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Der freie Hochschulzugang, eine Sackgasse?
13. Mai 2012 – 16:23 | 6 Kommentare

Studiengebühren bringen weder den Weltfrieden noch ausfinanzierte Eliteunis für Österreich, auch wenn die Vehemenz mit der manche Verfechter sie fordern, den Eindruck hinterlässt dass ohne Studiengebühren bald nur noch brennende Ruinen dort verfallen werden, wo …

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So oasch ist Ottakring

geposted von am 18. Juni 2010 – 12:455 Kommentare

Wer eine Stadt verstehen will, muss ihre Bewohner verstehen. Dieser an sich simple Grundsatz funktionierender Regional-/Lokalpolitik scheint etwa der SPÖ gerade noch rechtzeitig eingefallen zu sein – die Opposition (zumindest in den umkämpften Bezirken) ist da schon weitaus länger dran.

Schauplatz Ottakring: Für viele ein relativ unproblematischer, teils sogar richtig angesagter und insgesamt sehr lebenswerter und leistbarer Bezirk. Doch unter der Oberfläche brodelt es, denn im 16. Wiener Gemeindebezirk lassen sich einige Probleme der Stadt(regierung) wie im Brennglas beobachten.

Stichwort „Ausländer“: Der beliebte Brunnenmarkt, speziell die hippe Gegend mit boomenden Szenelokalen rund um den Yppenplatz, ist nur eine Seite der Medaille. Türkische Parallegesellschaften, Jugendliche ohne Ausbildungs- und Aufstieggschancen gibt es ebenfalls, teilweise sind die Ursachen für die Missstände seit langem bekannt – und strukturell bedingt. Mangelhafte Parkplätze insbesondere in Gürtelnähe und ein erhöhter Lärmpegel tun das ihre, Konflikte sind vorprogrammiert.

Stichwort „Geschäftesterben“: den malerischen Ortskern verschandeln nicht wenige brachliegende Gebäude und Flächen, für die es sowohl Bedarf als auch Nutzungskonzepte geben würde. Auch der wunderbare Platz vor der 10er-Marie könnte von der kaum genutzten Bim-Schleife befreit, mit der Freilegung des unter die Erde verbannten Ottakringer Bachs ökologisch aufgewertet und mit einem wöchtenlichen Gemüsemarkt clever belebt werden. Ein Konzept, das auch das Lokalsterben entlang der Ottakringer Straße bremsen kann – wenn es z.B. mit Starthilfen für Unternehmer gekoppelt wird.

Stichwort „Verkehr“: Die Nacht-U-Bahn am Wochenende wird nach jahrelangem Lobbying vor allem seitens der JVP und einer aufgrund der Fragestellung denkbar knappen, letztendlich positiven Volksbefragung zu diesem Punkt nun doch noch eingeführt – die Parkplatzsituation wird das aber nicht entschärfen. Wo in Wien Parkgaragen gebaut werden, scheint sich nicht immer am Bedarf zu orientieren. Paradestandorte wie der Yppenplatz oder andere bestens geeignete Areale im 16. werden konsequent ignoriert, obwohl der Frust über das tägliche Kreisen frustrieren und wertvoller Lebensraum verloren geht.

Stichwort „Kulturförderung“: Abgesehen vom Hot Spot Brunnenmarkt, wo – großteils durch engangierte (und teilweise selbstausbeuterische) private Initiativen und Festivals wie SoHo Ottakring viel passiert ist, existiert in Ottakring keine besonders ausgeprägte Künstler- und Lokalszene. Dabei wären etwa mit den Gürtelbögen bei der U3-Station Ottakring perfekte Voraussetzungen für eine Fussgängerzone mit Ateliers, Künstlerwohnungen für „Artists in Residence“ und kreative Lokale gegeben.

Stichwort „Grünraum“: Wien ist eine grüne Stadt, verdankt dies aber hauptsächlich den großen Parks. Neue Grünflächen und Erholungsmöglichkeiten in der (inneren) Stadt entstehen nur schleppend und spärlich, daran ändern auch – durchaus begrüßenswerte, aber weitgehend kosmetische – Aktionen wie die Gratis-Efeu-Verteilung wenig. Neue oder frisch sanierte Plätze – Kärnterstraße, Europaplatz, Museumsquartier, Ottakringer Platzl und viele mehr zeichnen sich eher durch eine zwar urbane, aber viel zu wenig grüne Gestaltung aus. Dabei könnten brachliegende Flächen, ungenutzte (umzäunte) Parkplätze oder zu sanierende Plätze einfach und kostengünstig als Naherholungsraum „aufgeforstet“ werden. Nicht zuletzt deshalb ist die (studiengemäß) lebenswerteste aller Städte im Umwelt-Ranking deutlich abgerutscht.

Auf den Zahn gefühlt hat dem Bezirk die lokale ÖVP-Opposition. Sie hat sich die Mühe gemacht, bei den Ottakringern nachzufragen – und zum Ideenwettwerb aufgerufen – ohne ideologische Scheuklappen und vorgegebene Fragen. Die Beteiligung übertraf nicht nur die Erwartungen, sondern geriet auch inhaltlich zum vollen Erfolg: Wenig Gesudere, viele konkrete Verbesserungsvorschläge, teilweise detailliert ausgearbeitet, fast immer ausgehend von interessanten Ansätzen. An den nachfolgenden Beispielen zeigt sich, wie auf Bezirksebene die Stadt insgesamt aufgewertet und verbessert werden kann, anstatt sich auf von Managern verliehenen Meriten auszuruhen, die den Menschen weder mehr Grünraum, noch einen Parkplatz oder lebendige Geschäftsstraßen bringt.

Ein bunter Bio-Bauernmarkt könnte für Vitalität am leeren, nur von der Bim genutzten Ortsplatz von Alt-Ottakring sorgen. Grafik (C) Halbritter & Kratschmar

Ein bunter Bio-Bauernmarkt könnte für Vitalität am leeren, nur von der Bim genutzten Ortsplatz von Alt-Ottakring sorgen. Grafik (C) Halbritter & Kratschmar

Ein künstlicher Weinberg als Natur- und Kulturraum mitten in der Stadt, westlich der Sandleitnengasse. Grafik (C) Halbritter & Kratschmar.

Ein künstlicher Weinberg als Natur- und Kulturraum mitten in der Stadt, westlich der Sandleitnengasse. Grafik (C) Halbritter & Kratschmar.

Derzeit sind die historisch einzigartigen S-Bahn-Bögen nicht zugänglich - ein vitales Grätzel mit Kultur&Cafes könnte entstehen! Grafik (C) Halbritter & Kratschmar

Derzeit sind die historisch einzigartigen S-Bahn-Bögen nicht zugänglich - ein vitales Grätzel mit Kultur&Cafes könnte entstehen! Grafik (C) Halbritter & Kratschmar

Mehr Grünraum für mehr Lebensqualität - auch mitten im Bezirk! Hier könnte ein neuer Durchgang zwischen Thalia- und Ottakringerstraße geschaffen werden. Grafik (C) Megatabs.architekten

Mehr Grünraum für mehr Lebensqualität - auch mitten im Bezirk! Hier könnte ein neuer Durchgang zwischen Thalia- und Ottakringerstraße geschaffen werden. Grafik (C) Megatabs.architekten

Vieldiskutierte Beiträge

5 Kommentare »

  • Dan sagt:

    Ich hab nicht gewusst, dass Neuwal seit neuestem eine Werbeplattform der ÖVP ist.

    Die haargenau gleichen Grafiken habe ich vor einiger Zeit in einem Werbekalender der ÖVP gesehen. Die Vorschläge sind leider mit der Zeit nicht besser geworden. Eine Verbesserung der Lebensqualität könnte man erreichen, indem man Ottakring radfahrer- und fußgängerfreundlicher gestaltet, indem man versucht, den Individualverkehr zu verringern und großzügige, sichere Radwege (die nicht nur aus ein paar grünen Taferln bestehen) zu errichten.
    Die Nacht-U-Bahn am Wochenende bewirkt, dass Ottakring in puncto Öffis in der Nacht schlechter als bisher versorgt wird, falls dadurch der N46 eingestellt oder verkürzt wird, denn die U3 hat ja bekanntlich nur zwei Stationen in Ottakring.

  • Stefan Egger sagt:

    @Dan: Vielen Dank fuer deinen Kommentar – neuwal ist keine Werbeplattform fuer irgendjemand, auch wenn wir Angebote haetten.

    Die Grafiken – wie ja wohl deutlich am letzten Absatz zu erkennen ist – sind tatsaechlich von der OEVP Ottakring, das macht sie nicht gleich schlecht oder uninteressant. Habe ja klar darauf hingewiesen, dass es sich hierbei um oppositionelle Ideen handelt!

    Was die Nacht-U-Bahn betrifft, halte ich leider fast alle Gegenargumente fuer reine Polemik. Wien rueckt damit einer echten Grossstadt wieder ein Stueck naeher, dieses Projekt wird zahllosen Menschen erhoehten Komfort, kuerzere Intervalle und einen echten Mehrwert bringen. Die Nachtbusse werden auch nicht abgeschafft, sondern lediglich entlang der bestehenden U-Bahn-Strecken nicht mehr gefuehrt, was wohl logisch nachvollziehbar ist.

    Faktum ist: die SPOE Ottakring ist nicht so aktiv und um den Buerger bemueht, wie sie es sein koennte. Das laesst sich an regionalen Themen oft einfacher zeigen als “allgemein” auf die ganze Stadt bezogen.

  • Dieter Zirnig sagt:

    Danke für deinen Kommentar, das sind gute Inputs. Inputs, die wir durch diesen Beitrag nicht bekommen hätten. Radfahren in Wien steht auf meiner großen Wunschliste für Wien ganz oben. Ein Beitrag dazu formiert sich seit Wochen in meinem Kopf. Dafür gibts einige Ideen und Vorschläge – bin gespannt, was Du dazu sagst!

  • Dan sagt:

    @Stefan Egger:
    Gegen die Grafiken hab ich nichts.

    Was die Nacht-U-Bahn betrifft: Ich hab bisher noch nirgendwo gesehen, dass irgendwer die angeblichen Vorteile der Nacht-U-Bahn mit halbwegs guten Argumenten untermauert hat. Ich bin kein Gegner der Nacht-U-Bahn, ich bin bloss ein Gegner des unüberlegten Nachplapperns irgendeiner Parteilinie (was bei allen Parteien in einem gewissen Ausmaß passiert). Und ehrlich gesagt hat mir noch niemand schlüssig erklären können warum es besser ist, die Nacht-U-Bahn einzuführen anstatt die Intervalle der Nachtbuslinien zu halbieren. Aber stattdessen wird halt immer damit argumentiert “Wien wird dadurch zur Großstadt”.

    Zu den Vorschlägen: Wenn’s nach der ÖVP ginge könnte man Wien in einen einzigen großen Parkplatz verwandeln. Besonders toll finde ich auch die Idee einen künstlichen Weinberg zu errichten–es ist ja augenscheinlich nicht so, dass es ein, zwei Kilometer weiter ein paar natürliche Weinberge gibt, die man um wenig Geld auch zugänglich machen könnte. Ich persönlich würde es begrüßen, wenn man das Geld, das die ÖVP in relativ teuren Projekten versenken möchte, für günstigere, flächendeckende Maßnahmen verwenden könnte: heruntergekommene Geschäftsstraßen vom Individualverkehr befreien (nur Öffis und Radler), Migrantenviertel aufwerten etc. Ein paar der obigen Vorschläge gehen eh ein wenig in diese Richtung.

  • Stefan Egger sagt:

    @Dan: Danke fuer deinen neuerlichen Input!

    Ich darf zuerst auf den zweiten Teil eingehen – ich stelle mich gar nicht zu 100% hinter die Forderungen der OEVP, finde aber einige Punkte und Ansaetze gut:

    1. Man hat die Bevoelkerung OFFEN befragt nach Ideen fuer den Bezirk,
    daher sind auch einige “kuenstlerische” Ideen wie der Weinberg dabei. Das wird niemand ernsthaft fordern… ist aber eine von vielen bunten Anregungen und sorgt fuer Diskussionen zum Thema “Beton versus Gruenraum”, das dir ja auch wichtig ist.

    2. Die heruntergekommenen Geschefte, brachliegenden Flaechen und haesslichen Parkplaetze sind – zumindest in Ottakring – der OEVP ein Dorn im Auge, der SPOE scheinbar weniger. Daher der gezielte Ansatz zur Schaffung von Durchgaengen zwischen Thalia- und Ottakringerstr., Neunutzung von leerstehneden Brachflaechen (Sitzmoeglichkeiten, Spielplaetze, Gruenraum). Auch die Wiederbelebung der Schnellbahnboegen (mit Schaffung einer erweiterten Fussgaengerzone) oder die Neubelebung des Ottakringer Platzes (inkl. Verlegung der Bim) koennte dir ansatzweise gefallen…

    3. Das Thema Radfahranlagen fehlt mir persoenlich auch komplett – bin hier ein Extremnutzer, taeglich und ueberall hin per Rad unterwegs. Da gibt es noch SEHR viel zu tun. Einiges positives moechte ich noch hervorheben: Am Ring wurde extrem viel verbessert (fast durchgehend beidseitig befahrbar), auch der Lueckenschluss Gumpendorfer Str. – Wienzeile ist unlaengst erfolgt. Viel im Argen nach wie vor am Guertel und bei den Querverbindungen – aus der Stadt raus geht’s meistens sehr gut mit dem Rad. Hier folgt wie gesagt ein Artikel von Dieter!

    So, und nun noch kurz zur Nacht U-Bahn. Die Stadt Wien hat sich nicht bemueht, auch nur irgend einen Vorteil aufzuzeigen – weil sie das Projekt nicht wollte (und auch nur will, weil ueber 50% dummerweise JA gesagt haben).

    Aus meiner (sehr persoenlichen) Sicht:
    1. In anderen (z.B. deutschen) Staedten erlebt und fuer toll befunden
    2. Orientierung per U-Bahn ist wesentlich einfacher als bei Nachtbussen
    3. 15min-Intervalle werden auch wirklich eingehalten (kann dir gar nicht sagen, wie viele Nachtbusse in meinem Leben schon NICHT gekommen sind)
    4. Warteraeume sind wesentlich angenehmer, speziell bei Schlechtwetter und im Winter
    5. Abstimmung der Intervalle ist bei der U-Bahn moeglich, bei Bussen kaum (Verkehr) – funktioniert daher derzeit auch nicht. Dauernd fahren Anschlussbusse vor der Nase weg!
    6. Je mehr die – sauteure – U-Bahn-Infrastruktur genutzt wird, desto eher rentiert sie sich
    7. Wenn die Nachtbusse schlau umgeplant werden, fallen nur die zur U-Bahn parallelen weg, Verlaengerungen ueber die Endstation hinaus/abseits der U-Bahn-Strecken bleiben erhalten. Daran arbeiten die Wiener Linien seit Monaten, sieht also doch nach guter Vorbereitung aus.
    8. Mehr Sicherheit: U-Bahnen sind hell, einfach zu ueberwachen (es sollen nur neue Garnituren eingsetzt werden) und sicher. Fuer Nachtbusse gilt das ueberwiegend auch, hab aber hier schon andere Szenen erlebt…

    Alles zusammen sollte das Passagieraufkommen verbessern, das Serviceangebot erhoehen und letztendlich auch nicht viel mehr kosten, als die Nachtbusse zu verdoppeln oder verdreifachen, um dieselben Intervalle zu erreichen… was meinst du?

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