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neuwal.com | 19.04.2014

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Die neuwal Montagsrede, Teil 7: Kirche oder Kommerz – wem gehört der Sonntag?

Woche für Woche wird hier etwas zu finden sein, das in der österreichischen Politik selten geworden ist: Klare Worte zu wichtigen Themen ohne politische Scheuklappen. Die neuwal Montagsrede ist das Gegenteil einer Sonntagsrede (Duden: abwertend, bei feierlichen Anlässen gehaltene schöne Rede mit großen, der Realität meist nicht standhaltenden Worten). Woche für Woche ehrliche 15 Sätze, die mutige Politiker Ihren mündigen Wählern zugestehen sollten.

(CC) pfig / Pedro Figueiredo, Fotomontage: Stefan Egger

(CC) pfig / Pedro Figueiredo, Fotomontage: Stefan Egger

Liebe Österreicherinnen und Österreicher,

es ist ein Kampf entbrannt in diesem Land, ein Kampf, in dem jede Stunde zählt. Auf der einen Seite stehen Familien und Kirche, auf der anderen vielbeschäftigte Arbeitsnomaden und Menschen mit unregelmäßigem Lebensrhythmus.

Ladenöffnungszeiten entzweien dieses Land wie wenige andere Themen, und es ist nicht ganz klar, warum. Die Rahmenöffnungszeiten wurden sukzessive ausgedehnt, in sogenannten Sondertourismuszonen darf auch sonn- und feiertags geöffnet werden.

Doch sogar in Wien bleibt es schwierig, spätabends oder am Wochenende seine Bedürfnisse zu decken. In winzigen Geschäften, grindigen Bahnhofsshops oder überlaufenen Supermärkten mit absurd reduziertem Sonntagsangebot treffen sich mehr oder weniger Verzweifelte.

Das müsste nicht so sein, wie viele andere Städte, Regionen und Länder zeigen. Vernünftige Begleitgesetze zum Arbeitnehmerschutz und Ausnahmen für Mega-Märkte können Beschäftigung schaffen und den Mittelstand fördern. Hört man sich um, gibt es genügend Menschen, die sich am Wochenende hinter die Kassa stellen und für Zuschläge arbeiten würden.

Auch das Totschlagargument, die Sonntagsöffnung würde sich nicht rechnen, können wie in vielen anderen Bereichen nur Angebot und Nachfrage bestärken oder entkräften.

Bisher wird eine starre Regelung mit oft absurden Begleiterscheinungen mit fadenscheinigen Argumenten verteidigt, zum Nachteil jener, deren Leben nicht so abläuft, wie andere es ihnen vorzuschreiben versuchen.

Familien werden wegen neuer Öffnungszeiten weder weniger noch mehr Zeit miteinander verbringen, mit Kinderbetreuung, familienfreundlichen Arbeitsplätzen, durchdachten Ferienregelungen etc. mehr lässt sich hingegen viel verbessern. Auch dem Prekariat kann man mit weniger Jobs und Verboten nicht besser helfen als mit gewerkschaftlichen und arbeitsrechtlichen Regelungen.

Fest steht: Die bestehende Regelung ist kleingeistig und überwiegend religös-historisch motiviert.

Wir sind mündig genug, zu entscheiden, wann wir arbeiten und konsumieren möchten!

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