind?

Eveline Stalzer (WIR): Ja. Deswegen ist es notwendig, dass man schon im Kleinkindalter und in der Schule damit beginnt. Unsere Kinder brauchen neue, veränderte Erziehungs- und Bildungssysteme, damit man bspw. eigene Entscheidungsfindung oder Konfliktlösung spielerisch lernt.

Förderung sowohl der rationalen als auch der emotionalen Intelligenz ist notwendig.

Mir liegt die Zukunft der Jugend sehr am Herzen. Ich bin unglücklich über die Voraussetzungen, die viele Jugendlichen vorfinden. Die Jugend spürt intuitiv, dass das, was sie großteils vorgelebt bekommt, nicht das ist, was sie innerlich sucht.

Ich nehme Perspektivenlosigkeit bei Jugendlichen (Komatrinken, Aggression, Sucht), egal, aus welchem sozialen Umfeld sie kommen, wahr. Das sehe ich als Ergebnis eines schnelllebigen, sehr materiellen Lebens, das wir großteils leben.

Die Gesellschaft lebt ein Leben vor, das teilweise auf sehr viel Oberflächlichkeit, Inhaltslosigkeit und Wichtigkeit falscher Werte aufgebaut zu sein scheint. Das Lebendige, das Echte bleibt damit auf der Strecke.
Ohne Computer können sich viele Kids nicht mehr selbst beschäftigen. Es geht der natürliche Bezug zum Menschen, zu den Tieren, zur Umwelt, zur Erde und zur Natur verloren.

Welche Auswirkungen hat das und wie merken wir das?

Eveline Stalzer (WIR): Die Auswirkungen haben, denke ich, viele Gesichter.

Diese Frage ist nur schwer mit wenigen Worten zu beantworten, da die Antwort sehr komplex ist.

Zum Beispiel Ängste sind solch ein komplexes Thema uns scheinen immer größer zu werden, Sicherheitsdenken und –bedürfnisse wachsen.

Viele Ängste lösen Suchtmechanismen aus, um sich abzulenken.

Viele Menschen leiden unter Depressionen und nehmen Antidepressiva. Vor allem junge Menschen. Das sehe ich als einen Hilfeschrei, viele scheinen Angst vor dem Leben zu haben.

Ich höre sehr stark den Ruf nach neuen tiefer liegenden „Werten“.

Eveline Stalzer (WIR): Ja, es geht mir um die Neubelebung von Werten. Wir hören zwar immer wieder Werte wie Respekt, Anerkennung und Toleranz und Ehrlichkeit – werden sie vorgelebt?

Ich persönlich vermisse besonders auch das Vorleben von Achtsamkeit und Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist bei WIR ein absolutes Kernthema. Weil das Denken und Handeln nachhaltig sein soll.

Wenn ich gleichwertig daran denke – wie geht es mir, wie geht es dem anderen, wie geht es der Erde, dann ermöglicht das zukunftsfähiges Handeln.

Wie stehen sie zur Kirche generell und zum Glauben?

Eveline Stalzer (WIR): Für mich ist Glaube die Essenz meines Lebens, ich glaube an einen Gott, dazu benötige ich nicht unbedingt eine Religion. Ich persönlich bin traurig, dass verschiedene Religionen so oft gewaltvolle Auseinandersetzungen auslösen.

Ich selbst bin protestantisch, gehe ab und zu in die Kirche, unsere evangelische Pfarrerin finde ich wunderbar, sie ist ein sehr bewusster Mensch und ich höre ihr so gerne zu.

Für mich gibt es keinen Gott, der richtet, ich glaube, wir Menschen strafen uns selbst.

Mir gefällt der Buddhismus sehr gut, er beinhaltet einen Weg der Achtsamkeit , den ich sehr ansprechend finde. Ich sehe im Buddhismus beinahe eher eine Philosophie als eine Religion, das ist meine persönliche Sichtweise.

Dalai Lama ist für mich ein ganz besonderer Mensch, den Weg der Weisheit und Friedens, den er geht, bewundere ich sehr.

Gibt es bei WIR auch Punkte und Denkmuster in Richtung „Wirtschaft“?

Eveline Stalzer (WIR): Ja, unter anderem. Ethik in die Wirtschaft zu bringen, und zwar auf freiwilliger Basis, aus freiwilliger Erkenntnis heraus. WIR möchte niemanden zwingen, denn der beste Weg ist der der Einsicht und Erkenntnis – und der kann durch nachhaltiges Denken sichtbar werden – WIN-WIN für alle!

Mit ethischem Denken Geld verdienen kann ein sauberer Weg sein, auf dem man sich noch ehrlich in den Spiegel schauen kann.

Wirtschaftsleute besuchen ethische Bewusstseinsseminare – tun das auch unsere Politiker?

Wie machen sie mit WIR auf sich aufmerksam?

Eveline Stalzer (WIR): WIR macht sich durch unsere Homepage www.wir.at bekannt. Da gibt es viele Informationen über unser Denken, unsere Sichtweisen und Schwerpunkte.

WIR macht sich momentan durch Internet-Rundbriefe, APA-Presseaussendung, Mundpropaganda, Medien und den Einsatz vieler einzelner WIR-Unterstützer bekannt. Wir sind finanziell noch von unseren eigenen Mitteln abhängig, freuen uns aber auch über Unterstützung unserer Idee und derer Umsetzung.
Wir sammeln in ganz Österreich Unterstützungserklärungen, wir bemühen uns sehr, durch das plötzliche Ansetzen von Neuwahlen sind wir ziemlich in Zeitnot geraten.

WIR bekommet liebevolles Feedback übers Internet, das uns motiviert weiterzumachen, auch falls WIR am 28. September nicht antreten kann. WIR ist auch gerne offen für Unterstützung von 3 Nationalratsabgeordneten.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Stalzer und alles Gute!

Eveline Stalzer (WIR): Vielen Dank.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.