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Mit Widerstand zum Stillstand von Morgen
8. Februar 2012 – 12:55 | Keine Kommentare

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“Für Reiche gilt das Gleiche” – Parolendrescherei á la SPÖ

geposted von am 9. Juli 2010 – 10:544 Kommentare

Der morgen.rot-Kongress ist nun auch schon wieder einige Zeit vorüber. Aber eine Sache liegt mir immer noch auf dem Herzen. Am zweiten Tag des Kongresses fanden Workshops statt, und ich hab’ mich für einen Workshop angemeldet, der einen lehren soll, mit Stammtischparolen umzugehen. Ihr hättet die Augen der Leute sehen sollen, als ich meinte, dass doch selbst die SPÖ genau so etwas macht: mit purer Phrasendrescherei.

In diesem Workshop, ich war mit ungefähr 25 anderen Leuten in einem Raum, wurden wir aufgefordert, bekannte Parolen von Stammtischen oder aus ganz einfachen Diskussionen anywhere zu nennen: natürlich tauchten da zuallererst die Altbekannten auf: “Die Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg” und Ähnliches. Ich wollte auch noch den neuerdings aus konservativen Kreisen schon öfters gehörte “Wir haben alle über unseren Verhältnissen gelebt.” einbringen, das ging aber irgendwie unter.

Als schließlich dann diese Parolen analysiert wurden, tauchten die Stichworte Sündenbock, Angst (z.B. um sozialen Abstieg), “einfach”, und “zu kurz kommen” auf. Und als ich mir dann das mitgenommen Untersetzer (wie auf dem Foto zu sehen) ansah, konnte ich es mir einfach nicht verkneifen. Und meinte, dass “Für Reiche gilt das Gleiche” doch genau so etwas ist. Einfache Sprache, man möchte Angst erzeugen, den Leuten einreden, dass sie zu kurz kommen, und diesmal sind eben nicht die Ausländer der Sündenbock, sondern die Reichen. Zuerst einmal Stille, und überraschte Blicke einer Frau, die im Kampagnenteam zu sein scheint.

Und daran scheitert so viel, wie ich finde. Immer die Kampagnen der FPÖ kritisieren, sich darüber aufregen, mit dummen Reimen die Wählerschicht gegen andere aufzuhetzen. Und selbst doch schließlich dasselbe machen.

Natürlich: an der Verteilungsgerechtigkeit gehört gearbeitet, und es ist auch gut, dass sich die SPÖ OÖ verstärkt dafür einsetzt. Aber kann man die Wählerschaft, eben jenen, die glauben “zu kurz” zu kommen, die eben “nicht für die Krise zahlen wollen, die andere verursacht haben”, nicht anders ansprechen. Mit reinen Fakten, gut aufbereitet. Oder braucht es dafür wirklich eine Reimschleuder, eine Parole, die sich um nichts von FPÖ-Parolen unterscheidet?

Am Tag zuvor, am ersten Tag des Kongresses, sprach noch Elisabeth Wehling, eine deutsche Linguistin und im Führungsstab des Wahlkampfteams von Barack Obama, davon, was man bei der politischen Sprache vor allem darauf achten soll, positive Frames zu besetzen. Genau das ist mit dieser SPÖ OÖ-Kampagne leider nicht der Fall.

Bei all dem Reformprozess, den sich die oberösterreichischen Sozialdemokraten gerade unterziehen, würde ich einfach mal vorschlagen, sich mal einen neuen Kampagnenstil zu überlegen. Ansonsten ist es leider wirklich so, dass sich der Stil der FPÖ in allen Parteien schön langsam durchsetzt. Wieder einmal. Kaum vorzustellen, wie es wäre, wenn die Parteien mal wieder mit Tatsachen, mit Fakten punkten könnten, als mit medienwirksamen Parolen.

Der Politik würde es definitiv nicht schaden.

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4 Kommentare »

  • Mich ärgert das immer wenn sich da die Parteien oder Landesparteien solcher Phrasen bedienen obwohl sie selbst in der Bundesregierung sind und ja eh am Hebel sitzen um derartige Forderungen in die Realität umzusetzen.

    Stattdessen tun sie nichts und verteilen so blöde Zettel und würgen auch alle Vorstöße der Oppositionsparteien in diese Richtung ab. Ich weiß gar nicht wie oft allein die Vermögenssteuer schon gefordert und mit immer wieder neuen Modellen eingebracht wurde.

    Wenn die Armen immer ärmer werden und die Reichen immer reicher is eigentlich glasklar, dass der Staat Gelder von reich zu arm um„fair“teilen muss – und Steuern sind zum Steuern da.

  • Die SPÖ lebt noch immer in der alten Klassenkampf Idee des 20 Jhdt. Was bedeutet denn bitte reich? Reich an Bildung, Kultur, Grund und Boden oder einfach nur Knete?. Ich als Bauernsohn bin auch “reich” an Grund und Boden, trotzdem kann ich nicht behaupten das meine Familie in der oberen Mittelschicht lebt. Gehen wir mal davon aus das mit den “Reichen” diejenigen gemeint sind,die einen 6-stelligen Betrag auf ihren Konto haben. Kurz um eine Minderheit. FPÖ = Ausländerfeindlich, SPÖ = Reichenfeindlich. Den österr. “Reichen” haben wir die Wirtschaftskrise nicht zu verdanken, sondern einem System das auf Gewinn und Gier basiert. Daran muss sich etwas ändern. Natürlich ist es einfach zu sagen: Die Reichen haben einen fetten Kuchen, die können ruhig etwas abgeben. Tun sie das nicht schon mit der progressiven Kapital- oder Lohnsteuer? Dasselbe gilt auch für Banken, fragen wir uns einmal kurz welches Geld denn auf der Bank liegt, das abgegeben werden soll? Unser Geld – Das Geld der Steuerzahler, die jährlich ein riesigen Apparat eines überblähten Wohlfahrtstaates zahlen müssen. Jeder von uns möchte einmal Reich sein und keine Geldprobleme mehr haben, aber wofür gehe ich dann noch arbeiten wenn für mehr Einsatz und mehr Verantwortung am Ende nicht viel übrig bleibt? Gerechtigkeit heißt nicht jedem das Gleiche, sondern jedem das Seine!

    lg

  • Dominik Leitner sagt:

    Hey Valentin! Vielen Dank für deinen Input!

    Natürlich vermutest du richtig, dass die SPÖ mit “den Reichen” die monetär Reichen meint. Aber nur, weil sie eine Minderheit sind (es sind verhältnismäßig nur wenige Menschen, jedoch ein verhältnismäßig großer Reichtum), ist es kaum sinnvoll, diese vollkommen aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Für Wohlhabende gibt es so viele unverständliche steuerbegünstigte Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen, wovon die sogenannte Mittelschicht nur träumen könnte. Meiner Meinung nach gehört hier eindeutig nachgebessert. Und die Diskussion, ob Banken und Spekulanten ebenso beschränkt werden müssen (um eine Krise wie aktuell in Zukunft zu verhindern) ist doch wohl obsolet. Natürlich müssen die genauer beobachtet werden.

    Eine “Vermögensbesteuerung”, würde sie nur jene mit 6stelligem Vermögen betreffen, würde die Mittelschicht vollkommen auslassen. Es würde sich also immer noch lohnen. Da sehe ich eher jetzt das Problem: man geht arbeiten, verdient, lebt. Und dann gibt es Bonizahlungen in Millionenhöhe an unfähige Manager. Das ist eher unverständlich, als die Angst, von einer Vermögenssteuer betroffen zu sein.

    Es gehört eine Diskussion her. Vom beständigen Schuldenabbau zu sprechen, und dabei ganz offen (wie es VP-Finanzminister Pröll und weitere Minister machen) über neue Massensteuern (oder das Erhöhen ebensolcher) zu sprechen (und gleichzeitig Vermögensbesteuerung ausschließt), ist eindeutig kontraproduktiv. Da fordert man einen “Klassenkampf” herauf. Und da kann man es der SPÖ nicht verübeln, mit solchen Parolen ihre Wählerklientel ansprechen zu wollen. Aber, wie gesagt: Es würde auch schöner gehen. Mit besseren Worten, ohne Reim, und mit einfachen Fakten.

  • [...] morgen aussehen soll. Nach der Auftaktveranstaltung wagte ich es, der SPÖ Oberösterreich “Phrasendrescherei” zu unterstellen. Hat sich seither irgendetwas daran geändert? Zeigte sich am Parteitag [...]

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