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neuwal.com | 28.08.2014

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8 Kommentare

“Jetzt können Sie mich Fragen stellen” – Frank Stronach im ZIB2-Interview (Transkript: ORF, 03.07.2012)

“Jetzt können Sie mich Fragen stellen” – Frank Stronach im ZIB2-Interview (Transkript: ORF, 03.07.2012)

Transkript vom Interview mit Frank Stronach und Lou Lorenz-Dittelbacher in der ZIB2 vom Dienstag, 3. Juli 2012.
Quelle: http://tvthek.orf.at/

Lou Lorenz-Dittelbacher: Ich begrüße jetzt Frank Stronach bei mir im Studio.

Frank Stronach: Schön, hier zu sein. Es ist ein bisschen enttäuschend, wenn ich da zuschaue. Diese Bemerkungen. Zum Beispiel: “Wutbürger”: Der Stronach ist ein Wutbürger. Wo ich immer schon, täglich, gesagt habe, dass wir Mutbürger und keine Wutbürger brauchen. Wutbürger ist sehr zerstörend.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Also, Sie sind kein Wutbürger.

Frank Stronach: Gehen wir noch einmal zurück zum Thema, warum wir hier sind.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Darf ich noch eine Frage stellen bitte zu Beginn.

Frank Stronach: Wir haben nur kurz Zeit und ich möchte die wichtigen Themen…

Lou Lorenz-Dittelbacher: Wir haben gar nicht so wenig Zeit. Herr Stronach…

Frank Stronach: Ich bin ein Steuerzahler. Und ich verlange… ich habe das Recht, mich hier auszudrücken…

Lou Lorenz-Dittelbacher: Genau.

Frank Stronach: …was ich ‘rüberbringen will, damit die Leute das hören können. Gehen wir weg von den Headlines.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Nein, nein, nein. Moment. Wir haben Sie eingeladen…

Frank Stronach: Sie wollen streiten mit mir?

Lou Lorenz-Dittelbacher: Wir haben Sie eingeladen um ein Gespräch mit ihnen zu führen.

Frank Stronach: Sie können mich nachher alles fragen. Sie können mich zurück einladen und ich werde alle Fragen beantworten. Jetzt gehen wir einmal zum Hauptthema. Morgen ist eine ganz wichtige Abstimmung.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Na darüber wollte ich ja mit ihnen reden.

Frank Stronach: Ja, hätten Sie mir das Wort gelassen. EMS. EMS steht eigentlich für…

Lou Lorenz-Dittelbacher: ESM.

Frank Stronach: …Europäische Schuldenmacherei. Nicht, OK? Und das ist…

Lou Lorenz-Dittelbacher: Und da sind Sie dagegen, da haben Sie hundert…

Frank Stronach: …unverantwortlich. Lassen Sie mich ausreden.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Ich habe noch gar nicht angefangen, Ihnen eine Frage zu stellen. Das ist aber so üblich bei uns, dass wenn wir im Studio jemanden einladen.

Frank Stronach: Ja Sie haben schon. Sie lassen mich nicht ausreden. Das Übliche ist vielleicht gar nicht so nett und gar nicht so schön. Man muss… Ich bin bereit, jederzeit hier herzukommen, Fragen zu beantworten. Aber jetzt gehen wir mal auf das Hauptthema. Morgen wird beschlossen, ein, und etwas ganz etwas wichtiges, was die Bürger in Österreich für Generationen vielleicht behindert, nicht. Und nämlich, wie kann das überhaupt passieren, dass alle Länder in Europa Schuldenmacher sind. Was kommt da zusammen, wenn die Schuldenmacher alle zusammenkommen? Dann werden noch mehr Schulden gemacht. Haben wir uns schon einmal die Frage gestellt, wie eigentlich Schulden zurückbezahlt werden?

Ich würde mit jedem Regierungsbeamten und Regierungsmitglied wetten, dass da nie ein Euro zurückkommen wird.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Ok.

Frank Stronach: Und da muss man sich die Frage… Wo kommen die ganzen Schulden hin. Wer steckt denn das alles ein. Das stecken die Banken ein.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Ok. Herr Stronach. Folgende Sache…

Frank Stronach: Das wollt ihr nicht hören.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Doch! Wir wollen alles von ihnen hören.

Frank Stronach: Der ORF ist ein “Part des Systems”, wo verhindert wird, dass die Menschen die Wahrheit erfahren.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Nein, gar nicht, Herr Stronach. Wir führen ein Gespräch.

Frank Stronach: Jetzt können Sie mich Fragen stellen.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Wir haben Sie eingeladen um über dieses Thema und über andere Themen mit ihnen zu sprechen. Sie haben es schon sehr deutlich gemacht, dass Sie gegen diesen ESM sind. Sie haben gestern einen Brief geschrieben an die 183 Nationalratsabgeordneten und gesagt, dass dieser Rettungsschirm nicht unterschrieben werden soll. Wir gehen davon aus, dass er morgen tatsächlich beschlossen wird. Jetzt frage ich sie: Gründen Sie, wie es kolportiert wird, aus dieser Emotion heraus, die Sie jetzt auch gezeigt haben, eine eigene Partei?

Frank Stronach: Noch einmal. Ich mache mir Sorgen über Österreich. Ich komme noch einmal zurück: Was soll daraus vorkommen? Also, das sind alles Schuldenmacher. Alle Länder. Das System funktioniert nicht. Eigentlich ist das ja eine Insolvenz-Verschleppung. In der Privatwirtschaft gibt es darauf Gefängnisstrafen. Wir wissen genau, dass diese Länder die Schulden nicht mehr zurückbezahlen können. Wir wissen, diese Länder sind in Insolvenz.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Sie sind gegen diese Politik?

Frank Stronach: Weil es keinen Sinn macht für die österreichischen Bürger.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Aber… da ist…

Frank Stronach: …Geld reinzuschießen, was die Banken abkassieren und dann ist für die österreichischen Bürger nichts da.

Lou Lorenz-Dittelbacher: OK. Die logische Konsequenz wäre: Wenn Sie gegen diese Politik sind, die die Regierung derzeit macht, dass Sie eigene Politik machen. Also eine Partei gründen. Tun Sie das?

Frank Stronach: Noch einmal: Das ist nicht unbedingt nötig. Ich möchte nur einmal den österreichischen Bürgern die Wahrheit erzählen, wie das wirklich alles funktioniert. Ich bin sehr unabhängig. Ich kann sagen, dass ich immer versuche kultiviert und konstruktiv zu sein. Ich bin von niemandem abhängig. Und wenn man manchmal sagt, der Stronach will sich die Politik kaufen… Ich nehme mein eigenes Geld um die Wahrheit zu erklären. Die Politiker nehmen das Geld der Bürger um die Macht zu erhalten und um die Stimmen der Bürger zu kaufen.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Also, Sie wollen kein Politiker sein.

Frank Stronach: Das ist alles verkehrt. Habe ich nicht gesagt. Ich habe immer gesagt: Wenn sich die richtigen Leute finden, die einen guten Charakter haben und die beschließen eine Partei zu machen und sie würden meine Werte übernehmen, die auf Wahrheit, Transparenz und Fairness aufgebaut sind… Das würde ich unterstützen. Geldlich und auch mit Zeit. Zeit ist sehr wichtig. Ich brauche von niemandem etwas. Ich habe ein gewisses Alter. Ich brauche keine Auszeichnung, ich brauche keinen Titel. Ich möchte Österreich dienen. Der Unterschied zu Politiker: Sie wollen verdienen. Ich will Österreich dienen.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Gut. Und haben Sie jetzt Indizien dafür, dass Sie Österreich dienen können. Sprich: Haben Sie Indizien dafür, dass sich eine Gruppe findet, die Sie finanziell und auch sonst unterstützen?

Frank Stronach: Das wird sich in der Zeit ergeben. Ich bin davon überzeugt.

Lou Lorenz-Dittelbacher: In welcher Zeit?

Frank Stronach: In welcher Zeit… Das wird sich in ein paar Wochen, in ein paar Monaten ergeben. Ich habe mich mit sehr vielen netten Bürgern getroffen, die alle große Sorgen haben, dass irgendetwas nicht mehr in Österreich stimmt. Und da ist es sehr wichtig. Nocheinmal: Ich möchte dienen, ich habe sehr viele Erfahrungen gemacht in meinem Leben. Ich habe eine Firma aufgebaut die als Nummer 1 in der Welt anerkannt ist mit 115.000 Beschäftigten, 30 Milliarden Umsatz, keine Schulden. Also, ich habe auch… Ich war in Aufsichtsräten, in Universitäten, in Banken, in Spitälern, New Yorker Stock Exchange. Ich habe sehr viele Erfahrungen gesammelt und ich möchte diese Erfahrungen Österreich übertragen. Ich möchte dienen, dass wir nicht diese großen Fehler machen und wie Griechenland gegen die Wand fahren.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Wir haben letzte Woche ein Zeitungsinterview von Siegfried Wolf gelesen, mit dem Sie sehr eng bei Magna zusammengearbeitet haben. Er hat so etwas ähnliches gesagt wie sie: “Ich weiß eigentlich nicht mehr, wen ich in Österreich wählen kann.” Ist Siegfried Wolf jemand, den Sie gerne als Spitzenkandidat einer Partei sehen würden und ihn dann unterstützen?

Frank Stronach: Ich kenne Siegrfied Wolf sehr gut und ich habe mit ihm in der Zwischenzeit auch gesprochen. Ich habe an sein Gewissen appelliert. Ich habe gesagt: “Siggi, Du bist unabhängig, hast einigermaßen Geld, diene deinem Land. Denk darüber nach.” Der Siggi Wolf würde einen sehr guten Bundeskanzler machen.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Denkt er darüber nach?

Frank Stronach: Wie ich den Siggi kenne, denkt er darüber nach. Er möchte auch immer seinem Land dienen.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Also, er hat nicht “Nein” gesagt.

Frank Stronach: Er hat nicht “Nein” gesagt. Er hat aber auch nicht “Ja” gesagt. Aber er denkt darüber nach.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Was in den letzten Wochen auch immer zu hören war, war, dass Sie eventuell das BZÖ finanziell unterstützen könnten. Ist das jetzt endgültig vom Tisch?

Frank Stronach: Man macht immer so Mutmaßungen. Warum fragt man nicht, als ob das, wie… Ich habe mich ein paar Mal mit dem Sepp Bucher getroffen. Ein netter Bursch. Angenehmer Bursch. Aber, zu mir sind sehr viele Leute gekommen, die gesagt haben: “Frank, mach was Neues”.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Würde eine Partei, die Sie unterstützen würden – die etwas Neues wäre, wie Sie sagen – auch für den Austritt Österreichs aus der EU sein?

Frank Stronach: Nein, nocheinmal: Es wird immer solche Lügen verbreitet. Also Unwahrheiten. Ich habe immer gesagt, dass ich für ein starkes Europa bin. Was wollen die Leute in Europa? Die Leute in Europa erstens wollen Frieden haben. Weil ältere Leute sind sehr schwere Kriege durchgegangen. Frieden ist sehr wichtig. Und Sie wollen auch freien Menschen-, Güter- und Kapitalverkehr. Das kann man ja alles machen. Aber für mich ist es unverständlich. Die Griechen waren tausende von Jahren ein eigenständiges Land. Zu manchen Zeiten waren sie auch kulturell so weit fortgeschritten. Jetzt sagt man, ihr müsst mehr produktiv sein. Dann hat man Milliarden gegeben. Die Banken haben alles abgeschöpft und die Griechen stehen jetzt da im Regen. Und so geht es weiter und weiter und weiter.

Wir müssen verstehen. Wir müssen einmal verstehen. Wir sind weit weg von der Realwirtschaft gegangen. Wir sind in eine Finanzwirtschaft übergegangen, wo nur Papiere hin- und hergeschoben werden. Und das wird schwere Konsequenzen für die Bevölkerung haben.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Heißt das jetzt, dass die EU, so wie sie jetzt ist, nicht mehr eine EU ist, in der Österreich Mitglied sein sollte?

Frank Stronach: Nein. Ich sage nocheinmal: Österreich soll Mitglied sein. Man kann so vieles machen. Aber die Währung ist das ökonomische Spiegelbild einer Nation. Und die Währung kurbelt auch Konkurrenz an.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Das heißt, Österreich soll wieder zurück zum Schilling kommen?

Frank Stronach: Von meiner Seite aus sollte Österreich zurück zum Schiling kommen. Nur durch eigene Währung der einzelnen Länder können wir Wohlstand schaffen.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Aber eine Rückkehr Österreichs zum Schilling hätte, wie Wirtschaftsforscher sagen, massive Konsequenzen: Anstieg der Arbeitslosigkeit, Rückgang des Wirtschaftswachstums

Frank Stronach: Wer sind die Wirtschaftsforscher? Die haben noch nie, die haben noch nie, die haben noch nie Löhne bezahlt. Die sind lauter, wir nennen sie in Ding hier, “Bulls without Balls”.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Also, Sie glauben das nicht?

Frank Stronach: Also ich glaube nicht, was die da zusammenreden. Die reden immer alle so einen Blödsinn zusammen und haben noch nie Arbeit geschaffen. Ich bin stolz darauf, dass ich so viele Arbeitsplätze geschaffen habe. Ich bin stolz darauf, dass ich bewusst in vielen Organisationen mitgemacht habe, die einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen haben.

Lou Lorenz-Dittelbacher: OK, Herr Stronach. Bis zum Herbst werden wir eine Entscheidung haben, ob Sie eine Partei unterstützen oder gründen? Ist das richtig?

Frank Stronach: Da wird eine Entscheidung sein.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Ich danke ihnen für das Gespräch.

Frank Stronach: Schade, dass wir so wenig Zeit haben. Ich bin jederzeit bereit, der österreichischen Bevölkerung die Wahrheit zu übermitteln. Danke.

Lou Lorenz-Dittelbacher: Danke schön!

Transkript: Interview mit Frank Stronach und Lou Lorenz-Dittelbacher (ORF) in der ZIB2

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Kommentare

  1. Frank Stronach: “Der ORF ist ein pattes System, wo verhindert wird, dass die Menschen die Wahrheit erfahren.”

    Ich hätte da ein “Part des Systems” also Teil des Systems verstanden – macht für mich auch mehr Sinn. Wobei die Sinnhaftigkeit der Aussagen wohl nicht der Maßstab ist hier bei diesem Interview… ;-)

  2. Will nicht pingelig sein, aber “Sie” in der Anrede bitte groß. Ansonsten feine Sache das Runtertippen.

  3. Dieter Zirnig

    Armin, Wolfgang – Danke für Eure Inputs. “Patt -> Part des” und “sie -> Sie” haben wir ausgebessert. Vielen lieben Dank.

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