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neuwal.com | 18.04.2014

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Die neuwal Montagsrede – Teil 3: Politikerbeschimpfung oder “Kotzen gegen Kurz?”

Jeden Montag wird hier etwas zu finden sein, das in der österreichischen Politik selten geworden ist: Klare Worte zu wichtigen Themen ohne politische Scheuklappen. Die neuwal Montagsrede ist das Gegenteil einer Sonntagsrede (Duden: abwertend, bei feierlichen Anlässen gehaltene schöne Rede mit großen, der Realität meist nicht standhaltenden Worten). Woche für Woche ehrliche 15 Sätze, die mutige Politiker Ihren mündigen Wählern zugestehen sollten.

(CC) pfig / Pedro Figueiredo, Fotomontage: Stefan Egger

(CC) pfig / Pedro Figueiredo, Fotomontage: Stefan Egger

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist schön, nicht im Zentrum jeden medialen Wirbels zu stehen. Anstatt jedoch mit Häme auf die Prügel zu schielen, die das neue Team meines Regierungspartners geerntet hat, ziehe ich als Kanzler die politische Notbremse.

Das Recht auf Kritik an alles und jedem ist einer der Grundpfeiler der Meinungsfreiheit sowie unseres gesellschaftlichen und politischen Systems. Die heute üblich gewordene Politikerbeschimpfung ist jedoch zum reinen Selbstzweck geworden. Sie beschädigt nicht nur den politischen Stil, sondern auch die Demokratie.

Es nicht um “Mitleid” mit uns Politikern, mit unseren Privilegien, wohl dotierten Posten und begrenzten persönlichen Verantwortungen. Hier geht es um einen völlig enthemmten Beißreflex, der Populisten immer wieder mit Abscheu vorgeworfen wird. Wir erleben gerade, wie diese Verhaltensweise von Anhängern anderer politischer Richtungen und Interessensgruppen 1:1 übernommen wird.

Ich verlange nicht mehr als eine faire Chance – und den nötigen Respekt, mit dem wir einander gegenübertreten müssen. Niemand muss Politiker beneiden, denn jeder kann selbst einer werden und sich selbst einbringen.

Gerade Nachwuchspolitikern verlangt diese harte und weitreichende Entscheidung viel ab. Nur noch wenige können hinter dem angekratzten Poliker-Image die elementare Rolle und lohnenden Aufgaben erkennen. Persönlich diffamierende Kampagnen “beschädigen” heute Politiker, bevor sie ihr Amt überhaupt antreten.

Geschätztes Publikum, ein derartiger Umgang mit jungen politisch engagierten Menschen ist inakzeptabel. Das muss einmal in aller Klarheit gesagt werden!

Eine Vorgeschichte:
Was Sebastian Kurz mit Kurt Beck verbindet

Unlängst habe ich “Wofür stehst du?” von Axel Hacke und Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur der deutschen Wochenzeitung “Die Zeit”) gelesen, eine recht persönliche und streckenweise sehr interessante Suche nach Standpunkten. Besonders im Gedächtnis blieb mir ein Kapitel, das di Lorenzo auch bei seiner Wiener Lesung zum Besten gab (mehr dazu im booklewal-Review).

Darin beschreibt er den medialen und gesellschaftlichen Trend, alle Politiker gleich darzustellen – gleich schlecht. Anschauliches Beispiel: Kurzzeit-SPD-Vorsitzender Kurt Beck, der mit endlosen Spott- und Hohntiraden übergossen wurde: “Räuber Hotzenplotz”, “Mainzelmännchen”, “Grauen vom Lande”, “Dickschiff”, “Manta-Fahrer”, “Problembär”, “Meerschweinchen”, “Bauer”, “Prolet”, “Kleinbürger” und “Couch-Potoato”.

Über JVP-Chef Sebastian Kurz (24) waren nach seiner Bestellung zum Integrations-Staatssekretär u.a. folgende Aussagen öffentlich zu lesen:

  • “Ein echter Kurzbrocken” (Jürgen Eixelsberger)
  • “Seine Qualifikation ist das Gel im Haar” (Christoph Sponer)
  • “Zu schön, zu reich, zu geil…. KOTZ” (Negar L. Roubani)
  • “Komiker… keine Ahnung von nix” (Gerhard Godescha)
  • “Das letzte Aufgebot” (Christian Kain)
  • “Clown” (Peter Schubert, Chris Tian)
  • “Trottel”, den man “zum Teufel jagen” muss (Martin Walcher)
  • “Großkotziges Bubi im Hummer” (Barbara Weidinger)
  • “Neuer Grasser” (Mike Joe)
  • “Affe” (Max Gruber)
  • “Kurzer geiler Gel Gockel” (Johannes Sauter)
  • “Peinlich”, “Von Beruf Sohn”, “Kotzbrocken”, “‘Mein Papa ist reich’-Typ” (Christian Faulmann)
  • “Superpraktiktant” (Elaso Osale)
  • “Humboldt-Integrationssekretär” (Stefan Daxner und viele andere)
  • “Schmieriger Yuppie”

Berechtigte Kritik an Format und Leistung einer Person oder rein persönlichen Menschenhatz und Rudeljournalismus?

Sehr schön fasst das Alexander Mayer in seinem Facebook-Kommentar zusammen, auch wenn er den Aussagen damit zustimmt: “schon fast ein halbes promill der österreichischen bevölkerung ist gegen diesen typen. und dabei ist er noch nicht mal angelobt. gute arbeit! ;)”.

Dabei könnte man seine Kritik an der Postenbesetzung auch durchaus in nicht persönlich beleidigende Worte fassen, wie das etwa Rita Mandel macht: “ich bin FÜR eine/n integrationsstaatssekretär/in.ich bin FÜR junge leute in der politik.aber: ich bin GEGEN sebastian kurz in dieser position.”

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