von
   

Die Wahlallianz „Wien ANDAS“ (steht für „Wien ANDERS“) für die Wiener Wahl 2015 wurde am 19. Feb. 2015 vorgestellt. KPÖ, Piratenpartei, Echt Grün, Junge Pirat*Innen, Junge Linke sowie Unabhängige sind mit dabei und möchten einerseits die notwendigen Unterstützungserkärungen für eine Kandidatur aufbringen und letztlich bei der Wahl erfolgreich in den Gemeinderat einziehen. Der Antritt ist in allen Bezirken geplant. Ähnlich der Wahlallianz „Europa ANDERS“ bei der EU-Wahl 2014 geht man von einem breiten Wahlbündnis aus. Lediglich „Der Wandel“ ist diesmal nicht dabei, da sie auf bundes- oder europaweite Wahlen und Kandidaturen fokussiert.

Vorbilder sind die Bewegungen Syriza in Griechenland und Podemos in Spanien, bei denen auch jeweilige VertreterInnen auf der Liste kandidieren werden. Sich selbst bezeichnen „Wien ANDAS“ als „die 99 %, die sich nicht mehr von Politikern regieren lassen wollen, die in ihrer eigenen Welt leben.“ Bedingungsloses Grundentgelt, leistbares Wohnen, gratis Öffis waren die angesprochenen Wahlthemen. Der/Die SpitzenkandidatIn wird am 21. März 2015 bei der Gründungsversammlung gewählt.

Mit dabei waren rund zehn MedienvertreterInnen. Dieter Zirnig von neuwal war dabei und hat mit jedem der teilnehmenden Parteien und Organisationen gesprochen und sie nach ihrer Motivation und den Wahlzielen gefragt.

Pressekonferenz (Audiomitschnitt vom 19. Feb. 2015)

„Wien ANDAS“ und ihre Verbindung zu Syriza und Podemos
„Wien ANDAS“ zu Unterstützungserklärungen und dem Wahltermin
Sebastian Reinfeldt (Unabhängiger)
Ich bin promovierter Politikwissenschaftler und habe speziell zum Bereich Rechtspopulismus publiziert. Ich bin bei meinen Studien an einem Punkt angekommen, wo ich denke, dass das Phänomen ausgeforscht ist. Es ist eigentlich wirklich schon alles gesagt und es kommt jetzt darauf an, auf der politischen Ebene dem entgegenzutreten. Das war meine Motivation, warum ich zu Europa ANDERS gekommen bin. Und das ist meine starke Motivation bei WIEN anders.

Ich möchte in die Bezirke gehen, in denen es weh tut: 10, 11., 21., 22., 23. Also nicht in die Bobo-Bezirke, wo es für uns ehrlich gesagt relativ leicht ist. Dort reingehen und dort den Leuten entgegentreten und sagen: „Die wahre Frage ist die soziale Frage“ und dort unsere Angebote präsentieren.

Juliana Okropiridse (Junge Pirat*Innen)
Das Wahlziel sind ganz klar über 5 Prozent natürlich.

Meine Motivation ist zum einen an einem – meiner Ansicht nach – wahnsinnig spannenden Projekt wie „Wien ANDAS“ mitzumachen, weil es eine breite Plattform ist, die aus mehreren Parteien besteht. Aus Gruppierungen aus der Bevölkerung, aus Jugendorganisationen. Und wir versuchen möglichst vielen Menschen eine Chance zu geben, ihre Meinung kundzutun, sich einzubringen und mitzuwirken. Ich finde es sehr, sehr demokratisch und eine richtige Herangehensweise, weil Wien eine sehr diverse Stadt ist. Und meiner Meinung nach nicht alle Interessen von verschiedenen Bevölkerungsgruppen vertreten werden. Und das ist ein wichtiger Faktor, der überhaupt nicht abgedeckt wird von anderen Gruppierungen oder Parteien, die sich zur Wahl stellen.

Gerhard Hager (Piratenpartei)
Die Wahlmotivation ist eindeutig das Gefühl, das sich in der Politik etwas ändern muss. Dass es nicht nur nach der Finanzwirtschaft gehen darf, sondern, dass die Menschen im Mittelpunkt der Politik sein müssen. Ich bin jetzt in einem Alter, wo ich der Gesellschaft etwas zurückgeben kann. Mir persönlich geht es eigentlich ganz gut. Und ich möchte mir nicht einmal von meinen Enkelkinder vorhalten lassen: „Warum hast du damals nichts gemacht?“.

Mein Wahlziel ist eindeutig der Einzug in den Gemeinderat, um jene politische Relevanz zu erlangen, die notwendig ist, um die Veränderung – die jeder eigentlich haben will – durchzuführen.

Ulli Fuchs (Unabhängig)
Ich gehöre keiner Partei an, ich bin parteilos. Und ich halte auch nicht besonders viel von Parteien. Ich finde es absolut sensationell, dass man als parteiloser Mensch mitmachen, sich einbringen und auch gewählt werden kann. Also nicht nur selber zu wählen, sondern auch gewählt werden zu können. Das finde ich eine wichtige Motivation. Mir hat es einen irrsinnigen Auftrieb gegeben, dass ich bei Europa ANDERS als zweite Spitzenkandidatin – nach Martin Ehrenhauser – vom Gründungskonvent gewählt worden bin. Mehr als 400 Leute waren dabei anwesend und das war für mich eine große Ehre und Bestätigung. Mir macht Politik-machen wirklich Spaß.

Die Ziele sind: Einen lustigen, fröhlichen, frechen, erfolgreichen Wahlkampf zu führen, in dem sich viele Leute noch wiederfinden und einbringen können. Eben nicht zu sagen: „Wir machen das für euch; wir versprechen euch jetzt das und das, was wir alles für euch machen“ – klassisch Paternalistische. Sondern, im Gegenteil: Wir machen es mit den Leuten miteinander, laden die Leute ein; ihre Idee, ihre Anliegen, was für sie ein schönes, liebenswertes und leiwandes Wien ist, gemeinsam anzugehen.

Manfred Rakousky (Echt Grün)
Die Motivation ist prinzipiell die Stadt positiv zu verändern, neue Wege zu gehen. Und aus dem, was in Europa insgesamt passiert zu lernen. Es gibt nicht mehr das „Alleine werden wir einsam“ – es gibt ein „gemeinsam“. Das lernt man aus Podemos, das lernt man aus Syriza und das lernt man auch innerhalb den Gretzeln innerhalb den Bezirken. Und wenn man sich die Mandate und die Verteilung bei der letzten Bezirksvertretungswahl ein wenig anschaut, dann sieht man: Hier sind hunderte Stimmen und da sind hunderte Stimmen. Zusammen hätten wir längst einzelne Klubs, könnten uns dort vertreten. In den einzelnen Bezirken könnten wir Anträge stellen und könnten Kontrolle ausüben. So ist das nicht passiert, weil jeder knapp an einem Mandat vorübergeschrammt ist.

Wahlziele sind konkret sich als Klubs in die einzelnen Bezirke einzubringen – nicht nur ein Mandat, sondern zwei Mandate um einen Klub gründen zu können um in Ausschüsse und Kommissionen zu sitzen. Und gemeinsam in einem sehr demokratischen Prozess in den Gretzeln versuchen, die Leute mit einzubeziehen und in einer Art basisdemokratischen Modelle die einzelnen Quartiere miteinander zu verändern. Nicht, so wie es bei der Mariahilfer Straße war „über die Leute hinaus“, sondern direkt in einen langfristigen Kommunikations- und Organisationsprozess Entscheidungsprozesse herbeizuführen.

Didi Zach (KPÖ)
Die SPÖ-Grüne-Stadtregierung, ihre Erfolge sind minimalst. Und es gibt eine Unmenge politischer Gründe, warum es ein Korrektiv von Links braucht. Wir – die parteilichen Gruppierungen – sind uns einig, dass wir viele programmatische Übereinstimmungen haben. Wir sind uns einig, dass unser Grundverständnis von dem, wie ein anderes Wien aussehen sollte, sehr ähnlich ist.

Bei den Wahlzielen stimme ich voll und ganz mit Gerhard Hager und den anderen überein: Es ist möglich, dass wir den Einzug in den Gemeinderat schaffen. Von vier auf fünf Prozent ist es kein großer Weg.

The following two tabs change content below.
Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place. Seit April 2018 bei der Rechercheplattform addendum.org.