Es war ein kurzes und nettes Telefonat. Eine halbe Stunde später läutete ich im zweiten Stock bei Fenz und werde daraufhin von Hermes Phettberg durch seine Wohnung in Gumpendorf geführt. Dort wohnt er mittlerweile schon seit 27 Jahren.

NEUWAL bei Hermes Phettberg (neuwal.com)NEUWAL bei Hermes Phettberg (neuwal.com)NEUWAL bei Hermes Phettberg (neuwal.com)NEUWAL bei Hermes Phettberg (neuwal.com)

Mich interessiert seine Meinung zur Politik, zur Neuwahl und was sonst noch Hermes Phettberg darüber denkt. Dieses Gespräch ist das Erste auf NEUWAL, das Persönlichkeiten außerhalb der Politik zu ihrer Meinung befragt.

Herr Phettberg erzählte viel Persönliches: Von früher, seiner Vergangenheit. Den TV-Sendungen. Von Heimat und Einsamkeit. Von SM und Beziehungen. Von Freunden, von Weihnachten – Gesundheit und Zufriedenheit („Ich gehe jeden Tag um 8 Uhr schlafen. Die Zeit im Bild geht sich noch aus.“).

Wir sitzen im Wohnzimmer. Am großen Holztisch neben mir sind einige sortierte Zettel. Datiert mit April – von der Diagonale in Graz. Mit Steinen beschwert. Irgendwo liegt da auch noch seine „Speisekarte“ die er mir zeigte.

Hermes Phettberg schreibt derzeit an eigenen Projekten und seit Jahren eine Kolumne für den Falter („Man kann nur eine Kolumne schreiben.“)

Er erzählt von Thomas Bernhard, von Peter Handke, Elfriede Jelinek und Franzobel („Franzobel. Kann sein, dass er besser wird als Bernhard.“)

Ein interessantes Gespräch entwickelt sich.

——

NEUWAL (Dieter Zirnig): Ende September sind Neuwahlen. Wählen Sie?

Hermes Phettberg: „Ich gehe immer wählen. Nichtwählen tue ich nicht. Ich bin total stur. Ich gehe immer wählen.“

Wie denken Sie über die Neuwahlen…

„Natürlich wäre es besser gewesen, wenn sie fünf Jahre „durchgedient“ hätten. Die Schweiz hatte genauso eine Regierungskrise gehabt. Gleich wie in Österreich. Blocher wurde hinausgeschmissen. Ein paar Tage später war er kommentarlos weg und kein Mensch erinnert sich mehr an ihn. Der Blocher ist weg. Und die Schweizer regieren brav weiter.

Das ist der Unterschied zwischen der Schweiz und Österreich. In Deutschland waren die Wahlen immer termingerecht.“

Wie denken Sie politisch?

„Es regiert die Industrie. Gnadenlos.

Als ich jung war, war die Regierung Kreisky. Ich verehre Kreisky total. Ich war zuerst immer ÖVP-Wähler. Immer ÖVP. Das war nicht immer so wie jetzt.

Dann wurde ich Grün und jetzt – beim letzten Mal habe ich begonnen, die SPÖ zu wählen. Und zwar deswegen, weil ich gegen neue Parteien bin.

Am liebsten würde ich ja van der Bellen wählen. Also vom Herzen her. Aber die Grünen sind schon groß genug und als Zwangsneurotiker wähle ich weiterhin stur die SPÖ.“

Bei der SPÖ hat sich ja einiges getan in der letzen Zeit.

„Ja, Werner Faymann ist nun an der SPÖ-Spitze. Der Dichand liebt den Faymann. Man soll zwei alte Leute schwul sein lassen.

Ich liebe Dich, Faymann. Ich liebe Dich, lieber Hans. Ich liebe dich lieber Werner, Dein Hansi.

Faymann habe ich allerdings noch nicht durchstudiert. Nach einem ORF-Interview habe ich mir gedacht, daß er ein guter Mann ist und fand ihn sofort sympatisch. Bei Gusenbauer hat es bei mir unglaublich länger gedauert. Gusenbauer ist nun aber passé.“

Kennen Sie Hr. Dr. Gusenbauer persönlich?

„Einmal. In der Nähe vom Cafe Prückl. Er hat mich erkannt. Er hat am Handy telefoniert und mich trotzdem gegrüßt.

Eine schreckliche Niederlage, nach so kurzer Zeit wieder abgewählt worden zu sein. Das tut mir leid.“

Es wird derzeit auch ein Wechsel an der Spitze des BZÖs geplant.

„Jörg Haider und Peter Westenthaler basteln derzeit ja an etwas Raffiniertem… Ich habe mir gedacht, vielleicht macht er ja den Gusenbauer zum BZÖ-Spitzenkandidaten.

Grasser wäre fad. Bei Haider hat nur Gusenbauer eine Chance.

Eine Rückkehr von Haider wäre keine Überraschung.“

Letzte Woche ist Heide Schmidt mit dem Liberalen Forum in die Politik zurückgekehrt.

„Ich bin gegen Kleinparteien.

Die SPÖ und ÖVP sind beides große Parteien. Wenn das abbröckeln würde, würde man immer öfter wählen müssen und wir hätten italienische Verhältnisse.

Die Heide Schmidt mag ich. Ich schätze sie als Person sehr. Sie ist liberal, dass kann ich nicht akzeptieren. Ich bin links. Am liebsten würde ich die KPÖ wählen. BZÖ und FPÖ sind keine Diskussion.

Heide Schmidt hat eine Chance – ich glaube schon. Das ist aber schlecht – bei der SPÖ kommt es um jede Stimme darauf an.

Was machen wir dann? Sehen wir dann Schüssel wieder?“

Darum: große Parteien. Die Grünen sind groß genug. Und klug. Und van der Bellen verehre ich sehr. Trotzdem wähle ich ihn nicht, sondern in Gottes Namen Faymann.

Molterer gibts auch noch, ist aber im Vergleich zu Schüssel fad.“

Hans Dichand, Kronen Zeitung und Werner Faymann

„Wenn sich Hans Dichand mit Werner Faymann zusammen tut, muß etwas dran sein. Er hat eine Nase für Populismus.

Und der Zilk hat ja den Gusenbauer gestürzt. Wie bei Shakespears Sommernachtstraum. Brutus, das Cäsar-Stück. Zilk war der Brutus Gusenbauers.

Eine Regierung mit Faymann, van der Bellen und Heide Schmidt. Das wäre eine traumhafte Regierung. Wenn die drei dabei wären. Und wenn das so wäre, würden sie brav arbeiten.

Hans Dichand macht Werbung für Faymann. Der Bundespräsident macht Werbung für Heide Schmidt. So etwas habe ich noch nie gesehen, ich bin aber sehr froh darüber.

Der Hans und der Bundespräsident werden das schon zusammenbringen.“

BZÖ und FPÖ

„BZÖ und FPÖ haben in Summe mehr Stimmen als die Grünen. Das ist schrecklich. Die FPÖ war sonst gesund klein. Schrecklich, wenn sich BZÖ und FPÖ auch noch verstehen würden.“

Kirche und Politik

„Alte Leute haben ein Recht auf Sexualität. Ich denke an die karitative Idee des Sexuellen. Wohnen, Brot – die diakonische Idee des Sexuellen. Die Kirche soll den Sex frei geben. Die Leute sollen miteinander machen, was sie wollen.

Die Soziale Idee und die sexuelle Idee.“

Hat die Kirche etwas in der Politik zu suchen?

„Nein.“

Vielen Dank Hermes Phettberg für das Gespräch und die Zeit. Alles Gute.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place.