Ja, eine Steuerreform ist richtig. Denn in Österreich ist der Faktor Arbeit viel zu hoch besteuert, der Faktor Kapital hingegen ganz und gar nicht. Nicht richtig ist es aber, Steuern per se zu verteufeln. So teilte uns unter anderem Herr Strolz im diesjährigen Sommergespräch mit, dass wir bis 12. August nur für den Staat arbeiten. Da ist nämlich der Tax Freedom Day. Dabei tut er so, als ob wir mit dem Staat nichts zu tun haben und der uns alles nur wegnehmen will. Dieser Kommentar soll daran erinnern, dass uns der Staat mittels Steuern auch wichtige Leistungen bietet und man bis zum Tag X nicht nur für andere arbeitet.

Ein Kommentar von Wolfgang Marks

Ja zur Bildung für alle!

Keine Frage, im Bildungssektor liegt vieles im Argen und es muss eine grundlegende Bildungsreform her, um unseren Kindern weiterhin eine bestmögliche Bildung zu gewährleisten. Dennoch bin ich froh, dass in Österreich alle Kinder ein Recht auf Bildung haben und der Staat dafür Sorge zu tragen hat, dass diese auch allen zukommt. Dies muss aus meiner Sicht auch auf den Universitäten der Fall bleiben. Bildung soll und darf der Gesellschaft etwas kosten und soll nicht auf Einzelne abgewälzt werden. Sie ist gerade in einer Demokratie unerlässlich, denn hier braucht es kritische und wachsame Bürger.

Dafür bin ich gerne bereit, Steuern zu zahlen.

Ja zu einer guten Infrastruktur!

Vor wenigen Wochen war ich in Albanien auf Urlaub und das hat mir aufgezeigt, was eine gute Infrastruktur bedeutet. Dort kann es nämlich Stunden dauern, um einige Kilometer zu überwinden. Wir in Österreich hingegen haben ein hervorragendes Straßennetz, ein sehr gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz und auch sonst ist unsere Infrastruktur sehr gut. Natürlich kann und muss auch im öffentlichen Verkehr noch mehr passieren, aber trotz aller Kritik an ÖBB und Co muss man schon festhalten, dass wir hier sehr gut aufgestellt sind. Daran sollte man vor allem auch denken, wenn man sich das nächste Mal über eine Baustelle ärgert! Diese ausgezeichnete Infrastruktur kommt nicht nur jedem einzelnen von uns zu Gute, sondern auch der Wirtschaft.

Dafür bin ich gerne bereit, Steuern zu zahlen.

Ja zur Gesundheitsvorsorge!

Wir jammern immer, dass unsere Pensionen nicht mehr zu bezahlen sind, weil wir überaltern. Abgesehen davon, dass viele Faktoren die Finanzierbarkeit des Umlageverfahrens beeinflussen und die Unfinanzierbarkeit zum Teil ein Mythos ist, sollten wir uns freuen, dass wir immer älter werden. Und wir sollten uns freuen, dass wir nicht wie in den USA darum kämpfen müssen, dass jedem eine bestmögliche Gesundheitsversorgung zugestanden wird. Auch hier müssen wir aufpassen, dass wir nicht in eine Zweiklassenmedizin abrutschen, aber ansonsten können wir stolz auf unser Gesundheitssystem sein.

Dafür bin ich gerne bereit, Steuern zu zahlen.

Ja zu sozialer Verantwortung!

Soziale Einrichtungen sind in unserer Gesellschaft zum Glück unbestritten. Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, die Hilfe der Gemeinschaft brauchen, bekommen in Österreich in entsprechenden Einrichtungen Unterstützung. Wir alle könnten einmal in solch eine Situation geraten und dann sind wir froh, wenn wir aufgefangen werden. Was man allerdings im Sozialbereich kritisieren muss, ist die geringe Bezahlung der Angestellten. Seien es die Pflegekräfte, seien es BetreuerInnen in Obdachlosenheimen oder MitarbeiterInnen von Drogenberatungsstellen, sie alle verdienen für ihre wertvolle Arbeit viel zu wenig.

Dafür bin ich gerne bereit, Steuern zu zahlen.

Ja zu Forschung und Wissenschaft!

Die Forschung und Wissenschaft sind zentrale Elemente unserer Gesellschaft. Was ist beispielsweise in der Krebs-oder Aidsforschung in den letzten Jahren alles vorangegangen. Vielen Menschen kann aufgrund neuer Technologien, neuer Erkenntnisse das Leben gerettet werden oder zumindest erheblich erleichtert werden. Auch in vielen anderen Bereichen bringt die Forschung viele Vorteile und es lohnt sich, dort Steuergeld zu investieren. In der Wissenschaft ist es mir sehr wichtig zu betonen, dass gerade den Geisteswissenschaften oft zu wenig Beachtung geschenkt wird und dementsprechend geringe finanzielle Mittel fließen. Dennoch, auch die Wissenschaft wird von Steuergeldern gestützt und leistet wichtige Beiträge für unser gesellschaftliches Zusammenleben.

Dafür bin ich gerne bereit, Steuern zu zahlen.

Ja zur Europäischen Union!

Viele schimpfen auf die EU und beschweren sich darüber, dass wir soviel dafür zahlen müssen. Es stimmt schon, dass es einiges an der EU zu kritisieren gibt, vor allem was die Demokratie anbelangt, aber dennoch können wir froh sein, Teil dieses Friedensprojekts zu sein. Sehen wir uns in der Welt um. Aktuell gibt es wieder sehr viele Krisenherde, verschiedene Nationen bzw. religiöse Gruppierungen gehen aus unterschiedlichen Gründen aufeinander los. Die EU versucht hier friedensstiftend zu agieren, man will keine Konflikte schüren. Auch wenn sich hier natürlich über die Art und Weise streiten lässt. Abgesehen davon belegen alle Studien, dass gerade Österreich wirtschaftlich enorm von der EU profitiert hat und sie hat ehemals verfeindete Staaten wie Deutschland und Frankreich zusammengeführt.

Dafür bin ich gerne bereit, Steuern zu zahlen.

Ja zur Umverteilung!

Steuern sollen aber auch dazu dienen, die Vermögensunterschiede nicht zu groß werden zu lassen. Dies geschieht unter anderem durch progressive Steuersätze. Weil in Österreich aber der Faktor Arbeit sehr hoch besteuert wird, der Faktor Kapital allerdings sehr gering, kommt es zu einer Schieflage. Wer viel Geld hat, wird alleine durch die Zinsen reicher. Eine mögliche Teilantwort, um diese soziale Ungleichheit, die enorme Gefahren in sich birgt, anzugehen, wären vermögensbezogene Steuern. Während die Vermögenssteuer an sich eher symbolischen Charakter hätte, wäre eine progressive Schenkungs- und Erbschaftssteuer durchaus sinnvoll. Das Argument, dass hier jemand ohne eigenes Zutun zu einem beträchtlichen Vermögen kommt und deshalb eine Steuer darauf zahlen soll, erscheint mir nur logisch und richtig. Das ist kein Enteignen von Reichen, sondern eine sinnvolle und faire Maßnahme zur Erhaltung des sozialen Friedens.

Dafür würde ich auch gerne Steuern zahlen.

Es gäbe noch eine Vielzahl an anderen Bereichen, die hier zu nennen wären. Aber es wird schon deutlich: Kritik am Steuersystem ist wichtig und richtig, aber es soll damit nicht der Eindruck erweckt werden, dass wir mit den Steuern nur den durchaus zu aufgeblähten Staatsapparat bezahlen. Nein, wir erhalten damit auch wichtige gesellschaftliche Werte. Die wesentlichen Problemlagen unserer Wirtschaft und Gesellschaft liegen woanders.