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	<title>neuwal &#187; Ausländische Medien</title>
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		<title>Disputatio non grata</title>
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		<pubDate>Mon, 09 Apr 2012 16:02:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dominik Leitner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Grass]]></category>
		<category><![CDATA[Henryk M. Broder]]></category>
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		<description><![CDATA[Günter Grass hat etwas gewagt, was sich viele erst gar nicht trauen: er hat Israel kritisiert. Über "Was gesagt werden muss" kann man natürlich außergewöhnlich gut streiten, was mich aber viel mehr beunruhigt, sind all diese Reaktionen. Über eine Diskussion, die wohl nie geführt werden darf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2012/04/09/disputatio-non-grata-guenter-grass-israel/' addthis:title='Disputatio non grata '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Günter Grass hat etwas gewagt, was sich viele erst gar nicht trauen: er hat Israel kritisiert. Über &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/n5J388/557180/Was-gesagt-werden-muss.html">Was gesagt werden muss</a>&#8221; kann man natürlich außergewöhnlich gut streiten, was mich aber viel mehr beunruhigt, sind all diese (meist übertriebenen) Reaktionen. Über eine Diskussion, die wohl nie geführt werden darf.</p>
<p><span id="more-17690"></span></p>
<p><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2012/04/Israel.jpeg" alt="" width="560" height="374" /></p>
<p><a href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/"><img title="Attribution" src="http://l.yimg.com/g/images/cc_icon_attribution_small.gif" alt="Attribution" border="0" /><img title="Noncommercial" src="http://l.yimg.com/g/images/cc_icon_noncomm_small.gif" alt="Noncommercial" border="0" /><img title="No Derivative Works" src="http://l.yimg.com/g/images/cc_icon_noderivs_small.gif" alt="No Derivative Works" border="0" /></a> <a title="Attribution-NonCommercial-NoDerivs License" href="http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/">Some rights reserved</a> by <a href="http://www.flickr.com/photos/healinglight/">Templar1307</a></p>
<p><a href="http://www.cicero.de/blog/timo-stein/2012-04-04/was-gesagt-werden-muss-henryk-m-broder-ueber-guenter-grass-israeldichtung">Henryk M. Broder</a> meldet sich im Cicero zu Wort, <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/das-israel-gedicht-von-grass/marcel-reich-ranicki-ueber-guenter-grass-es-ist-ein-ekelhaftes-gedicht-11710933.html">Marcel Reich-Ranicky</a> nennt es in der FAZ ein &#8220;ekelhaftes Gedicht&#8221;, selbst der deutsche Außenminister <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826316,00.html">Guido Westerwelle</a> erkennt (in einem Gespräch mit Bild am Sonntag) in der Kombination Israel-Iran einen &#8220;absurden Vergleich&#8221;. Dass jenes, &#8220;was gesagt werden muss&#8221;, so manchem sauer aufstößt, ist eine Selbstverständlichkeit. Ich habe Grass&#8217; Gedicht gelesen, und finde es in erster Linie sehr wichtig, dass es ein Diskussionsbeitrag wurde, der die Wellen hat hoch gehen lassen. (Wobei natürlich die Mir ist es schon so manches Mal aufgefallen, dass Israel in der Welt eine ganz besondere Rolle einnimmt.</p>
<p>Doch die Reaktionen auch von Seiten Israels überraschen mich (und in Wahrheit doch wieder nicht): Grass ist nunmehr eine Persona non grata, der Vorwurf des Antisemitimus liegt über der gesamten Diskussion. Grass, ein Deutscher, mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Grass#Zugeh.C3.B6rigkeit_zur_Waffen-SS">SS-Vergangenheit</a> &#8230; gerade er wagt es, Israel zu kritisieren? Hat er, und haben denn die Deutschen nichts aus der Geschichte gelernt? Es scheint beinahe so, dass Deutschland, Europa und wahrscheinlich auch die ganze Welt nichts gegen Israel sagen dürfe, weil sie den Holocaust, den Tod von 6 Millionen Juden mitverschuldet haben. Weil sie es nicht verhindert haben, damals.</p>
<p>Dabei gibt es genügend Punkte in Israels jüngster Vergangenheit, die man kritisieren dürfen muss: der ewig andauernde Konflikt um Palästina &#8230; oder eben auch die Fehde zwischen dem Iran und Israel. Beide Themen sind zumindest für mich, aufgrund fehlendem Wissen von beiden Seiten, nichts, wo ich mich auf eine Seite stellen kann und will. Und auch Grass hat &#8211; für mich &#8211; nicht Israel als das pure Böse und Iran als den Heilsbringer beschrieben. Die Gefahr, welche von Ahmadinedschad und seinen Leuten ausgeht, kann nicht geleugnet werden &#8230; aber in einem so gefährlichen Konflikt wie hier darf es doch wohl erlaubt sein, auch die andere Seite zu kritisieren.</p>
<p>Natürlich kann man Günter Grass seine Beteiligung an den SS-Verbrechen vorwerfen, natürlich war sein Umgang mit seiner eigenen Geschichte nicht gerade vorbildlich. Aber ihn jetzt zur &#8220;persona non grata&#8221; werden zu lassen, nach diesem Gedicht, erscheint für mich eher wie eine Alibihandlung. Zumindest ich habe im Gedicht keinen offenen Antisemitismus verstanden. Innenminister Eli Jischai hingegen schon &#8230; und hat nach dem Verhängen des Einreiseverbotes auch noch gefordert, dass man Grass den Literaturnobelpreis aberkennen solle. Will man das wirklich? Will man es wirklich so weit kommen lassen, dass man über das Kriegstreiben Israels auf ewig schweigen wird müssen? Haben wir es hier wirklich mit einer &#8220;disputatio non grata&#8221;, also eine unerwünschte Diskussion zu tun?</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2012/04/09/disputatio-non-grata-guenter-grass-israel/' addthis:title='Disputatio non grata '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Aktuelle Studie: Internetzensur und -kontrolle in Zentralasien</title>
		<link>http://neuwal.com/index.php/2011/11/28/internetzensur-und-kontrolle-in-zentralasien/</link>
		<comments>http://neuwal.com/index.php/2011/11/28/internetzensur-und-kontrolle-in-zentralasien/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Nov 2011 13:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dieter Zirnig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Neuwal]]></category>
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		<description><![CDATA[Am 28. November wurde eine <a href="http://www.chrono-tm.org/en/archives/207" title="http://">aktuelle Studie zur Internetzensur- und kontrolle </a>in drei ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Turkmenistan, Urbekistan veröffentlicht. Diese Studie wurde gemeinsam von den Instituten International Partnership for Human Rights, Netherlands Helsinki Committee, Kazakhstan International Bureau for Human Rights and Rule of Law, Turkmen Initiative for Human Rights sowie der Initiative Group of Independent Human Rights Defenders of Uzbekistan zusammengestellt und beschreibt die aktuelle Situation rund um Pressefreiheit und freie Meinungsäußerung im Netz. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/11/28/internetzensur-und-kontrolle-in-zentralasien/' addthis:title='Aktuelle Studie: Internetzensur und -kontrolle in Zentralasien '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Am 28. November wurde eine <a href="http://www.chrono-tm.org/en/archives/207" title="http://">aktuelle Studie zur Internetzensur- und kontrolle </a>in drei ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan veröffentlicht. Diese Studie wurde gemeinsam von den Instituten International Partnership for Human Rights, Netherlands Helsinki Committee, Kazakhstan International Bureau for Human Rights and Rule of Law, Turkmen Initiative for Human Rights sowie der Initiative Group of Independent Human Rights Defenders of Uzbekistan zusammengestellt und beschreibt die aktuelle Situation rund um Pressefreiheit und freie Meinungsäußerung im Netz. <span id="more-13710"></span></p>
<blockquote><p>
<strong>Central Asia: Censorship and Control of the Internet and Other New Media</strong><br />
This briefing paper explores problems of censorship and control of the internet and other new media in Central Asia. It focuses on the situation in Kazakhstan, Turkmenistan and Uzbekistan, where the authorities closely monitor and restrict the use of the internet and other communications technologies, filter and block access to undesirable online content, and intimidate and put pressure on websites and internet users who publish or share information that is critical of official policies.<br />
<em>Quelle: <a href="http://www.chrono-tm.org/en/archives/207" target="_blank">Chronical of Turkmenistan</a> (November 2011)</em>
</p></blockquote>
<p><iframe width="560" height="350" frameborder="0" scrolling="no" marginheight="0" marginwidth="0" src="http://www.google.at/maps?ie=UTF8&amp;t=m&amp;vpsrc=6&amp;ll=47.040182,64.599609&amp;spn=20.978791,49.21875&amp;z=4&amp;output=embed"></iframe><br /><small><a href="http://www.google.at/maps?ie=UTF8&amp;t=m&amp;vpsrc=6&amp;ll=47.040182,64.599609&amp;spn=20.978791,49.21875&amp;z=4&amp;source=embed" style="color:#0000FF;text-align:left">Größere Kartenansicht</a></small></p>
<p>Generell gilt für diese drei Länder: Es wird überwacht, gefiltert und unerwünschte Inhalte werden blockiert. Kritische Journalisten werden eingeschüchtert und auf Online-Plattformen, die kritische gegenüber ihren Regierungen sind, wird &#8211; sofern sie nicht abgeschalten oder generell blockiert werden &#8211; Druck ausgeübt. </p>
<p>Rechtfertigt wird diese Zensur von den drei zentralasiatischen Ländern mit Argumenten für die Gewährleistung der nationalen Sicherheit, Kampf gegen Extremismusm sowie mit der Aufrechterhaltung der Stabilität. Doch in der Realität, so die Studie, dient dies als Vorwand um freie Meinungsäußerung zu unterdrücken sowie zur Machterhaltung. </p>
<p>Kürzlich wurde in diesen Ländern der Entwurf &#8220;Code of Conduct&#8221; zum Thema &#8220;Information Security&#8221; formuliert: Und zwar die Erstellung gemeinsamer und regional übergreifender Steuermechanismen für soziale Netzwerke. Diese Initiativen, so die Studie, geben Anlass zur Sorge und untergraben die freie Meinungsäußerung im Internet.</p>
<p><iframe src="http://docs.google.com/viewer?url=http%3A%2F%2Fneuwal.com%2Fwp-content%2Fuploads%2F2011%2F11%2FBriefing-Paper-Censorship-and-Control-of-the-Internet-in-Central-Asia-November-2011.pdf&#038;embedded=true" width="560" height="800" style="border: none;"></iframe></p>
<p><strong>Kasachstan</strong></p>
<ul>
<li>Überwachung und Filterung des Internets</li>
<li>Internetseiten, in denen die Regierung und Machthaber kritisiert werden, werden blockiert.</li>
<li>Seit Oktober 2011 werden mehr als 100 Websites blockiert, weil sie angeblich &#8220;extremistische&#8221; Propaganda beinhalten. Darunter die populäre Blog-Community Live Journal. </li>
<li>Einschüchterungen und gewalttätige Übergriffe auf Journalisten von unterschiedlichen Online-Portalen und Blogs</li>
<li>guljan.org, das über Korruption mit offiziellen Zahlen berichtet, wurde Angriffsziel von Cyber-Angriffen.</li>
<p><strong>Turkmenistan</strong> </p>
<ul>
<li>Turkmenistan verfolgt eine der schärfsten Internetzensuren weltweit, nur eine sehr zensierte Version des Internets ist zugänglich.</li>
<li>Alle Online-Aktivitäten in Internet-Cafes werden aufgezeichnet. </li>
<li>Preise für private Internet-Verbindungen sind sehr hoch.</li>
<li>Internetseiten im Ausland mit Berichterstattungen über die Situation in Turkmenistan werden gehackt und zu Serverabstürzen gebracht.</li>
<li>Mit einer Informationskampagne sollen die Einwohner ihre privaten Satellitenschüsseln (eine der wenigen verbliebenen Mittel für eine unabhängige Information in das Land) abmontieren.</li>
</ul>
<p><strong>Usbekistan</strong></p>
<ul>
<li>Weit verbreitete Online-Kontrolle und Zensur: Informationen, die den Behörden nicht gefallen, werden systematisch gefiltert und blockiert. </li>
<li>E-Mail-und Handy-Korrespondenz von &#8220;verdächtigen&#8221; Personen werden überwacht.</li>
<li>Teilnehmer in Online-Diskussionen über politisch Themen werden überwacht &#8211; eine Reihe von <a href="http://arbuz.com">arbuz.com</a> Forum Usern wurden im Frühjahr 2011 verhaftet. </li>
<li>Internetuser, die offen über soziale Probleme sprechen sind für Einschüchterungen und Schikanen sehr anfällig</li>
</ul>
<p>Den gesamten Artikel gibt es auf Englisch unter <a href="http://www.chrono-tm.org/en/archives/207">chrono-tm.org</a>: Central Asia: Censorship and Control of the Internet and Other New Media.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/11/28/internetzensur-und-kontrolle-in-zentralasien/' addthis:title='Aktuelle Studie: Internetzensur und -kontrolle in Zentralasien '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Zentralasien]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Ungarn im Umbruch, Teil 3: Mit Riesenschritten zur Einparteienherrschaft</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Jan 2011 09:55:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
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		<category><![CDATA[Ungarn im Umbruch]]></category>
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		<description><![CDATA[Dritter und letzter Teil der neuwal-Serie zu Paul Lendvais Buch "Ungarn im Umbruch", das erklärt, warum es zur Zweidrittelmehrheit Viktor Orbans kommen konnte. Von Gyurcsanys Rücktritt zum "System der nationalen Zusammenarbeit".]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/18/ungarn-im-umbruch_paul-lendvai_teil3/' addthis:title='Ungarn im Umbruch, Teil 3: Mit Riesenschritten zur Einparteienherrschaft '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Dritter und letzter Teil der neuwal-Serie zu Paul Lendvais Buch &#8220;Ungarn im Umbruch&#8221;, das erklärt, warum es zur Zweidrittelmehrheit Viktor Orbans kommen konnte. Von Gyurcsanys Rücktritt zum &#8220;System der nationalen Zusammenarbeit&#8221;.</p>
<p><span id="more-9660"></span></p>
<p><strong>Glück im Unglück</strong><br />
Das einzige Glück nach Gyurcsanys mehrfacher Niederlage war die interimistische Übernahme der Regierungsgeschäfte durch den parteilosen Wirtschaftsexperten Gordon Bajnai, der das Land erneut durch härteste Einschnitte und Reformen vor dem drohenden Finanzdebakel und Staatsbankrott retten musste. Er stellte das Vertrauen wieder her, bevor Orban 2010 die Wahlen fulminant gewann.</p>
<p><strong>Umstrittene Gesetze</strong><br />
Gleich in den ersten Tagen nach Amtsantritt verabschiedete die Regierung Orban zwei extrem umstrittene Gesetze – und erwies dem internationalen Ansehen des Landes damit einen Bärendienst. Das erste garantiert allen Ungarn, auch jenen im Ausland, das Recht auf einen ungarischen Pass. Das zweite erklärte den 4. Juni, den Tag der Vetragsschließung von Trianon, zum „Tag der nationalen Zusammengehörigkeit“.</p>
<p><strong>Propaganda mit Folgen</strong><br />
Die Folge der ständig getrommelten Trianon-Propaganda stieg die Ablehnung des vor mehr als 90 Jahren (!) geschlossenen Takts um ein Vielfaches auf eine durchaus relevante Größe. Mir fällt bei der Schilderung dieser Umstände immer die von Milosevic instrumentalisierte „Schlacht ums Amselfeld“ ein. In den damals für Ungarn „verlorenen“ Gebieten bilden die ungarischen Bevölkerungsgruppen jedoch nur noch die Minderheit – und in Ungarn selbst gibt es ebenso zahlreiche Minderheiten, weshalb diesen Themen immer noch überproportional viel (politische) Bedeutung zukommt und das Verhältnis zu fast allen Nachbarstaaten schwierig bleiben wird. </p>
<p><strong>&#8220;Revolution an den Urnen&#8221;</strong><br />
Was aber ist Orbans Ziel, was treibt ihn an? Der Ministerpräsident macht kein Geheimnis daraus: Entstehen soll ein „System der nationalen Zusammenarbeit“, seinen Sieg ließ er als „Revolution an den Urnen“ in allen Ämtern aushängen. Die Geburt dieser „neuen Ära“ in der ungarischen Politik ist jedoch von einem Makel behaftet, dass hinter ihr nur ein Drittel der Wahlberechtigten und ein Viertel der Bevölkerung ausmacht.</p>
<p><strong>Einparteienherrschaft in Sicht</strong><br />
Ob Orban wirklich das Recht hat, für sich und seine Partei daraus das Recht zum Aufbau einer Einparteienherrschaft abzuleiten, alle politischen Posten im Land zu besetzen, die Medien gleichzuschalten – und dabei die rechtsrechten und rechtsradikalen Parteien stark aufzuwerten und in die Machtstrukturen einzubinden, muss man in aller Schärfe in Frage stellen.</p>
<p><strong>Lehrstück des Rechtspopulismus</strong><br />
Nichts anderes hat Lendvai in seinem Buch getan, und dafür gebührt ihm jener Respekt, der ihm ausgerechnet von der politischen Elite seiner Heimat verwehrt bleibt. Man muss nicht an Ungarn im speziellen interessiert sein, um dieses Buch zu verschlingen – es ist ein Lehrstück über die Konflikte und Umbrüche nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Europa ebenso wie eines über jenen Nährboden, der rechtsextreme Schwammerl in die Höhe sprießen lässt.</p>
<blockquote><p><img class="alignleft size-full wp-image-9647" title="ST_RONDO_210x280_OK" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2011/01/PaulLendvai_Cover.jpg" alt="Buchcover &quot;Mein verspieltes Land&quot; von Paul Lendvai" width="105" height="150" /> Paul Lendvai:<br />
&#8220;Mein verspieltes Land. Ungarn im Umbruch&#8221;</p>
<p>Ecowin Verlag 2010<br />
272 Seiten<br />
EUR 23,60</p>
<p>ISBN 978-3-902404-94-7</p></blockquote>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/18/ungarn-im-umbruch_paul-lendvai_teil3/' addthis:title='Ungarn im Umbruch, Teil 3: Mit Riesenschritten zur Einparteienherrschaft '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Ungarn im Umbruch]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Ungarn im Umbruch, Teil 2: Viktor Orbans kometenhafter Aufstieg nach bitteren Niederlagen</title>
		<link>http://neuwal.com/index.php/2011/01/15/ungarn-im-umbruch_paul-lendvai_teil2/</link>
		<comments>http://neuwal.com/index.php/2011/01/15/ungarn-im-umbruch_paul-lendvai_teil2/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 15 Jan 2011 08:40:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
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		<description><![CDATA[Teil 2 der neuwal-Serie zu Paul Lendvais Buch "Ungarn im Umbruch", das erklärt, warum es zur Zweidrittelmehrheit Viktor Orbans kommen konnte. Entdecken Sie mit uns die Hintergründe der politischen Skandale, die die EU derzeit in Atem halten!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/15/ungarn-im-umbruch_paul-lendvai_teil2/' addthis:title='Ungarn im Umbruch, Teil 2: Viktor Orbans kometenhafter Aufstieg nach bitteren Niederlagen '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Teil 2 der neuwal-Serie zu Paul Lendvais Buch &#8220;Ungarn im Umbruch&#8221;, das erklärt, warum es zur Zweidrittelmehrheit Viktor Orbans kommen konnte. Vom sozialistischen Postkommunismus war es noch eine lange Durststrecke mit liberalen Koalitionsregierungen, bevor die Fidesz ihren Durchmarsch startete.</p>
<p><span id="more-9656"></span></p>
<p><strong>&#8220;Prolet&#8221; am Ruder</strong><br />
Nach dem Tod Antalls übernahm der „Prolet“ Guyla Horn das Ruder bei den sozialistischen Postkommunisten. Gemeinsam mit den Liberalen entstand die erfolgreichste Reformregierung seit der Wende – die allerdings weitreichende Sparpakete und schmerzhafte Einschnitte mit sich brachte, dabei auch mehrmals auf der Kippe stand. Horn übergab das Ruder zu spät, von nun an sollte Orban die politische Bühne dominieren.</p>
<p><strong>Orbans kometenhafter Aufstieg</strong><br />
Unter Orban erlebte der Bund junger Demokraten (Fidesz) einen kometenhaften Aufstieg, schon 1998 (damals noch als zweitplatzierte Partei) formte der jüngste Ministerpräsident der ungarischen Geschichte mit der bis dahin bedeutungslosen Partei an der Spitze eine rechte Koalitionsregierung. Ermöglicht wurden die enormen Zuwächse durch Orbans politisches Geschick – und einen starken Ruck nach rechts.</p>
<p><strong>Autoritärer Führungsstil</strong><br />
Sein Führungsstil war schon damals autoritär, Kontrollmechanismen waren ihm suspekt. Von Beginn an deklarierte und lebte er das absolute Primat der Politik über die Ökonomie und seine spezielle Sicht auf Rolle und Funktion der Medien. Die wirtschaftliche Basis sicherte er durch direkte Kontakte und Freundschaften mit reichen, politisch wohlgesinnten Magnaten.</p>
<p><strong>Geschlagen von Liberalen</strong><br />
Bei der nächsten Wahl kam es – nicht nur für Orban überraschend – zu einem knappen Sieg des linksliberalen Lagers mit dem Verfechter der „nationalen Mitte“, Peter Medgyessy. Die ungarische Bevölkerung war fortan gespalten, Medgyessy enttäuschte fast alle Erwartungen. Wie Orban pushte er studierte Ökonom mit in Wahrheit unfinanzierbaren Wahlgeschenken das Wirtschaftswachstum in die Höhe, sein „100-Tage-Programm“ war Gift für den ungarischen Staatshaushalt.</p>
<p><strong>Schmach der Niederlage</strong><br />
Nach einer dramatischen Niederlage bei der Europawahl im Juni 2004 schickte Medgyessy den wesentlich jüngeren Ferenc Gyurcsany vor, der seit 2002 als sein Chefberater agierte. Er war erst 2000 der sozialistischen Partei beigetreten, 2002 war er noch nicht einmal Abgeordneter. Es gehört zu den Wundern der Geschichte, dass es immer wieder Ausnahmeerscheinungen geben kann, die von niemandem erwartet und historisch nicht erklärbar sind.</p>
<p><strong>Vom Shootingstar zum Buhmann</strong><br />
Als solches muss die Regierungszeit Gyurcsanys gelten, die von 2004 bis 2009 dauerte und in einer vernichtenden Niederlage endete. Alleine der Sieg bei den Wahlen 2006 war nichts anderes als unglaublich. Der unberechenbare Shootingstar der Linken konnte aber das Chaos, die Korruption und die Verlogenheit seiner Partei nicht in den Griff bekommen – sein letztes Aufbäumen, den verzweifelten Versuch zu retten, was zu retten war, drang an die Öffentlichkeit und kostete ihm als „Lügenrede“ den Kopf.</p>
<p><strong>Der politische Durchmarsch</strong><br />
In diesen Jahren vielen die Würfel für die Erringung der Zweidrittel-Mehrheit durch Orban im Jahr 2010. Fidesz hatte die –in Ungarn fast schon traditionell abhängigen &#8211; Medien auf ihrer Seite, die angeprangerten Skandale und Misswirtschaft der Linken waren nicht erfunden. So schlug die Stunde des genialen politischen Verführers, der – begleitet von einem Rechtsruck des gesamten Landes – den politischen Durchmarsch vorbereitete.</p>
<p><strong>Bürgerkriegsähnliche Zustände</strong><br />
Anhaltende Proteste mit bürgerkriegsähnlichen Zuständen führten dazu, dass Gyurcsany im Parlament die Vertrauensfrage stellte und diese gewann, die Dynamik aber nicht mehr aufhalten konnte. Am 23. Oktober 2009 kam es zu hunderten Verletzten Demonstranten und Polizisten, aufsehenerregende Bilder gingen um die Welt. Die Regierung war am Ende. Auf der Strecke blieben bei diesem Kampf auf Leben und Tod auch Minderheitenrechte, Medienfreiheit und die Ablehnung des Rechtsradikalismus, der von der Fidesz politisch instrumentalisiert wurde.</p>
<p><em>Teil 3 der Serie folgt am Dienstag!</em></p>
<blockquote><p><img class="alignleft size-full wp-image-9647" title="ST_RONDO_210x280_OK" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2011/01/PaulLendvai_Cover.jpg" alt="Buchcover &quot;Mein verspieltes Land&quot; von Paul Lendvai" width="105" height="150" /> Paul Lendvai:<br />
&#8220;Mein verspieltes Land. Ungarn im Umbruch&#8221;</p>
<p>Ecowin Verlag 2010<br />
272 Seiten<br />
EUR 23,60</p>
<p>ISBN 978-3-902404-94-7</p></blockquote>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/15/ungarn-im-umbruch_paul-lendvai_teil2/' addthis:title='Ungarn im Umbruch, Teil 2: Viktor Orbans kometenhafter Aufstieg nach bitteren Niederlagen '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Ungarn im Umbruch]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Ungarn im Umbruch, Teil 1: Das Buch, das Paul Lendvai zur „persona non grata“ machte</title>
		<link>http://neuwal.com/index.php/2011/01/12/ungarn-im-umbruch-paul-lendvai-1/</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Jan 2011 10:25:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der bekannte Wahlösterreicher und Osteuropa-Experte Paul Lendvai erklärt in seinem Buch "Ungarn im Umbruch", warum es zur Zweidrittelmehrheit Viktor Orbans kommen konnte. Entdecken Sie mit uns die Hintergründe der politischen Skandale, die die EU derzeit in Atem halten!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/12/ungarn-im-umbruch-paul-lendvai-1/' addthis:title='Ungarn im Umbruch, Teil 1: Das Buch, das Paul Lendvai zur „persona non grata“ machte '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Der bekannte Wahlösterreicher und Osteuropa-Experte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lendvai" target="_blank">Paul Lendvai</a> hat beinahe jedes europäische Drama am eigenen Leib miterlebt, in den letzten Jahrzehnten dreimal seinen Wohnsitz gewechselt – und ist im Herzen noch immer noch ein Ungar, der sein Land liebt. Dennoch – oder gerade deswegen – geht er hart mit den Politikern ins Gericht, die seit der „Samtenen Revolution“ am Ruder waren.</p>
<p><span id="more-9641"></span></p>
<p><div id="attachment_9642" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9642" title="LendvaiOrban" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2011/01/LendvaiOrban.jpg" alt="Paul Lendvai und Viktor Orban Rücken an Rücken, Fotomontage: Stefan Egger" width="550" height="328" /><p class="wp-caption-text">Fotomontage: Stefan Egger</p></div></p>
<p>In der EU gehen die Wogen derzeit hoch, was schon beim <a href="http://neuwal.com/index.php/2010/12/16/europa-sucht-seine-orgasmen_mediengipfel-am-hoehepunkt/" target="_blank">Mediengipfel in Lech</a> absehbar war, als der ungarische Staatssekretär Gergely Pröhle und der ungarische Botschafter von allen Seiten zu den Themen doppelte Staatsbürgerschaft, Roma-Probleme &#8211; und vor allem zum heftig umstrittenen neuen Mediengesetz Rede und Antwort stehen mussten. Zu diesem Thema folgen in Kürze weitere Informationen, in diesem Beitrag wollen wir auf Basis des Buches &#8220;Ungarn im Umbruch&#8221; die historischen Ursachen näher beleuchten.</p>
<blockquote><p><img class="alignleft size-full wp-image-9644" title="PaulLendvai" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2011/01/PaulLendvai.jpg" alt="Paul Lendvai" width="93" height="136" />Paul Lendvai ist aus der österreichischen Medienszene schwer wegzudenken. Geboren in Budapest, lebt er seit 1957 in Österreich, zwei Jahre später erhielt er auch die Staatsbürgerschaft. Man muss nicht die von ihm herausgegebene „Europäische Rundschau“ lesen, um ihn kennenzulernen: Lendvai leitet unter anderem das ORF-Europastudio und ist Kolumnist im „Standard“.</p>
<p>Mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, erhielt er 2008 den Ehrenpreis des öst. Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.</p></blockquote>
<p><strong>Kritische Worte</strong><br />
Umso grotesker mutet  die Reaktion auf seine aktuellste Buchveröffentlichung mit dem Titel „Mein verspieltes Land – Ungarn im Umbruch“ an, in der er zwar kritische Worte für die mit Zweidrittelmehrheit ausgestattete Regierungspartei Fidesz unter Viktor Orban findet, jedoch auch die vorherigen Regierungen distanziert und faktenorientiert – auch streng – bewertet.</p>
<p><strong>Vom Vorreiter zum Sorgenkind</strong><br />
Er stellt sich die berechtigte Frage, wie aus einem Reform-Vorreiter ein Sorgenkind Europas mit (verbotenen) militärischen Garden, Roma-Diskriminierung, hoher Verschuldung und angehendem Einparteiensystem werden konnte.</p>
<p><strong>Ein Mann mit Geschichte</strong><br />
Interessant ist dabei auch, dass Orban schon beim „Begräbnis“ des Kommunismus im Jahre 1989 eine symbolträchtige und freche Rede hielt, in denen der junge (damals noch bärtige) Mann sein politisches Talent auf einer riesigen politischen Bühne früh unter Beweis stellte.</p>
<p><strong>Kommunismus mit eiserner Faust</strong><br />
32 Jahre lang hatte Janos Kadar die kommunistische Herrschaft sichergestellt, vordergründig mit Geschick, hinter den Kulissen mit eiserner Faust. Nach der überaus turbulenten Anfangszeit, dem Übergang von der Einparteienherrschaft zu mehr Demokratie, erschien Jozsef Antall auf der Bildfläche, der als Unbekannter auftauchte und das Land von 1990 bis 1993 als angesehener Premierminister regierte.</p>
<p><strong>Die Eiterbeule bricht auf</strong><br />
Antall schien für das Amt geboren, doch platzten einige Bomben aus der Kadar-Zeit. Der Schriftsteller Imre Kertesz beschrieb die aufbrechenden Skandale der vorangegangenen Jahrzehnte als „eine in 40 Jahren herangereifte Eiterbeule, die das Chirurgenmesser endlich öffnet“.</p>
<p><strong>Unsterbliches Trianon-Trauma</strong><br />
Was an Hass, Rassismus und Dummheit aus den Menschen hervorbrach, stellt Lendvai als die Quelle der heutigen Probleme dar. Bevor 1920 im Schloss Trianon das Schicksal des 1.000-jährigen Stephansreiches zu Ende, Ungarn verlor zwei Drittel seiner Staatsfläche, Millionen lebten danach unter fremder Herrschaft. Von diesem Geburtstrauma des modernen Ungarns hat sich das Land nie erholt.</p>
<p><strong>Zügelloser Antisemitismus</strong><br />
Mit dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns endete auch die goldene Zeit für die ungarischen Juden, die es zu Reichtum und politischem Einfluss gebracht hatten. Obwohl viele Juden im Ersten Weltkrieg für Ungarn gefallen waren, kam es in der Zwischenzeit zu einem zügellosen Antisemitismus. Der deutsche Einmarsch 1944 wurde begrüßt und bejubelt, die bis dahin in relativer Sicherheit lebenden Juden wurden in beispiellosem Tempo deportiert, man schätzt die Opferzahl auf über  564.000.</p>
<p><strong>Aufstieg der Pfeilkreuzler</strong><br />
Bis heute belegen Umfragen den hohen Grad an Antisemitismus und die Vorurteile gegenüber Nachbarstaaten, die an allem Unglück Ungarns schuld sein sollen. So erklärt Lendvai auch den Aufstieg der Pfeilkreuzler.</p>
<p><em>Teil 2 der Serie folgt am Samstag!</em></p>
<blockquote><p><img class="alignleft size-full wp-image-9647" title="ST_RONDO_210x280_OK" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2011/01/PaulLendvai_Cover.jpg" alt="Buchcover &quot;Mein verspieltes Land&quot; von Paul Lendvai" width="105" height="150" /> Paul Lendvai:<br />
&#8220;Mein verspieltes Land. Ungarn im Umbruch&#8221;</p>
<p>Ecowin Verlag 2010<br />
272 Seiten<br />
EUR 23,60</p>
<p>ISBN 978-3-902404-94-7</p></blockquote>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/12/ungarn-im-umbruch-paul-lendvai-1/' addthis:title='Ungarn im Umbruch, Teil 1: Das Buch, das Paul Lendvai zur „persona non grata“ machte '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Ungarn im Umbruch]]></series:name>
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		<title>Geht Deutschland unter? Sarrazins Angst vor dem Aufstieg der Unterschicht</title>
		<link>http://neuwal.com/index.php/2011/01/07/geht-deutschland-unter-sarrazins-angst-vor-dem-aufstieg-der-unterschicht/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Jan 2011 13:39:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dominik Leitner</dc:creator>
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		<description><![CDATA["Deutschland schafft sich ab" - mit diesem Buch hat Thilo
Sarrazin 2010 den politischen Bestseller schlechthin
veröffentlicht. Dominik Leitner hat den Wälzer analysiert, auf
neuwal.com wird eine breite Debatte gestartet.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/07/geht-deutschland-unter-sarrazins-angst-vor-dem-aufstieg-der-unterschicht/' addthis:title='Geht Deutschland unter? Sarrazins Angst vor dem Aufstieg der Unterschicht '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>&#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221; &#8211; mit diesem Buch hat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Sarrazin" target="_blank">Thilo Sarrazin</a> 2010 den politischen Bestseller schlechthin veröffentlicht. Das Werk des nunmehrigen Ex-Chefs der deutschen Bundesbank schlug hohe Wellen &#8211; und das nicht nur in Deutschland, sondern auch bei uns in Österreich.<br />
<span id="more-9551"></span></p>
<p><div id="attachment_9590" class="wp-caption alignnone" style="width: 560px"><img class="size-full wp-image-9590 " title="RMS-Sarrazin" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2011/01/RMS-Sarrazin.jpg" alt="RMS Sarrazin geht mit deutscher Flagge unter, Fotomontage: Stefan Egger" width="550" height="341" /><p class="wp-caption-text">Fotomontage: Stefan Egger</p></div></p>
<p>Spät aber doch &#8211; und rechtzeitig zur Wahl Sarrazins zum <a href="http://www.profil.at/articles/1052/560/285439/der-mensch-jahres-der-herr-sarrazin" target="_blank">&#8220;Mensch des Jahres 2010&#8243; im Nachrichtenmagazin &#8221;profil&#8221;</a> hat sich <em>neuwal </em>durch die 463 Seiten der 9. (teilweise entschärften) Auflage gekämpft. Zuerst ein paar Worte über den Autor, der zumindest in Österreich bisher keine breitere Bekanntheit erlangt hatte.</p>
<blockquote>
<p><div id="attachment_9593" class="wp-caption alignleft" style="width: 110px"><img class="size-full wp-image-9593 " title="ThiloSarrazin_(CC)NinaGerlach" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2011/01/ThiloSarrazin_CCNinaGerlach.jpg" alt="Thilo Sarrazin, (CC) Nina Gerlach" width="100" /><p class="wp-caption-text">(CC) Nina Gerlach</p></div></p>
<div>SPD-Mitglied Thilo Sarrazin wurde 1945 im deutschen Gera geboren und ist studierter Volkswirt. Von 1975 bis 2010 war er im öffentlichen Dienst tätig, 2000 bis 2001 in leitender Position bei der Deutschen Bahn AG beschäftigt. Von 2002<br />
bis 2009 war Sarrazin Finanzsenator im Berliner Senat, wo es mehrmals Wirbel um seine Aussagen gab. Bis zu den Protesten nach der Veröffentlichung seines Buches im September 2010 war er Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank.</div>
<div>Mit &#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221; schrieb er das meistverkaufte deutsche Sachbuch 2010.</div>
</blockquote>
<p>Sarrazin erklärt in seinem Buch die These, warum die unregulierte Immigration Deutschland ins Verderben stürzen wird. Wie schon unsere Innenministerin Maria Fekter so treffend formulierte &#8211; die &#8220;unqualifizierten Analphabeten aus einem Bergdorf&#8221; &#8211; sieht auch er die Gefahr bei bildungsfernen Schichten aus der Türkei. Nicht die Migration selbst sei das Problem (Sarrazin lobt in seinem Buch sogar die Heterogenität Deutschlands), sondern vielmehr die Zuwanderung bildungsferner, weniger intelligenter sowie integrationsunfreudiger Menschen, die - wie er sagt &#8211; vor allem aus Afrika, dem Nahen Osten und der Türkei kommen. Damit Deutschland auch weiter vorne mitspielen könne, bräuchte man mehr intelligente Menschen: Menschen, die Deutschland wieder zu einem Land der Innovationen werden lasse. Hier spricht Sarrazin auch die geringe Intelligenz heutiger Studierender an: nur eine Minderheit studiere die sogenannten &#8220;MINT&#8221;-Fächer, die für<br />
Innovation stehen würden.</p>
<p><strong>Islamkritik<br />
</strong></p>
<p><strong>&#8230;</strong> Als große Islamkritik wurde das Buch gesehen: als politisch unkorrekt, schlicht unwahr. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Houellebecq" target="_blank">Michel Houellebecq</a>, der große französische Autor, nutzt selbst jede Gelegenheit, seine Meinung über den Islam kundzutun, und bezeichnete sie kurzerhand als &#8220;die dümmste Religion unter allen&#8221;. Für Sarrazin scheint der Islam, die Religion selbst, der Grund für eine bildungsfernere Bevölkerung (&#8220;in arabischen Ländern wurde nie viel gelesen&#8221;), aggressivere, kriminellere Menschen und außerdem die grundlegende und dauerhafte Angewiesenheit auf Sozialleistungen Deutschlands zu sein. Was auffällt, ist, dass er sich auf den Islam und die Türkei eingeschworen hat: auch wenn er behauptet, dass es überall &#8221;bildungsferne Unterschicht&#8221; gäbe, so sei vor allem jene aus der Türkei gefährlich, zumal diese noch integrationsunwillig sei.</p>
<blockquote><p>&#8220;Es ist nämlich zu befürchten, dass sie zur überdurchschnittlichen Vermehrung jener bildungsfernen und von Transfers abhängigen Unterschicht beitragen, welche die Entwicklungsaussichten Deutschlands verdüstert.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>&#8230; und Genetik</strong></p>
<p>Doch nicht nur die Religion ist Grund für geringere Intelligenz, nein &#8230; auch genetisch ist der IQ schon vorbestimmt, meint Sarrazin. Und nennt dabei die Juden, die schon immer klüger als alle anderen, deshalb auch gute Geschäftsmänner waren und die es jetzt, in Teilen Nordamerikas, immer noch sind. Das war etwas, woran ich mich am Meisten gestoßen habe. Jenen Teil des Buchs, der sich rein um die Kritik am Islam dreht, kann man zumindest als Diskussionsgrundlage nützen. Wenn aber im 21. Jahrhundert jemand über die Genetik, und die genetischen Vorteile einzelner Ethnien schreibt, so kann ich leider nur mehr meinen Kopf schütteln. Und auch für seine Partei, in der er bis heute immer noch Mitglied ist, weiß er das Problem für den Wählerschwund:</p>
<blockquote><p>&#8220;Die bereits beschriebene intellektuelle Ausdünnung der Unterschicht wirkt sich tendenziell zu Lasten der Arbeiterpartei SPD aus, weil das Mobilisierungspotenzial sinkt und Meinungsführer Mangelware werden.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das hört man ja nicht zum ersten Mal, dass der Populismus, die einfache Form des Forderns, anstatt wirklich an Umsetzungen zu arbeiten, besser ankommt, sofern die Leute dumm gehalten werden. Womöglich ist das auch der Grund, warum ein Thilo Sarrazin, würde er denn eine Partei gründen, eine große Wählerschaft hinter sich hätte. Ich bezweifle allerdings, dass viele davon sein Buch gelesen haben. Bis heute hat Sarrazin von &#8221;Deutschland schafft sich ab&#8221; 1,25 Millionen Stück verkauft, es gibt bereits 17 Auflagen (wo, wie ich gehört habe, zumindest bei den letzten Auflagen jene Teile rund um Genetik etwas entschärft wurden). Aber ob nun entschärft oder nicht: &#8220;Deutschland schafft sich ab&#8221; ist eine schwer konsumierbare Lektüre.</p>
<p>In den kommenden Tagen diskutieren wir übrigens hier auf neuwal darüber, ob<br />
<em>Profil</em> mit der Wahl Sarrazins zum <em>Mensch des Jahres</em> den Nerv der Zeit traf. Hat Thilo Sarrazin es verdient, als Mensch des Jahres 2010 bezeichnet zu werden? Oder gäbe es da nicht viele andere Personen, die diese Auszeichnung redlicher verdient hätten?</p>
<blockquote><p><strong><img class="size-thumbnail wp-image-9555 alignleft" title="Deutschland schafft sich ab" src="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/1/11/Thilo_Sarrazin_-_Deutschland_schafft_sich_ab._Cover.png/376px-Thilo_Sarrazin_-_Deutschland_schafft_sich_ab._Cover.png" alt="" height="180" /></strong><strong>Deutschland schafft sich ab<br />
</strong><em>Wie wir unser Land aufs Spiel setzen</em><span style="font-size: 11.6667px;"><br />
von Thilo Sarrazin </span></p>
<p><span style="font-size: 11.6667px;">Verlag DVA<br />
Hardcover </span></p>
<p><span style="font-size: 11.6667px;">463 </span><span style="font-size: 11.6667px;">Seiten<br />
ISBN 978-3-421-04430-3<br />
EUR 23,70</span></p></blockquote>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2011/01/07/geht-deutschland-unter-sarrazins-angst-vor-dem-aufstieg-der-unterschicht/' addthis:title='Geht Deutschland unter? Sarrazins Angst vor dem Aufstieg der Unterschicht '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Integrationsdebatte]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 10: Zeit für Abschiede</title>
		<link>http://neuwal.com/index.php/2010/12/31/magister-o-muerte10_politische-post-aus-ecuador_abschiede/</link>
		<comments>http://neuwal.com/index.php/2010/12/31/magister-o-muerte10_politische-post-aus-ecuador_abschiede/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 2010 08:53:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[manuel daubenberger]]></category>
		<category><![CDATA[quito]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach knapp vier Monaten ist für Manuel Daubenberger die Zeit des Abschieds gekommen. Er wird zwar noch fünf Monate reisen, doch mittlerweile ist er einer der letzten verbliebenen Gringos und auch seine Zeit als Bewohner Quitos geht zu Ende. Zeit für eine Bilanz.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/31/magister-o-muerte10_politische-post-aus-ecuador_abschiede/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 10: Zeit für Abschiede '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Nach knapp vier Monaten ist für Manuel Daubenberger die Zeit des Abschieds gekommen. Er wird zwar noch fünf Monate reisen, doch mittlerweile ist er einer der letzten verbliebenen Gringos und auch seine Zeit als Bewohner Quitos geht zu Ende. Zeit für eine Bilanz.</p>
<p><span id="more-9519"></span></p>
<p><div id="attachment_9520" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/MagisterOMuerte10.jpg"><img class="size-full wp-image-9520" title="MagisterOMuerte10" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/MagisterOMuerte10.jpg" alt="(C) Vulkan auf Ecuador, (CC) Manuel Daubenberger" width="500" height="338" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong>Zeit, sich zu verabschieden<br />
</strong>Obwohl es noch fünf Wochen sind, ist dies mein letzter Blogeintrag. Die nächsten fünf Wochen werde ich hauptsächlich auf Reisen sein, so dass meine Zeit als Einwohner Quitos zu Ende geht. Es wird Zeit Bilanz zu ziehen.</p>
<p>Die letzten beiden Wochen waren vor allem von Abschieden geprägt. Mittlerweile bin ich einer der letzten verbliebenen Gringos. Vergangene Woche war ich zum letzten Mal als Lehrer in Baeza. Außerdem stand das letzte Vorrundenspiel des Dorfturniers an.</p>
<p>Gegen die Polizei gingen wir als krasse Außenseiter in die Partie. Da Polizisten in Ecuador überdurchschnittlich gut bezahlt werden, wollen fast alle Jugendlichen zur Polizei. Und so bestand das gegnerische Team aus athletischen, für ecuadorianische Verhältnisse groß gewachsenen Spielern. Dementsprechend hatten sie bis dahin auch alle Spiele gewonnen. Wir kamen allerdings sehr gut ins Spiel und gingen dann auch in Führung. Diese konnten wir bis zur Mitte der zweiten Halbzeit auf 5:1 ausbauen. Da es danach allerdings mit der defensiven Disziplin dahin war, stand es bereits drei Minuten später 5:4. In der letzten Sekunde bekamen wir die Quittung für unsere Dummheit und kassierten den 5:5 Ausgleich, der gleichzeitig unser Ausscheiden bedeutete.</p>
<p>Der anschließende Unterricht war dafür toll, denn nach drei Monaten gemeinsamer Arbeit haben meine Schüler tatsächlich enorme Fortschritte gemacht. Da sie noch vier Monate Unterricht vor sich haben, bin ich überzeugt, dass einige anschließend sehr gut englisch sprechen werden.</p>
<p><strong>Wichtel im Anzug</strong><br />
Am 23.12. war ich zum Weihnachtsessen eingeladen. Ein toller Anlass, um mich von meinen Schülern zu verabschieden. Das Essen war eine förmliche Angelegenheit mit Anzug und Abendkleid. So musste jeder zunächst einmal in der Mitte des Raumes sein Outfit präsentieren. Im Anschluss wurde gewichtelt: Jeder Schüler musste die zu beschenkende Person beschreiben und die Gruppe erriet dann, für wen das Geschenk war. Auch ich bekam ein Geschenk und vor allem viele nette Worte des Dankes. Die Förmlichkeit der Kleidung hielt uns danach nicht davon ab, Weihnachten bis zum Morgengrauen mit unglaublichen Mengen Alkohol zu begrüßen.</p>
<p>Während Familien in Deutschland friedlich unterm Weihnachtsbaum saßen, quälte ich mich im Bus ohne Sitzplatz zurück nach Quito. Aber für den traumhaften Abschluss, war es das wert.</p>
<p><strong>Was nehme ich also aus meiner Zeit in Ecuador mit?</strong><br />
Zunächst einmal glücklicher- und vielleicht auch überraschenderweise über 80 Seiten Magisterarbeit.</p>
<p>Zweitens, unglaublich viele neue Freunde mit den unterschiedlichsten Hintergründen: Reiche Ecuadorianer, arme Ecuadorianer, US-Amerikaner, Mexikaner, Singapurer, Israelis. Mit allen hatte ich nicht nur eine Menge Spaß, sondern habe auch eine Menge über sie und ihre Kultur kennengelernt. Vor allem meine Schüler haben mir mit ihrem Enthusiasmus und Liebenswürdigkeit mehr über die ecuadorianische Gesellschaft beigebracht, als ich jemals aus Büchern oder Zeitungen erfahren könnte.</p>
<p>Drittens, eine unfassbare Vielzahl von spannenden Erlebnissen. Da ich alle schon einmal beschrieben habe, hier nur noch einmal in Kurzfassung:</p>
<ul>
<li>Billardspielen, Gemeindehallenfest, Privatfeiern in Ruinen im Armenviertel &#8216;Lucha de los pobres&#8217;</li>
<li>ein Dorffest mit einem der größten Fußballstars Ecuadors</li>
<li>unglaublich viele Orte und Menschen als Lehrer+Gast des <a href="http://www.partners.net/partners/Aganar_Home_EN.asp" target="_blank">Programms „A Ganar“</a> kennengelernt</li>
<li>ein Radio-Interview auf spanisch</li>
<li>ein abergläubisches Straßenfest, mit dem Lieblingsspiel „Füllen wir den Gringo ab“</li>
<li>ein Polizeistreik, eine vermeintliche Präsidentenentführung und ein Ausnahmezustand</li>
<li>eine Wasserfallrutsche</li>
<li>Unabhängigkeitsfeier in Guayaquil</li>
<li>Singapur-Chinese, der bei einer Ecuador-Chinesin unglaublich gutes asiatisches Essen bestellte</li>
<li>unglaublich viele traumhafte Landschaften</li>
<li>durchgehend feiernde Ecuadorianer am Strand während der Ferien zu Allerheiligen</li>
<li>seltsame blaufüßige Vögel auf einer Steininsel</li>
<li>in der Verlassenheit des Regenwaldes Affen, Tapire, Kaimane, Delfine und Krabbelzeug gesehen</li>
<li>dabei einen „Ninja-Guide“ kennengelernt, der Fliegen aus der Luft fangen kann</li>
<li>viel Zeit in allen möglichen Verkehrsmitteln verbracht und dabei nette Bekanntschaften gemacht</li>
<li>Kentern im Kayak</li>
<li>ein Dorffest mit Schülern und Gringos</li>
<li>Klettern auf 4800 Meter</li>
<li>Fußballspielen auf 2800 Metern und dumm beim Dorfturnier ausgeschieden</li>
<li>Hausarrest und Alkoholverbot während der Volkszählung</li>
<li>das ecuadorianische Fußball-Finale mit den Ultra-Fans</li>
<li>Ausnahmezustand der anderen Art bei den Fiestas de Quito</li>
<li>Calle 13 und The Wailers live</li>
<li>Campen an einem einsamen Wasserfall</li>
</ul>
<p>Ich hoffe, das Lesen hat ähnlich viel Spaß gemacht, wie das Erleben!</p>
<p>Ich wünsche allen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!</p>
<blockquote><p>Auch wir von neuwal bedanken uns für die spannenden Einblicke in das ecuadorianische Leben &#8211; und wünschen Manuel Daubenberger weiterhin alles Gute!</p>
<p>Wir hoffen, dass euch die Berichterstattung aus dem fernen Südamerika gefallen hat. Wenn man ein Land verstehen will, muss man immer zuerst die Menschen und ihre Kultur kennenlernen! Wir hoffen, dass wir dazu mit dieser Kooperation einen kleinen Beitrag leisten konnten.</p></blockquote>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/31/magister-o-muerte10_politische-post-aus-ecuador_abschiede/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 10: Zeit für Abschiede '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Magister o muerte - (politische) Post aus Ecuador]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>&#8220;Wikileaks muss man mit Humor nehmen&#8221; &#8211; Außenminister Spindelegger über Diplomatie, Balkan und die Angst der EU vor der Türkei</title>
		<link>http://neuwal.com/index.php/2010/12/17/mediengipfel-lech_spindelegger-wikileaks-mit-humor-nehmen/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Dec 2010 12:59:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
				<category><![CDATA[#wikileaks]]></category>
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		<description><![CDATA[Spannende Themen standen zum Abschluss des Mediengipfels in Lech beim Pressebrunch mit Minister Spindelegger auf dem Programm: Vom aktuellen Status am Westbalkan, Fortschritten und Problemen in der Türkei, die Grenzen der EU &#8211; und warum ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/17/mediengipfel-lech_spindelegger-wikileaks-mit-humor-nehmen/' addthis:title='&#8220;Wikileaks muss man mit Humor nehmen&#8221; &#8211; Außenminister Spindelegger über Diplomatie, Balkan und die Angst der EU vor der Türkei '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Spannende Themen standen zum Abschluss des Mediengipfels in Lech beim Pressebrunch mit Minister Spindelegger auf dem Programm: Vom aktuellen Status am Westbalkan, Fortschritten und Problemen in der Türkei, die Grenzen der EU &#8211; und warum die von Wikileaks angestrebte Offenheit in der Diplomatie zum Riesenproblem werden kann.</p>
<p><span id="more-9359"></span></p>
<p><strong>Linktipp zu Wikileaks</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://wissenbelastet.com/2010/12/15/wikileaks-anonymous-und-operation-payback-eine-erlaeuterung/"><strong>WikiLeaks, Anonymous und Operation Payback, eine Erläuterung</strong></a> (wissenbelastet.com)</li>
</ul>
<p><div id="attachment_9370" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9370  " title="2010-12-11_mg_pressebrunch2" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/2010-12-11_mg_pressebrunch2.jpg" alt="Außenminister Michael Spindelegger, (C) pro.media" width="500" height="307" /><p class="wp-caption-text">(C) pro.media</p></div></p>
<p>Mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Spindelegger" target="_blank">Außenminister Michael Spindelegger</a> diskutierten am letzten Tag des Mediengipfels Ambros Kindel (Leiter APA Außenpolitik) und Organisatorin Susanne Glass (ARD/Verband der Auslandspresse). Zum Abschluss des Gesprächs gab es noch eine rege Publikumsdiskussion zu Fragen der doppelten Staatsbürgerschaft, aber auch Wikileaks und anderen Punkten.</p>
<blockquote><p><img class="alignleft size-full wp-image-9324" title="neuwal-in-a-nutshell" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/neuwal-in-a-nutshell1.png" alt="" width="123" height="99" /><br />
<strong>Der Artikel in 60 Sekunden: </strong>Ein Pressebrunch mit Außenminister Spindelegger beendete den Mediengipfel in Lech. Spindelegger berichtete eingangs von den <strong>Fortschritten am Balkan</strong>, wo etwa Hillary Clinton die <strong>besondere Rolle Österreichs</strong> klar hervorhob. Er sieht noch <strong>Probleme in Serbien </strong>(antieuropäische Signale und Abwesenheit beim Gipfel), aber auch Hoffnung, was den Kosovo betrifft &#8211; und will ein <strong>Ende der Balkan-Müdigkeit</strong> einleiten. Gegen die Überforderung der Bevölkerung durch die rasche Erweiterung und Türkei-Diskussionen sollen <strong>Europa-Gemeinderäte</strong> helfen. Jede Erweiterung führe ein anderes Land an die EU-Standards heran, so Spindelegger &#8211; ihm ist also auch der <strong>Prozess wichtig, nicht nur das Ergebnis</strong>. Die <strong>Türkei ist für ihn ein Grenzfall</strong>, 100 türkische EU-Abgeordnete wären eine Schreckensvision für viele. Europa sollte sich auch jetzt während der Finanz- und Euro-Krise nicht vom Weg abbringen lassen &#8211; er sieht die <strong>EU als Traummodell</strong>, das man nach außen tragen und wachsen lassen soll. Neben dem Westbalkan sind <strong>Religions- und Medienfreiheit</strong> in den nächsten Monaten die wichtigsten Themen. <strong>Wikileaks </strong>will Spindelegger <strong>mit Humor nehmen</strong>, er sieht jedoch durch den Verlust von Sicherheit und Vertrauen jene <strong>Diplomatie gefährdet</strong>, die Konflikte verhindern soll.</p></blockquote>
<p><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/embed/c_7pKdGxZm4" frameborder="0"></iframe></p>
<p><strong>Susanne Glass: Herr Minister Spindelegger, es freut mich außerordentlich, dass Sie doch noch zum Mediengipfel kommen konnten. Sie haben ein dichtes Programm hinter sich…<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Ich komme gerade von der Balkan-Konferenz, wo Hillary Clinton meinte: &#8216;Österreich und Balkan, das ist eine verwobene Struktur&#8217;&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Michael Spindelegger: </strong>Danke für die Einladung! Jetzt gerade komme ich von der Balkan-Konferenz – Österreich hat da sehr viel Vertrauen. Hillary Clinton meinte mir gegenüber sogar: „Österreich und Balkan, das ist eine verwobene Struktur“. Einige Punkte müssen unbedingt angegangen werden: Bosnien-Herzegovina muss eine neue Regierung bilden, die Verfassungsreform […] muss konzertiert von der EU eingefordert werden, so wie die geplante <a href="http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/592755/KosovoResolution_Serbien-rudert-zurueck" target="_blank">Kosovo-Resolution Serbiens verhindert</a> wurde.</p>
<blockquote><p>&#8220;Serbien war zum ersten Mal bereit, mit dem Kosovo zu reden. Das gilt es auch nach den Wahlen am Sonntag zu gewährleisten!&#8221;</p></blockquote>
<p>Am Sonntag sind im Kosovo Wahlen. Die Frage ist: Wer wird Koalitionspartner von Premierminister Thaci? Serbien war zum ersten Mal bereit, mit dem Kosovo zu reden. Das gilt es auch nach den Wahlen gewährleisten! Leider hat der serbische Außenminister als Einziger nicht teilgenommen an der Konferenz. Die serbische Regierung wird auf nur mehr 15 Mitglieder zusammengeschrumpft, da will keiner fehlen. Die amtierende kosovarische Außenministerin war aber trotz der Wahlen am Sonntag dabei.</p>
<blockquote><p>&#8220;Das Ende der Balkan-Müdigkeit muss eingeleitet werden&#8221;</p></blockquote>
<p>Auch der deutsche Außenminister Guido Westerwelle hat sich dahingehend geäußert, dass Deutschland ein Garant dafür ist, dass der Balkan in die EU kommen muss. Ein Ende der Balkan-Müdigkeit muss eingeleitet werden!</p>
<p><div id="attachment_9371" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9371 " title="2010-12-11_mg_pressebrunch4" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/2010-12-11_mg_pressebrunch4.jpg" alt="Ambros Kindel (Leiter APA Außenpolitik), Außenminister Michael Spindelegger und Organisatorin Susanne Glass (ARD/Verband der Auslandspresse), (C) pro.media" width="500" height="324" /><p class="wp-caption-text">(C) pro.media</p></div></p>
<p><strong>Ambros Kindel: Der Westbalkan ist nach wie vor ein Schwerpunkt der EU-Agenda. Die Bevölkerungen sind aber ein wenig überfordert von den immer rascheren Erweiterungsschritten – wo sind die Grenzen, was müssen EU-Politiker tun, um den Menschen die Wichtigkeit eines Beitritts zu erklären?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Das Außenministerium plant Europa-Gemeindereäte in über 200 Gemeinden&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Stärkere Kommunikation für die Mitnahme der Bürger im Erweiterungsprozess! Ein intensiver Kontakt muss gefunden werden, Medien alleine reichen nicht. Das Außenministerium plant Ansprechpartner im Gemeinderat, die nicht alles wissen müssen, aber als Drehscheiben fungieren. Derzeit werden schon 200 Gemeinden, also ein Zehntel, abgedeckt.</p>
<blockquote><p>&#8220;Jeder Erweiterungsschritt bringt einem Land europäische Standards. Das sehen wir oft nicht, zum Beispiel bei der Türkei&#8221;</p></blockquote>
<p>Außerdem muss man sachlich argumentieren. Jeder Erweiterungsschritt heißt, dass ein Land europäische Standards verwirklicht. Das sehen wir bei verschiedenen Fragen oft nicht, zum Beispiel bei der Eröffnung des Wettbewerbskapitels mit der Türkei. Die österreichische Bevölkerung würde das sofort stoppen &#8211; das ist aber ein riesiger Wirtschaftsraum und Machtfaktor! Die Türkei verpflichtet sich, europäische Standards Stück für Stück zu übernehmen.</p>
<p>Die Erweiterung braucht eine andere Kommunikation, man muss die Auswirkungen darstellen in der komplexen Situation, in der wir sind. Bei den Westbalkan-Ländern kann kein Zweifel aufkommen, dass das Europa ist und dass sie integriert werden sollen.</p>
<p><strong>Kindel: Serbien sendet verstörende Signale – antiwestliche, antieuropäische – zuletzt bei den Problemen Serbiens mit der Verleihung des Friedensnobelpreises aus Rücksichtnahme auf Russland und China. Sind diese Haltungen nicht verstörend und verwirrend?</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Serbien sehen wir mit Sorge. Man muss immer wieder motivieren und bestärken&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Serbien sehen wir mit großer Sorge, wir wissen, dass jede Frustration Auswirkungen in der innenpolitischen Diskussion hat. Das europafreundliche Regime mit Herrn Tadic hat auch andere Elemente in der Parteistruktur. Man muss sie immer wieder motivieren und bestärken.</p>
<p>[…] Was die Bevölkerung in Serbien angeht seit der <a href="http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/osteuropa/serben-montenegriner-mazedonier-duerfen-ohne-visa-in-eu-einreisen-399787/index.do" target="_blank">Visa-Liberalisierung letzten September</a>: das sind gewaltige Ermutigungsschritte! Beim geplanten <a href="http://news.orf.at/stories/2029985/2030032/" target="_blank">Boykott des Friedensnobelpreises </a>bin ich froh, dass man sich im letzten Augenblick entschieden hat, doch teilzunehmen. Der Präsident selbst hat diese Entscheidung getroffen entgegen der Ratschläge anderer.</p>
<p><strong>Kindel: Die <a href="http://www.news.de/politik/855037756/serbien-strebt-in-die-eu-ohne-mladic/2/" target="_blank">Auslieferung Mladics</a> wird von der EU jetzt auf die lange Bank geschoben?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Wir dürfen Serbien nicht außen vorhalten, das ist eine Überreaktion&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Wir fordern das mit gleichbleibender Vehemenz, das ist für Serbien zunehmend unangenehm. Wir dürfen aber nicht deswegen Serbien außen vorhalten, das ist eine Überreaktion, die hier jahrelang erfolgt ist. Wenn die<a href="http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/serbien-kann-mit-schritt-in-richtung-eu-rechnen-437805/index.do" target="_blank"> EU ein Avis</a> <em>(Anm.: positives Gutachten) </em>gemacht hat und der Kandidatenstatus für Serbien feststeht, muss es wieder eine einheitliche Vorgehensweise der Union geben. Ich höre aus der Führung von Serbien, dass man alles daran setzt, dieses Kapitel endlich zu beenden. Ich glaube auch nicht mehr an einen großen Schaden in der serbischen Bevölkerung.</p>
<p><strong>Glass: Um den Balkan-Block langsam abzuschließen: Gerade wurde ja <a href="http://news.orf.at/stories/2030372/" target="_blank">Kroatiens Ex-Premier Sanader </a>festgenommen.<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Sanader hat viel für die Europäisierung Kroatiens getan, für persönlich Verschuldetes muss man zur Verantwortung gezogen werden&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Wenn man es sich aussuchen könnte, wäre es einem sicherlich lieber, nicht involviert zu sein in solche Situationen. Sanader wurde auf der Tauernautobahn festgenommen, es gibt ein Auslieferungsverfahren mit Kroatien. Letztlich wird ein unabhängiges Gericht entscheiden, ob er sich etwas zu Schulden kommen ließ oder nicht. Das ist unangenehm für die kroatische Regierung, aber ein gutes Signal für die unabhängigen Gerichte. Er hat in der Vergangenheit viel für Kroatien getan, dieses Land zu europäisieren – das sind große Verdienste, für persönlich Verschuldetes muss man aber zur Verantwortung gezogen werden.</p>
<p><strong>Glass: Europa muss mit einer Stimme sprechen – soll es das überhaupt? Hans Magnus Enzensberger hat hier die These vertreten, nichts sei alternativlos &#8211; auch der Euro nicht! Wie stehen Sie zur EU?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Wir dürfen uns nicht vom Weg abbringen lassen. Mit dem Potenzial in Europa gibt es eine gute Perspektive&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Wir dürfen uns im jetzigen Augenblick vom Weg nicht abbringen lassen. Man beweist sich erst in der Krise, wir in einer besonderen Situation auch mit der Rettung des Euro. Man sollte sich nicht gleich demotivieren lassen und eine Renationalisierung zu fordern. Wir müssen den Weg weitergehen, den Vertrag von Lissabon erfüllen. 27 Länder sind eine Stärke, mit der man miteinander etwas bewegen kann. Mit dem Potenzial in Europa gibt es eine sehr gute Perspektive nach vorne. […]</p>
<p><strong>Kindel: Ist die Türkei ein logisches nächstes Mitgliedsland oder wird das von der EU erfunden? Wo sind die Grenzen Europas?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Wir sind derzeit mit dem Westbalkan sehr beschäftigt. Die Türkei ist sicher ein Grenzfall&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger: </strong>Wo können wir die Erweiterung abschließen? Das ist ein Prozess, der sich entwickelt. Wir sind mit dem Westbalkan derzeit sehr beschäftigt, hier müssen wir eine Schwerpunktsetzung vornehmen. Die Kopenhagener Kriterien sind eine sehr gute Anleitung dafür. Die Türkei ist sicher ein Grenzfall. Österreich wollte immer eine Partnerschaft, aber keine Mitgliedsverhandlungen &#8211; damit haben wir uns nicht durchgesetzt. Der Prozess ist nicht abgeschlossen, hat uns aber schon sehr viel geholfen. Wie das weitergeht, wird sich im nächsten Jahr weisen. Zwei Verhandlungskapitel können noch geöffnet werden, dann gibt es keinen Fortschritt mehr – oder es gibt Bewegung seitens Türkei.</p>
<p><strong>Kindel: Warum verhandelt die EU nicht mit der Ukraine oder Moldau sondern mit der Türkei?</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Es wurde viel erreicht mit dieser Europäischen Union, speziell für uns Österreicher&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger: </strong>In der östlichen Partnerschaft arbeiten wir mit Assoziierung und privilegierter Partnerschaft. Da gibt es wirtschaftlich sehr interessante Länder, dennoch ist das ein spezielles Kapitel. Ich sehe das als einen guten Schritt, dort eine stärkere Anbindung an die EU zu verhandeln. Die Frage nach der endgültigen Grenze wird sich in einigen Jahren stellen[…]. Es wurde viel erreicht mit dieser Europäischen Union, speziell für uns Österreicher, durch die Einbindung in eine sehr starke Struktur.</p>
<p><strong>Glass: Warum gelingt es nicht, das in die Bevölkerung zu kommunizieren?</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Es liegt auch an der österreichischen Seele. Im Ausland werden wir mit einer ganz positiven Assoziation verbunden&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Einerseits müssen wir die Kommunikation verstärken, andererseits liegt es auch an der österreichischen Seele. Wir bewegen uns gerne ein bisschen in einen negativen Strudel hinein. Österreich wird im Ausland mit einer ganz positiven Assoziation verbunden: klein, sympathisch, als Freunde, starke Wirtschaft, viel Kultur… wir brauchen das Licht nicht unter den Scheffel stellen!</p>
<p><strong>Glass: Der ungarische Staatssekretär hat dargelegt, was Ungarn während der Ratspräsidentschaft tun wird – was erwarten Sie sich von Ungarn?<br />
</strong></p>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Ich erwarte mir eine Fortsetzung der europäischen Integration durch meinen Amtskollegen, dass wir im Westbalkan vorankommen. Kroatien wird die Verhandlungen abschließen, das wird viel Sensibilität und Geschick erfordern. Und ich erwarte mir einige Impulse, etwa in Richtung <a href="http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/8982_de.htm" target="_blank">Donauraum-Strategie</a> – wir werden das nach Kräften unterstützen! Da wird eine neue Ära eingeläutet durch die Schaffung einer makroökonomischen Struktur.</p>
<p><strong>Glass: In den letzten Tagen wurde immer wieder der Wertekatalog diskutiert. Was macht man bei nationalen Problemen in der EU? Nach den unglücklichen Aktionen gegen Österreich mit dem Weisenrat scheute man ja vor Sanktionen zurück. Sollte so etwas wieder eingeführt werden, auf welchem Level – und wie wird es umgesetzt?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Es hat Wirkungen, wenn man auf hoher Ebene kritisiert wird. Das muss eine Kultur werden&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Es hat Wirkungen, wenn man auf dieser hohen Ebene kritisiert wird. Das muss eine Kultur werden, dass man sich nicht scheut, jemanden wegen Verletzung der Grundwerte scharf ins Gebet zu nehmen. Im wirtschaftlichen Bereich wird immer über Sanktionen nachgedacht, so etwas muss es auch in anderen Bereichen geben, etwa bei den Medien. Man muss sich dann rechtfertigen, und die Diskussion wird in die Länder hineingetragen.</p>
<blockquote><p>&#8220;Was wir nach außen entwickeln, muss nach innen genauso gelten&#8221;</p></blockquote>
<p>Auch das gehört zu den Visionen in Europa, da sind wir noch nicht, da sind wir noch zu wirtschaftlich orientiert. Ein erster Ansatzpunkt ist die gemeinsame Außenpolitik, hier wollen wir künftig auch Fragen zu Menschenrechten und Umweltfragen auf die Tagesordnung setzen bei Verhandlungen mit Drittstaaten und Partnern. Was wir nach außen entwickeln, muss nach innen genauso gelten.</p>
<p><strong>Kindel: Haben Sie einen europäischen Traum?</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Wir sind eigentlich ein Traummodell, das müssen wir nach außen tragen. Und die EU wächst!&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Mein europäischer Traum ist geprägt vom höchsten Gut, den Frieden zu halten. […] Österreich hat noch die besten Jahre vor sich! Das kann man auf die ganze EU umlegen. Wir sind eigentlich ein Traummodell, das müssen wir uns wieder vergegenwärtigen und nach außen tragen. Und diese Europäische Union wächst, gerade auch im Westbalkan mit dem Kosovo! Vielleicht noch ein Wunsch: Viel stärker die kulturelle Dimension Europas in den Vordergrund zu stellen.</p>
<p><strong>Glass: Österreichs Sitz im Sicherheitsrat läuft ja aus, die Bewerbung im Menschenrechtsrat ist offen. Wie sehen Sie die Chancen, was sind Ihre Ziele?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Religionsfreiheit ist ein Thema, wo Österreich Impulse geben kann&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Es gab in den letzten Monaten 80 Treffen zu diesem Thema, wir haben gute Chancen. Es gibt zwei Kandidaten für zwei Posten, Italien und Österreich. Nächsten Mai gibt es eine Entscheidung darüber.<br />
Was wollen wir dort erreichen? Wir sehen, dass Religionsfreiheit ein Thema ist, wo Österreich Impulse geben kann. Der Islam ist seit 1912 in Österreich anerkannt. Im nächsten Jahr werden wir ein Dialogzentrum für Religion eröffnen, das vom saudi-arabischen König und vom Papst initiiert wird. Dass das in Wien passiert, ist ein wichtiges Zeichen. […] Wir wollen nicht, dass alle Christen nach Europa kommen, wir wollen, dass es auf der ganzen Welt Religionsfreiheit gibt.</p>
<blockquote><p>&#8220;Medienfreiheit ist ein Bereich, wo wir mehr tun müssen&#8221;</p></blockquote>
<p>Medienfreiheit ist der zweite Bereich, wo wir viel mehr tun müssen, laut <a href="http://www.freemedia.at/" target="_blank">IPI</a>-Report können wir da eine Rolle spielen. Das ist nicht so, dass man auf Zuruf eine große Kampagne erzeugen kann, aber wir können den Finger in Wunden legen.</p>
<p><strong>Glass: Wir öffnen das Podium für Publikumsfragen.<br />
</strong></p>
<p><strong>Michael Frank (Süddeutsche Zeitung): Die Staatsbürgerfrage – ist das ein Thema oder lässt man das auf der bilateralen Ebene?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Ich persönlich halte nichts von doppelten Staatsbürgerschaften&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Ich würde mir wünschen, dass es schon eine Generalfrage wird. Das kommt ganz stark auf uns zu, bisher gibt es keine generelle Strategie. Ich persönlich halte gar nichts von doppelten Staatsbürgerschaften, das sammelt man nicht wie Orden – man bekennt sich zu einem Land, dort hat man eine Staatsbürgerschaft. […]</p>
<p><strong>Laurens Boven (Niederländischer Berlin-Korrespondent): </strong>Ich bin etwas überrascht von Ihrer Antwort… wurde nicht die EU gegründet, um eine Mischung zu haben, und diese Trennungen zu überwinden? Sie vertreten eine sehr konservative und zurückhaltende Meinung zu Staatsbürgerschaften!</p>
<blockquote><p>&#8220;Freie Bewegung ist unabhängig davon, welche Staatsbürgerschaft ich habe&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger: </strong>Ich bin ein konservativer Mensch, deshalb bin ich in die Politik gegangen! Die EU hat eine andere Qualität, freie Bewegung ist unabhängig davon, welche Staatsbürgerschaft ich habe […]. Niederlassungsfreiheit ja, aber ein Bezug zu einem Mitgliedsland muss sein – mit Reisepass, Wahlrecht, staatsbürgerliche Pflichten usw.</p>
<blockquote><p>&#8220;In einer EU mit europäischem Pass ist das kein Thema mehr &#8211; da sind wir jetzt noch nicht&#8221;</p></blockquote>
<p>Wir haben eine ganz gute Regelung in Österreich, die an das Wohnrecht anknüpft. Dort, wo ich mich niederlasse, wo ich wohne, soll ich meinen Lebensmittelpunkt haben. Es gibt Ausnahmen wie besondere Arbeitskräfte und Wissenschaftler &#8211;  Ausnahmen bestätigen die Regel! In einer EU mit europäischem Pass, gemeinsamer Armee etc. ist das kein Thema mehr. In diese Richtung bewegen wir uns, aber da sind wir jetzt noch nicht.</p>
<p><strong>Glass: Schwingt da auch die Angst vor der Auflösung Österreichs mit?<br />
</strong></p>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Ich möchte keine Beschränkung für Visionen &#8211; aber jetzt gäbe es dafür keine Bereitschaft, über alle Grenzen hinweg einen europäischen Staat zu gründen!</p>
<p><strong>Markus Spillmann (Neue Zürcher Zeitung):</strong> Wenn der Beitrittsprozess als Ziel dient – das sieht doch auch die Türkei so, warum dann beidseitig diese semantischen Klimmzüge? Wird dieser Beitrittsprozess eingefroren, weil es keine Kapitel mehr gibt? Könnte es sein, dass die Konditionen aufgeweicht werden, um den Prozess weiter am Laufen zu halten?</p>
<blockquote><p>&#8220;Einen Fall wie die Türkei hatten wir noch nie. 100 türkische Abgeordnete im EU-Parlament, das ist eine Schreckensvision für viele&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Interessante Frage… derzeit muss die Antwort wohl eher nein sein. Es gibt da klare Regeln und Benchmarks. Aber so einen Fall wie die Türkei hatten wir auch noch nie. Was darüber hinaus geht: 100 türkische Abgeordnete im EU-Parlament, das ist eine Schreckensvision für viele.</p>
<blockquote><p>&#8220;Ich möchte die Fortschritte der Türkei nicht kleinreden&#8221;</p></blockquote>
<p>Ich habe mit Gül, Erdogan und anderen sehr intensiv gesprochen. Dabei habe ich herausgefunden, dass wir uns viel stärker auf den Prozess konzentrieren müssen. Da wird vieles bewirkt, da möchte ich die Fortschritte der Türkei nicht kleinreden! […]</p>
<p><strong>Tiroler Tageszeitung:</strong> Es ist nett, wenn Ihnen US-Außenministerin Clinton Lob für die Außenpolitik am Balkan mitgibt. Wikleaks zeigt eine andere Rolle und Bedeutung, die Clinton Österreich zumisst: Wir stellen uns wichtig dar und bedeuten relativ wenig…</p>
<blockquote><p>&#8220;Wikileaks muss man mit einem gewissen Humor nehmen. Ich sehe zwischen der EU und den USA keine große Verstimmung&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Wikileaks – die Veröffentlichungen, die Störungen des Verhältnisses der Länder untereinander… das muss man mit einem gewissen Humor nehmen. Ich sehe speziell was Österreich betrifft keine Verunglimpfungen. Für uns stimmt die Chemie mit den USA, entscheidend ist die politische Ebene, wo es keine Kritikpunkte an uns gab. Es gab wenig, was kritisch gesehen wird. […] Ich sehe zwischen der EU bzw. Österreich und der USA keine große Verstimmung. Ein solcher Bericht ist ein Teil eines Puzzles, aus vielen solchen Teilen entsteht ein Bild – wir kennen jetzt einen kleinen Teil davon. […]</p>
<p><strong>Stefan Egger (neuwal.com): Danke für das Thema Wikileaks. Wie groß sehen Sie die Gefahr, dass hier etwas destabilisiert wird, Friedensverhandlungen bedroht und existierende Konflikte verschärft werden? Sie sagen, man muss das mit Humor nehmen – im arabischen Raum sieht man das nicht so humorvoll, da sind die Dinge etwas komplexer gelagert…<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;Wenn man Informanten der Öffentlichkeit preisgibt, wird es für Betroffene gefährlich &#8211; und für das Klima. Es besteht die Gefahr, dass diese Gesprächsebene nicht mehr existieren wird&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Bei den Gefahrpunkten haben Sie völlig recht. Wenn es darum geht, dass man einzelne Informanten der Öffentlichkeit preisgibt, wird es für die Betroffenen gefährlich, aber auch für das Klima. Die Diplomatie steht vor der Auseinandersetzung &#8211; um diese zu verhindern. Wenn man diese Instrumente unmöglich macht, weil man offene Gespräche oder den Schutz der Identität nicht mehr gewährleisten kann, besteht die Gefahr, dass diese Gesprächsebene nicht mehr existieren wird.</p>
<p><strong>Egger: Ist die EU nicht ein Gegenbeispiel zu dieser Art der Diplomatie, wie sie die USA betreiben -alles im geheimen Kämmerchen, dann werden Daten gesammelt und irgendwo leakt das dann raus, weil 2 Millionen Leute Zugriff haben? Die EU könnte doch eine andere Art von Diplomatie machen: offener, bürgernäher, die mehr informiert und weniger verbirgt und vertuscht?<br />
</strong></p>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Europa geht hier einen anderen Weg, wir sammeln ja keine Kreditkartendaten und überwachen etc.!</p>
<p><strong>Egger: Wenn man an die CIA-Verhörflüge denkt, gibt es schon Dinge, die auch in Europa unter dem Deckmantel des „Datenschutzes“ passieren!<br />
</strong></p>
<blockquote><p>&#8220;In Europa gibt es eine andere Art der Diskussion. Aber man kann nicht alles öffentlich machen.&#8221;</p></blockquote>
<p><strong>Spindelegger: </strong>Trotzdem gibt es in Europa gibt eine andere Art der Diskussion. Daten müssen gesammelt werden, um ein kompletteres Bild zu bekommen. Die Europäische Diplomatie muss diesen Anforderungen gerecht werden. Mit dem Auswärtiger Dienst funktionieren diese Analysen auch ausgezeichnet, das hat Tiefgang und ist sehr gut verarbeitbar. Offen – da würde ich ein Fragezeichen machen! Man kann nicht alles öffentlich machen. Es ist bei der Verhinderung von Konfliktsituationen auch sehr hilfreich, wenn man nicht alles den Betroffenen öffentlich sagen muss. […]</p>
<p><strong>Kindel: Noch eine Frage zu Wikileaks. Herr Minister, es laufen gerade versuche, diese Lecks zu stopfen und diese Veröffentlichungen unmöglich zu machen. Befürworten Sie diesen Versuch oder sind Sie eher für die Freiheit der Informationen? Wenn das nicht funktioniert, wenn das weiterhin am öffentlichen Schauteller stattfindet, ist das das Ende der klassischen Diplomatie?<br />
</strong></p>
<p><strong>Spindelegger:</strong> Das wird wohl eine der Folgen sein, ich glaube nicht, dass es künftig solche Berichte in dieser Form nicht mehr geben wird. Eine gewisse Art von Wertungen hat da aber auch nichts verloren, das befürworte ich. Abseits der amüsanten Details über bekannte Personen: Unbekannte Personen können da einen sehr großen Nachteil haben, die Schutzmaßnahmen für die Betroffenen nach sich ziehen können. Das interessiert die breite Öffentlichkeit vielleicht nicht so.</p>
<blockquote><p>&#8220;Diplomatie ist dazu da, um Konflikte zu verhindern. Wenn das nicht gewährleistet ist, wird es viel stärker in Richtung Konfrontation gehen&#8221;</p></blockquote>
<p>Generell ist das nicht hilfreich, kann auch in Zukunft nicht so stattfinden. Da müssen wir uns andere Sicherheitsmaßnahmen überlegen. Man kann auch nicht Listen von allen veröffentlichen, die in Diensten tätig sind. Ich darf abschließend dazu sagen: Diplomatie ist dazu da, um Konflikte zu verhindern. Dazu braucht man Informationen, die sich auf ein breites Netz stützen können. Wenn das nicht gewährleistet ist, wird es viel stärker in Richtung Konfrontation gehen.</p>
<p><strong>Glass: Auch wir haben hier bei den Medientagen einige spannende Konflikte ausgetragen und viel diskutiert. Vielen Dank, dass Sie da waren!</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><div id="attachment_9369" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9369 " title="2010-12-11_mg_pressebrunch1" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/2010-12-11_mg_pressebrunch1.jpg" alt="Ambros Kindel (Leiter APA Außenpolitik), Außenminister Michael Spindelegger und Organisatorin Susanne Glass (ARD/Verband der Auslandspresse), (C) pro.media" width="500" height="315" /><p class="wp-caption-text">(C) pro.media</p></div></p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/17/mediengipfel-lech_spindelegger-wikileaks-mit-humor-nehmen/' addthis:title='&#8220;Wikileaks muss man mit Humor nehmen&#8221; &#8211; Außenminister Spindelegger über Diplomatie, Balkan und die Angst der EU vor der Türkei '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>„Europa sucht seine Orgasmen“ – der Mediengipfel am Höhepunkt</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Dec 2010 07:23:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Eingeleitet vom deutschen Entertainer Alexander Göbel, der Europa auf der Suche nach seinen Orgasmen wähnt, begaben sich renommierte Auslandsjournalisten und der ungarische Staatssekretär in Lech auf die Suche nach dem Europäischen Traum.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/16/europa-sucht-seine-orgasmen_mediengipfel-am-hoehepunkt/' addthis:title='„Europa sucht seine Orgasmen“ – der Mediengipfel am Höhepunkt '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Eingeleitet vom deutschen Entertainer <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Goebel" target="_blank">Alexander Göbel</a>, der Europa auf der Suche nach seinen Orgasmen mit einem Zug vergleicht, der von weit weit her kommt – und manchmal vorher abbiegt, begaben sich renommierte Auslandsjournalisten mit dem ungarischen Staatssekretär <a href="http://www.daad.de/alumni/netzwerke/vip-galerie/mitteleuropa/12741.de.html" target="_blank">Gergely Pröhle</a> in Lech auf die Suche nach dem Europäischen Traum.<br />
<span id="more-9309"></span></p>
<p><div id="attachment_9311" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9311" title="MediengipfelLech_Diskussionsrunde2_1" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/MediengipfelLech_Diskussionsrunde2_1.jpg" alt="Entertainer Alexander Göbel leitete den Abend ein, (C) pro.media" width="500" height="308" /><p class="wp-caption-text">Entertainer Alexander Göbel leitete den Abend ein, (C) pro.media</p></div></p>
<p>Zusammen mit Mediengipfel-Veranstalterin Susanne Glass (ARD-Korrespondentin und Präsidentin des <a href="http://www.auslandspresse.at/" target="_blank">Verbands der Auslandspresse</a> &#8211; mehr <a href="http://www.tagesschau.de/interaktiv/chat/chatprotokoll426.html" target="_blank">im Tagesschau-Chat</a> und <a href="http://neuwal.com/index.php/2010/04/24/oesterreich-sollte-andere-schlagzeilen-haben/" target="_blank">im Gespräch mit neuwal</a>) diskutierte eine hochkarätige Korrespondenten-Runde mit dem ungarischen Staatsserektär <a href="http://www.daad.de/alumni/netzwerke/vip-galerie/mitteleuropa/12741.de.html" target="_blank">Gergely Pröhle</a> über  Träume und Traumata Europas – und wurden dabei teils recht konkret, speziell wenn es um Themen ging, die Ungarn betreffen, das ab Anfang 2011 den Ratsvorsitz innehat. Mit dabei waren <a href="http://www.vap-berlin.de/vorstand/boven.shtml" target="_blank">Laurens Boven</a> (Niederländischer Berlin-Korrespondent), Pierre Feuilly (Agence France Presse), <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Ritterband" target="_blank">Charles Ritterband</a> (Österreich-Korrespondent der Neun Zürcher Zeitung) und Michael Frank (Österreich-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, hier <a href="http://www.br-online.de/br-alpha/alpha-forum/alpha-forum-michael-frank-gespraech-ID1245420929398.xml?_requestid=220210" target="_blank">im BR-Interview</a> und <a href="http://neuwal.com/index.php/2010/04/25/oevp-betreibt-kopfschusspolitik/" target="_blank">im Gespräch mit neuwal</a>).</p>
<p>Die Diskussion zeichnete sich durch eine lockere Stimmung aus, aber auch durch eine offene und teils hart geführte Debatte über Ungarns neues Mediengesetz (siehe z.B. <a href="http://relevant.at/wirtschaft/medien/56423/ungarn-zeitungen-protestieren-gegen-mediengesetz.story" target="_blank">relevant.at</a>), der Staatsbürgerschaftsregelung (siehe z.B. <a href="http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/provokationen-zum-amtsantritt/" target="_blank">TAZ-Bericht</a>) und anderen Initiativen der mit Volldampf  gestarteten, mit absoluter Mehrheit agierenden ungarischen Regierungspartei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fidesz_%E2%80%93_Ungarischer_B%C3%BCrgerbund" target="_blank">Fidesz unter Viktor Orban</a>. Staatssekretär Pröhle wählte dabei oft den &#8220;österreichischen Weg&#8221; &#8211; er entschärfte kritische Fragen mit Humor und schwindelte sich um Antworten gekonnt herum &#8211; war jedoch um keine Antwort verlegen.</p>
<p><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="560" height="340" src="http://www.youtube.com/v/_nVFWkklvUU" frameborder="0"></iframe></p>
<blockquote><p><strong><img class="alignleft size-full wp-image-9324" title="neuwal-in-a-nutshell" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/neuwal-in-a-nutshell1.png" alt="" width="123" height="99" />Der Artikel in 60 Sekunden: </strong>Ungarn übernimmt Anfang 2011 die EU-Präsidentschaft &#8211; <strong>Staatssekretär Gergely Pröhle </strong>sieht sein Land bereit und will eine moderierende Rolle einnehmen. <strong>Michael Frank (Süddeutsche)</strong> will die diversen Krisen weniger wichtig nehmen und plädierte leidenschaftlich für Solidarität und Vielfalt. <strong>Berlin-Korrespondent Laurens Boven</strong> sieht Deutschland und andere Staaten als Profiteure der Finanzkrise, die für <strong>Pierre Feuilly (AFP)</strong> noch lange nicht ausgestanden ist und nichts mit Staatsschlendrian zu tun hat, sondern von Banken ausgelöst wurde, die von der Realität abgekoppelt sind. <strong>Charles Ritterband (NZZ)</strong> sieht in der Schweiz viele Ideen für Europa &#8211; speziell was das Subsidiaritätsprinzip betrifft. Er ist skeptisch bezüglich grenzenloser Erweiterung. <strong>Entertainer Alexander Göbel</strong> gab dem von <strong>Susanne Glass (ARD)</strong> moderierten Abend den Rahmen &#8211; Europa sucht seine Orgasmen &#8211; und will mit Kultur den Bürgern die EU emotional näher bringen, auch mittels Roadshow. Ungarns Schwerpunkte während der Ratspräsidentschaft werden die Europa 2020- und die Donauraum-Strategie, ein Energiegipfel und die Roma-Problematik. Breite Kritik gab es am neuen ungarischen Mediengesetz, der Staatsbürgerschaftsregelung und der Machtfülle der regierenden Fidesz-Partei. Pröhle sieht jedoch keinen negativen Einfluss auf die Präsidentschaft und verteidigte die ungarischen Standpunkte.</p></blockquote>
<p><div id="attachment_9312" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9312" title="MediengipfelLech_Diskussionsrunde2_2" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/MediengipfelLech_Diskussionsrunde2_2.jpg" alt="Die Diskutanten mit Staatssekretär Pröhle in der Mitte, (C) pro.media" width="500" height="300" /><p class="wp-caption-text">Die Diskutanten mit Staatssekretär Pröhle in der Mitte, (C) pro.media</p></div></p>
<p><strong>Susanne Glass (ARD): Ungarn wird die EU in einer sehr schwierigen Phase übernehmen – Staatsanleihen, Rettungsschirm, Euro-Krise… Hat Ungarn möglicherweise ein bisschen Angst vor dieser großen Aufgabe, und wie wollen Sie die Präsidentschaft nutzen, um es zu schaffen?</strong></p>
<blockquote><p>„Die Ungarn sind immer bereit für die Präsidentschaft“ (Gergely Pröhle)</p></blockquote>
<p><strong>Gergely Pröhle (ungarischer Staatssekretär):</strong> Der ungarische Beamte ist jetzt erst recht gefordert [lacht]. Die Ungarn sind immer bereit für die Präsidentschaft! Eine Präsidentschaft ist natürlich nicht dazu da, sich zu profilieren, oder die eigene Männlichkeit zu zeigen, um bei Herrn Göbels Bild zu bleiben.</p>
<blockquote><p>„Die Aufgabe ist, eine moderierende Rolle einzunehmen“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Die Aufgabe ist, die gemeinsamen Dinge weiterzubringen, klug eine moderierende Rolle einzunehmen. Zu versuchen, die Interessen und die Gefühlslage der andere Mitgliedsstaaten zu verstehen. Es gibt mittlerweile 27 Länder, und eine gemeinsame Interessenslage zu schaffen, wird natürlich immer schwieriger.</p>
<blockquote><p>„Einen gemeinsamen Nenner können wir nur finden, wenn wir die Messlatte sehr tief legen“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Einen gemeinsamen Nenner können wir nur finden, wenn wir die Messlatte sehr tief legen. Es gibt vielleicht die Angst vor der Aufgabe, diesen Nenner zu finden. Welche Gefahren gibt es? Sie haben schon einiges erwähnt. Es gibt die Verschuldung, wir sehen, dass es nicht nur um Griechenland und Irland geht, sondern auch um Spanien, Italien oder Frankreich. Die Staatsverschuldung Griechenlands ist nach der Krise größer geworden!<br />
Wie stehen wir mit der großgeschriebenen europäischen Solidarität, wo sind die Grenzen, wenn wir das in einen Zusammenhang bringen, wo es um eine europäische Wertegemeinschaft geht? Sind die deutschen Steuerzahler nicht mehr so verantwortlich für ihre griechischen Mitbürger wie früher, und ist das in Österreich vielleicht auch anders geworden?</p>
<p>Die Prinzipien, nach  denen Europa einst gegründet worden ist. Solidarität war eine, aber wie steht es mit der Freiheit? Die Roma, die von Präsident Sarkozy genannt worden sind, sind einfach europäische Bürger. Wie sollen wir damit umgehen?</p>
<p><strong>Glass: Höre ich da eine Kritik heraus an den größeren Playern, die nicht mehr genug Solidarität bieten?<br />
</strong></p>
<p><strong>Pröhle:</strong> Wir müssen versuchen, diese Dinge mit den Grundprinzipien zu vereinigen und einen Weg zu finden, die Interessen zu vereinen. Die großen Themen müssen so gehandhabt werden…</p>
<p><strong>Glass: Glauben Sie, dass ein kleines Land wie Ungarn Merkel oder Sarkozy moderieren oder leiten kann?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Natürlich versuchen wir, unsere Kräfte zu bündeln“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p><strong>Pröhle:</strong> Man kann in diesem europäischen Spiel nur Realpolitiker sein, große Länder haben mehr Gewicht. Natürlich versuchen wir auch, unsere Kräfte zu bündeln etwa durch den Zusammenschluss der Visegrád-Staaten &#8211; das ist ein Versuch, effizienter zu moderieren.</p>
<p><strong>Glass:</strong> Was ist die große Sorge in Frankreich?</p>
<blockquote><p>„Roma und Sinti sind die größten ethnischen Minderheiten in Europa, die am stärksten diskriminiert sind“ (Pierre Feuilly)</p></blockquote>
<p><strong>Pierre Feuilly (AFP):</strong> Was in Frankreich mit den Roma passiert ist, war eine innenpolitische Aktion! Roma und Sinti sind die größten ethnischen Minderheiten in Europa, die am stärksten diskriminiert sind. Ungarn hat eine ziemlich starke Roma-Minderheit, man kann sich vorstellen, dass man dieses Problem auf der europäischen Ebene anpackt.</p>
<blockquote><p>„Deutsche haben jetzt entdeckt, das man in Griechenland mit 56 in Pension gehen kann“ (Feuilly)</p></blockquote>
<p>Es gibt einen Bericht des Europäischen Parlaments über einen großen Brocken von hunderten Millionen Euro für die Integration von Roma &#8211; der von den Staaten nicht ausgeschöpft wird! […] Die nationalen Interessen stehen immer mehr im Vordergrund im Vergleich zu den europäischen Interessen. Der deutsche Staatsbürger hat jetzt entdeckt, dass man in Griechenland mit 56 oder 57 Jahren in Pension gehen kann. Es gibt sehr viele bürgerfremde Dinge!</p>
<blockquote><p>„Wir sollten das weniger dramatisch nehmen“ (Michael Frank)</p></blockquote>
<p><strong>Michael Frank (Süddeutsche):</strong> Wie bringt man Leuten etwas näher? Wir sollten das alles weniger dramatisch nehmen, sondern uns alle et was beobachten. Die EU ist gerade erst in de Pubertät gekommen. Bisher  war sie von vorwärts strebendem Enthusiasmus geprägt und ist wahnsinnig gewachsen dabei, wie ein Kind.</p>
<blockquote><p>„Die EU ist gerade erst in die Pubertät gekommen. […] Das ist eine Phase, mit der wir umgehen lernen müssen“ (Frank)</p></blockquote>
<p>Jetzt kommen die Pickel, der Hintern wird groß, jetzt kommen widerstrebende Gefühle, manche wollen raus oder rein und so weiter. Das ist eine Phase, mit der wir umgehen lernen müssen.</p>
<blockquote><p>„Mit einer Stimme sprechen – muss man das überhaupt? Der Wert Europas ist die Vielfalt“ (Frank)</p></blockquote>
<p>Lernen wir mit einer Stimme zu sprechen – muss man das überhaupt? Der Wert Europas ist die Vielfalt, ein kostbares Gut, das gehütet und weiterentwickelt werden muss. Und wenn die Griechen aus Traditionen, die vielleicht bis Aristoteles zurück gehen und das Leben etwas lustiger finden, dann müssen wir das auch zur Kenntnis nehmen &#8211; und letztlich auch bezahlen. Bayern war einmal das Armenhaus Europas, heute ist es eine der reichsten Regionen&#8230;</p>
<blockquote><p>„Durch Übersetzungen wird Europa immer diese leisen Schattierungen haben“ (Frank)</p></blockquote>
<p>Es gibt diese Kritik am Riesenapparat der EU, mit den vielen Amtssprachen. Das ist doch toll, dass man sich da in so vielen Sprachen einigen muss! Jetzt wird plötzlich eine Verordnung erlassen, und diese wird in 21 Sprachen übersetzt. Die haben alle kleine Abweichungen, auch im Sinn, das führt dazu, dass keine Verordnung exakt identisch umgesetzt wird. So wird Europa immer diese leisen Schattierungen haben, und das ist großartig – und entkräftet die Befürchtung, das wird ein großer Brei.</p>
<p><strong>Glass: Trotzdem nochmal die Nachfrage: Müssen wir dazu zahlen?<br />
</strong></p>
<p><strong>Frank:</strong> Das ist wie in einer Wohngemeinschaft, wo man einmal für jemanden mitsorgen muss. Dass das vertraglich nicht fixiert wurde, war eine Dummheit!</p>
<p><strong>Glass: Warum nicht die Vielfalt der Währungen auch wieder einführen?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Es ist gut, dass wir den Euro nicht haben“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p><strong>Pröhle:</strong> […] Der Euro ist dann gut, wenn auch dahinter die Wirtschaft stabil und zuverlässig ist. Heute ist es gut, dass wir ihn nicht haben.</p>
<blockquote><p>„Die deutsche Regierung kriegt derzeit sowohl im eigenen Land starke Kritik, als auch in Griechenland und Irland“ (Laurens Boven)</p></blockquote>
<p><strong>Laurens Boven (Niederländischer Korrespondent):</strong> Ich finde es erstaunlich, dass die deutsche Regierung derzeit sowohl im eigenen Land starke Kritik kriegt, als auch in Griechenland und Irland – nach dem Motto „die Nazis kommen wieder“.  Das führt in Griechenland, Irland und Deutschland zu negativen Gefühlen.</p>
<blockquote><p>„Es wird vegessen, dass das Geld verzinst ist. Deutschland profitiert an allen Fronten!“ (Boven)</p></blockquote>
<p>Dabei wird vergessen, dass das Geld verzinst ist, dass sie es zurückbekommen und daran verdienen werden. Der niedrige Euro ist gut für Deutschland , die Exporte florieren. Deutschland profitiert an allen Fronten von dem Ganzen!</p>
<blockquote><p>„Man muss sich schon die Frage stellen, warum man Irland und Griechenland nicht bankrott gehen lassen kann“ (Boven)</p></blockquote>
<p>Aber man muss sich schon die Frage stellen, warum kann man Irland und Griechenland nicht bankrott gehen lassen?</p>
<blockquote><p>„Gewinne gehen auf Kosten dieser leidenden Staaten“ (Feuilly)</p></blockquote>
<p><strong>Feuilly:</strong> Die Zinsen sind ja höher als die Marktzinsen! Bleibt die Frage, ob die Staaten das zurückzahlen können, aber mit Rettungsschirm etc. wird das zu Gewinnen führen, auf Kosten dieser leidenden Staaten.</p>
<blockquote><p>„Der Finanz- und Wirtschaftskapitalismus ist in einer gewaltigen Krise“ (Feuilly)</p></blockquote>
<p>Die Wirtschaftskrise selbst – da bin ich sehr pessimistisch. Der Kapitalismus hat den ideologischen Kampf gegen den Kommunismus klar gewonnen, was Russland aber nicht hindert, ein wichtiger Akteur zu sein – das gilt auch für China. Der Kapitalismus ist in einer gewaltigen Krise, speziell der Finanz- und Wirtschaftskapitalismus.</p>
<blockquote><p>„Die Finanzkrise hat ja nichts mit Staatsschlendrian zu tun“ (Feuilly)</p></blockquote>
<p>Die Finanzkrise, die 2008 entstanden ist, hat ja nichts mit Staatsschlendrian zu tun – das waren die Banken! Noch ein paar Stunden vor dem Untergang wurden Lehmann Brothers von Ratingagenturen zum Kauf empfohlen!  Die stehen heute wieder da und machen weiter. Das ist ein Problem, das muss man sehen.</p>
<blockquote><p>„Diese anonymen Märkte operieren nach Kriterien, die von der Realität abgeoppelt sind“ (Feuilly)</p></blockquote>
<p>Diese anonymen Finanzmärkte operieren nach Kriterien, die vollkommen von der wirtschaftlichen Realität abgekoppelt sind. Kürzlich wurde erklärt, dass jedes Unternehmen, um auf dem internationalen Finanzmarkt zu bestehen, eine zweistellige Rendite erzielen muss. Das ist sehr schwierig! Wer das nicht erzielt, wird abgestraft.<br />
Solange das so ist, wird die EU ein Riesenproblem zu haben, aus der Finanzkrise rauszukommen.</p>
<p><strong>Glass: Müssen Regierungen Kompetenzen abgeben?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Was hat eigentlich Priorität, Politik oder die rein wirtschaftlichen Betrachtungsweise?“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p><div id="attachment_9313" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9313" title="MediengipfelLech_Diskussionsrunde2_3" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/MediengipfelLech_Diskussionsrunde2_3.jpg" alt="Der ungarische Staatssekretär nahm auch kritische Fragen mit Humor, konnte aber nicht alle Bedenken zerstreuen (C) pro.media" width="500" height="346" /><p class="wp-caption-text">Der ungarische Staatssekretär nahm auch kritische Fragen mit Humor, konnte aber nicht alle Bedenken zerstreuen (C) pro.media</p></div></p>
<p><strong>Pröhle:</strong> Diesen Versuch gibt es immer wieder. […] Was hat eigentlich Priorität, die Politik oder die rein wirtschaftliche Betrachtungsweise von Moody’s, Standard and Poors und so weiter&#8230;</p>
<blockquote><p>„Politiker werden lokal gewählt und brauchen Argumente, die lokal funktionieren“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Wenn man überlegt, dass Politik die Priorität hat, dann muss man auch zur Kenntnis  nehmen, dass diese Politiker lokal gewählt werden und Argumente brauchen, die lokal funktionieren.</p>
<blockquote><p>„Man kann keine Regelung finden, die für Malta, Schweden und Großbritannien passt“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Man kann keine Regelung finden, die für Malta, Schweden und Großbritannien passt. Gewisse Unterschiede muss man zur Kenntnis nehmen. Das Plädoyer für Solidarität ist ja sehr schön, aber wo ist  eine Grenze zu setzen? […]</p>
<blockquote><p>„In Griechenland sind 800 Schwimmbäder angemeldet, aus der Luft sieht man 15.000!“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Griechenland… da gab es diese Geschichte, dass 800 Schwimmbäder angemeldet sind &#8211; wenn man aber von oben ein Foto macht, zählt man 15.000! Es ist schön, dass sie Ouzuo trinken und Tsatsiki essen, das können wir alle akzeptieren. Aber in den Steuerämtern würden andere Methoden für mich diese wunderbare Vielfalt nicht unbedingt beeinträchtigen&#8230;</p>
<p><strong>Glass: Werden in der Schweiz Dinge anders und entspannter gesehen?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Wir leiden unter der Krise, weil wir so stark sind“ (Charles Ritterband)</p></blockquote>
<p><strong>Charles Ritterband (NZZ):</strong> Unter der Krise leiden wir natürlich auch, weil wir so stark sind – was die Exporte und den Tourismus betrifft.</p>
<blockquote><p>„Europa ist ein umgekehrter Turm von Babel“ (Ritterband)</p></blockquote>
<p>Es wurden jetzt zwei Metaphern genannt: Orgasmus und Pubertät – ich will eine dritte hinzufügen: Europa ist ein umgekehrter Turm von Babel!  Verschiedene Kulturen, die in verschiedenen Zungen sprechen, versuchen jetzt, so ein Bauwerk zu errichten. Es ist ein gutes Bauwerk und hat uns ein halbes Jahrhundert Frieden und Wohlstand verschafft. Es wäre kein Turmbau zu Babel, wenn da nicht ein Problem wäre. Der Turm wird unkontrolliert hoch, bröckelt und stürzt an allen Ecken und Enden ein.</p>
<blockquote><p>„War die Gier nach neuen Märkten voreilig? Was ist mit dem Wertekonsens?“ (Ritterband)</p></blockquote>
<p>Ich frage mich, ob es nicht voreilig war und die Gier nach neuen Märkten, diese Länder aufzunehmen. Da stellt sich auch die Frage nach dem Wertekonsens. Es gibt die europäische Menschenrechts-Charta, es gibt gewisse Grundrechte. Ich frage mich manchmal, ob Europa nicht ein wenig nachlässig geworden ist bei der Durchsetzung dieser Grundrechte.</p>
<p><strong>Glass: Außenminister Spindelegger ist ja stark für eine weitere Erweiterung – sind Sie da dagegen?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Wir haben Angst, dass uns der Turm auf den Kopf fällt – liefern aber das Baumaterial dafür“ (Ritterband)</p></blockquote>
<p><strong>Ritterband: </strong>Wir haben Angst, dass uns dieser Turm auf den Kopf fällt – liefern aber auch das Baumaterial dafür. Ein Schweizer wird nach New York reisen und sagen: „I am Swiss“, dabei mit dem roten Pass winken…</p>
<blockquote><p>„Die Debatte hätte eine andere Tonart, wenn es eine Regelung gäbe, wie man sich von einem Mitgliedsstaat trennen kann“ (Frank)</p></blockquote>
<p><strong>Frank:</strong> Ich glaube, dass die EU einen Fehler gemacht hat, keine Regeln aufzustellen, wie man miteinander umgeht, wenn man einander betrügt. Der Lissabon-Vertrag hat keine Regel, wie man ein Land ausschließt. Ich glaube, diese Debatte hätte eine andere Tonart, wenn es eine Regelung gäbe, wie man sich von einem Mitgliedsstaat trennen könnte. Das wäre eine sehr starke Disziplinarmaßnahme.</p>
<blockquote><p>„Europa sollte Island retten, aber nicht in die EU aufnehmen“ (Frank)</p></blockquote>
<p>Die Isländer sind Atlantiker, die interessieren sich nicht für Europa, sondern sie wollen gerettet werden! Europa sollte Island retten, aber nicht in die EU aufnehmen. Bei künftigen Erweiterungen muss man sich fragen: Will man das wirklich und will man den Kanon? […]</p>
<blockquote><p>„Die Politik hat große Probleme, zu kommunizieren, was sie Gutes tut. Die Schuld wird den Medien zugeschoben“ (Göbel)</p></blockquote>
<p><strong>Alexander Göbel:</strong> Die Politik hat große Probleme, zu kommunizieren, was sie Gutes tut. Die Schuld wird oft den Medien zugeschoben. Ich glaube, dass die europäische Kultur ein Schlüssel zu vielen Problemen und Geheimnissen sein wird.</p>
<p>Ich werde mich gleich für das Roma-Budget bewerben, wenn das schon rumliegt… Ich habe schon ein Dutzend Sendungen über Europa gemacht. Das erste, was ich immer höre, ist die Geschichte mit dem Winkelgrad der Gurken, ob man Konfitüre oder Marmelade sagen darf….</p>
<blockquote><p>„Menschen nehmen alles, was emotional nachvollziehbar ist, sehr gerne auf. Kultur kann Botschaften in sinnlich erfassbare Signale übersetzen“ (Göbel)</p></blockquote>
<p>Menschen nehmen alles, was emotional nachvollziehbar ist, sehr gerne auf. Wenn man es schafft, dass sich die Menschen emotional befassen… Kultur kann Botschaften in sinnlich erfassbare Signale übersetzen. Warum machen wir nicht eine Roadshow, wo wir den europäischen Gedanken näher bringen?</p>
<blockquote><p>„Wer soll eine Roadshow machen in der EU?“ (Feuilly)</p></blockquote>
<p><strong>Feuilly:</strong> Wer soll denn diese Roadshow machen in der EU? Van Rompuy? Seit Jacques Delors gab es keinen führenden Europäer in der Union! Die haben alle kein Charisma&#8230;</p>
<blockquote><p>„Die Schweizer praktizieren das Zusammenleben sehr gut“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p><strong>Pröhle:</strong> Unser Inselfestival ist dafür ein wunderbares Beispiel, das zeigt, wie gut das funktionieren kann, besonders auch bei Jugendlichen. Die Schweizer praktizieren dieses Zusammenleben, diese Willensgemeinschaft, sehr gut.</p>
<blockquote><p>„Nicht nach dem Orgasmus sehnen, sondern uns damit begnügen, dass wir einander nicht kastrieren!“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Wir müssen uns nicht nach dem Orgasmus sehen, wir müssen uns damit begnügen, dass wir einander nicht kastrieren! Das ist das Positive an der Schweiz, die sind ja auch nicht immer glücklich darüber, und trotzdem funktioniert das System ohne irgendwelchen Identitätsfragen sehr gut.</p>
<blockquote><p>„Das [Schweizer Modell] könnte auch für Europa sehr gut funktionieren“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Das könnte auch für Europa sehr gut funktionieren. Daher ist der Euro eine großartige Erfindung! Wir müssen einen guten Rettungsmechanismus für lancieren. Verkehr, Infrastruktur, Handel, das sind auch nicht zufällig wichtige Punkte unserer EU-Präsidentschaft.</p>
<blockquote><p>„Das Subsidiaritätsprinzip der Schweiz ist schon ein Modell für Europa“ (Ritterband)</p></blockquote>
<p><strong>Ritterband:</strong> Irgendwo ist die Schweiz schon ein Modell für Europa, die einzelnen Kantone, Religionen, Sprachen haben sich auch erst über die Jahrhunderte zusammengelebt.</p>
<p><strong>Pröhle:</strong> Und seit 30 Jahren haben sogar die Frauen das Wahlrecht.<em> [lacht]</em></p>
<p><strong>Ritterband:</strong> Da gibt es noch absurdere Dinge! Im flächenmäßig größten Kanton der Schweiz waren Autos verboten, da mussten sich in Graubünden Fahrzeuge von Pferdegespannen ziehen lassen&#8230;Was wir natürlich haben, ist das Subsidiaritätsprinzip, das ist ein Vorbild für Europa. Österreich ist irgendwie auch ein Exempel: Was weiß das Volk über Europa? Die werden von der Kronen Zeitung aufgehetzt, fast täglich. Aber seriöse und konstruktive Information über die EU?</p>
<blockquote><p>„Österreich ist reich geworden durch die EU, vorher war es konservativ und miefig“ (Ritterband)</p></blockquote>
<p>Österreich ist reich geworden durch die EU, vorher war es ein ziemlich konservatives und miefiges Land. Nur eine kleine Elite liest über die EU…</p>
<p><strong>Glass: Ich möchte Medien in Ungarn ansprechen, die <a href="http://derstandard.at/1285042396637/OSZE-kritisiert-neues-Mediengesetz-scharf" target="_blank">OSZE hat da heftige Kritik</a> geübt: „Gesetze wie diese sind eigentlich aus totalitären Regimen bekannt, die die Redefreiheit einschränken. Sie entsprechen keineswegs europäischen Standards, zu denen sich Ungarn eigentlich verpflichtet hat“.<br />
</strong></p>
<p><strong>Pröhle:</strong> Da kommen zwei Dinge zusammen: Wie das Mediengesetz aussehen wird, ist erst in Planung, es ist ein ziemlich kompliziertes Rechtsgefüge, das einiges auch inhaltlich regelt &#8211; z.B. den Kinderschutz . Das wird auch in anderen Ländern vorkommen. Es geht ja nicht darum, dass man uferlos Medienleute maßregelt und Internetinhalte und alles unter Kontrolle stellt.</p>
<blockquote><p>„Das Mediengesetz lässt die Rechtsstaatlichkeit nicht bröckeln und beeinflusst die ungarische Ratspräsidentschaft nicht“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Es gibt eine Regelung, die dazu führt, dass Beschwerden über eine Behörde weitergeleitet werden. Eine Entscheidung darüber, was dann passiert, treffen natürlich unabhängige Gerichte.  Die Rechtsstaatlichkeit bröckelt nicht, und schon gar nicht beeinflusst das die ungarische Ratspräsidentschaft und die europäischen Werte.</p>
<p><strong>Frank:</strong> So einfach ist es dann doch nicht. Es geht darum, dass eine Behörde geschaffen wird, die Sanktionen aussprechen kann und Medien bestrafen kann &#8211; von einer Partei mit absoluter Mehrheit! Hoffentlich wird es die Möglichkeiten geben, gegen diese Sprüche vor Gerichten vorzugehen!</p>
<blockquote><p>„So einfach ist das nicht. [Das Mediengesetz] ist so im europäischen Werterahmen nicht vorstellbar“ (Frank)</p></blockquote>
<p>Eine staatsrechtliche Regelung gibt es in anderen Ländern wenn nur Form von auf freiwilliger Ebene agierenden Presseräten. Es ergibt sich hier eine Ebene von unmittelbaren Zugriffsmöglichkeiten.  Ein Wertekanon, der so im europäischen Werterahmen nicht vorstellbar ist. […]</p>
<blockquote><p>„Regierungen und Voraussetzungen sind seh verschieden. Ungarns Stabilität ist ein Gewinn für Europa“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p><strong>Pröhle:</strong> Wir sind sehr offen für solche Aussagen. Regierungen und Voraussetzungen in den Ländern sind sehr verschieden. Schauen wir nach Belgien oder in die Niederlande – da ist es unmöglich, eine Regierung zu bilden. Es gibt andere Beispiele. In Ungarn hat die Regierung eine Zweidrittelmehrheit. Das ist eine große Chance &#8211; und eine große Verantwortung. […] Die Stabilität, die wir in Ungarn erreicht haben, haben auch gesellschaftspolitische Auswirkungen. Diese Stabilität ist ein Gewinn für die europäische Entscheidungsfindung.</p>
<blockquote><p>„Die niederländische Regierung ist der Klimas einer langen Geschichte des Rechtspopulismus“ (Boven)</p></blockquote>
<p><strong>Boven:</strong> Die jetzige Regierung ist der Klimax einer langen Geschichte des Rechtspopulismus und dem Schüren von Angst vor vielen Dingen. Der Premierminister will im Fall von Vetos des Regierungspartners mit der Opposition stimmen, um etwa Kroatien zu retten.</p>
<blockquote><p>„Es gibt zu viel Diplomatie in Europa. […] Man will keine starken Personen an der Spitze“ (Boven)</p></blockquote>
<p>Es gibt zu viel Diplomatie in Europa. Es wurde von Betrug gesprochen, der funktioniert doch geheim. Was da passiert ist, war aber offensichtlich! Das zeigt, dass keine tatsächliche politische Debatte stattfindet. Im Endeffekt schafft man einen Euro, der nicht gut funktioniert… man will keine starken Personen an der Spitze der Kommission. Merkel will das nicht, Sarkozy will das nicht.</p>
<blockquote><p>„Die Politik nimmt die guten Sachen aus der EU für sich ein und schiebt die schlechten auf Brüssel“ (Feuilly)</p></blockquote>
<p><strong>Feuilly:</strong> Der Bürger in allen 27 Staaten weiß nicht, was Europa ihm bringt. An der Spitze stehen schwache Personen. Die Politik tendiert immer, die guten Sachen aus der EU für sich einzunehmen und die schlechten Sachen auf Brüssel zu schieben.</p>
<p><strong>Göbel:</strong> Europäische Politiker von Substanz sind enorm viel wichtiger als Charismatiker, die nur charismatisch sind. Es werden doch Fachleute für alle möglichen Belange zu Rate gezogen, warum nicht auch aus dem Kulturbereich? Man kann etwa Donauinselfeste mit emotionalen Botschaften bestücken! Wir müssen auch die Kultur bedenken! Da mache ich mir um Ungarn gar keine Sorgen, wenn ich mir den Erfolg der ungarischen Musicals in Wien ansehe.</p>
<p><strong>Pröhle: </strong>Das ist aber nicht der Erfolg der ungarischen Regierung, obwohl ich für Kulturdinge zuständig bin! <em>[lacht]</em></p>
<blockquote><p>„Die ‚Große Gurkenshow‘ würde sich toll eignen, um den Bürgern die EU näherzubringen“ (Frank)</p></blockquote>
<p><strong>Frank: </strong>Eine kleine Bemerkung dazu, dass Politiker zu Hause immer das Gute machen und Europa das Böse. Die „Große Gurkenshow“ würde sich toll eignen, um den Bürgern die EU näherzubringen… An der Gurkengeschichte zeigt sich sehr schön die verlogenheit. Alle österreichischen Politiker sind immer damit gekommen, um die Bürokratie zu zeigen. Vor 25 oder 30 Jahren hat es türkische, stark gekrümmte Gurken gegeben, die so bitter waren, dass sie als ungenießbar galten.  Da gab es Proteste und Schwierigkeiten mit Handelsverträgen. Dass die Gurke nicht so krumm sein soll, wurde in eine Vorschrift gekleidet – es war also ein Verbraucherschutzgesetz! Vor eineinhalb Jahren ist diese Gurkenkrümmungsauflage aufgehoben worden – und die österreichische Regierung war dagegen!</p>
<p><strong>Pröhle:</strong> Ich habe großes Verständnis dafür, dass halbmondförmige europäische Gurken nicht unbedingt erwünscht sind. [lacht] Es gab eine großartige schwedische Politikerin, die als Umweltkommissarin tätig war- Frau Wallström. Sie hat einmal gesagt: „Europa an die Bürger zu verkaufen, wäre wie Frankenstein als Ursula Andress zu maskieren“. Da habe ich eine gute Nachricht: Ursula Andress stammte aus der Schweiz.</p>
<blockquote><p>&#8220;Keine Luftschlösser mehr, sondern Europa den Bürgern näher bringen&#8221; (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Wenn wir – und damit kehre ich zum Schweizer Realitätssinn bei der Integration zurück. Wenn wir uns auf praktische Seiten beschränken und nicht den Krümmungsgrad von Bananen und Gurken. Keine Luftschlösser mehr bauen und über die großgeschriebene  europäische Identität, sondern versuchen, Europa den Bürgern näher zu bringen mit Autobahnen, Eisenbahnlinien, Umweltmaßnahmen. Da glaube ich, kann uns die Schweizer Art viel helfen.</p>
<p><strong>Publikumsfrage: Könnten Sie in kurzen Stichworten noch die Schwerpunkte der ungarischen Präsidentschaft erklären?</strong></p>
<p><strong>Pröhle:</strong> Gerne. Wir legen sehr viel Wert auf die „Europa 2020“-Strategie, um Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Arbeitsplätze zu schaffen.<br />
Für uns ist die Erweiterung sehr wichtig – Kroatien, aber auch die Stabilität auf dem Balkan. Das ist nicht nur eine Migrationsfrage, sondern auch eine kulturelle Frage der Diversität. Das werden wir im Rahmen der Donau-Strategie betonen, die in der ungarischen Präsidentschaft verabschiedet wird.</p>
<blockquote><p>„Wir planen einen Energiegipfel – die Abhängigkeit von Russland muss auf europäischer Ebene diskutiert werden“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Weiters planen wir einen Energiegipfel – die einseitige Abhängigkeit vom russischen Gas nicht von Vorteil, das muss auf europäischer Ebene diskutiert werden! Wir werden einen Gipfel  bei uns veranstalten, da geht es um die östliche Partnerschaft.</p>
<blockquote><p>„Die Roma-Problematik ist wirklich ein Thema. […] Ruhe und Stabilität sind da sehr wichtig“ (Pröhle)</p></blockquote>
<p>Die Roma-Problematik ist wirklich ein Thema, das von Präsident Sarkozy so hochgeschossen worden ist – dafür sind wir gewissermaßen dankbar, weil das gezeigt hat, wie wichtig es ist, die Situation der sesshaften Romas zu stabilisieren, damit sie nicht wandernde Roma werden. Das ist die Gefahr für ganz Europa, Ruhe und Stabilität sind da sehr wichtig.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/16/europa-sucht-seine-orgasmen_mediengipfel-am-hoehepunkt/' addthis:title='„Europa sucht seine Orgasmen“ – der Mediengipfel am Höhepunkt '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Mediengipfel Lech 2010]]></series:name>
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		<title>Europäische Medienzukunft in Lech: „Journalismus braucht es weiterhin, ob auf einem Blog, Twitter, Facebook oder im Chip im Kopf“</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 22:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Was ist die europäische Medienzukunft – und wie sehen Zukunftsmedien in Europa aus? Hochrangige Experten und Journalisten beleuchteten beim Mediengipfel den Zustand Europas, die Bedeutung und Verantwortung klassischer Medien - und die wachsende Bedeutung von Social Media für die Bürger.
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			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/14/europaeische-medienzukunft-in-lech/' addthis:title='Europäische Medienzukunft in Lech: „Journalismus braucht es weiterhin, ob auf einem Blog, Twitter, Facebook oder im Chip im Kopf“ '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Was ist die europäische Medienzukunft – und wie sehen Zukunftsmedien in Europa aus? Hochrangige Experten und Journalisten beleuchteten beim Mediengipfel den Zustand Europas, die Bedeutung und Verantwortung klassischer Medien &#8211; und die wachsende Bedeutung von Social Media für die Bürger.<br />
<span id="more-9277"></span></p>
<p><div id="attachment_9292" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9292" title="101213_Mediengipfel-Lech_Diskussionsrunde" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/101213_Mediengipfel-Lech_Diskussionsrunde.jpg" alt="Ambros Kindel (APA), Markus Spillmann (NZZ), Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard), Elmar Oberhauser (Ex-ORF), Bernard Maissen (Schweizer Depechen Agentur) und Henrik Schott (Naspers), (C) pro.media" width="500" height="348" /><p class="wp-caption-text">(C) pro.media</p></div></p>
<p>In Lech am Arlberg diskutierte  Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid ohne Scheuklappen mit Ambros Kindel (Leiter APA Außenpolitik), Markus Spillmann (Chefredakteur NZZ), Elmar Oberhauser (Ex-Informationsdirektor ORF), Bernhard Maissen (Chefredakteur Schweizer Depeschen Agentur) und Henrik Schott (Brüssel-Korrespondent für Naspers Südafrika).</p>
<p><strong>Alexandra Föderl-Schmid (Der Standard): Unsere zentrale Frage heute ist: Wie geht es weiter mit der Währungsunion – der Spiegel titelt „Das letzte Gefecht“. Sind wir in Europa am Ende, weil es vielleicht auch an Solidarität fehlt?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Ein beherztes Nein dazu, dass Europa am Ende ist“ (Kindel)</p></blockquote>
<p><strong>Ambros Kindel (APA):</strong> Ein beherztes Nein dazu, dass Europa am Ende ist. Krise ja, die ist vermutlich lösbar und selbstverschuldet. […] Was man schon anmerken muss – ganz im Anschluss an Hans Magnus Enzensberger – die EU verkauft sich wirklich schlecht. Pressekonferenzen von Kommissaren in Brüssel sind sehr ritualisiert, langweilig…</p>
<blockquote><p>„Wir müssen weniger Technokratensprech bringen“ (Kindel)</p></blockquote>
<p>Das ist wie den Schaltplan eines Musikinstruments zu erklären, ohne zu demonstrieren, wie es klingt. Da sind natürlich auch wir Journalisten gefordert, weniger Technokratensprech von Kommissaren, sondern mehr über die Vielfalt und Vernetzung der europäischen Hauptstädte zu bringen.</p>
<p><div id="attachment_9294" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9294" title="101213_Mediengipfel-Lech_MS" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/101213_Mediengipfel-Lech_MS.jpg" alt="Markus Spillmann (NZZ), (C) pro.media" width="500" height="327" /><p class="wp-caption-text">Markus Spillmann (NZZ), (C) pro.media</p></div></p>
<blockquote><p>„Wir sind nicht die PR-Agentur für Brüssel“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p><strong>Markus Spillmann (NZZ): </strong>Unser Aufgabe ist nicht, etwas zu vermarkten. Wir sind nicht die PR-Agentur für Brüssel oder die Kommission! Journalisten tendieren ein bisschen dazu, die Schattenseiten auszuleuchten und Skeptiker zu sein – das finde ich per se nicht schlimm.</p>
<blockquote><p>„Europa hat eine grundsätzlich gute Zukunft, ob es in dieser Form weitergehen kann, lasse ich offen“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p>Nein, die EU ist natürlich nicht am Ende. […] Wir haben eine Krise, ja – die ist aber nur teilweise von der EU ausgelöst worden, zum größten Teil aber durch nationalstaatlichen Schlendrian und falschen Rahmenbedingungen, die teilweise von der EU gefördert worden sind. Europa hat eine grundsätzlich gute Zukunft, ob es in dieser Form weitergehen kann mit der Union, das möchte ich einmal offenlassen.  […]</p>
<blockquote><p>„70 Jahre ohne Krieg in  Mitteleuropa – allein das rechtfertigt die EU“ (Oberhauser)</p></blockquote>
<p><strong>Elmar Oberhauser (ehemals ORF):</strong> Ich bekenne mich klar zur EU! 70 Jahre ohne Krieg in Mitteleuropa – das alleine hat alles gerechtfertigt. Ja, die Konferenzen sind in Brüssel langweilig, aber dort schiebt man nur noch Versorgungsfälle hin als Kommissare… schauen Sie sich die österreichische Politik an und die Schweizer, da gibt es auch Probleme!</p>
<blockquote><p>„Ich sehe keine Alternative zur EU“ (Oberhauser)</p></blockquote>
<p>Ich halte die EU für eine großartige Erfindung. Ich frage mich immer: Ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten – was ist damit genau gemeint? Oder die Wirtschaftskrise der letzten zwei Jahre… ich glaube, dass wir das gemeinsam besser bewältigt haben! Was würde passieren, wenn Staaten wie Irland, Portugal und Griechenland wegbrechen würden? Ich sehe keine Alternative zur EU.</p>
<p><strong>Föderl-Schmid: </strong>Außerhalb Europas sieht man die EU oft positiver, zum Beispiel Jeremy Rifkin hat ein Buch geschrieben: „Der amerikanische Traum“, sehr euphorisch. Wie sieht man das zum Beispiel in Afrika?</p>
<blockquote><p>„Wir sehen Europa sehr positiv, träumen noch vom Afro“ (Schott)</p></blockquote>
<p><strong>Henrik Schott (Naspers):</strong> Ich schreibe aus einer Perspektive außerhalb Europas, ich kann nur sagen:  Wir sehen Europa sehr positiv, träumen noch vom Afro, analog zum Euro! Wie stünden wir da, wenn wir jetzt nicht den Euro und das gemeinsame Vorgehen in Europa hätten?</p>
<p>Die Krise hat uns gezeigt, wie wenig wir voneinander wissen! Jetzt wurde auch schon vorgeschlagen, man teilt Europa in Nord-Süd… ich sehe das nicht so, es gibt eine gewisse Haushaltsdisziplin, dann wird man diese Krise auch stemmen. Wenn man auf anderen Kontinenten ist, wird einem gewahr, wie positiv das europäische Projekt gesehen wird.</p>
<p><strong>Föderl-Schmid: Es gab schon sehr viele Staatsbankrotte in Europa, wie das Buch „Dieses Mal ist alles anders. Acht Jahrhunderte Finanzkrisen“ sehr schön zeigt. Österreich ist 18-mal bankrott gegangen, Spitzenreiter in Europa ist Griechenland. Österreich hat lange Zeit eine Schuldenstruktur eines lateinamerikanischen Staates gehabt.<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Heute sind wesentlich mehr Leute von einem sozialen Abstieg betroffen“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p><strong>Spillmann: </strong>Der große Unterschied ist, dass wir von einem anderen Wohlstandsniveau sprechen als in der Vergangenheit. Es sind heute wesentlich mehr Leute betroffen von einem sozialen Abstieg als in den vorigen Jahrhunderten. Früher hatten sie vorher nichts zu essen und nachher nichts zu essen.</p>
<blockquote><p>„Es ist bedenklich, wenn ein Drittel der Bürger in die Arbeitslosigkeit hineingeboren wird“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p>Das ist schon das Bedenkliche, wenn Staaten ein Drittel oder ein Viertel ihrer Bürger in die Arbeitslosigkeit hineingeboren werden lassen. Wir haben auch in Amerika ähnliche Phänomene, auch in Japan mehren sich die Anzeichen einer Überalterung, das ist die große Herausforderung. Heute können wir uns einen Staatsbankrott nicht mehr erlauben, weil es ein soziales Desaster wäre.</p>
<p><strong>Oberhauser:</strong> Die Chancen, dass man aus so etwas herauskommt, sind in der Gemeinschaft doch größer!</p>
<p><strong>Föderl-Schmid: Wäre eine Möglichkeit, Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten zu versuchen – mit „Abschattierungen“, wie Hans Magnus Enzensberger das so schön nannte?<br />
</strong></p>
<p><strong>Schott:</strong> Jede Krise bietet eine Chance. Wenn diese Krise dazu führt, dass man mehr zu ausgeglichenen Haushalten kommt, dann wird das ganze langfristig auf stabilere Füße stellt.</p>
<p><strong>Föderl-Schmid: Welche Rolle haben die Medien bei der Berichterstattung? Wo ist die richtige Balance zwischen Krisenstimmung verbreiten, bremsen…?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Ich glaube nicht, dass am Schluss die Medien schuld sind“ (Maissen)</p></blockquote>
<p><strong>Bernhard Maissen (Schweizerische Depeschen Agentur):</strong> Wir sind keine PR-Agentur, wir berichten über die Geschehnisse, untersuchen, wie es dazu kommen konnte. Ich glaube nicht, dass am Schluss die Medien schuld sind – sie hätten alles beschleunigt / herbeigeschrieben. Die EU hat die Medien, die sie verdient!</p>
<blockquote><p>„Mediale Konstruktion und Dekonstruktion stimmen nicht immer mit der Realität überein“ (Kindel)</p></blockquote>
<p><strong>Kindel:</strong> Ich meinte nicht, dass die Medien PR für die EU machen sollen. Es ist zu einfach zu sagen, die Welt ist, wie sie ist, und die Medien berichten darüber. Die mediale Darstellung und Konstruktion oder Dekonstruktion der Wirklichkeit stimmen nicht immer mit der Realität überein. Ich bin fest davon überzeugt, dass Medien nicht PR für die EU machen dürfen.</p>
<blockquote><p>„Politiker schieben viele Probleme auf die EU“ (Oberhauser)</p></blockquote>
<p><strong>Oberhauser: </strong>Es ist nicht sexy. Damit holt man niemand hinter dem Ofen hervor. Und nationale Politiker schieben viele Probleme auf die EU.</p>
<blockquote><p>„Europa ist komplizierter. Da muss der Journalist mehr arbeiten“ (Schott)</p></blockquote>
<p><strong>Schott:</strong> Europa ist einfach komplizierter als die inländische Politik. Da muss der Journalist mehr arbeiten, um das verständlich zu machen. Das ist auch für die Politiker vorteilhaft, wenn die Leute nicht genau wissen, wie viel in der EU beschlossen wird und wie wenig national. Deshalb wird ja oft in Brüssel zugestimmt, und zuhause das dann so verkauft, dass man nicht anders konnte.</p>
<p><strong>Spillmann: </strong> Ist das so schlimm, wenn das die Leute nicht so sehr interessiert? Ich hab ein bisschen ein Problem damit, man muss sexier sein in der Berichterstattung… aber auch wir bemühen uns darum, es stimmt schon.</p>
<blockquote><p>„Es gibt keine euroäische Öffentlichkeit“ (Kindel)</p></blockquote>
<p><strong> Kindel: </strong>Es gibt keine europäische Öffentlichkeit, sondern 27 nationale Öffentlichkeiten. Bei Twitter und Facebook etc. gibt es plötzlich länderübergreifende Communities, da könnte etwas im Anrollen sein! […]</p>
<blockquote><p>„Es gibt nur zwei europäische Ereignisse: Fußballmeisterschaft und Songcontest“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p><strong> Spillmann:</strong> Es gibt ja nur zwei gesamteuropäische Ereignisse: die Fußballmeisterschaft und den Songcontest! Es gibt kein europäisches Medium.</p>
<blockquote><p>„Es fehlt die gemeinsame Sprache und Kultur“ (Schott)</p></blockquote>
<p><strong>Schott:</strong> Da gibt es auch eine sprachliche und kulturelle Barriere. Einen Fahrschein „entwerten“ oder „validieren“… es fehlt die gemeinsame Sprache und Kultur! Aber es gibt schon Ansätze über Twitter und Facebook, dass man sich über Landesgrenzen hinaus vernetzt.</p>
<blockquote><p>„Das Zuschauerinteresse wird nicht nervenzerfetzend sein“ (Oberhauser)</p></blockquote>
<p><div id="attachment_9293" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9293" title="101213_Mediengipfel-Lech_EO" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/101213_Mediengipfel-Lech_EO.jpg" alt="Elmar Oberhauser (Ex-ORF), (C) pro.media" width="500" height="321" /><p class="wp-caption-text">Elmar Oberhauser (Ex-ORF), (C) pro.media</p></div></p>
<p><strong>Oberhauser: </strong>Es gibt ja im Dokumentationsbereich irrsinnig viel. Das muss man trennen von der aktuellen Berichterstattung… in welcher Sprache soll da gesendet werden? Ich glaube, dass das nichts bringt. Im ORF kommt ja ab Jänner einen Informationsspartenkanal, ich habe mich mit meiner Ansicht bei Raimund Löw nicht durchgesetzt, wichtige und interessante Debatten aus dem Europäischen Parlament dort zu übertragen. Ich fürchte nur, das Zuschauerinteresse wird nicht nervenzerfetzend sein.<br />
<strong> </strong></p>
<p><strong>Föderl-Schmid: Könnte man nicht Euronews stärker propagieren? Gibt es nicht eine Pflicht für Öffentlich-Rechtliche Sender, darüber zu berichten?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Verpflichtung gibt es natürlich keine“ (Oberhauser)</p></blockquote>
<p><strong>Oberhauser: </strong>Das hätte relativ viel Geld gekostet, und sie sind nicht immer am neuesten Stand. Das Publikumsinteresse ist überraschend kurz. Verpflichtung gibt es natürlich keine!  […] Wer soll sich das ansehen?</p>
<p><strong>Föderl-Schmid: Ich würde gerne nochmal auf die Schweiz zurückkommen und das Thema Zukunftsmedien für Europa nochmal ansprechen. Blogs, Twitter – kann Europa darüber stärker gepusht werden?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Mit Twitter, Facebook und Co stellt man völlig andere Öffentlichkeiten her“ (Maissen)</p></blockquote>
<p><strong>Maissen:</strong> Ich glaube nicht wirklich daran… […]Verwaltungstechnisches wird nirgendwo große Quoten erzielen… egal, ob über Europa oder das eigene Land berichtet wird. Twitter, Facebook, &amp; Co – das ist ein anderer Kanal! Damit stellt man nicht völlig andere Öffentlichkeiten her. […] Damit lässt sich die europäische Öffentlichkeit nicht schaffen, aber es sind Tools, die wesentlich einfacher zu bedienen sind – so wie man online heute überall die NZZ abonnieren kann!</p>
<blockquote><p>„Ich bin mir nicht sicher, ob Twitter und Facebook Medien oder Anti-Medien sind“ (Kindel)</p></blockquote>
<p><strong>Kindel:</strong> Die Twitter-/Facebook-Diskussion ist für Medien eine sehr schwierige, weil ich mir nicht sicher bin, ob das Medien sind oder Anti-Medien. Möglicherweise kommunizieren da junge Leute untereinander direkt, das mit den traditionellen Medien schon sehr stark abgeschlossen hat. […]</p>
<blockquote><p>„Communities brauchen fast keine Information von außen“ (Kindel)</p></blockquote>
<p>Das heißt, die Communities brauchen fast keine Information von außen, wenn es um ihr Interessensgebiet geht. Diesen Gedanken weiterzuentwickeln, ist für Printmedien und Nachrichtenagenturen eine spannende Geschichte, und da ist nicht jedes Szenario rosig, etwa wenn das Einspeisen von Informationen von außen nicht mehr notwendig ist.</p>
<blockquote><p>„Wenn man Journalismus Twitter gegenüberstellt, kann Twitter maximal ein komplementärer Faktor sein.“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p><strong>Spillmann:</strong> Da breche ich doch eine Lanze für unsere Berufsgattung. Dann können wir den Gipfel ja abbrechen und alle Skifahren gehen! Dann braucht es uns ja nicht mehr. Der Journalismus wird sich verändern, ja. Im Kern ist Journalismus die Validierung, Selektion, die Reduktion von Komplexität usw. Wenn man das Twitter gegenüberstellt, kann Twitter maximal ein komplementärer Faktor sein. Ziehen wir die Gummistiefel an und probieren aus, wer am Ende die bessere Absenderkompetenz hat, das Wissen hat.</p>
<blockquote><p>„Journalismus braucht es weiterhin, ob auf einem Blog, Twitter, Facebook oder im Chip im Kopf“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p>Was ist relevant und irrelevant, und eine Sprache haben, die unsere LeserInnen, Nutzer, Fernsehzuschauer verstehen – da braucht es den Journalismus auch weiterhin, egal ob auf einem Blog, Twitter, Facebook oder im Chip im Kopf eingepflanzt. Diese Frage werden wir nie schlüssig beantworten können.</p>
<blockquote><p>„Ich halte nichts von Citizen Journalism, gehe ja auch nicht zum Citizen Doctor“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p>Die Frage ist: Sind wir noch Journalisten oder Informationslieferanten und reihen uns ein in eine großes Meer von Leuten, die keine Journalisten sind. Ich sage es ganz ehrlich: Ich halte nichts vom Citizen Journalism. Das ist wie ein Citizen Doctor, zu dem würde ich nie gehen, auch wenn er sich die Technologien angeeignet hat. Der weiß vielleicht nicht, ob der Blinddarm links oder rechts sitzt! Es ist nicht jeder zum Journalisten geboren. Wir müssen aber clevere Wege finden, diese Medien zu integrieren.</p>
<p><div id="attachment_9291" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9291" title="101213_Mediengipfel-Lech_AFS" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/101213_Mediengipfel-Lech_AFS.jpg" alt="Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid moderierte den Abend, (C) pro.media" width="500" height="346" /><p class="wp-caption-text">Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid moderierte den Abend, (C) pro.media</p></div></p>
<p><strong>Föderl-Schmid: Apropos integrieren. Ich möchte die Diskussion jetzt für das Publikum öffnen. Gibt es Fragen?</strong></p>
<p><strong>Stefan Egger (neuwal.com)</strong>: Zwei Dinge: Erstens Facebook/Twitter/Social Media als selbstreferentielle, in sich geschlossene Systeme. Ich bin sehr aktiv in diesen Medien und möchte schon darauf hinweisen, dass dort auf die klassischen Medien verwiesen und verlinkt wird. Ohne diese gäbe es dort wenig zu diskutieren. Das heißt, die Medien müssen sich schon überlegen, wie sie das besser steuern und wie sie Teil davon sein möchten – denn sie sind es schon!</p>
<p>Zweitens zum Citizen Journalism: Das greift ein bisschen zu kurz aus meiner Sicht. Das sind ja nicht nur Hausfrauen, die nicht mehr kochen wollen oder Männer, die nicht mehr am Auto schrauben wollen und dann mal etwas schreiben, sondern es gibt ganz viele Journalisten und Ex-Journalisten. Leute, die durchaus  wissen, wo der Blinddarm sitzt beim Schreiben. Viele von ihnen haben nicht mehr die Möglichkeit und die Chance, in ihrem Medium und mit der zur Verfügung stehenden Zeit,  ausreichend zu Recherchieren und heikle  Themen anzugreifen, die Werbekunden vertreiben könnten.</p>
<p>Meine zwei konkreten Fragen: Was sind die Mittel und Wege, aktiver zu steuern, was auf Social Media passiert? Und ist es nicht auch ein Zeichen der Krise von klassischen Medien, dass so viele Journalisten auf anderen Wegen zu kommunizieren beginnen?</p>
<p><strong>Spillmann:</strong> Grundsätzlich zu beiden Punkten völlig d&#8217;accord. Dann haben wir ein semantisches Problem. Unsere Gattung ist in der Schweiz nicht geschützt, ich kämpfe hier ein wenig für unseren Berufsstolz. Nicht jeder ist zum Journalisten geboren! Sie haben völlig recht, es gibt sehr wohl ehrenhafte und nützliche Kanäle, die auch gescheite Information transportieren, und logischerweise müssen wir aus wirtschaftlichen und weil wir neue Zielgruppen und Leser zu uns holen wollen, diese neuen Medien berücksichtigen und cleverer berücksichtigen, völlig klar!</p>
<p><strong>Andreas Braun (Swarovski):</strong> […]Wo nimmt das Podium den naiven Optimismus her – es wird schon weitergehen in Europa, nicht kulturell in der großen Vision, sondern ganz konkret wirtschaftlich?</p>
<p><strong>Oberhauser: </strong>Was ist die Alternative? Ich gehe davon aus, dass die Krise die Spielregeln verändern wird. Wenn ich mir ansehe, was die Sozialisten in Griechenland geschafft haben zur Bewältigung der Krise und was die zerbröselnde Regierung in Irland geschafft hat, dann bin ich optimistisch.</p>
<p><strong>Föderl-Schmid: Eine Zusatzfrage &#8211; Wie sieht Europas Medienzukunft 2020 aus?<br />
</strong></p>
<blockquote><p>„Gedrucktes Wort geht in Richtung Luxusprodukt, das man sich leistet“ (Schott)</p></blockquote>
<p><strong>Schott:</strong> Es wird weniger Zeitung, viel mehr online gelesen werden, crossmedial. Es wird, was das gedruckte Wort angeht, zu einer Abnahme kommen und eher in Richtung Luxusprodukt gehen, nach dem Motto „Ich lasse es mir gutgehen, ich kaufe mir das Luxusprodukt Zeitung um 10 Euro“.</p>
<blockquote><p>„Ich wehre mich gegen die Sichtweise, nur gedruckter Journalismus sei guter Journalismus“ (Maissen)</p></blockquote>
<p><strong>Maissen:</strong> Ich wehre mich gegen die Sichtweise, dass nur gedruckter Journalismus guter Journalismus ist! Medien werden noch immer eine entscheidende Rolle spielen, Journalismus wird es immer brauchen, das Ganze wird ja immer komplexer. Sonst verabschiedet sich die Öffentlichkeit vom gesamten System – das erkennen auch die Politiker!</p>
<blockquote><p>„Man muss jungen Menschen Medien beibringen“ (Oberhauser)</p></blockquote>
<p><strong>Oberhauser:</strong> Qualitätsjournalismus wird es auch dann noch brauchen. Für TV traue ich mir das nicht zu behaupten. Ich glaube, dass wir den jungen Menschen Medien beibringen soll –  man muss das lehren.</p>
<blockquote><p>„Letztendlich wird die Medienlandschaft so aussehen, wie wir sie formen“ (Spillmann)</p></blockquote>
<p><strong>Spillmann: </strong>Ich wehre mich dagegen, dass man die Zukunft nicht beeinflussen kann! Letztendlich wird die Medienlandschaft 2020 so aussehen, wie wir sie gestalten und formen. Ich bin Optimist, das wird schon gut!</p>
<blockquote><p>„Social Networks werden wichtiger, journalistisches Knowhow wird notwendig sein“ (Kindel)</p></blockquote>
<p><strong>Kindel: </strong>Ich glaube, dass die andiskutierten Social Networks wichtiger werden, insbesondere in spezialisierten Kreisen. Dort wird auch journalistisches Knowhow notwendig sein. Die Frage ist, ob das traditionelle Medien einbringen können und vor allem wie. Internet-Inhalte werden wichtiger und werden crossmedial.</p>
<blockquote><p>„Print hat eine andere Qualität als Herumzappen im Internet“ (Kindel)</p></blockquote>
<p>Von Printmedien werden wir uns nicht verabschieden müssen. Diese großen Informationsströme, die auch über Social Networks laufen und der Bedarf an Begründung und Erklärung in einer Welt, die immer komplizierter wird und diese auseinanderstrebende Realität  – das sind Bereiche, wo ich die Zukunft der Medien sehe. Print hat eine andere Qualität als Herumzappen im Internet.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/14/europaeische-medienzukunft-in-lech/' addthis:title='Europäische Medienzukunft in Lech: „Journalismus braucht es weiterhin, ob auf einem Blog, Twitter, Facebook oder im Chip im Kopf“ '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Mediengipfel Lech 2010]]></series:name>
	</item>
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		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 9: Politischer Hausarrest</title>
		<link>http://neuwal.com/index.php/2010/12/12/magister-o-muerte_teil9/</link>
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		<pubDate>Sun, 12 Dec 2010 12:29:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>
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		<category><![CDATA[politische post aus ecuador]]></category>
		<category><![CDATA[quito]]></category>

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		<description><![CDATA[Die letzten beiden Wochen war Manuel Daubenberger vor allem in und um Quito unterwegs. Wie hart es sein kann, auf einen Vulkan zu klettern, warum Ecuador seine Bürger einen Sonntag lang einsperrte und warum ein Ausnahmezustand in Quito auch eine angenehme Sache sein kann, lesen Sie hier.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/12/magister-o-muerte_teil9/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 9: Politischer Hausarrest '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><div>Die letzten beiden Wochen war Manuel Daubenberger vor allem in und um Quito unterwegs. Wie hart es sein kann, auf einen Vulkan zu klettern, warum Ecuador seine Buerger einen Sonntag lang einsperrte und warum ein Ausnahmezustand in Quito auch eine angenehme Sache sein kann, lesen Sie hier.</div>
<p><span id="more-9239"></span></p>
<p><div id="attachment_9242" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9242" title="Feierende Menschen in Quito, (CC) Manuel Daubenberger" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/MagisterOMuerte9.jpg" alt="(CC) Manuel Daubenberger" width="500" height="339" /><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<div>Zunächst machte ich mich gemeinsam mit meinem singapurischen Freund an den Versuch den Hausvulkan Quitos, Rucu Pichincha, zu besteigen. Dafür fuhren wir zunächst mit der Seilbahn von 2800 auf 4100 Meter. Vom Endpunkt des Teleferico sollte wir dann in einer dreistündigen Wanderung zum Gipfel auf 4700 Metern gelangen. Zunächst ging es relativ ebenerdig entlang des andinen Grashochlandes. Auch wenn das Wetter nicht komplett perfekt war, hatten wir doch Glück und es boten sich zwischenzeitlich traumhafte Ausblicke auf Quito und die umliegenden Vulkane. [...]</div>
<div></div>
<div><strong>Eingesperrtes Volk</strong><br />
Der nächste Tag begann mit Hausarrest. Aufgrund einer Volkszählung, die alle zehn Jahre stattfindet, herrschte am Sonntag von sieben bis fünf Uhr in allen urbanen Zentren Ausgangssperre und Reiseverbot. Zudem trat von Samstag 0 Uhr bis Sonntag 0 Uhr das „Ley Seca“, das trockene Gesetz in Kraft, das ein absolutes Alkoholverbot zur Folge hatte. Meine Mitbewohnerin ließ sich in Riobamba registrieren, so dass ich mich als alleiniger Bewohner des Vier-Zimmer-Appartments ausgeben sollte. Um 7.30 Uhr standen drei zwischen 14 und 16 Jahre alte Schülerinnen in meiner Tür, denen deutlich anzumerken war, dass ich ihr erstes Interviewpartner des Tages war. Ansonsten hätten sie mich wohl eher nicht gefragt, ob ich in an einer Straße, einer Autobahn, im Wald oder entlang eines Flusses wohne; oder ob ich elektrisches Licht und fließendes Wasser habe. Dinge die in weiten Teilen Ecuadors legitime Fragen darstellen, aber eher nicht im Norden Quitos. Bei einigen Fragen hatte ich dann doch Probleme, mich als legitimer alleiniger Bewohner der Wohnung auszugeben. Denn ich wusste nicht wirklich, wie viele Lampen ich besitze und wie viel wir im vergangenen Monat für Wasser und Strom bezahlt haben.</p>
<div>
<div></div>
<div><strong>Verlassene Straßen</strong><br />
Nachdem ich meine Bürgerpflicht erledigt hatte, verbrachte ich einen relativ entspannten Tag und wagte mich später noch auf die verlassenen Straßen Quitos. Dort war tatsächlich nur die Polizei und das Militär unterwegs, um Menschen wie mich wieder nach Hause zu schicken. Ein sehr gespenstisches Bild, das etwas von einem Endzeit-Hollywood-Film hatte. Am nächsten Tag berichteten die Zeitungen von knapp über 1000 Festnahmen. Davon hatten 950 gegen das Alkoholverbot und 100 gegen die Ausgangssperre verstoßen.</p>
<p>Die darauffolgende Woche kasernierte ich mich in meinem Zimmer ein, um endlich einmal mit meiner Magisterarbeit voranzukommen, bevor am Wochenende die Fiestas de Quito anstanden.</p>
</div>
<div></div>
<div><strong>Eine Stadt feiert sich selbst</strong><br />
Während der Fiestas de Quito feiern die Bewohner ein verlängertes Wochenende lang die Gründung ihrer Stadt am 6.Dezember. Dazu gehören Stierkämpfe, Paraden und sehr viel Alkohol.Eine der Traditionen ist die Fahrt in und auf einem offenen Bus mit Blaskapellen, dem sogenannten Chiva. Nach einer Chiva-Fahrt mit einigen Canelazos, einem Zimt-Orangen-Punsch mit Zuckerrohrschnaps, machte ich mich mit Freunden auf den Weg in den Mariscal.</p>
<p>Das Vergnügungsviertel war vollkommen überlaufen und wurde von Militärs mit Schrotflinten und Maschinengewehren bewacht. Die Fiestas de Quito sind eine Hochzeit für Kriminelle und außerdem sterben jedes Jahr zwischen 20 und 60 Menschen bei Verkehrsunfällen. Den Rest des Abends verbrachten wir nicht in Gringolandia, sondern auf einer Stadtviertel-Feier.</p>
<p>Am nächsten Tag besuchte ich mit 40.000 anderen das kostenlose Festival „Feria de Quitumbe“, wo die bekannteste Hiphop-Gruppe Lateinamerikas, „Calle 13“ aus Puerto Rico, spielte. Der sowieso immer überfüllte Trole-Bus glich an diesem Abend der Tokioter U-Bahn, so dass wir uns einen Platz in der Sardinenbüchse erzwingen mussten.</p>
</div>
<div></div>
<div><strong>Fußball und Feiern</strong><br />
Am Sonntagmorgen wachte ich relativ früh auf und wollte mir eigentlich einen gemütlichen Morgen machen, ehe die Feiern am Nachmittag ihrem Höhepunkt entgegen steuerten. Dieser Plan änderte sich allerdings als ich meiner Nachbarin über den Weg lief, die aufgrund ihres Trikots offensichtlich auf dem Weg zum Finale der ecuadorianischen Liga zwischen Liga de Quito und Emelec Guayaquil war. Die Tatsache, dass sie noch Platz im Auto und eine Karte übrig hatte, sah ich als Wink des Schicksals. [...]</p>
<p>Das Spiel wurde 2:0 gewonnen, so dass die Chancen für das Rückspiel am kommenden Sonntag und die nächste rauschende Feier in Quito hoch sind. Im Anschluss an das Spiel ersparten wir uns die nervige Taxifahrt im Stau und bestiegen stattdessen einen Chiva, der uns zwar nicht schneller, aber günstiger und mit Musik und Alkohol in die Stadt zurückbrachte. Im Parque La Carolina wurde ich dann von einem Transvestiten-Clown in ein Straßentheater verwickelt.</p>
</div>
<div></div>
<div><strong>Verrücktes Wochenende</strong><br />
Den restlichen Nachmittag und Abend verbrachte ich mit neu gefundenen ecuadorianischen und kolumbianischen Freunden in einer Bar und auf einer privaten Feier in einer Gated Community. Die Nacht endete allerdings nicht dort und so fand ich mich im absoluten Norden Quitos in der Nähe des Stadions auf einer Straßenparty wieder. [...] Etwas angeschlagen quetschte ich mich am nächsten Morgen in den Trole-Bus auf den Weg zum The-Wailers-Konzert im Süden. Auch wenn ich mir sicher bin, dass die Hölle ein Trole-Bus mit Kater ist, war die Tatsache „Redemption Song“ und „Free Little Birds“ live zu hören, die Qual absolut wert. Damit endete auch eines der verrücktesten Wochenenden meines Lebens.</div>
<div></div>
<div><strong>Lehrer sind nicht immer die besten Vorbilder</strong><br />
Am Dienstag fuhr ich zum nächsten Spiel des Dorfturniers und zum Unterrichten nach Baeza. Nachdem wir bereits in der fünften Minute den Englischlehrer David wegen einer Tätlichkeit verloren hatten und direkt im Anschluss das 1: 0 und 2:0 kassierten, rannten wir das komplette Spiel an, nutzten unsere Chancen allerdings nicht, liefen immer wieder in Konter und verschossen einen Elfmeter. Nachdem ich selbst eine unserer besten Chancen vergeben hatte, fluchte ich doch etwas sehr ecuadorianisch über mich selbst und wäre beinahe vom Platz geflogen. Am Ende verloren wir 5:2. Da das andere Team allerdings einige nicht spielberechtige Spieler einsetzte, wurden das Spiel annulliert und somit haben wir noch alle Chancen in die nächste Runde zu kommen.</p>
<div></div>
<div><strong>Erfreuliche Fortschritte</strong><br />
Bei den Konversationsübungen mit meinen Schülern freute ich mich sehr, einen deutlichen Fortschritt zu beobachten. Selbst die schlechtesten können sich einigermaßen ausdrücken und mit den Besten kann ich mich mittlerweile über einfache Dinge normal unterhalten, was in Ecuador eine Menge ist. Außerdem wurde ich zum „Cena de Navidad“, dem „Weihnachtsabendessen“ am 23.Dezember eingeladen. Eine schöne Gelegenheit für das vermutlich letzte Treffen mit meinen Schülern.</div>
<div>In der kommende Woche werde ich wieder zum Unterrichten und zum schweren Spiel gegen die Polizei nach Baeza fahren und die letzte Woche mit den amerikanischen und singapurischen Austauschstudenten genießen, ehe meine Familie zu Weihnachten eintrifft.</div>
<div></div>
<div><strong>Entonces hasta la próxima!</strong></div>
</div>
</div>
</div>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/12/magister-o-muerte_teil9/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 9: Politischer Hausarrest '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Magister o muerte - (politische) Post aus Ecuador]]></series:name>
	</item>
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		<title>&#8220;Wir müssen Herren über unsere Daten bleiben&#8221; &#8211; Schily, Gauck und Ströbele über Stasi-Akten, Geheimdienste und #wikileaks</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Dec 2010 20:19:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Rahmen der Reihe "Debating Europe" diskutierten im Burgtheater Ex-Innenminister Otto Schily (SPD), sein ehemaliger grüner Parteikollege und schärfster Konkurrent, Hans-Christian Ströbele (Grüne), Politik-Legende Joachim Gauck sowie der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven "Bedrohte Freiheit" - von Nacktscannern bis zu Wikileaks!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/08/stasiakten-geheimdienste-und-wikileaks_burgtheater-debatte/' addthis:title='&#8220;Wir müssen Herren über unsere Daten bleiben&#8221; &#8211; Schily, Gauck und Ströbele über Stasi-Akten, Geheimdienste und #wikileaks '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Wenn <a href="http://www.derstandard.at" target="_blank">Standard</a> und <a href="http://www.iwm.at" target="_blank">IWM</a> ins Burgtheater einladen, um im Rahmen der Reihe &#8220;Debating Europe&#8221; Tacheles zu reden, stehen deutsche Spitzenpolitiker und Experten Schlange. Diesmal waren neben Ex-Innenminister <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Schily" target="_blank">Otto Schily</a> (SPD) und seinem ehemaligen grünen Parteikollegen und schärfsten Konkurrenten, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Christian_Str%C3%B6bele" target="_blank">Hans-Christian Ströbele</a> (Grüne) auch Politik-Legende und Ex-Bundespräsidentschaftskandidat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Gauck" target="_blank">Joachim Gauck</a> sowie Terrorismus-Experte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Tophoven" target="_blank">Rolf Tophoven</a> dabei, um das Thema &#8220;Bedrohte Freiheit&#8221; zu diskutieren.</p>
<p>Österreichische Politiker (Außenminister Spindelegger, Innenministerin Fekter&#8230;) waren geladen, aber nicht interessiert. Offenbar ein allzu großer Schaden, wie der rege, inhaltlich auf hohem Niveau geführte Diskurs zeigte.</p>
<p><span id="more-9176"></span></p>
<p><div id="attachment_9192" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-9192" title="bedrohte-freiheit_vogel" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/12/bedrohte-freiheit_vogel.jpg" alt="Vogel auf Stacheldraht, (C) www.sxc.hu / pepo" width="500" height="300" /><p class="wp-caption-text">(C) www.sxc.hu / pepo</p></div></p>
<div><strong>Schily, Erfinder des &#8220;Otto-Katalogs&#8221;</strong><br />
Zur äußerst Rechten &#8211; dort, wo ihn im Spätherbst der Karriere seine Kritiker auch politisch sehen &#8211; saß im Burgtheater jener deutsche Innenminister, der das Land durch seine Sicherheitspakete geprägt hat wie wenig andere: Ex-Innenminister Otto Schily (SPD). So umfangreich waren seine Maßnahmen angesichts der globalen Bedrohungen, dass die Bürger sie despektierlich &#8220;Otto-Katalog&#8221; tauften.</div>
<div></div>
<div><strong>&#8220;Sicherheit als Fundament der Freiheit&#8221;</strong><br />
Auch bei der Debatte im Burgtheater sparte Schily nicht mit starken Worten und verteidigte mit großen Gesten seine Linie. Für den Einstieg wählte er ein Zitat, dass nicht nur den Diskutanten aus unterschiedlichen Gründen im Kopf herumschwirrte: &#8220;Das Fundament der Freiheit ist die Sicherheit&#8221; &#8211; doch dazu später mehr. Für Schily ist die EU ein Raum für Freiheit, Sicherheit und Recht, der vom islamischen Terrorismus spätestens seit dem 11. September massiv bedroht wird. Da die klassischen Präventionsmaßnahmen zu kurz griffen, liege mehr Verantwortung bei der Poizei &#8211; und müsse es neue Methoden geben, wie damals eben die umstrittene Vorratsdatenspeicherung.</div>
<div></div>
<div><strong>Anschläge auf die Freiheit abwehren</strong><br />
Die Ablehnung gegen deren Ausdehnung &#8211; in Deutschland höchst umstritten und letztlich vom Verfassungsgerichtshof gekippt &#8211; will Schily bis heute nicht verstehen. Der Unterschied zwischen drei Monate zur unternehmensinternen Klärung von Rechnungsproblemen mit Kunden und der einjährigen Sammlung zu ermittlungstechnischen Zwecken war für ihn irrelevant, da die Mittel zur Aufdeckung notwendig seien, um &#8220;Anschläge auf die Freiheit&#8221; abzuwehren.</div>
<div></div>
<div><strong>Übermacht der Presse</strong><br />
Warm wurde er zu seiner Amtszeit mit ihr ja nie, doch die Heftigkeit, mit der Schily gegen Ende die &#8220;Übermacht der Presse&#8221; attackierte, überraschte dann doch. Er sah darin einen &#8220;Schönheitswettbewerb, in dem viele sich anbiedern&#8221;. Dabei liege sie oft falsch, sogar der Bundesverfassungsgerichtshof hätte mehrfach falsch entschieden, so der von sich selbst überzeugte Machtpolitiker.</div>
<div></div>
<div><strong>Pragmatischer Weg ist der beste</strong><br />
Dass ökonomische Gründe sinnvolle Maßnahmen verhindern, während man Bürgern gegenüber die volle Palette durchdrücken will, zeigte das Beispiel der Passagierkontrollen im Flugverkehr (Stichwort &#8220;Nacktscanner&#8221;) im Vergleich zu den weitgehend unkontrollierten, in Passagierflugzeugen mittransportierten Paketen &#8211; was vor allem Hans-Christian Ströbele ein massiver Dorn im Auge war. Auch Schily gestand letztlich ein, dass es absolute Sicherheit niemals geben kann &#8211; und dass eine übermäßige Datensammlung &#8211; als Beispiel dienten die USA &#8211; kontraproduktiv sei. Der pragmatische Weg sei somit der sinnvollste, so Schily.</div>
<div></div>
<div><strong>Ströbele, eigenwilliger grüner Datenschützer</strong><br />
Hans-Christian Ströbele wurde schon bei der Vorstellungsrunde als schärfster Kritiker vorgestellt &#8211; dabei waren Schily und er einmal gemeinsam bei den Grünen. Das scheint lange her. Zuletzt viel Ströbele 2002 mit einem eigenwilligen Direktmandat auf, das er in Berlin mit dem Slogan &#8220;Ströbele wählen, Fischer quälen&#8221; erringen konnte.</div>
<div></div>
<div><strong>Missbrauch von Bedrohnungen</strong><br />
Er hätte als einziger gerne mit Maria Fekter diskutiert, da er einige Fragen an sie hätte&#8230; was Gelächter im Publikum auslöste. Obwohl er auf dem Podium relativ einsam dastand, verteidigte Ströbele tapfer und letztendlich nicht unerfolgreich seinen Eindruck, dass reale und vermeintliche Bedrohungen oft als Vorwand gedient hätten, um vorbereitete Gesetzesänderungen rasch durchzubringen &#8211; und so zur Einschränkung der Freiheit missbraucht worden seien.</div>
<div></div>
<div><strong>Bedeutung der Vierten Gewalt</strong><br />
Die sogenannte &#8220;Vierte Gewalt&#8221; &#8211; also die Presse ist für ihn ein absolut notwendiges Kontrollinstrument für die Regierung. Ein gutes Beispiel dafür bot aus seiner Sicht die Vorratsdatenspeicherung, für die es im Bundestag keine Mehrheit gegeben habe, weswegen der Umweg über eine EU-Richtlinie gewählt worden, 2006 eingeführt und als verfassungswidrig aufgehoben worden sei. Was erst einmal gespeichert sei, werde künftig für alles mögliche verwendet, so seine Angst. Der Zugriff auf private Daten bringe zudem nicht mehr Sicherheit.</div>
<div></div>
<div><strong>Vertrauen seit Irak-Krieg erschüttert</strong><br />
Sein Vertrauen in Geheimdienste ist insbesondere seit dem Irakkrieg tief erschüttert. Generell trete er gegen Aktionismus auf und ist nicht dafür, alles zu machen, was technisch möglich ist, denn &#8220;es gibt keinen absoluten Schutz!&#8221;.</div>
<div></div>
<div><strong>Gauck, Leiter seiner eigenen Behörde</strong><br />
Joachim Gauck war mit Sicherheit der ungewöhnlichste Vertreter, alleine durch seine recht bekannte Vita. Da er in der DDR nichts anderes studieren durfte, wendete er sich der Theologie zu und praktizierte auch einige Jahre als evangelischer Pfarrer, bevor er 1989 Wortführer des &#8220;Neuen Forums&#8221; wurde. Später trat er für das &#8220;Bündnis 90&#8243; an und leitete schließlich die Behörde zur Aufarbeitung der Kilometer an Stasi-Akten &#8211; eine sehr schwierige Rolle, die er so gut ausfüllte, dass die Institution bis heute &#8220;Gauck-Behörde&#8221; genannt wird. In Anspielung auf seine letztlich am Wahlmodus gescheiterte Bundespräsidentschaftskandidatur meinte Föderl-Schmid: &#8220;Burgtheater statt Schloss Bellevue &#8211; ist ja auch nicht schlecht!&#8221;</div>
<div></div>
<div><strong>&#8220;Müssen Herren unserer Daten bleiben&#8221;</strong><br />
Gauck thematisierte zuerst Schilys Eingangszitat von der Sicherheit als Fundament der Freiheit &#8211; was ihm zu sehr nach Mantra klang, das zum Selbstzweck werden könnte. Ihm fehlte in der gesamten Debatte die Information, wieviel Kontrolle welche Ergebnisse gebracht hätte. Doch mit Zahlen konnte auch Schily nicht dienen. Die Grundrechte seien ein hohes Gut, und die Verhältnismäßigkeit sei als wichtiges Prinzip in der Verfassung verankert. Er sei grundsätzlich nicht gegen neue Sicherheitsmaßnahmen, wenn es eine belegte Wirkung gäbe. Wichtig sei das Recht auf Informationsfreiheit: &#8220;Wir müssen Herren unserer Daten bleiben&#8221;.</div>
<div></div>
<div><strong>Kontrolle laufend notwendig</strong><br />
&#8220;Kontrolle ist laufend notwendig&#8221;, so Gauck weiter, doch die Angst vor einem Spitzelstaat sei in Deutschland unbegründet. Freiheit versus Rechtsstaat sei eben ein endloses Thema, die Aushandlung des Richtigen die eigentliche Aufgabe. Heilig sei dabei die Unverletzlichkeit der Grundrechte, nach diesem Prinzip sei man auch bei den Stasi-Akten vorgegangen. Die Datenöffnung sei damals höchst umstritten gewesen, Ziel der rechtlich geordnete Zugriff auf die eigenen Daten, für die Presse auf die Täterdaten &#8211; denn &#8220;Datenschutz ist kein Täterschutz&#8221;.</div>
<div></div>
<div><strong>Terror-Experte Tophoven: &#8220;Hightech und Kalaschnikow&#8221;</strong><br />
Terrorismus-Experte Rolf Tophoven, der als Anwalt wie Schily auch RAF-Mitglieder verteidigt hatte, stellte seine Sicht der Dinge unter den plakativen Titel &#8220;Hightech und Kalaschnikow&#8221;, um die terroristischen Bedrohungen und deren Abwehr zu versinnbildlichen. Er sah Deutschland &#8211; im Gegensatz zu Österreich &#8211; durch außenpolitische Aktivitäten als sehr exponiert an. Grundlegend sei er &#8220;für alle Maßnahmen, die die Sicherheit fördern&#8221;, auch Nacktscanner. Der SWIFT-Datenaustausch mit den USA gehe ihm aber zu weit, greife in die Privatsphäre ein und steigere die Informationsflut sinnloser Daten noch weiter.</div>
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<div><strong>Wikileaks &#8211; eine Katastrophe?</strong><br />
Beim Thema Wikileaks verstrickten sich so gut wie alle Teilnehmer in Widersprüche. Schily etwa war &#8220;dafür, wenn es um Straftaten geht&#8221;, wollte aber sicherstellen, &#8220;dass laufende Ermittlungen nicht kaputtgemacht werden&#8221;. Für die Diplomatie, speziell die US-Diplomatie, sei Wikileaks eine Katastrophe. Grundlegend sei er zwar dafür, dass alles öffentlich ist  -aber mit einem Diskretionsbereich, dem große Bedeutung zukomme.</div>
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<div><strong>&#8220;Assange hat recht&#8221;</strong><br />
&#8220;Assange hat recht!&#8221;, postulierte hingegen Hans-Christian Ströbele mit Vehemenz. Information soll veröffentlicht werden, ob es nun um den Irakkrieg, Lügen im arabischen Raum oder Schmierelder gehe. Für Betroffene sei das allemal hinnehmbar. Die Grenze sei für ihn dort, wo es klar ins Privatleben ginge oder Personen gefährdet seien. Nur so könne die Öffentlichkeit überhaupt eine Kontrollfunktion ausüben. &#8220;Welche Motive dahinterstecken, klären die Gerichte. Wichtig ist, dass Wikileaks und Spiegel weiter veröffentlichen.&#8221; Bemakelte Informationen verwende ja auch die Regierung selbst, meinte Ströbele mit Hinweis auf die gekauften Steuerdaten-CDs. Die Presse entscheide, was veröffentlichkeitswürdig sei.</div>
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<div><strong>&#8220;Elementarer Verlust von Rechtlichkeit&#8221;</strong><br />
Joachim Gauck vertrat bei Wikileaks eine sehr kritische Position. &#8220;Nicht jede Frage ist eine Frage der persönlichen Ethik oder Moral. Hier geht es um die Rechtskonformität!&#8221; Er sieht die Veröffentlichung sensibler Daten via Wikileaks als einen &#8220;elementaren Verlust von Rechtlichkeit, der nicht zu begrüßen ist. [...] Die persönliche Moral kann nicht über dem Gesetz stehen. Wikileaks gehört vor den Richter!&#8221; Das einzige Funktion schien ihm derzeit eine Art &#8220;Yellow Press&#8221; für Politik zu sein. &#8220;Dient das dem Informationsbedürfnis eines Citoyens oder als Gesprächsstoff für die Bourgeoisie?&#8221;</div>
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<div><strong>&#8220;Keine Diskretion mehr zu wahren&#8221;</strong><br />
Rolf Tophoven sah in erster Linie das Problem der überschießenden Datensammlung &#8211; in Kombination mit viel zu vielen Zugriffsberechtigten auf die schwach gesicherten Daten. Deren Weitergabe erfolge auch oft aus niederen Motiven, meinte Tophoven &#8211; mit ernsten Konsequenzen: &#8220;So ist künftig keine Diskretion mehr zu wahren.&#8221;</div>
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<div>Schließen könnte man die spannende und teils recht emotional geführte Debatte mit einem Zitat Benjamin Franklins: &#8220;Jene, die grundlegende Freiheit aufgeben würden, um eine geringe vorübergehende Sicherheit zu erwerben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.&#8221; Das gilt heute mehr denn je!</div>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/12/08/stasiakten-geheimdienste-und-wikileaks_burgtheater-debatte/' addthis:title='&#8220;Wir müssen Herren über unsere Daten bleiben&#8221; &#8211; Schily, Gauck und Ströbele über Stasi-Akten, Geheimdienste und #wikileaks '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 8: Von Bussen und Gastfreundschaft</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 2010 10:33:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>
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		<category><![CDATA[magister o muerte]]></category>
		<category><![CDATA[manuel daubenberger]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade hat Manuel Daubenberger die erste Halbzeit in Lateinamerika erfolgreich hinter sich gebracht. Wie das Aufeinandertreffen seiner Schüler und der ausländischen Gäste auf einem Dorffest verlaufen ist und warum er jetzt dennoch dankbar ist, mal einige Tage in Quito zu sein, lesen Sie hier.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/29/magister-o-muerte_teil8/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 8: Von Bussen und Gastfreundschaft '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><div>Gerade hat Manuel Daubenberger die erste Halbzeit in Lateinamerika erfolgreich hinter sich gebracht. In den vergangen beiden Wochen war er dabei sehr viel unterwegs. Zuerst fuhr er zum Unterrichten in den Nordwesten Pichinchas. Anschließend führte er eine Horde Austauschstudenten in die Freuden des ecuadorianischen Landlebens ein. Wie das Aufeinandertreffen seiner Schüler und der ausländischen Gäste auf einem Dorffest verlaufen ist und warum er jetzt dennoch dankbar ist, mal einige Tage in Quito zu sein, lesen Sie hier.</div>
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<p><span id="more-9090"></span></p>
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<div><div id="attachment_9092" class="wp-caption alignleft" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Busfahrt.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Busfahrt.jpg" alt="Überfüllter Bus, (CC) Manuel Daubenberger" title="08_Busfahrt" width="500" height="328" class="size-full wp-image-9092" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></div>
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<h2>&nbsp;<br />Von Bussen und Gastfreundschaft</h2>
</div>
<div>Über die Hälfte meiner Zeit in Lateinamerika ist nun vorbei. In den vergangenen beiden Wochen war ich wieder viel unterwegs, so dass ich momentan froh bin, mal wieder mehrere Tage am Stück in Quito zu sein.</div>
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<div><strong>Kein Festival ohne Bier</strong><br />
Zunächst hatte ich aber als Ausgleich für die viele Reiserei ein Arbeitswochenende eingelegt. Am Sonntag ging ich trotzdem zum Quitofest, einem kostenlosen Festival mit traumhaften Blick über Quito. Da das Festival vor allem zu Zwecken der sozialen Erziehung diente, gab es keinen Alkohol. Was ein schwäbischer Zivi zu den Worten veranlasste „Was isch´n des für a scheiß Feschdival und mei Zigaredde hen se mir au abgnomme!“ Woraufhin er gemeinsam mit einem anderen deutschen Freund das Festival verließ.</div>
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<div><strong>Auf zum Englisch-Unterricht</strong><br />
Am nächsten Tag brach ich in den Nordwesten der Region Pichincha auf, um dort Englisch-Intensivkurse zu geben. Von der Universität in Cumbaya musste ich drei verschiedene Busse nehmen und brauchte knapp drei Stunden, um im Norden den Bus nach Nanegalito nehmen zu können. Dort traf ich mich mit dem dortigen Programmkoordinator. Ruben ist 19, ein ehemaliger Absolvent des Programms „A Ganar“, studiert Tourismus in Quito und hat einen einjährigen Sohn.</p>
<p>Die Klasse bestand aus nur fünf Schülern, die bisher nur in der Schule und bei einem 30-stündigen Schnellkurs englisch gelernt hatten. So waren meine Möglichkeiten in den fünf Stunden, die ich montags und dienstags mit ihnen hatte, eher beschränkt. Vor allem die Englischfähigkeiten derjenigen, die selbst in der Grundschule oder unteren Klassen in weiterführenden Schulen unterrichten sprechen ein deutliches Bild für das allgemein niedrige Niveau der Englischkenntnisse.</p></div>
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<div><strong>Unglaublich gastfreundlich</strong><br />
Untergebracht war ich im Haus von Rubens Familie. Einer alten Konstruktion mit Betonfußboden und Toiletten im Hinterhof. Und so kam ich wieder zu einem sehr realistischen ecuadorianischen Erlebnis. Die Familie war unglaublich gastfreundlich. Ich aß gemeinsam mit ihnen, schaute Telenovelas mit der Großmutter und unterhielt mich mit Rubens Onkel über seine Erlebnisse als Gastarbeiter in Spanien.</div>
<div><strong>Renovierung zwischendurch</strong><br />
Am Mittwoch konnte ich mich dann etwas für die Gastfreundschaft revanchieren, indem ich bei der Renovierung des Hinterhofs half. Da sie mir nicht sonderlich viel zutrauten, bestand die Hilfe hauptsächlich aus dem Schleppen von Schutt oder Sand für den Zement.</div>
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<div><strong>Weiter zum Fußball</strong><br />
Am Abend fuhr ich dann eine Stunde weiter nach Los Bancos, wo die Gruppen aus Nanegalito und Los Bancos gemeinsam eine Unterrichtseinheit des besonderen Fußball-Spielsystems der Dachorganisation „Streetfootballworld“ erhielten.</div>
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<div><strong>Immer Ärger mit Bussen</strong><br />
Die Nacht verbrachte ich im eineinhalb Stunden weiter westlich gelegenen Puerto Quito, das so heißt, weil es früher einmal der Hafen  für den Austausch zwischen Quito und der Küste war.<br />
Am Donnerstag unterrichete ich sechs Schüler des Programms, bevor ich abends den letzten Bus zurück nach Quito nehmen wollte. Damit begann die Odyssee. Der Bus sollte um sechs kommen. Der Busfahrer eines Busses nach Los Bancos teilte mir allerdings mit, dass der Bus heute ausfalle, woraufhin ich seinen Bus bestieg, um zumindest etwas näher an Quito heranzukommen. In Los Bancos angekommen teilte mir ein Polizist mit, dass wir den Bus nach Quito knapp verpasst hätten und der nächste in ungefähr eineinhalb Stunden kommen würde.</div>
<div><strong>Vertrauen ist gut&#8230;</strong><br />
Mit einem ecuadorianischen Mit-Leidtragenden der mangelnden Busverbindungen setzte ich mich deshalb in ein Lokal, um das Copa-Suramericana-Spiel von Liga de Quito zu schauen und mit einem Bier auf meine Halbzeit in Ecuador anzustoßen. Da er der Auskunft des Busfahrers allerdings nicht traute, schielte der die ganze Zeit aus dem Fenster. Zu unserem Glück: denn nach fünf Minuten im Lokal kam unser Bus, woraufhin wir unser Bier hinunterstürzten, bezahlten und zum Bus rannten. Da wir später auch noch ein Taxi in Quito teilen konnten, war die Zufallsbekanntschaft nicht nur für ein nettes Gespräch im Bus gut.</div>
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<div><strong>Drei Stunden im Bus</strong><br />
Am Freitag um vier ging die Reiserei dann schon wieder weiter. Gemeinsam mit 15 Austauschstudenten machte ich mich auf nach Baeza, wo ich sonst immer englisch unterrichte. Leider sind Busse freitagnachmittags sehr voll und nicht ausgelegt für 16 zusätzliche Gringos, so dass die große Mehrheit unserer Gruppe die dreistündige Fahrt stehend verbrachte. In Baeza angekommen empfing uns einer meiner Schüler und wir verbrachten den Abend damit, die örtliche Süßwasserfischspezialität Trucha zu essen und die anstrengende Fahrt mit einem Bier hinunterzuspülen. In unserem Hostel empfing uns der sichtlich gut gelaunter Besitzer, Rodrigo, der die Gruppe Gringos nicht ins Bett entließ, ehe wir eine Flasche furchtbaren Aguardiente mit ihm geleert hatten.</div>
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<p><div id="attachment_9094" class="wp-caption alignleft" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Rafting.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Rafting.jpg" alt="Rafting, (CC) Manuel Daubenberger" title="08_Rafting" width="500" height="290" class="size-full wp-image-9094" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<div><strong>Abenteuerliches Rafting</strong><br />
Das Aufstehen zur geplanten Raftingtour am Samstagmorgen viel dementsprechend schwer. Aber nach einem Frühstück und einer halbstündigen Busfahrt warteten wir vorfreudig in El Chaco, wo ein Schüler von mir die Tour organisiert hatte. Nach einer kurzen Fahrt auf überfüllten Pick-Up-Truck-Ladeflächen und einer Einführung in die Künste des Raftings saßen wir auf drei Booten verteilt im Fluss Quijos. Die sowieso schon schwierigen Bedingungen, die 2006 die Kayak- und Raftingweltmeisterschaften in den Ort gebracht hatten, wurden durch den nächtlichen Starkregen noch verschärft.</div>
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<div><strong>Mann über Bord</strong><br />
Und so kam es bereits nach zwanzig Minuten, wie es kommen musste: Unser Boot fiel in den Stromschnellen in ein Wellenloch und wir kenterten. Obwohl ich schon einmal beim Rafting aus dem Boot gefallen war, war das schon ein sehr furchterregender Moment. Die Strömung war unglaublich stark, ich versuchte Steine zu vermeiden und schluckte Unmengen Wasser, bis mich ein anderes Boot aus dem Fluss fischte. Und der restlichen Besatzung meines Bootes erging es größtenteils noch schlechter. Nach einigen erholsamen Ruheminuten an Land waren allerdings alle wieder bereit die Tour fortzusetzen. Diese führte uns dann noch zu einem Ort an dem Zuckerrohrsirup auf sehr altertümliche Weise von Hand hergestellt wird. Drei Stromschnellen später hatten alle eine tolle Zeit erlebt, aber waren froh wieder an Land zu sein.</div>
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<p><div id="attachment_9093" class="wp-caption alignleft" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Fiesta.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Fiesta.jpg" alt="Fiesta, (CC) Manuel Daubenberger" title="08_Fiesta" width="500" height="283" class="size-full wp-image-9093" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<div><strong>Geburtstagsgrillen</strong><br />
Mit dem Pick-Up-Truck und dem Bus fuhren wir zurück in unser Hostel zum Geburtstagsgrillen, zu dem uns Rodrigo am Vorabend eingeladen hatte.</p>
<p>Nach einem sehr leckeren Essen und einigen Bier nahmen wir den Bus in das Dorf Borja, wo die Fiesta de la Virgen de Quinche und meine Schüler auf uns warteten. Wir kamen pünktlich zum Ende der Messe, so dass die Musikkapelle die „Vaca Loca“, die „Verrückte Kuh“, zum Tanzen animierte. Die Vaca Loca ist ein Betrunkener, in einer mit Süßigkeiten und Früchten behängten Kuh-Atrappe. Kinder und Erwachsene versuchen die Süßigkeiten zu stehlen. Der Betrunkene und umstehende Helfer versuchen das mit Ausweichmanövern, Stößen und Schlägen mit Gürteln zu verhindern.</p></div>
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<p><div id="attachment_9091" class="wp-caption alignleft" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Bambusfeuer.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Bambusfeuer.jpg" alt="Bambusfeuer, (CC) Manuel Daubenberger" title="08_Bambusfeuer" width="500" height="290" class="size-full wp-image-9091" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<div><strong>Bambus-Lagerfeuer</strong><br />
Im Anschluss wurde ein großes Bambus-Lagerfeuer entzündet, aus dem immer wieder brennende Stäbe herausfielen und die mit dem Feuer spielenden Kinder gefährdeten. Zwischendrin wurde getanzt, Bier, Melonenlikör oder alles andere getrunken, was einem so angeboten wurde. Die ganze Nacht wurden kleine Heißluftballons gezündet.</p>
<p>Der Höhepunkt des Abends war das Castillo. Eine Feuerwerks-Bambuskonstruktion mit sich drehenden Flammenräder, Raketen und einem brennenden Herz. Um zwölf verlagerte sich die Feier dann in die Dorfdiskothek. Die Mehrheit der Austauschstudenten wollte allerdings zurück zu Rodrigos Geburtstagsparty, so dass wir einen Pick-Up-Truck zurück nach Bazea nahmen.</p></div>
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<p><div id="attachment_9095" class="wp-caption alignleft" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Stierkampf.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/08_Stierkampf.jpg" alt="Stierkampf, (CC) Manuel Daubenberger" title="08_Stierkampf" width="500" height="341" class="size-full wp-image-9095" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<div><strong>Unblutiger Stierkampf</strong><br />
Am nächsten Morgen verließen die Austauschstudenten nach und nach Baeza. Mit den letzten fünf übriggebliebenen Austauschstudenten fuhr ich dann zurück nach Borja, um die „Corrida de los Toros“ anzuschauen, einem Stierkampf ohne blutiges Ende. Zunächst war es eher lächerlich: Eine Ladung Betrunkener, die versuchten einen Stier zu provozieren, der eigentlich nur zurück in seinen Stall wollte. Aber im Laufe des Nachmittags kamen immer aggressivere Stiere und es wurde noch ein richtiger Stierkampf.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Es gibt kein Geld&#8230;</strong><br />
Da ich am nächsten Tag unterrichtete, verbrachte ich die Nacht wieder in Rodrigos Hostel. Am nächsten Tag half ich, seine Homepage ins Deutsche zu übersetzen. Zwei der Austauschstudenten hatten die Nacht in El Chaco verbracht und konnten kein Geld abheben, weswegen ich ihnen welches lieh. Nur um kurz darauf festzustellen, dass auch mir der Geldautomat in Baeza kein Geld geben würde. Normalerweise kein Problem, aber auch der andere Lehrer hatte Probleme mit seiner Geldkarte, so dass ich mit sieben Dollar drei Stunden entfernt von Quito saß. Glücklicherweise ist Rodrigo ein Freund des Programmkoordinators im Amazonas und so vereinbarten die beiden, dass die Organisation in den nächsten Tagen für meine Übernachtungen zahlen würde.  Außerdem reichen sieben Dollar hier tatsächlich für ein Mittagessen, ein Abendessen, ein kleines Frühstück und die Fahrt zurück nach Quito. [...]</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Thanksgiving bei Freunden</strong></p>
<div>Am Donnerstagabend war ich mit einigen Freunden bei Jorge Luis und Nichole (das verlobte ecuadorianisch-amerikanische Paar) zur Einweihung ihrer neuen Wohnung und Thanksgiving eingeladen. Die Wohnung hat einen traumhaften Blick über die Altstadt und kostet mit 160 Dollar im Monat 30 Dollar mehr als mein WG-Zimmer im Norden Quitos. Spannend war es die vielen amerikanischen Austauschstudenten dabei zu beobachten, wie sie häufig zum ersten Mal selbst die Thanksgiving-Völlerei zubereiteten.</p>
<p>Und wenn wir gerade bei Thanksgiving sind, dann bin ich dankbar für die vielen neuen Freunde, die Gastfreundschaft und die vielen tollen Erlebnisse in Ecuador!</p></div>
<div>&nbsp;</div>
<div>Am Samstag werde ich mit einem Freund den Hausvulkan Rucu Pichincha besteigen und am Sonntag als braver Teilzeitbürger den Tag in der Wohnung verbringen, um mich volkszählen zu lassen.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Entonces hasta la próxima!</strong></div>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/29/magister-o-muerte_teil8/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 8: Von Bussen und Gastfreundschaft '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Europäischer Traum &#8211; europäisches Trauma. Ein Ausblick auf den Mediengipfel am Arlberg</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Nov 2010 07:45:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Anfang Dezember treffen sich hochrangige Journalisten, Politiker und Experten, um fernab des Trubels in Lech am Arlberg überdie Rolle der Europäischen Union angesichts der Herausforderungen und Krisen der letzten Jahre nachzudenken. neuwal wird dabei sein, berichten und Interviews führen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/23/mediengipfel-arlberg_europaeischer-traum-europaeisches-trauma/' addthis:title='Europäischer Traum &#8211; europäisches Trauma. Ein Ausblick auf den Mediengipfel am Arlberg '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Anfang Dezember treffen sich hochrangige Journalisten, Politiker und Experten, um fernab des Trubels in Lech am Arlberg über aktuelle Themen nachzudenken. Heuer geht es um die Rolle der Europäischen Union angesichts der Herausforderungen und Krisen, die das vergangen Jahr prägten. neuwal wird dabei sein, berichten und Interviews führen.</p>
<p><span id="more-9002"></span></p>
<p><div id="attachment_9004" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/Lech-am-Arlberg_CCFlorianLindner.jpg"><img class="size-full wp-image-9004" title="Lech-am-Arlberg_(CC)FlorianLindner" src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/Lech-am-Arlberg_CCFlorianLindner.jpg" alt="Lech am Arlberg, (CC) Florian Lindner" width="500" height="296" /></a><p class="wp-caption-text">Lech am Arlberg, (CC) Florian Lindner</p></div></p>
<p>Ist die europäische Währungsunion in Gefahr? Findet die EU in Zukunft eine  stärkere politische Stimme? Die globalen Entwicklungen der letzten Jahre haben die Vulnerabilität der Währungsunion ebenso zutage gelegt wie die mangelnde politische Einigkeit. Viele Staaten bangen um ihren Einfluss, deren Bewohner um Geld und Wohnstand.</p>
<p><strong>Europa am Scheideweg<br />
</strong>Politik, Wirtschaft und Medien in Europa stehen vor großen Herausforderungen. Unter diesem Kontext treffen von 9. bis 10. Dezember Politiker, Denker und Medienmacher in Lech aufeinander. Den Auftakt macht Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger mit einem Vortrag zum Thema &#8220;Europa am Scheideweg &#8211; der &#8216;alte&#8217; Kontinent und seine neuen Herausforderungen&#8221;.</p>
<p><strong>Medienzukunft &#8211; Zukunftsmedien</strong><br />
Unter der Leitung von Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl Schmid diskutieren im Anschluss führende Medienmacher Europas die Auswirkungen aktueller wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen auf ihr Schaffen, die Rolle im europäischen Integrationsprozess und Auswirkungen auf die Rezipienten. Mit dabei sind heuer</p>
<ul>
<li>Markus Spillmann, Chefredakteur NZZ</li>
<li>Christoph Keese, Geschäftsführer Axel Springer AG</li>
<li>Peter Kropsch, Geschäftsführer APA</li>
<li>Bernard Maissen, Geschäftsführer Schweizer Depechen Agentur</li>
<li>Elmar Oberhauser, Ex-Informationschef ORF</li>
</ul>
<p><strong>Außenminister-Treffen in Lech</strong><br />
Auch Außenminister Spindelegger wird zugegen sein und die &#8220;Herausforderung Europa&#8221; mit den Teilnehmern diskutieren, der ungarische Staatssekretär Gergely Pröhle (Ungarn übernimmt Anfang 2011 den EU-Vorsitz) wird mit den Auslandskorrespondenten &#8211; einige kennen Sie schon von neuwal, etwa Michael Frank (Österreich-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung) oder Diskussionsleiterin Susanne Glass (Präsidentin des Verbands der Auslandspresse) das Thema &#8220;Der Sprung von der Währungsunion zur politischen Union &#8211; lernt Europa mit einer Stimme sprechen?&#8221; erörtern.</p>
<p>Wir werden natürlich versuchen, einige Informationen aus erster Hand zu ergattern und freuen uns schon auf die Berichterstattung vom Mediengipfel.</p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/23/mediengipfel-arlberg_europaeischer-traum-europaeisches-trauma/' addthis:title='Europäischer Traum &#8211; europäisches Trauma. Ein Ausblick auf den Mediengipfel am Arlberg '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 7: Welcome to the jungle</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Nov 2010 07:33:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Manuel Daubenberger in der Verlassenheit des Regenwaldes. Welche Tiere er dort alles zu sehen bekam, warum Ölförderung dort eine große Rolle spielt und wie es sein Guide schaffte, sogar Ameisen spannend zu machen, lesen Sie hier!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/15/magister-o-muerte7_welcome-to-the-jungle/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 7: Welcome to the jungle '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Zuletzt zog es Manuel Daubenberger in die Verlassenheit des Regenwaldes. Die Estacíon Biodiversidad Tiputini ist einer der besten Orte der Welt, um den Dschungel aus nächster Nähe zu beobachten. Welche Tiere er dort alles zu sehen bekam, warum Ölförderung dort eine große Rolle spielt und wie es sein Guide schaffte, sogar Ameisen spannend zu machen, lesen Sie hier!</p>
<p><span id="more-8957"></span></p>
<p><div id="attachment_8968" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_01.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_01.jpg" alt="(CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_Teil7_01" width="500" height="350" class="size-full wp-image-8968" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong><br />
<h2>Welcome to the jungle&#8230;</h2>
<p></strong><br />
Kaum vom Strand zurück, saß ich auch schon im kleinsten Flugzeug meines Lebens, auf dem Weg in den Amazonas-Regenwald. Nach 25 Minuten Flugzeit mit traumhaften Blick auf die ecuadorianischen Vulkane landete ich gemeinsam mit 19 anderen Austauschstudenten in Coca. Von dort fuhren wir zwei Stunden mit dem Boot bis zum Gelände einer amerikanischen Ölfirma. Dort wurden wir durchgecheckt, wie bei der Einreise in ein anderes Land. Pass und Gepäck wurden kontrolliert, ehe wir die zweistündige Busfahrt durch das Gelände antreten konnten. </p>
<p><strong>Am Rande der Zivilisation</strong><br />
Am Fluss Tiputini angekommen verbrachten wir nochmal zwei Stunden in einem Boot, bis wir in der Mitte des Nirgendwo oder auch bekannt als Estación de Biodiversiad de Tiputini angekommen waren. Die Station wurde vor zwanzig Jahren von meiner Gastuniversität gegründet und ist unabhängig von dem nahegelegenen Nationalpark Yasuni. Licht, Elektrizität und Mahlzeiten gibt es nur zu bestimmten Tageszeiten, Handyempfang überhaupt nicht. Und so war es ein Ausflug fern von der Zivilisation.</p>
<p><strong>Bewahrt vor der Zivilisation</strong><br />
Dank der in der Gegend lebenden Huaroni-Indianer, die bis vor zwanzig Jahren jeden Fremden einfach töteten, wurde Tiputini gut vor den Angriffen der Zivilisation bewahrt. Und aufgrund der Arbeit der Universität der letzten zwanzig Jahre ist die Station heute einer der Orte der Welt, mit der größten Biodiversität und großen Chancen, wilde Dschungeltiere zu beobachten.</p>
<p><strong>Früher Start, dichtes Programm</strong><br />
Die Tage begannen immer sehr früh: Um 6.30 Uhr gab es Frühstück, kurz darauf stand die erste Tagesaktivität an. Für meine Gruppe bedeutete dies am ersten Tag, eine Wanderung zu einer Aussichtsplattform auf einem Ceiba-Baum und anschließend wackelnde Hängebrücken. Schon auf der ersten Wanderungen sahen wir die erste von insgesamt zehn Affenarten. Auf dem Ceiba-Baum thronten wir dann über den Baumkronen des Urwaldes und durften Papageien, Kolibris, Tukane und unzählige andere Vogelarten beobachten.</p>
<p><div id="attachment_8969" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_02.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_02.jpg" alt="(CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_Teil7_02" width="500" height="350" class="size-full wp-image-8969" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong>Die Leiter ins Nichts</strong><br />
Die anschließenden Hängebrücken waren eine große Herausforderung für Menschen mit Höhenangst. Während die Hängebrücken, vor allem dank der Tatsache, dass wir angeleint waren, für mich eher nicht so das Problem darstellten, war mir auf der Leiter ins Nichts doch etwas mulmiger zumute. Auch die unzähligen Ameisen, Wespen, Moskitos und andere Krabbelviecher, die es vor allem auf Augen und Ohren abgesehen hatten, waren dort oben nicht so angenehm. Immer wieder begeisterten uns die Fähigkeiten unseres Guides, der manchmal mitten im Gespräch innehielt, schnüffelte und uns zur nächsten Affenart führte.</p>
<p><strong>Baden mit Piranhas</strong><br />
Nach einem traumhaften Mittagessen, das vermutlich doppelt so gut schmeckte, weil wir nach der anstrengenden Urwaldtour alle am Verhungern waren, kühlten wir uns im Fluss ab. Die Strömung trieb einen zwar eher Richtung Land, aber dennoch war das Baden nur mit Schwimmweste erlaubt. Denn hätte uns die Strömung abgetrieben, wäre das nächste Ziel Peru gewesen. Etwas gruselig war das Gefühl schon, in einem Fluss zu schwimmen, in dem glücklicherweise vor allem nachts, auch Piranhas, Anacondas und Kaimane ihr Unwesen treiben.</p>
<p><div id="attachment_8971" class="wp-caption alignnone" style="width: 567px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_04.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_04-557x373.jpg" alt="(CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_Teil7_04" width="557" height="373" class="size-medium wp-image-8971" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong>Delfine und Frösche</strong><br />
Nachdem wir uns mit einem kaputten Fußball auf einem matschigen Volleyballfeld bei der neu erfundenen Sportart Tipu-Volley verausgabt hatte, ging es wieder in den Fluss. Dieses Mal ließ sich die gesamte Gruppe vom Boot aus den Fluss entlang treiben und einige hatten sogar das Glück Delfine zu sehen. Nach einem wieder sehnsüchtig erwarteten Abendessen machten wir uns auf zu einer Nachtwanderung in den Dschungel. Während der nächtlichen Tour sahen wir einen Pfeilgiftfrosch, unzählige verschiedene Grillen, Heuschrecken und Spinnen.</p>
<p><strong>Der Dschungel erwacht</strong><br />
Da ich von einer Freundin den Tipp bekommen hatte, vor Sonnenaufgang auf dem Ceiba-Baum zu sein, machte ich mich mit acht anderen Personen, die bereit waren noch früher aufzustehen, am nächsten Morgen um fünf auf die nächste Wanderung. Auch wenn die Chancen nicht groß sind, einem Jaguar, Panther oder Puma zu begegnen, im Morgengrauen und ohne Guide fühlte sich der Dschungel doch etwas anders an. Trotz fehlendem Sonnenaufgang und nur wenigen Tieren, war es ein großartiges Gefühl, den Dschungel von hoch oben erwachen zu hören.</p>
<p><strong>Böse Raupen, heilende Lianen</strong><br />
In den nächsten beiden Wanderungen verblüfften uns die Fähigkeiten unseres Guides noch mehr. Wir sahen nicht nur vier weitere Affenarten, die teilweise unglaublich versteckt waren. An einer Stelle des Pfades machte er Halt und fing einen winzigen Frosch. Einen fiesen, sehr schmerzhaften Raupenstich einer Freundin heilte er mit einer Liane. Aber die größte Leistung war es vermutlich eine Fliege mit zwei Fingern aus der Luft zu fangen, ohne sie dabei zu töten. Er zeigte uns unterschiedliche Pflanzen, mit denen die Eingeborenen ihr Kunsthandwerk und ausländische Touristen ihre Zungen einfärben.</p>
<p><strong>Ameisen aller Art</strong><br />
Sogar Ameisen waren mit ihm spannend. Eine fünf Zentimeter große Ameisenart verursacht so schmerzhafte Bisse, dass bereits drei Bisse zu einem schlimmen Fieber führen. Eine andere Ameisenart wird von den Eingeborenen verwendet, um Wunden zu klammern, da sie sich im Fleisch festbeißen und selbst nach Abtrennen des Körpers nicht loslassen. Die nächste Ameisenart schmeckte nach Zitrone und die Blattschneideameisen erinnerten an deutsche Effizienz. Entlang einer Dschungelautobahn tragen sie die Blätter in Richtung ihres Baus, während andere Ameisen zwischen ihnen zurückströmen. Sie verwendeten an einer Stelle sogar einen Ast als Brücke. Aber sobald man eine Ameise nur fünf Zentimeter von der Route versetzt oder ein Hindernis in den Weg stellt, ist die deutsche Gründlichkeit vorbei und die Arbeitsweise erinnert wieder stärker an Lateinamerika. Die Eingeborenen nutzen die Blattschneideameisen auch zur Entspannung, da sie auf dem Körper angeblich wie eine Massage sind. Ein Eigenexperiment hat mich allerdings eher weniger überzeugt, den Bissschmerzen empfinde ich dann doch eher weniger entspannend – aber ich bin ja auch kein Indio.</p>
<p><div id="attachment_8970" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_03.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_03.jpg" alt="(CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_Teil7_03" width="500" height="350" class="size-full wp-image-8970" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong>Gruselige Kanufahrt</strong><br />
Die Kanufahrt auf einem Dschungelsee war wohl mit einer der gruseligsten Dinge, die ich bisher gemacht habe. Mit dem Wissen von unzähligen Anacondas im trüben Wasser und zwanzig Zentimeter über der Wasseroberfläche hätte es das furchterregende Geschaukel des winzigen Kanus nicht wirklich gebraucht. Auf der Bootsfahrt zurück zum Camp hatten wir dann noch das Riesenglück, einen pinken Süßwasserdelfin zu sehen. Die letzte Bootsfahrt war zeitlich perfekt auf den Abend vor der Abreise gelegt. Denn nach den unzähligen Kaimanen, die wir am Ufer oder im Wasser erspähten, wäre am nächsten Tag wohl keiner mehr im Fluss baden gegangen.</p>
<p><div id="attachment_8972" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_05.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/MagisterOMuerte_Teil7_05.jpg" alt="(CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_Teil7_05" width="500" height="350" class="size-full wp-image-8972" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong>Yasuni-Regenwaldprojekt</strong><br />
Neben den zahlreichen Tieren und Pflanzen hatte ich nicht nur eine tolle Zeit mit den anderen Austauschstudenten, sondern auch das Glück ein kanadisches CBS-Filmteam beim Dreh zu treffen. Die beiden Quebec-Kanadier waren gerade dabei einen Film über Öl in Ecuador zu drehen. Ein wichtiger Bestandteil des Films ist das Yasuni-Regenwaldprojekt, von dem ich schon an anderer Stelle in diesem Blog erzählt habe. Ecuador fordert dabei von den Industrienationen finanzielle Unterstützung, um die großen Erdölvorkommen im Naturschutzgebiet nicht auszubeuten. Wegen der Furcht vor mangelnder Verlässlichkeit oder mangelndem politischen Willen des Entwicklungsministers Dirk Niebel hat Deutschland die, vom Parlament bereits bewilligten, Zahlungen erst einmal gestoppt.</p>
<p><strong>Im öffentlich-rechtlichen Auftrag</strong><br />
Nachdem ich der Meinung war, dass die deutschen Öffentlich-Rechtlichen zu wenig für die Auslandsberichterstattung tun, schockierte mich die Abdeckung der Welt durch CBS vollends. So unterhält CBS nicht nur kein Büro mehr in Lateinamerika und Afrika, sondern schloss vor kurzem auch das Büro in Moskau. Die gesamte Europaberichterstattung wird von Paris aus durchgeführt. Kommt es zu größeren Ereignissen, wie dem Erdbeben auf Haiti müssen Kameramann und Redakteur extra aus Nordamerika einfliegen. Am Schluss konnte ich den beiden Kanadiern sogar noch mit einem Interviewpartner helfen. David, mit dem ich zusammen im Amazonas unterrichte, ein früherer Berater des Umweltministers und hat eine sehr kritische Meinung zum Yasuni-Regenwaldprojekt. So könnte es sein, dass die Begegnung im Nirgendwo noch irgendeinen Sinn in der Zukunft haben wird.</p>
<p>Auf der Rückfahrt mit dem Boot wurde das gute Charma unserer Gruppe noch ein letztes Mal bestätigt. Direkt vor unserem Boot durchquerte das nur sehr selten von Menschen zu beobachtende Tapir den Fluss. Nach vier Tagen waren wir Montagabends wieder in Quito und mein mit Sicherheit intensivstes Naturerlebnis beendet.</p>
<p><strong>Stadt in Aufruhr</strong><br />
Nach der Reiserei der letzten Wochen habe ich mich diese Woche wieder etwas intensiver um die Magisterarbeit gekümmert. Die Beendigung der Lektüre der ALBA-Originaldokumente belohnte ich mit dem Viertelfinale der Copa Suramericana. Liga de Quito spielte gegen das argentinische Team Newell´s Old Boys und dieses Mal war das Stadium im Gegensatz zu meinem letzten Spiel ausverkauft. Die Stimmung war dementsprechend wesentlich besser. Die ganze Stadt war in Aufruhr und aufgrund eines 1:0-Sieges werde ich wohl auch beim Halbfinale wieder dabei sein.</p>
<p><strong>Multikulti-Treffen</strong><br />
Das Wochenende werde ich wohl eher arbeitend verbringen, da ich in der kommenden Woche vier Tage Englisch nordwestlich von Quito unterrichten werde und kommendes Wochenende mit einer Busladung voll Austauschstudenten zum Dorffest im Ort, wo ich unterrichte fahren werde. Das wird sicher ein spannendes Multikulti-Treffen.</p>
<p><strong>Entonces hasta la próxima!</strong></p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/15/magister-o-muerte7_welcome-to-the-jungle/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 7: Welcome to the jungle '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Magister o muerte - (politische) Post aus Ecuador]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Obama muss scheitern &#8211; nur so funktioniert das politische System der USA</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Nov 2010 20:55:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stefan Egger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer teuren und lähmenden Wahlschlacht. Schon wieder? Warum es für Amerika gut ist, wenn Obama scheitert.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/02/obama-muss-scheitern_so-funktionieren-die-usa/' addthis:title='Obama muss scheitern &#8211; nur so funktioniert das politische System der USA '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><div>Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer teuren und lähmenden Wahlschlacht. Schon wieder? Ja, denn das politisches System ist eine der wenigen Dinge, um die unsere amerikanischen Freunde selten beneidet werden. Lesen Sie hier, warum es für Amerika gut ist, wenn Obama scheitert.</div>
<p><span id="more-8730"></span></p>
<p><div id="attachment_8731" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/Obama.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/11/Obama.jpg" alt="(C) White House" title="Obama" width="500" height="325" class="size-full wp-image-8731" /></a><p class="wp-caption-text">(C) White House</p></div></p>
<div>In der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung_der_Vereinigten_Staaten" target ="_blank">amerikanischen Verfassung</a> sind zwar Senat und Repräsentantenhaus, nicht aber politische Parteien als solches vorgesehen. Ob ein Zweiparteiensystem mit bis aufs Blut verfeindeten Republikanern und Demokraten im Sinne der Gründerväter wäre, darf also zumindest bezweifelt werden. Kleinparteien wie etwa die Grünen mit Ralph Nader an der Spitze haben nirgendwo eine Chance auf Mitbestimmung.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Checks and balances</strong><br />
Überhaupt ist im politischen System Amerikas vieles erst durch (Höchst-)Gerichte geregelt worden, eine Tradition, die in Europa vor allem aus England bekannt ist, das völlig ohne geschriebene Verfassung auskommt. Um die Kontrolle zu garantieren, hat sich ein kompliziertes System der “Checks and Balances” herausgebildet.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Gleichgewicht der Kräfte</strong><br />
Als Beispiel dafür eignen sich die soeben stattfindenden Midterm Elections sehr gut. Je beliebter ein neu gewählter Präsident, desto eher verliert er bei den Zwischenwahlen zumindest eines der beiden Häuser (Kongress oder Senat) an die gegnerische Partei. Warum? Die Amerikaner wollen ein “Gleichgewicht der Kräfte”, da kontrollierende Instanzen Mangelware sind.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Permanenter Wahlkampf</strong><br />
Das ist in diesem Fall besonders lähmend für den frisch gestarteten Hoffnungsträger im höchsten Amt. Ein amerikanischer Präsident kann &#8211; von der Schonfrist am Anfang abgesehen &#8211; eigentlich erst in der zweiten Amtszeit so richtig loslegen, sofern er diese gewinnt. </p>
<p>Nach einem langen, mit Vorwahlen und Urabstimmungen beginnenden Wahlkampf, der oft sehr knapp ausgeht, muss er sich nach kurzer Zeit mit seinem kompletten Team darauf konzentrieren, ein Desaster bei den Midterm Elections zu vermeiden.</p></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Bis der Elan verpufft</strong><br />
Gelingt dies nicht, kann der entstehende Negativsog (den noch jeder neue Amtsinhaber bei den Beliebtheitswerten verspürt hat) sogar die Chancen auf eine Wiederwahl beschädigen, die nach den Midterm Elections die nächste große Sorge am Horizont. Nur wenige Präsidenten nehmen diese Hürden und erhalten sich den Elan bis in die letzten Jahre ihrer Amtszeit, bei vielen ist der Reformeifer bis dahin verpufft.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Geld regiert die Politik</strong><br />
Das Verständnis von und folglich das Verhältnis zur Politik sind in den Vereinigten Staaten gänzlich andere als hier in Europa. Man erwartet sich nichts (Erfolg ist immer “selfmade”, jeder für seine eigene Gesundheit und Vorsorge selbst zuständig) und will kein (Steuer-)Geld dafür ausgeben. Die Folgen sind fatal: Mehr als überall sonst beherrschen Reiche und Unternehmen die politische Agenda. Auch Obama kann hier nur marginal gegensteuern.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Pure Propaganda?</strong><br />
Diese Erkenntnis ist nicht besonders neu. Schon im Standardwerk “Propaganda” des “Public Relations”-Erfinders Edward Bernays (<a href="http://sandiego.indymedia.org/media/2006/10/119695.pdf" target="_blank">hier als PDF</a>) heißt es einleitend: <em>&#8220;Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. [...] Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie gehört haben. [...] Sie steuern die öffentliche Meinung, stärken alte gesellschaftliche Kräfte und bedenken neue Wege, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen.</em>”</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Die großen Spender</strong><br />
Ein neues Gesetz des Höchstgerichts hat nun in den Augen vieler Experten endgültig der Korruption und dem schrankenlosen Lobbyismus zum Durchbruch verholfen: Die de facto Gleichsetzung von Spenden jeglicher Höhe mit “freier Meinungsäußerung” verschaffte den Republikanern einen unfassbaren Geldregen &#8211; der nicht einmal deklariert werden muss, wie etwa <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2010-10/spendenflut-republikaner-kongresswahl">&#8220;Die Zeit&#8221; berichtet</a>.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Blick in den Abgrund</strong><br />
Wohin es führen kann, wenn beide Großparteien am Regieren gehindert werden, zeigt das Beispiel Kaliforniens, wo Arnold Schwarzenegger den farblosen Demokraten Gray Davis ablöste, um mit “dem eisernen Besen” zu kehren. Davon blieb wenig übrig. Der Zwang zur Zweidrittelmehrheit wird ohne das parlamentarische Spiel wechselnder Mehrheiten zur Handbremse, bei der Steuergestaltung wurde jeglicher Spielraum per Verfassungszusatz ausgeschalten. </p>
<p>Die (für sich genommen) achtgrößte Volkswirtschaft der Welt steht seit fast zehn Jahren vor dem Dauerbankrott, Schulen und Ämter haben nur noch vier Tage die Woche geöffnet.</p></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Ungeliebtes Washington</strong><br />
Eine derart katastrophale Entwicklung in einem der reichsten Bundesstaaten einer Supermacht ist (auch) deshalb möglich, weil vielen US-Amerikanern der Zentralismus verhasst ist. Das Schimpfen auf die “Lobbyisten in Washington” hat lange Tradition &#8211; und äußert sich nicht zuletzt in einem extremen Gesetzes-Wildwuchs in den einzelnen Bundesstaaten, von der Drogenfreigabe bis zur Todesstrafe.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div>
<strong>Der ganz normale Wahnsinn</strong><br />
Diese relativ ernüchternde Betrachtung der politischen Situation muss jedoch eines hinzugefügt werden: So bedenklich einzelne Auswirkungen dieser Tendenzen, so verfehlt einige Gerichtsentscheidungen sein mögen &#8211; das politische System der Vereinigten Staaten hält es aus. Nicht nur das: Trotz der absoluten Abhängigkeit von Wirtschaft und Elite scheint die Durchlässigkeit groß genug zu sein, um relative Außenseiter wie Bill Clinton oder noch viel mehr Barack Obama ganz nach oben zu tragen.</p>
<p>In dieser Hinsicht sind medial hochgepushte und dramatisierte “Mütter aller Wahlschlachten” oft auch viel Lärm um nichts &#8211; danach wird, zumindest eine Zeit lang, wieder mit Hochdruck weiter gearbeitet.</p></div>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/11/02/obama-muss-scheitern_so-funktionieren-die-usa/' addthis:title='Obama muss scheitern &#8211; nur so funktioniert das politische System der USA '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 6: Negative Tendenz</title>
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		<pubDate>Mon, 25 Oct 2010 14:51:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
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		<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[international]]></category>
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		<description><![CDATA[Noch immer lebt Manuel Daubenberger (24) im Ausnahmezustand in Quito. Aber auch sonst unterscheidet sich sein Leben in der Anden-Metropole deutlich von dem in Europa. Warum Geld trotz der niedrigen Preise immer wieder kleinere oder größere Dramen auslöst, lesen Sie hier.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/10/25/magister-o-muerte-%e2%80%93-politische-post-aus-ecuador-teil-6-negative-tendenz/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 6: Negative Tendenz '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Noch immer lebt Manuel Daubenberger (24) im Ausnahmezustand in Quito, auch wenn er davon nicht viel mitbekommt. Aber auch sonst unterscheidet sich sein Leben in der Anden-Metropole deutlich von dem in Europa. Ironisch und überspitzt beschreibt er diese Woche einen idealtypischen Tag in der ecuadorianischen Hauptstadt. Warum Geld trotz der niedrigen Preise immer wieder kleinere oder größere Dramen auslöst, lesen Sie hier.</p>
<p><span id="more-8614"></span></p>
<p><div id="attachment_8616" class="wp-caption alignnone" style="width: 533px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/Ecuador.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/Ecuador-523x373.jpg" alt="Maedchen in der Bar, (CC) Manuel Daubenberger" title="Ecuador" width="523" height="373" class="size-medium wp-image-8616" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<div><strong><br />
<h2>Ein idealtypischer Tag in Quito mit extrem negativer Tendenz</h2>
<p></strong><br />
Es ist sieben Uhr morgens, der Wecker klingelt. Zu früh, weil ich aus unerfindlichen Gründen mal wieder zu spät ins Bett gekommen bin. Aber leider muss eine Magisterarbeit irgendwann fertig werden und deshalb gibt es kein Erbarmen. Ich finde meinen Weg in die Küche und bin froh, dass der Hund meiner Mitbewohnerin noch genauso verpennt ist wie ich und mich deshalb in Ruhe lässt. Zum Frühstück gibt es Rühreier und Toast. Eigentlich war ich nie der große Fan von Rühreiern, aber beim Frühstück bin ich Europäer und das ist die Variante, die am nächsten an meine heimatlichen Frühstücksgewohnheiten herankommt.</p>
<p>Nachdem ich alle drei Türen abgeschlossen habe, mache ich mich zwischen halb acht und acht auf den Weg zur Uni. Ich grüße den Wärter meiner „Gated Community“ und frage mich mal wieder, warum ich nicht auf der Universidad de las Américas studiere, die genau gegenüber meiner Wohnanlage ist.</p></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Die kleinen Unterschiede&#8230;</strong><br />
Zehn Minuten bergauf und zwei lebensgefährliche Straßenüberquerungen später sitze ich allerdings bereits schon in einem der minütlichen Busse Richtung Cumbaya. Die 25 Cent teure Busfahrt bezahle ich mit einem ein Dollar-Schein und freue mich, dass mir der „Schaffner“ das Wechselgeld in Fünf-Cent-Münzen zurückgibt und sich meine Hose dadurch anfühlt, als würde ich Steine sammeln und von alleine in Baggy-Modus rutscht.</p>
<p>In der Universität angekommen, checke ich kurz meine Emails. Um halb neun stehe ich auf dem Fußballplatz. Mal wieder als einer der Ersten, da bin ich Deutscher. Und auch beim Spielen rege ich mich dann doch das eine oder andere Mal über die Ecuadorianer auf, die das Spiel fauler, egoistischer, aber vor allem mit komplettem Verzicht auf defensive Disziplin definieren.</p></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Der Vorgartensozialist kommt raus</strong><br />
Direkt im Anschluss habe ich mein Seminar „Temas de América Latina“. Eigentlich besuche ich die Klasse nur, um zu sehen, wie hier lateinamerikanische Politik unterrichtet und diskutiert wird. Aber da habe ich die Rechnung ohne meine große Klappe gemacht. Spätestens nach dem dritten sehr kritischen Kommentar über Kuba oder die Neue Linke bricht der Vorgartensozialist in mir durch und ich vergesse, dass mein Spanisch eigentlich nicht zu fundierten Diskussionen ausreicht. Die Klasse geht nur eine Stunde und so bleibt zwischen elf und zwölf noch etwas Zeit, um weitere alltägliche Erledigungen im Internet zu machen und tatsächlich etwas für die Magisterarbeit zu tun. Um zwölf treffe ich mich mit Muni und Daniel zum Mittagessen. Tatsächlich habe ich mich nach sechs Wochen an den vielen Reis gewöhnt und so genieße ich die Suppe, das Stückchen Fleisch mit trockenem Reis und etwas Gemüse. Da mir die Bank erneut hauptsächlich Zwanzig-Dollar-Noten gegeben hat, kommt es wie häufig zum Drama des Geldwechsels. Nachdem mich die Kassiererin angeschaut hat, als ob ich sie überfallen wollte, wird schnell ein Laufbursche zum nächsten Laden geschickt, um die ungeheuerliche Summe Geld zu wechseln.</div>
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<div><strong>Von Termin zu Termin</strong><br />
Um drei habe ich ein Interview mit einem Mitarbeiter der Banco del Sur. Also setze ich mich in den grünen Bus zurück nach Quito und quetsche mich in der Endhaltestelle in den „Schnellbus“ Ecovia. Da außer mir mindestens zehn Personen zu viel auf die Idee gekommen sind, ist es mal wieder ein besonderes Erlebnis der Nähe zur ecuadorianischen Bevölkerung. Also eigentlich genau der Grund, wieso ich hier bin. Nur im Ecovia stellt sich komischerweise keine Zufriedenheit darüber ein. </p>
<p>Dank google-maps finde ich die Banco del Sur schnell, im Bankinneren beginnt allerdings die große Verwirrung. Nach drei Fragen, wo ich hin muss, die drei unterschiedliche Antworten zru Folge haben, komme ich mit etwas Verspätung im Büro meines Gesprächspartners an. Allerdings ist die Verspätung kein Problem, denn der Experte ist noch gar nicht da. Fünf Minuten später betritt er sein Büro und bittet vielmals um Entschuldigung. Eineinhalb Stunden später verlasse ich sein Büro etwas schlauer und begebe mich zu meiner nächsten Verabredung im historischen Zentrum Quitos.</p></div>
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<div><strong>&#8220;Neues&#8221; Handy vom Schwarzmarkt</strong><br />
Inmitten der wunderschönen kolonialen Kathedralen und Regierungsgebäude treffe ich mich mit Jorge Luis. Wir gehen auf den Schwarzmarkt, um mir ein „neues“ Handy zu besorgen. Wie ein echter Ecuadorianer brauche ich ein zweites Handy, da die beiden größten Handynetze unterschiedliche Netzabdeckungen haben und das telefonieren von einem Anbieter zum nächsten unverschämt teuer ist. Nach vielmaligem Fragen nach dem günstigsten Handy und einigen Flirtversuchen der korpulenten Verkäuferinnen, bin ich stolzer Besitzer eines 25 Dollar-Nokia-Handys, dessen zweifelhafte Herkunft allein durch die Tatsache, dass die SMS noch eine Signatur der Vorbesitzerin gespeichert haben, deutlich wird.</div>
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<div><strong>Hochburg des Präsidenten</strong><br />
Im Anschluss machen Jorge Luis und ich uns auf zur „La Ronda“, einer beliebten kolonialen Barstraße, in der es vor allem Canelazo, einen Zimt-Saft-Schnaps-Punsch, gibt.<br />
Dabei passieren wir zahlreiche Hauswände mit hoch-intellektuell formulierter Kritik am Präsidenten in Graffiti-Form(„Fick die Schlampe Correa“, „Ecuador ist nicht Kuba“, „Correa ist schwul“), aber in der Mehrzahl unterstützende Graffiti, , da das Stadtzentrum und der anschließende Süden Quitos eine Hochburg des linken Präsidenten sind ( auf dem Foto die Anschuldigung, dass der vermeintliche Putsch vom Ex-Präsidenten Lucio Guttierez ausgegangen sei, dem für alle Fehlentwicklungen die Schuld gegeben wird).</div>
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<div><strong>Das alltägliche Misstrauen</strong><br />
Nach einigen Canelazos und einer Empanada fahre ich um sieben mit dem Ecovia Richtung Vergnügungsviertel Mariscal, wo ich mich mit einigen Freunden zur Abschiedsfeier meiner israelischen Freundin, Enbar, treffe. Unter der Woche ist das Viertel nicht so voll, aber trinken lässt sich auch, wenn nichts los ist. Nachdem sich die Bars um halb zwei dann wirklich ziemlich geleert haben, ist es Zeit einen letzten Snack von einem Straßenstand zu besorgen. Die ecuadorianischen Freunde von der Uni raten uns von diesem Genuss zu später Stunde natürlich ab. Die ecuadorianische Oberschicht hat wesentlich mehr Angst vor ihrer eigenen Bevölkerung und den kulinarischen Erzeugnissen, die sie so hervorbringt, als wir Ausländer. Skurril und traurig zugleich, da das nicht nur die Spaltung der Gesellschaft fundamentiert, sondern ihnen auch einiges an Erfahrungen entgeht. Nach kurzer Verhandlung mit dem Taxifahrer, klappert er unsere Häuser ab und ich betrete meine wie üblich nachts nicht abgeschlossene „geschlossene Wohnanlage“.
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<div><strong>Morgen: Magisterarbeit</strong><br />
Im Bett denke ich nochmal über den Tag nach und habe das dramatische Gefühl etwas Wichtiges vergessen zu haben. Und dann komme ich drauf, meine Magisterarbeit hat mal wieder zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Aber morgen ist ja ein neuer Tag.</p>
<p>Glücklicherweise schaut nicht jeder Tag so aus und so bleibt genügend Zeit meine Magisterarbeit zu schreiben. Auch die kleinen Alltagsärgernisse häufen sich natürlich nicht so. Ich habe weiterhin eine traumhaft gute Zeit hier, aber es ist auch schön ab und zu daran erinnert zu werden, was man an der Heimat hat.</p></div>
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<div><strong>Entonces hasta la próxima!</strong></div>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/10/25/magister-o-muerte-%e2%80%93-politische-post-aus-ecuador-teil-6-negative-tendenz/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 6: Negative Tendenz '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Magister o muerte - (politische) Post aus Ecuador]]></series:name>
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		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 5: Kein Alltag in Sicht</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Oct 2010 18:30:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Neuwal]]></category>
		<category><![CDATA[ecuador]]></category>
		<category><![CDATA[lateinamerika]]></category>
		<category><![CDATA[magister o muerte]]></category>
		<category><![CDATA[manuel daubenberger]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerade hatte Manuel Daubenberger befürchtet, dass sich, trotz Ausnahmezustands, Alltag in seinem Leben in Quito einschleicht, schon schwimmt er mit einem ehemaligen FARC-Rebellen in einem verlassenen Wasserfall.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/10/17/magister-o-muerte-%e2%80%93-politische-post-aus-ecuador-teil-5-kein-alltag-in-sicht/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 5: Kein Alltag in Sicht '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Manuel Daubenberger (24) schreibt gerade seine Magisterarbeit in Politikwissenschaften. Vor einem Jahr hat er den Entschluss gefasst, dies in Quito, Ecuador, zu tun. Gerade hatte er befürchtet, dass sich, trotz Ausnahmezustands, Alltag in seinem Leben in Quito einschleicht, schon schwimmt er mit einem ehemaligen FARC-Rebellen in einem verlassenen Wasserfall. Wie es dazu kam, wie es sich im Ausnahmezustand lebt und wie man den Unabhängigkeitstag in Guayaquil feiert, erfahren Sie hier.</p>
<p><span id="more-8439"></span></p>
<h2>Man soll den Alltag nicht vor dem Abend loben&#8230;</h2>
<div>Gerade möchte ich schreiben, dass so langsam Alltag in mein Leben eingezogen ist, schon schwimme ich in meiner besten Jeans mit einem ehemaligen FARC-Guerilla in einem Wasserfall, den vor mir noch kein Ausländer zu sehen bekommen hat, während meine Kamera in einem Kondom am Ufer liegt. Aber der Reihe nach!</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Alltag im Ausnahmezustand</strong><br />
Tatsächlich hat sich in den letzten beiden Wochen etwas Alltag in meinem Leben breit gemacht. Die politische Lage ist momentan stabil, es wird weiter über das Gesetz, aber vor allem darüber diskutiert, wie genau der Chaos-Tag abgelaufen ist. Es gibt nicht wenige Leute, die glauben, dass Correa die Entführung bewusst inszeniert habe, um seine Popularität zurückzugewinnen.<br />
Spannend ist, dass sich Smalltalk etwas verändert hat, egal ob Taxifahrer oder Freunde, letzte Woche begann jedes Gespräch mit der Frage, wie man den Chaos-Donnerstag erlebt habe. Etwas skurril war es aber schon, dass wir Freitagabend ganz normal im Kino saßen, als ob nichts passiert wäre.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>La vida es una tombola!</strong><br />
Am Samstag war ich bei der Geburtstagsfeier von Jorge Luis. Manchmal ist es echt seltsam, welche Blüten das Leben so treibt. So wie es momentan aussieht, werden er und die amerikanische Austauschstudentin im Dezember heiraten. Schon komisch, dass das alles nicht passiert wäre, wenn ich ihn nicht auf der Straße getroffen, meine singapurischen Freunde mit in den Süden genommen und diese nicht Nichole gefragt hätten, ob sie am Abend nachkommen möchte. La vida es una tombola! [...]</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>1000 Dollar für das beste Start-Up</strong><br />
Unter der Woche schrieb ich an meiner Magisterarbeit, führte mein erstes Interview mit einem Professor, der sich auf lateinamerikanische Integration spezialisiert hat und unterrichtete wieder im Amazonas. Dieses Mal allerdings nur einen Tag, weil mir der Programmkoordinator am zweiten Tag das Folgeprogramm zeigen wollte. Dabei wird den Absolventen ein Preisgeld von 1000 Dollar für das beste Start-Up-Projekt angeboten. Sie haben in den nächsten zwei Monaten Zeit, beispielsweise Konzepte für eine Snack-Bar, ein touristisches Sportfischunternehmen oder einen Hektar Agrarnutzfläche zu entwerfen. Es wird sicher sehr spannend, zu beobachten, wie sich die Projekte entwickeln.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Unabhängigkeitstag in Guayaquil</strong><br />
Donnerstagabend wartete ich dann am Drogenkontrollpunkt im Amazonas auf den Bus Richtung Quito, von wo es dann weiter nach Guayaquil und an den Strand ging. Während ich an der Kontrolle wartete, die verhindern soll, dass FARC-Drogen in Richtung Quito und Küste gelangen, überlegte ich mir, ob ich mich aufgrund der massiven Maschinengewehrpräsenz sicherer oder unsicherer fühlen sollte. Aber zumindest war die Warterei dank der Drogenkontrollen nicht langweilig.</div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>190 Jahre Unabhängigkeit</strong><br />
In Quito traf ich dann den Rest meiner schon eingespielten Reisegruppe. Wir hatten uns entschlossen, in einen Fischerort zu fahren, der nicht im Reiseführer stand. Dort angekommen gab es zwar Hostels, aber diese waren entweder voll oder überteuert. Außerdem war der Ort zwar spannend, aber baden hätte man im versifften Hafen eher nicht können. Somit fuhren wir zurück in den Touristenort Playas und machten uns dort einen gemütlichen Strandtag mit Fisch, Hummer und Bier.</p>
<p><div id="attachment_8446" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_01.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_01.jpg" alt="Heruntergekommener Hafen, (CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_5+6_01" width="500" height="307" class="size-full wp-image-8446" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Am nächsten Morgen fuhren wir dann weiter nach Guayaquil, um den 190. Jahrestag der Unabhängigkeit der größten Stadt Ecuadors zu feiern. Am Mittag feierten die Guayas ihre Unabhängigkeit mit einer Parade, die im Wesentlichen nur aus Cheerleadern und Marschkapellen bestand. </p>
<p>Im Anschluss schauten wir uns ein vom Reiseführer als Potemkinsches Dorf bezeichnetes renoviertes Barrio an. Nach den Höhepunkten der Unabhängigkeitsfeiern, einem Feuerwerk und einem Konzert, kehrten wir in das zu diesem Zeitpunkt extrem überfüllte Barrio zurück. Wieder einmal wurde mir sehr anschaulich demonstriert, dass persönlicher Raum in Ecuador anders definiert wird als in Deutschland. Und so musste ich mich nicht wirklich viel bewegen, sondern wurde eher die Treppe nach oben geschoben, auch wenn es gerade keinen Anlass zu drängeln gab.</p>
<p>Überraschenderweise wurden im Barrio die Vorschriften über die Höchstzahl an Gästen eingehalten, so dass wir kein Lokal fanden, dass uns Einlass gewährte. Wir zogen deshalb weiter in die Zona Rosa und in eine Bar, in der eine weniger talentierte Sängerin, ein weniger zahlreich erschienenes Publikum zu unterhalten versuchte.</p>
<p><div id="attachment_8447" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_02.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_02.jpg" alt="Leguan vor dem &quot;Leguane nicht füttern&quot;-Schild, (CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_5+6_02" width="500" height="318" class="size-full wp-image-8447" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Sonntags besuchten wir den Parque Simon Bolivar, in dem Iguanas leben.  Kurz darauf saßen wir auch schon wieder im Bus und schwitzten uns zurück in die kühlen Berge.</p></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Unterricht im Dunklen</strong><br />
Nachdem ich mich mit meinem Professor endlich auf eine Hypothese meiner Magisterarbeit geeinigt hatte, fuhr ich wieder in den Amazonas, um zu unterrichten. Und nachdem ich befürchtet hatte, dass sich langsam Normalität in meinem Leben breit machen würde, wurde ich den ganzen Tag wieder daran erinnert, dass ich in einem Entwicklungsland bin. Zuerst kam ich zu spät zum Unterricht, da der Bus aus unerfindlichen Gründen wesentlich länger brauchte als in den letzten Wochen. Da der Unterricht hier allerdings nie pünktlich beginnt, war das kein Problem. Geplant war, Verben und ihre Vergangenheitsformen zu üben. </p>
<p>Da allerdings nur eines der Lichter im Klassenzimmer funktionierte und damit, ausnahmsweise nicht wegen meiner schlechten Handschrift, keiner lesen konnte, was ich an die Tafel schrieb, musste ich improvisieren. Und so erzählte ich im Kerzenschein meine Lebensgeschichte auf englisch und fragte sie anschließend, wie viel sie verstanden hatten. Im Anschluss fehlte dann der Pick-Up, der uns normalerweise zurück in den Ort bringt, wo ich untergebracht bin. Wir nahmen also den Bus Richtung Quito bis zur nächsten Kreuzung. Von dort machten wir uns auf den fünf Kilometer langen Fußmarsch Richtung Baeza, vor dem uns glücklicherweise ein vorbeikommender Pick-Up nach dem ersten Kilometer erlöste. Zuhause angekommen, stellten wir fest, das mein Zimmer abgeschlossen war und da das Zimmer nicht ihm gehört, hatte David auch keinen Schlüssel. Somit teilten wir uns sein 80 Zentimeter breites Bett für eine Nacht.</p></div>
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<div><strong>Die Kamera im Kondom</strong><br />
Nach einer Nacht, die nicht gerade als die erholsamste in meiner Biografie erscheinen wird, traf ich mich früh am Morgen mit einem meiner Schüler, der mir einen Wasserfall zeigen und Englisch mit mir üben wollte. Luis ist 25, ist seit vier Jahren verheiratet und hat zwei Söhne. Er ist überzeugter Anhänger des Präsidenten Correa und fuhr deshalb am Chaos-Donnerstag nach Quito, um in den Straßen die „Bürgerliche Revolution“ zu verteidigen. Das wusste ich bis dahin, später erfuhr ich allerdings noch wesentlich mehr.</p>
<p>Auf seinem Motorrad machten wir uns auf den Weg zu einem sehr untouristischen Wasserfall. Aber beim bloßen Anschauen sollte es nicht bleiben und so rächte sich später noch die Tatsache, dass ich nicht für mehrere Tage oder einen Trekkingausflug gepackt hatte und aufgrund der für den Abend geplanten Rückkehr nach Quito mein Handy, meine Kamera, meinen MP3-Player und mein Netbook dabei hatte.<br />
Am sehr zahmen „Rio Loco“ machten wir das nächste Mal Halt. Luis versteckte sein Motorrad und wir begannen den Fluß entlang zu laufen. Es wurde immer schwieriger, mich und meinen Rucksack trocken zu halten. </p>
<p><div id="attachment_8448" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_03.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_03.jpg" alt="Manuel vor dem Wasserfall, (CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_5+6_03" width="500" height="349" class="size-full wp-image-8448" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Nachdem der mit Luis befreundete Besitzer des Grundstücks uns eingeholt und wir eingesehen hatten, dass es nicht trocken weiter gehen würde, ließen wir den Großteil unseres Gepäcks zurück, um mit einem Seil und Stämmen den Fluß zu überqueren. Aus Ermangelung einer Tüte zweckentfremdete ich ein Kondom für meine Kamera und hoffte auf mein Glück des Dummen. </p></div>
<div>&nbsp;</div>
<div><strong>Der Ritt auf der Naturrutsche</strong><br />
Im Anschluss kletterten, rutschten und schwammen wir bis zu einem Wasserfall, den Luis Freund, der auf den Spitznamen „Mario Loco“ hört, als „Naturrutsche“ bezeichnet. In einer Verengung des Flusses rutscht man entlang, bis man mit dem Wasserfall vier Meter in die Tiefe stürzt. Dafür allein hatte sich die Kletterei gelohnt.</p>
<p><div id="attachment_8449" class="wp-caption alignnone" style="width: 292px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_04.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/MagisterOMuerte_5+6_04-282x373.jpg" alt="Die &quot;Naturrutsche&quot;, (CC) Manuel Daubenberger" title="MagisterOMuerte_5+6_04" width="282" height="373" class="size-medium wp-image-8449" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Nachdem wir und meine Kamera den Abstieg überlebt hatten, lud uns Mario zum Mittagessen ein und ich kam hoffentlich zum ersten und letzten Mal in den Genuss von Schweinehaut.<br />
Im Anschluss zeigte mir Luis sein Zuhause. Zusätzlich zum Englischunterricht, den er am Wochenende gibt, hat er dort eine kleine Hühnerfarm aufgebaut, mit der er sich 250 Dollar im Monat dazu verdient.<br />
Den ganzen Tag hatten wir über das Leben und die Politik in Ecuador diskutiert, jetzt erzählte er mir mehr seiner eigenen Geschichte. Mit 14 Jahren ging er mit seinem Bruder nach Kolumbien, um sich der Rebellengruppe FARC anzuschließen. Vier Jahre pflückte er dort Kokablätter, bis er den doch eher am eigenen Gewinn als der Sache interessierten Guerrilleros entidealisiert den Rücken kehrte. Im Anschluss lebte er in Quito und musste dort schließlich in eine Entzugsklinik, da er kokainabhängig geworden war. Mit 21 heiratete er seine zwei Jahre jüngere Frau und es kehrte Ruhe in sein Leben ein.</p>
<p>Mittlerweile habe ich unzählige Einladungen, mir die verschiedenen Tätigkeiten meiner Schüler anzuschauen, Aber zunächst lasse ich mir von Jorge Luis mehr vom Süden Quitos zeigen. Damit ist auch nach sechs Wochen noch keine Spur von Alltag zu erkennen.</p></div>
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<div><strong>Entonces hasta la próxima!</strong></div>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/10/17/magister-o-muerte-%e2%80%93-politische-post-aus-ecuador-teil-5-kein-alltag-in-sicht/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 5: Kein Alltag in Sicht '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<series:name><![CDATA[Magister o muerte - (politische) Post aus Ecuador]]></series:name>
	</item>
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		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 4: Ausnahmezustand!</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Oct 2010 16:02:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[ecuador]]></category>
		<category><![CDATA[internationale politik]]></category>
		<category><![CDATA[magister o muerte]]></category>
		<category><![CDATA[manuel daubenberger]]></category>

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		<description><![CDATA[Die vierte Woche lässt sich guten Gewissens als Ausnahemewoche beschreiben. Beim Straßenfest in Latacunga tauchte Manuel Daubenberger noch im geplanten Chaos unter. Von Hexen "geheilt" unterrichtete er dann zum ersten Mal. Warum er dort länger bleiben musste, als geplant und wie es ist, im Ausnahmezustand zu leben, lesen Sie diese Woche in seinem Blog.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/10/12/magister-o-muerte_post-aus-ecuador_teil-4_ausnahmezustand/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 4: Ausnahmezustand! '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Manuel Daubenberger (24) schreibt gerade seine Magisterarbeit in Politikwissenschaften. Die vierte Woche lässt sich guten Gewissens als Ausnahmewoche beschreiben. Beim Straßenfest in Latacunga tauchte Manuel Daubenberger noch im geplanten Chaos unter. Von Hexen &#8220;geheilt&#8221; unterrichtete er dann zum ersten Mal. Warum er dort länger bleiben musste, als geplant und wie es ist, im Ausnahmezustand zu leben, lesen Sie diese Woche in seinem Blog.</p>
<p><span id="more-8047"></span></p>
<p><strong><br />
<h2>Ausnahmewoche!</h2>
<p></strong><br />
Turbulenter kann eine Woche kaum sein. Und wer weiß, ob es die „Reinigung“ der Hexen auf dem Straßenfest „Mamá Negra“ war, aber das Wochenende und die folgende Woche unterschieden sich sehr deutlich&#8230;</p>
<p><strong>Betrunken für die Schutzheilige</strong><br />
Jedes Jahr Ende September wird in Latacunga, zwei Stunden südlich von Quito, das Fest der Mamá Negra gefeiert. Ursprünglich war dies ein ausschließlich religiöses Fest zu Ehren der Schutzheiligen „Virgen de la Mercedes“. Die Bewohner Latacungas danken der Jungfrau alljährlich dafür, dass sie die Stadt vor dem nahegelegenen Vulkan Cotopaxi beschützt. Dass die Stadt dreimal der Wut des Vulkans zum Opfer fiel, wird dabei geflissentlich ignoriert. Der Legende nach hatte ein Priester zu wenig Essen und Trinken zur Verfügung gestellt und wurde deshalb nachts von der Mamá Negra, also der Schwarzen Mutter, heimgesucht. Seither gibt es auch als Mamá Negra verkleidete Teilnehmer bei den Straßenumzügen.</p>
<p><div id="attachment_8049" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-01.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-01.jpg" alt="Markt, (CC) Manuel Daubenberger" title="04-01" width="500" height="352" class="size-full wp-image-8049" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Nachdem Rachel glücklicherweise über das Festival in ihrem Reiseführer gelesen hatte, machte ich mich gemeinsam mit fünf anderen Austauschstudenten am Freitagnachmittag auf den Weg, um frühzeitig am Samstagmorgen mit den Einheimischen feiern zu können. Bereits am Freitagabend bekamen wir noch das Ende des Zuges mit. Im Anschluss gingen wir in die beste Disko der Stadt, die sowohl von der Qualität der Musik, als auch von der Besucherzahl sehr stark an die Dorfdisko in meiner Heimat erinnerte. </p>
<p>Am Samstagmorgen war erst einmal nichts von einem Straßenfest zu sehen, aber da auch Markttag war, gab es trotzdem eine Menge spannender Dinge zu sehen. Interessant waren vor allem, die unterschiedlichen Verhaltensweisen der multikulturellen Gruppe, mit der ich unterwegs war. </p>
<p><div id="attachment_8052" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-04.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-04.jpg" alt="Essensstand, (CC) Manuel Daubenberger" title="04-04" width="500" height="372" class="size-full wp-image-8052" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Daniel, ein chinesischstämmige Singapurer, ist gerade dabei Gewicht zuzulegen und hat sicher großen Anteil daran, falls demnächst viele Kinder von Straßenverkäuferinnen auf die Universität gehen können. Muni, eine muslimische Singapurerin, trinkt zwar Alkohol, verzichtet aber auf Schweinefleisch. Und Enbar, eine Israeli, hatte nicht nur Schwierigkeiten halbwegs koscher zu essen, sondern hatte sich in La Paz so dermaßen den Magen verdorben, dass ihre Einstellung zu Straßenständen zwischen gesunder Vorsicht und Paranoia schwankte. Am spannendsten war es allerdings Ricardo, einen US-Amerikaner mexikanischer Abstammung, zu beobachten. Er probierte vom lebendigen Wurm mit angeblich heilender Wirkung, über Schweineschwanz bis zum Schweineuterus alles, was ihm angeboten wurde. Nebenbei verwickelte er die Marktfrauen in lange Gespräche oder ließ sich die verschiedenen zum Verkauf stehenden Fischarten erklären.</p>
<p><div id="attachment_8050" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-02.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-02.jpg" alt="Fischverkäufer, (CC) Manuel Daubenberger" title="04-02" width="500" height="342" class="size-full wp-image-8050" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Aus einem dieser Gespräche erfuhren wir leider auch, dass der Samstag der Ruhetag der Mamá Negra ist und erst am Sonntag wieder Umzüge seien. Da einige wichtige Dinge für die Universität zu erledigen hatten und Muni sich mit anderen Freunden in Quito verabredet hatte, um in ihren Geburtstag reinzufeiern, blieben nur Ricardo und ich noch eine weitere Nacht. </p>
<p>Nach einer von billigem Bier geprägten Nacht waren wir am nächsten Morgen relativ pünktlich am Straßenrand. </p>
<p><div id="attachment_8051" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-03.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-03.jpg" alt="Straßenumzug, (CC) Manuel Daubenberger" title="04-03" width="500" height="372" class="size-full wp-image-8051" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Der Umzug besteht aus tanzenden Folkloregruppen, Blaskapellen, die alle nur zwei Lieder kannten und den „Ashangueros“. Diese tragen ein mit gerösteten Meerschweinchen, Hühnchen, Schnapsflaschen und Zigaretten verziertes, geröstetes Schwein auf dem Rücken. Damit sie diesen Kraftakt überstehen, werden sie von Handlangern mit Schnaps versorgt und können ihr schweres Gepäck alle zehn bis 15 Meter auf einem Tisch abstellen. Begleitet werden alle Gruppen von Kindern, Frauen und Männern, die den Zuschauern alkoholische Getränke einflößen. Bevorzugte Opfer sind Touristen. Da wir die morgendliche Parade hauptsächlich vom Frühstück auf dem Markt verfolgten, kam ich beim Umzug am Morgen noch relativ ungeschoren davon. </p>
<p>Zum Mittagessen probierte ich dann zum ersten Mal das weltberühmte Meerschweinchen. Es schmeckt wie fischiges Hühnchen, also eine spannende Erfahrung, aber nochmal muss nicht unbedingt sein. Ricardo genügte die Exotik des Tieres mal wieder nicht und er aß auch Zunge und Augen. Ich dachte zwar, ich wäre relativ abenteuerlustig beim Essen, aber bei den Abartigkeiten, die Ricardo so probiert, muss ich dann leider passen.</p>
<p>Zum Umzug am Nachmittag kehrten dann auch Daniel und Muni aus Quito zurück. Als Chinese verträgt Daniel nicht sonderlich viel und wird nach ein-zwei Bier bereits schläfrig. Dies und die Tatsache, dass er gute Fotos aus der ersten Reihe machen wollte, rächte sich sehr schnell. Nach kürzester Zeit war er dermaßen abgefüllt, dass wir ihn später zum Bus stützen mussten und er die komplette Rückfahrt schlief.<br />
Nachdem ich mich zu Beginn des Umzugs eher im Hintergrund gehalten hatte, wollte ich die letzte Viertelstunde dann noch von etwas weiter vorne sehen. Als einziger Gringo weit und breit, war das Ergebnis relativ absehbar: Nach zehn Minuten und jeglicher Art von Schnaps und fermentierten Getränken der Umzugsteilnehmer und süßem Ecua-Wein und Bier der umstehenden Zuschauer, ereilte mich zwar nicht das gleiche Schicksal wie Daniel, aber dennoch hatte ich gut einen sitzen. Der „Höhepunkt“ war die „Reinigung“ durch die Hexen, die mich zuerst mit Zweigen,Stöcken und Rauch traktierten, dann mit Schnaps bespuckten, um mir abschließend den hochprozentigen Aguardiente einzuflößen. </p>
<p>Die Reinigung scheint jedoch funktioniert zu haben, denn nach dem Sündenwochenende machte ich mich auf ins Amazonasgebiet, um etwas Sinnvolleres zu tun.</p>
<p><div id="attachment_8053" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-05.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-05.jpg" alt="Berggipfel, (CC) Manuel Daubenberger" title="04-05" width="500" height="322" class="size-full wp-image-8053" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong>It´s my life im grünen Paradies</strong><br />
Zwei Stunden sind es mit dem Bus von der Universität in Cumbaya nach Baeza im beginnenden Amazonasgebiet. Die Straße schlängelt sich von 2800 Metern zwischen zwei Nationalparks auf 1500 m. Und dementsprechend atemberaubend ist die Landschaft: Von exotischen Pflanzen überwucherte Hügel und Berge; Vulkane; Flüsse und Wasserfälle, die das Wasser der Anden bis zum entfernten Amazonas tragen. In Baeza war ich im Haus des Betreuers und bisherigen Englischlehrers untergebracht. David war vor zwei Jahren noch im Beratungsstab des Umweltministeriums, da er allerdings nicht mit der Informationspolitik während der Grenzstreitigkeiten mit Kolumbien einverstanden war, verließ er die Regierung Correas. Kurz zu den Hintergründen: 2008 hatte das kolumbianische Militär einen Angriff auf einen hohen FARC-Guerrillero auf ecuadorianischem Grenzgebiet verübt. Zu Recht empörte sich Ecuador damals über die Verletzung seiner Souveränität. Die Tatsache, die David zum Rücktritt veranlasste, war dass große Teile dieser Empörung inszeniert waren. Im Gegensatz zu öffentlichen Aussagen, habe die ecuadorianische Regierung sehr gut über die Aktivitäten der FARC im ecuadorianisch-kolumbianischen Grenzgebiet Bescheid gewusst. </p>
<p><div id="attachment_8054" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-06.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/04-06.jpg" alt="Klasse, (CC) Manuel Daubenberger" title="04-06" width="500" height="353" class="size-full wp-image-8054" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Der Unterricht findet in San Francisco de Borja statt. Von Baeza fährt man zehn Kilometer entlang der Trans-Ecuatoriana. Die Trans-Ecuatoriana ist eine Pipeline, die das Öl aus dem Osten des Landes an die Küste transportiert. Seit der Konstruktion in den sechziger Jahren hat es unzählige Lecks gegeben und große Teile des Regenwaldes wurden dabei zerstört. </p>
<p>Neben dem bereits relativ harten Alltag gehen die ungefähr 40 „Schüler“ im Alter von 14 bis 47 jeden Abend von fünf bis neun in den Zusatzunterricht. Einige studieren in Quito oder der nächstgelegenen Stadt El Chaco, andere gehen noch zur Schule, aber ein Großteil ist täglich damit beschäftigt sich selbst oder ihre Familie zu ernähren. Viele arbeiten auf Fincas, das heißt sie ernten Obst oder Gemüse, einige sind Touristenführer oder Handwerker. Viele, in meinem Alter, haben bereits mehrere Kinder. Fünfzig Prozent haben noch nie das Meer gesehen, das mit dem Bus in sieben Stunden zu erreichen ist. Schlussendlich, die meisten haben einen Lebenshorizont, der sich von allen Personen, mit denen ich bisher engeren Kontakt hatte, drastisch unterscheidet. </p>
<p>Am ersten Tag hatte ich nur eine halbe Stunde Zeit, um ein wenig herauszufinden, wie es um die Englischkenntnisse bestellt ist. Die restlichen dreieinhalb Stunden probten Jungs und Mädels getrennt ein letztes Mal ihre Choreographien für ein Video, das am Ende des Tages gedreht wurde. Die Jungs hatten ein kitschiges Boyband-Lied ausgewählt und die Mädels hatten sich für das noch kitschigere „My heart will go on“ entschieden. Schön war allerdings der Enthusiasmus und die Kreativität mit dem sie bei der Sache waren. Das derzeitige Lieblingslied aller ist „It´s my life“ von Bon Jovi, zu dem sie in der von ecuadorianischen Volkshelden und dem obligatorischen Che-Gemälde gesäumten Schulaula im Anschluss durchdrehten. </p>
<p>Nach dem Unterricht fuhren wir jeden Abend mit 10-15 Personen in und auf der Ladefläche eines Pick-Ups zurück nach Baeza. Dass manchmal zehn Personen auf der Ladefläche sitzen, stört den Fahrer eher weniger und 70 km/h fühlen sich dort etwas anders an als im Wageninneren. Bei Regen müssen die beiden Personen, die hinten links und rechts sitzen, eine Plane festhalten, um die andere Passagiere trocken zu halten.</p>
<p>Am zweiten Tag begann ich dann mit dem richtigen Unterricht. Um das bisher gelernte zu wiederholen und wiederum den Stand der Kenntnisse herauszufinden, ließ ich sie Dialoge verfassen. Das realistischste Szenario für die große Mehrzahl der Leute ist ein Gespräch mit einem Touristen. Auch wenn manche sehr große Schwierigkeiten haben, war ich extrem begeistert von der großen Kreativität der Dialoge.</p>
<p>Am dritten Tag hatte ich mich mit David darauf verständigt, Fußballvokabeln zu üben. Zunächst besprachen wir im Klassenzimmer die Vokabeln, die man beim Fußball braucht. Dabei musste ich erst einmal erklären, dass es football und nicht soccer heißt. Denn nur weil die Amis nicht spielen können, heißt das noch lange nicht, dass sie ihre eigenen Wörter für den schönsten Sport der Welt erfinden dürfen. Dank der weltweiten Presseaufmerksamkeit, war die Vokabel „dead octupus“ ebenfalls unerlässlich. Den Rest des Abends spielten wir Fußball, um die gelernten Begriffe anzuwenden.</p>
<p>Beim Feierabendbier klärte mich David über die Erdölexploration im ecuadorianischen Regenwald auf. Und nach dieser etwas ernüchternden Prognose über den „Schutz“ des Yasuni-Gebietes kann ich das Zögern Dirk Niebels, die Gelder zu genehmigen, leider etwas besser verstehen. </p>
<p>Wie spannend der Donnerstag werden würde,ahnte ich beim Aufstehen noch nicht. Eigentlich war geplant, nachts nach Quito zurückzufahren. Doch aufgrund eines Gesetzesentwurfs, der gewisse Privilegien der Polizei und des Militärs einschränkt, streikte und protestierte die Polizei im ganzen Land. In einem Land, dass sowieso schon recht gefährlich ist, eine dramatische Aktion. Im ganzen Land wurden Banken ausgeraubt und Menschen auf offener Straße überfallen. Im Laufe des Tages radikalisierten sich die Proteste. Correa zeigte sich mal wieder als großer Populist und rief die Demonstranten bei einer Rede dazu auf, ihn zu töten, wenn sie wollten, er werde keinen Schritt zurückweichen. Die Bundesstraßen nach Quito waren blockiert, die Flughäfen wurden geschlossen und in Quito lieferten sich protestierende Polizisten Straßenschlachten mit Anhängern des Präsidenten und attackierten diesen selbst. Am frühen Nachmittag machte der Präsident den großen Fehler, wie geplant zur Nachuntersuchung einer Operation in ein Polizeikrankenhaus zu gehen. Dort wurde er anschließend festgehalten. Der Ausnahmezustand wurde ausgerufen. Bei der nächtlichen Befreiungsaktion wurde ein Polizist getötet. </p>
<p>Nachrichten schauen, fühlt sich anders an, wenn man davon betroffen ist. Nachdem das Land in den vergangenen 15 Jahren, drei gewaltsame Putsche durchgemacht hat, waren natürlich alle sehr gespannt. Eigentlich war ich mit einem Schüler eineinhalb Stunden vor Unterrichtsbeginn verabredet, um englisch zu üben. Doch als Mitglied der Revolutionären Jugend Ecuadors hatte er dann Besseres zu tun. Wo und wie er die Revolution verteidigte, weiß ich bisher noch nicht. Da das Amazonasgebiet enorm friedlich ist, machten wir ganz normalen Unterricht, mit dem kleinen Unterschied, dass ich komplett verstehen konnte, dass einige lieber Radio hörten als dem Unterricht zu folgen. Für sie ist das ganze allerdings eher eine spannende Radiosendung, denn sowohl im Guten und im Schlechten sind sie von der Politik der Hauptstadt nur sehr gering betroffen.</p>
<p>Am nächsten Tag stabilisierte sich die Situation und wir konnten nach Quito zurückkehren. Der Ausnahmezustand gilt allerdings weiterhin und Unterricht findet momentan nicht statt. </p>
<p><strong>Was für eine Woche!!!!</strong><br />
Das Wochenende war großartig, die Arbeit mit den Jungs und Mädels macht sehr viel Spaß, da sie extrem motiviert und trotz Alltagssorgen sehr lebensfroh sind. Außerdem wurde ich von Anfang an, sehr freundlich aufgenommen. Ich freue mich sehr darauf, ab jetzt jede Woche zurückzukommen und dabei auch den Vorteil zu nutzen, dass meine Schüler als Touristenführer in einer traumhaften Landschaft arbeiten!</p>
<p>Auch wenn ich die oberste Journalistenpflicht verletzt habe und nicht am Ort des Geschehens war, bin ich ganz froh, dass ich das Treiben in Quito aus sicherer Entfernung verfolgen konnte. Spannend bleibt es auf jeden Fall und vermutlich ist das auch genau der Grund, weswegen ich meine Magisterarbeit hier schreibe und nicht in München in der Bibliothek sitze.</p>
<p><strong>Entonces, hasta la próxima!</strong></p>
<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/10/12/magister-o-muerte_post-aus-ecuador_teil-4_ausnahmezustand/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 4: Ausnahmezustand! '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div>]]></content:encoded>
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		<title>Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 3: Im Zeichen des runden Leders</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Oct 2010 21:13:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Manuel Daubenberger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausländische Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Neuigkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[ecuador]]></category>
		<category><![CDATA[internationale politik]]></category>
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		<category><![CDATA[manuel daubenberger]]></category>

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		<description><![CDATA[Die dritte Woche stand für Manuel Daubenberger ganz im Zeichen des runden Leders. Unter Auswärtsfans im Stadion konnte er zunächst seinen Schimpfwortschatz erweitern. In der anschließenden Woche erhielt er weiteren Einblick in das Fußballprojekt für das er in Zukunft Englisch unterrichten wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="addthis_toolbox addthis_default_style " addthis:url='http://neuwal.com/index.php/2010/10/08/magister-o-muerte-%e2%80%93-politische-post-aus-ecuador-teil-3-im-zeichen-des-runden-leders/' addthis:title='Magister o muerte – (politische) Post aus Ecuador, Teil 3: Im Zeichen des runden Leders '  ><a class="addthis_button_facebook_like" fb:like:layout="button_count"></a><a class="addthis_button_tweet"></a><a class="addthis_button_google_plusone" g:plusone:size="medium"></a><a class="addthis_counter addthis_pill_style"></a></div><p>Manuel Daubenberger (24) schreibt gerade seine Magisterarbeit in Politikwissenschaften. Die dritte Woche stand für ihn ganz im Zeichen des runden Leders. Unter Auswärtsfans im Stadion konnte er zunächst seinen Schimpfwortschatz erweitern. In der anschließenden Woche erhielt er weiteren Einblick in das Fußballprojekt für das er in Zukunft Englisch unterrichten wird. Was der Unterschied zwischen europäischen und lateinamerikanischen Fußballspielen ist, erfahren Sie im dritten Teil seines Blogs.</p>
<p><span id="more-8035"></span></p>
<p><div id="attachment_8036" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-01.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-01.jpg" alt="Zuschauertribüne, (CC) Manuel Daubenberger" title="03-01" width="500" height="341" class="size-full wp-image-8036" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong></h2>
<p>Der Ball ist rund und die Woche hat sieben Tage&#8230;</h2>
<p></strong></p>
<p><strong>Unter Auswärtsfans</strong><br />
Wir nähern uns der 70.Minute und Hernan, der mich mit ins Stadion genommen hat, wird zunehmend nervöser. Das zweitstärkste Team aus Guayaquil, Emelec, ist zu Gast beim zweitstärksten Team aus Quito, Deportivo. Es geht um die internationalen Plätze und Emelec liegt mit 1:0 hinten. Die Stimmung im Gästeblock wird dementsprechend gereizter und mein Schimpfwortschatz füllt sich im Sekundentakt. Bis dahin war die Stimmung großartig, der Gästeblock ist randvoll. Emelec ist ungefähr so wie die Teams aus dem Ruhrpott, egal wie erfolgreich das Team ist, die Fans sind mit dabei und feuern lautstark an. Das gesamte Stadion ist allerdings höchstens zu einem Viertel gefüllt. Bei Eintrittspreisen von 8 Dollar in einem Land, in dem der monatliche Mindestlohn bei 250 Dollar liegt und 50 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind, ist das auch kein Wunder.</p>
<p><div id="attachment_8037" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-02.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-02.jpg" alt="Blick aufs Stadion, (CC) Manuel Daubenberger" title="03-02" width="500" height="335" class="size-full wp-image-8037" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p><strong>80. Minute</strong><br />
Mal wieder kommt ein Fan des Gästeteams vorbei, um Geld für die Heimfahrt zu sammeln. Schon vor Spielbeginn haben sich so einige Fans überhaupt erst den Eintritt erbettelt. Neben mir streiten sich drei verdreckte, achtjährige Schuhputzer um das letzte Stück Mango. Und Hernan winkt schon wieder die Verkäuferin mit dem Kind auf dem Rücken zu uns, um den nächsten Krug Bier zu ordern. Für ihn ist es ein Highlight, Emelec in seiner Heimatstadt spielen zu sehen und dementsprechend lässt er sich beim Bierkonsum auch nicht davon abhalten, dass wir bereits seit halb elf im Stadion sind. Durch ein neues Gesetz ist der Bierverkauf an Sonntagen nur in Restaurants und im Stadion erlaubt. Eine verquere Logik, wenn man bedenkt, dass in Deutschland nur noch alkoholfreies oder Leichtbier im Stadion verkauft wird.</p>
<p><strong>89.Minute</strong><br />
Das Spiel nähert sich dem Ende, es wird nochmal hitziger: Rudelbildung und Schlägerei – beide Teams verlieren kurz vor Ende noch einen Spieler durch rote Karten. Ein letztes Mal ergehen sich die Gästefans in Hasstiraden gegen die Haupttribüne und den Schiedsrichter, dann ist das Spiel aus. Einige Becher fliegen, aber sonst gehen die Verlierer eigentlich friedlich aus dem Stadion. Doch von einer Sekunde auf die andere stürmt das Polizeieinsatzkommando in die Katakomben, keiner weiß was passiert ist. Am nächsten Tag erfahre ich aus der Zeitung, dass sich der Co-Trainer von Emelec eine Schlägerei mit der Polizei geliefert hat und gesperrt wurde. </p>
<p><div id="attachment_8038" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-03.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-03.jpg" alt="Fußballfans im Stadion, (CC) Manuel Daubenberger" title="03-03" width="500" height="350" class="size-full wp-image-8038" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Das wäre vermutlich die größte Fußballschlagzeile der Woche gewesen, wenn da nicht der ehemalige Schiedsrichter Byron Moreno wäre. Der bisher einzige internationale Schiedsrichter Ecuadors hatte bei der WM 2002 seinen großen Auftritt hatte, als er die Italiener gegen Japan verpfiffen hat. Nun ist er mit Heroin im Wert von einer Million Dollar in New York verhaftet worden. Dagegen wirkt Hoyzer wie ein Kleinkrimineller.</p>
<p><strong>Mit dem Fußballprojekt im Nordwesteny</strong><br />
Da ich dem Projekt „A Ganar“ helfen soll ein Präsentationsvideo zu drehen, wollen sie, dass ich alle Regionen kennenlerne, in denen das Projekt momentan läuft. </p>
<p>Dieses Mal geht es in den Nordwesten Pichinchas, der Region, in der Ecuador liegt. Im ersten Ort läuft gerade Unterricht in „Tourismusführung“, in einer strukturschwachen Region die einzig realistische Karriereoption. Die Jugendlichen zwischen 17 und 25 sind extrem undiszipliniert. Als weitere Ablenkung hat eine ihr Kind mitgebracht, das noch weniger Begeisterung für den Unterrichtsstoff zeigt als die Jugendlichen. Im zweiten Ort läuft es wesentlich disziplinierter. Zwei deutsche Freiwillige unterrichten gerade Englisch. Während die Jugendlichen Übungssätze schreiben, erklären mir die beiden, dass kaum Fortschritt zu erkennen sei. Während ich an der Tafel die Übung zum Gerundium sehe, frage ich mich, warum sie in der zweiten Woche bereits schwierige Grammatik unterrichten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Schüler noch nicht mal die einfachsten Dinge beherrschen. </p>
<p><div id="attachment_8039" class="wp-caption alignnone" style="width: 510px"><a href="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-04.jpg"><img src="http://neuwal.com/wp-content/uploads/2010/10/03-04.jpg" alt="Klassenzimmer, (CC) Manuel Daubenberger" title="03-04" width="500" height="324" class="size-full wp-image-8039" /></a><p class="wp-caption-text">(CC) Manuel Daubenberger</p></div></p>
<p>Am nächsten Morgen fahren wir weiter in die nächste Stadt, dieses Mal nur um Administratives zu besprechen. Hernan und Willy diskutieren darüber, wie viel Sinn es macht Sexualkunde zu unterrichten, wenn ein Viertel der Klasse bereits eigene Kinder hat. Sie einigen sich darauf, den Unterricht auch auf Kindererziehung auszuweiten. </p>
<p>Wieder merke ich, wie sinnvoll es ist, dass ich bald selbst englisch unterrichte, in einem Land, in dem selbst viele Hochschulabsolventen mehr schlecht als recht englisch sprechen, werden günstige beziehungsweise freiwillige Englischlehrer händeringend gesucht. Willy bittet mich deshalb an der Universität zu fragen, ob nicht vielleicht jemand der Austauschstudenten einen Tag pro Woche unterrichten könnte. Im letzten Ort unserer Tour sehe ich dann die Früchte der Arbeit von „A Ganar“. Die Leitung in diesem Ort haben zwei ehemalige Teilnehmer des Projektes übernommen und auch ein Großteil der restlichen ehemaligen Teilnehmer ist aktiv daran beteiligt, die Situation der Gemeinde zu verbessern.</p>
<p>Nachdem ich nun mehr vom Projekt kennengelernt habe, freue ich mich noch mehr darauf, nächste Woche selbst mit dem Unterricht loszulegen.</p>
<p>Aber am Wochenende vorher geht es erstmal in die Kleinstadt Latacunga, wo das traditionelle Fest „Mama Negra“ gefeiert wird. Ursprünglich eine katholisches Feier, vermischte es sich mit indigenem und afrikanischem Traditionen zu einem karnevalsähnlichem Straßenfest, bei dem vor allem Touristen dazu gezwungen werde, große Mengen Schnaps zu konsumieren!</p>
<p><strong>Entonces, hasta la próxima!</strong></p>
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