Arbeit brennt: Burnout als Spitze des Eisberges
In den vergangenen Tagen war ein Thema aus dem sozialen Arbeitsbereich vorranging: Es geht um Psychische Erkrankungen wie bspw. Burnout sowie Forderung der Ă–VP zur Behandlung auf Krankenschein.
Dass “Arbeit brennt”, zeigt eine aktuelle Momentaufnahme, die auch in einem guten Interview auf Ă–1 als Podcast nachhörbar ist:
- Jeder 16. Krankenstandstag in Ă–sterreich ist auf eine psychische Erkrankung zurĂĽckzufĂĽhren
- 65.000 Arbeitnehmer sind wegen psychischen Problemen krankgeschrieben
- und verursachen durchschnittlich 37 Tage Krankenstand – dreimal länger als bei anderen Krankheiten
- Häufigster Pensionsgrund bei Frauen, die zu 2/3 davon betroffen sind
Wenn ich die derzeitige Arbeitssituation beobachte (zB Handel: Arbeitnehmer schwer gestresst, 25.7.2010), dann bin ich nicht verwundert, dass die Zahl der psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz im Steigen sind:Â Vermehrter Druck, Job- und GehaltskĂĽrzungen, fehlende Kommunikation, mehr Leistung bei weniger Mitarbeitern, virtuelle Teams, Outsourcing, Nearshoring, Offshoring, undefinierte Aufgabenbereiche, Wirtschaftskrise, Kampf um den Arbeitsplatz und um Projekte sind nur die Spitze eines Eisberges, die sich hinter diesem Thema in der Arbeitswelt verbergen.
- Burnout: Selbstverantwortung gefragt (derstandard.at)
- Vom Burnout blieb der Tinnitus als Warnsignal (derstandard.at)
Es ist gut, was Gesundheitsminister Alois Stöger verlangt. Es klingt nachhaltig, wenn er argumentiert, in den Betrieben gegen psychische Erkrankungen präventiv vorzusorgen. Eine Forderung, die mir sympatisch ist auch wenn ich dabei sehr skeptisch bin, was die Realisierung betrifft. Verlangt sie doch einen ziemlichen sozialen Paradigmenwechsel im täglichen Wirtschaftsleben zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber und lagert das Wohl der Mitarbeiter weiterhin in Manager-Hände aus. Einen Paradigmenwechsel, der nicht nur unbedingt einen möglichen Shareholder-Value als groĂźes Ziel sieht, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter fördert, mitgestaltet und an vorderste Position reiht. Dass ich dazu die Möglichkeit Therapie und Beratung auf Krankenschein sehe ist selbstverständlich – es ist ein Schritt von vielen. So sehe ich die Richtungen von SPĂ– und Ă–VP fĂĽr absolut vereinbar.
“Arbeit brennt” ist ein Thema, das mir schon länger am Herzen liegt. Es ist ein Thema, dem sich neuwal in mehreren Teilen widmen und versuchen wird, unsere Arbeitswelt von verschiedenen Seiten zu durchleuchten: Politik, Wirtschaft, Integration und Soziales.
In Teil 1 beschäftige ich mich mit den derzeitigen politischen Forderungen, die rund um das Thema in den letzten Tagen aufgetreten sind. In Teil 2 folgt ein Interview mit Univ.Lektor Dr. Peter Battistich mit Informationen zum Thema “Burnout”, etc.
Ă–VP fĂĽr Ende der Zwei-Klassen-Medizin – SPĂ– uneinig
Ă–VP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger fordert im Bereich psychischer Erkrankungen ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin und deren Behandlung auf Krankenschein – per eCard.
Gegen diesen Vorschlag ist Gesundheitsminister Alois Stöger von der SPĂ–: “Die Krankenkassen mĂĽssen sparen, man solle stattdessen präventiv in den Betrieben ansetzen und sehe die Arbeitgeber mit betrieblichen Gesundheitsförderungen am Zug.” Nicht auf Parteilinie ist SPĂ–-Frauenministerin Heinisch-Hosek. Sie ist fĂĽr eine Ausweitung der Behandlung psychischer Erkrankungen auf Krankenschein und kann sich vorstellen, innerhalb des Budgets zugunsten von Familien umzuschichten und spricht dabei die Doppel- und Dreifachbelastung der Frauen an.
BZĂ– ist fĂĽr einen eigenen Burnout-Ombudsmann – FPĂ– auf Seite der Ă–VP
Einen eigenen Burnout-Ombudsmann fordern BZĂ–-Generalsekretär Christian Ebner und BZĂ–-Frauensprecherin Martina Schenk. Gesundheitsminister Stöger lehnt diese Forderung ab: “Da geht doch keiner hin.”
Die FPĂ– sieht den Vorschlag der Ă–VP positiv: “Eine Behandlung auf Krankenschein komme in jedem Fall billiger als ein monatelanger Krankenstand”, sieht Dagmar Belakowitsch-Jenewein Gesundheitssprecherin der FPĂ– das Thema weniger emotional von der wirtschaftlichen Seite.
Die GrĂĽnen sind fĂĽr eine rechtzeitige Psychotherapie und Beratung auf Krankenschein
In der Auseinandersetzung, wer von den beiden Berufsgruppen Klinischer Psychologe und Psychotherapeut bei Burnout herangezogen werden kann, stellen sich Die Grünen auf die Seite von geschulten Psychotherapeuten. Ein Ansatz, der auch vom österreichischen Verband für Psychotherapie bestätigt wird. Grünen-Bundesrat Stefan Schennach fordert eine rechtzeitige Psychotherapie und Beratung auf Krankenschein.
Die KPÖ sieht die Lösung nur auf eine radikale Überwindung des kapitalistischen Systems
Die KPĂ– werfen Gesundheitsminister Stöger “keinen Handlungsbedarf” vor und sehen eine Lösung der Herausforderung nur auf radikale Weise. Und zwar durch die Ăśberwindung des kapitalistischen Systems.
| Partei | Person | Forderung |
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SPĂ–
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Gesundheitsminister Stöger | Betriebliche Gesundheitsförderung |
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SPĂ–
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Frauenministerin Heinisch-Hosek | Ausweitung Behandlung psychischer Erkrankungen auf Krankenschein |
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Ă–VP
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Gesundheitssprecher Rasinger | Behandlung auf Krankenschein |
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FPĂ–
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Gesundheitssprecherin Belakowitsch-Jenewein | Behandlung auf Krankenschein |
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BZĂ–
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Frauensprecherin Martina Schenk | eigener Burnout-Ombudsmann |
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GRĂś
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Bundesrat Stefan Schennach | Psychotherapie auf Krankenschein |
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KPĂ–
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Ăśberwindung des kapitalistischen Systems |
Stand: 25. Juli 2010
Ich wünsche mir, dass die Diskussion in diesem Bereich nicht nur zur Füllung des Sommerlochs dienen. Dafür ist das Thema zu ernst und brennend. Die Arbeitswelt braucht dringend Veränderung, Innovation, neue Denkansätze und eine öffentliche Diskussion.


















Danke fĂĽr die ĂĽbersichtliche Auswertung der politischen Lage zum Thema Burnout. Gut, dass sich auch innerhalb der Bloggergemeinschaft jemand um das Thema annimmt. Ich bin auch schon sehr gespannt auf den zweiten Artikel!
Interessante Zusammenfassung… obwohl ich immer etwas skeptisch bin bei der Beurteilung… immerhin ist es dass eine Aufgabe fĂĽr Fr. A “total stressig” ist, während Hr. B das Ganze fĂĽr “locker machbar” hält.
[...] Was aber macht die Politik? Sie hechelt einer Vollbeschäftigung hinterher, ĂĽberlegt sich Hacklerregelungen und Infrastrukturbeschäftigungsprogramme – wie in den 60er-Jahren. Klar ist, dass es immer harte, anstrengend Jobs geben wird – das kann man nicht wegdiskutieren. Auch Fabriksarbeiter, Lehrlinge und Handwerker werden immer da sein. [...]
Danke fĂĽr Deinen Kommentar. “Arbeit brennt” liegt mir sehr am Herzen. Ich merke nach und nach in meinem Umfeld eine immer größer werdende Diskrepanz zwischen Arbeit und Leben. Mal sehen, was dabei rauskommt, freue mich ĂĽber jede Weiterhilfe und Informationen dazu!
@Jim Danke fĂĽr Deine Beobachtung. Ich werd das Thema gleich aufgreifen und einen Psychotherapeuten dazu befragen! Danke!
[...] Arbeit brennt I: Arbeit brennt: Burnout als Spitze des Eisberges #arbeitbrennt [...]