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Transkript zum Interview mit Andreas Mölzer (FPÖ) und Armin Wolf in der ZIB2 vom 25. März 2014.

Interview
Dienstag, 25. März 2014, 22:10 Uhr
ORF2
Transkriptstatus: 26.03.2014, 02:30
Quelle: http://tvthek.orf.at/program/ZIB-2/

Die Idee hinter dem Transkript ist, ein gesprochenes TV-Interview auch in einem zusätzlichen Kanal – und zwar in Textform – zur Verfügung zu stellen. Oft ergeben sich beim Lesen andere und klarere Zusammenhänge. Strukturen werden erkannt und eigentliche Botschaften, Textbausteine werden noch klarer und können weiter recherchiert werden. Wir möchten Politik, politische Ideen und Veränderung und den Weg in ein neues, offenes und mitgestaltbares politisches Zeitalter unterstützen. Und dem Gesagten mit dem Transkript einen anderen Zugang sowie eine möglichst breite Reflektion bieten.

Statistik

Interviewdauer 571 Sekunden (09:31)
Armin Wolf Andreas Mölzer Gesamt
Wörter 647 36 % 1.164 64 % 1.811
Zeichen 3.547 38 % 5.883 62 % 9.430
Zeichen inkl. Leerzeichen 4.159 37 % 7.031 63 % 11.172
38 % 62 %
» Überblick über alle Wortverhältnisse der neuwal-Transkripte

Armin Wolf: Herr Mölzer, das seltsame an Ihrer Entschuldigung heute ist, wie offensichtlich Aie nicht Ernst gemeint ist. Sie sagen heute, ich zitiere Ihre Wortwahl, war: „Verfehlt und so nicht beabsichtigt“. Auf dem Tonband ist aber deutlich zu hören, wie Sie zu Ihrem unsäglichen „Negerkonglomerats“-Vergleich sagen: „Das sage ich jetzt bewusst, brutal politisch nicht korrekt“. Es war also bewusst gesagt, aber nicht beabsichtigt. Beleidigt das nicht Ihre eigene Intelligenz?

Andreas Mölzer: Schauen Sie, das war eine Diskussion, die vor sechs Wochen stattgefunden hat. Ich habe seit dem eine Fülle von Debatten, Diskussionen, Vorträgen und ähnliches gehabt. Und ich habe in der Tat, nach dem das ja weder eine Sache war, wo man ein Manuskript gehabt hat, noch sonst etwas, nicht mehr in Erinnerung gehabt, was da genau gesagt wurde. In der Hitze des Gefechts, in einer emotionalen Debatte, die auch dann ins skurrile und ins ironische abgeglitten ist. Und wo also Dinge dann gesagt wurden, wie ich mich auf Grund des Tonbandmitschnittes – das gibt es jetzt immer wieder. Man kann also nichts mehr sagen, ohne dass es irgendwo mitgeschnitten wird, überzeugen konnte.

War eine öffentliche Veranstaltung…

Darf ich ausreden. Ja, ja, das ist nicht unrichtig. Aber, ich habe mich auf Grund dieses Mitschnittes überzeugt, dass ich da Formulierungen gewählt habe, konkret also diese eine, die einfach auch mir absolut unpassend erscheint. Und ich stehe nicht an, mich dafür zu entschuldigen.

Aber warum sagen Sie, es war nicht beabsichtigt, wenn Sie damals sagen, Sie sagen das ganz bewusst?

Dass kann sich aber auch auf das Chaos und auf das beziehen. Bitt’schön, dass weiß ich jetzt nicht. Schauen Sie…

Aber Herr Mölzer.

Noch einmal: Entweder Sie machen jetzt ein Tribunal oder Sie wollen von mir eine Erklärung, wie ich es sehe. Und ich sehe es so. Ich habe es wieder gehört gestern, oder wann es am Abend im Abendjournal war im Radio, das erste Mal. Ja, hoppla, das ist also wirklich eine unpassende Formulierung, die ich mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückziehe. Das können Sie akzeptieren oder auch nicht. Ich tu’s auf jeden Fall.

OK. Ich möchte es aber gerne ein bisserl hinterfragen.

Ja, das dürfen Sie.

Weil, bevor das Tonband aufgetaucht ist, gestern Abend, haben Sie gesagt, Sie haben nie Neger gesagt. Sie hätten „Nekrophil“ gesagt.

Ja, das war natürlich so.

Jetzt sagt heute Herr Strache, er hat Ihnen das geglaubt, weil das sei durchaus glaubhaft gewesen. Weil Sie würden das Wort Nekrophilie häufig verwenden. Jetzt kenne ich Sie schon länger und kann mich nicht daran erinnern. Jetzt habe ich heute alle Ihre Presseaussendungen und das gesamte elektronische Zeitungsarchiv der letzten 20 Jahre durchgesucht…

…und meine 18 Bücher…

…nach Mölzer und Nekrophilie. Und es gibt – zwei Bücher von Ihnen – und es gibt keinen einzigen Beleg dafür, dass Sie das Wort Nekrophilie je öffentlich verwendet hätten.

Das ist also…

Also häufig, Herr Mölzer.

Das ist ein Unsinn. Das ist ein Unsinn. Das ist ein Bild, das ich öfter verwendet habe. Auch in Debatten und und und. Das man sagt, dass ist eine nekrophile Gesellschaft mit Todessehnsucht, die selber keine Kinder hat, überaltert ist, und und und. Aber, das ist ja nicht die Frage. Die Frage ist ja die: Wenn ich da konfrontiert werde, nach sechs Wochen mit einem Diskussionsbeitrag. Was habe ich damals gesagt. Da denkt man, ja hoppla, kann das so sein? Und deswegen bin ich auf das gekommen. Das ist ja völlig klar.

Jetzt wundere ich mich ja, dass Sie das für so unmöglich gehalten haben, dass Sie Neger gesagt hätten. Heute haben Sie gesagt, die Wortwahl sei nicht akzeptabel. Aber in Wahrheit haben Sie doch gar nichts gegen das Wort Neger.

Das ist schon richtig.

In ihrer Zeitschrift „Zur Zeit“ steht das ständig. Sie wurden sogar vom Presserat einmal verurteilt, weil es in einem einzigen Artikel viermal gestanden ist.

Es geht aber nicht um das Wort Neger. Es geht um „Negerkonglomerat“ in diesem Kontext. Und das erscheint mir unmöglich. Das Wort Neger als solches ist ein normales deutsches Wort, dass noch weder eine Wertung noch sonst etwas beinhaltet. Das kann man verwenden genauso wie Zigeuner oder ähnliches. Natürlich, nach den Geboten der Political Correctness, die Sie so offensiv vertreten, ist das verabscheuenswürdig. Da kann man auch anderer Meinung sein. Das ist in einem freien Land möglich.

[…]

Moment. Na, ich finde, im Kontext. Im gesamten Kontext ist das meines Erachtens unpassend. Und auch wenn es Ihnen nicht passt, ich ziehe das mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Mehr kann ich in dem Fall nicht tun.

Aber schreiben tun Sie es weiter.

Das schreibe nicht ich bitte, sondern, dass sind Redakteure, die dort – Sie wissen, wie das ist – einen Freiraum haben und schreiben können, was Sie wollen.

Aber Sie sind Herausgeber der Zeitschrift.

Ich habe Ihnen noch einmal, das letzte Mal schon gesagt: Ich bin also der Herausgeber. Und nicht der Zensor.

Das Redakteure alles schreiben können, was sie wollen…

Beim ORF vielleicht nicht…

Bei uns würde keiner „Neger“ schreiben. Da haben Sie vielleicht Unrecht. Ein bisschen untergegangen ist in der Aufregung, dass Sie bei der gleichen Veranstaltung ja auch noch etwas anderes gesagt haben. Sie haben die EU mit der NS-Zeit verglichen. Und wörtlich haben Sie da gesagt: „Die EU sei eine Diktatur. Dagegen sei das Dritte Reich wahrscheinlich formlos und liberal gewesen, weil es sicher nicht so viele Regeln, Vorschriften, Gebote und Verbote gegeben hat“.

Ja, Herr Wolf. Herr Wolf.

Möchten Sie sich für diesen abstrusen Vergleich auch gleich entschuldigen?

Ich habe gestern zwei OTS-Aussendungen, die Sie wahrscheinlich studiert haben… Und ich habe auch gesagt, dass in diesem Bereich, in diesem thematischen Bereich, wenn das missverständlich war, und es war offenbar missverständlich, es natürlich von mir nicht bezweckt war. Ich habe nie gesagt, die EU ist eine Diktatur: Ich habe gesagt, die EU droht eine bürokratische Diktatur zu werden, wenn es so weitergeht. Und, eines muss ich schon sagen. Und dazu stehe ich auch. Die Tatsache, rein quantitativ, dass es in dieser EU, in der wir heute leben, immer mehr Verbote, Gebote und Vorschriften gibt und, dass das quantitativ mehr ist, als in diesen autoritären Regimen des vorigen Jahrhunderts, das ist eine Tatsache. Wobei ich in keiner Weise – und das habe ich auch wiederholt betont -, in keiner Weise den menschenverachtenden Charakter, den totalitären Charakter dieser autoritären Systeme bezweifeln will. Das betone ich noch einmal.

Aber…

Das betone ich noch einmal. Auch wenn Sie es mit Gewalt herauslesen wollen, kann ich nichts dagegen machen. Ich selber habe insbesondere das NS-Regime aber auch den Stalinismus in keiner Weise damit relativieren wollen.

Aber, man muss das gar nicht mit Gewalt heraus hören, weil Sie sagen das immer so deutlich.

Jaa….

Wollen Sie wirklich ernsthaft behaupten, dass die NS-Zeit, mit den Nürnberger Rassegesetzen, mit Parteienverboten, mit Zensuren, Arbeitsdiensten, Todesstrafen im Vergleich zur EU formlos und liberal gewesen ist?

Das will ich nicht sagen.

Haben Sie gesagt.

Herr Wolf, da bin ich ganz Ihrer Meinung. Ich präzisiere es jetzt, wenn Sie gestatten.

Sie haben es schon so oft gesagt. Sie haben ja das noch nicht zum ersten Mal gesagt.

Auch wenn es Ihnen nicht richtig ist. Ich präzisiere das jetzt. Ich präzisiere und sage, rein in quantitativer Hinsicht. In Hinsicht auf die Vielzahl der Verbote, ist es meines Erachtens bedenklich, dass sich die EU in so ein paternalistisches System entwickelt. Und diese Vielzahl hat es damals nicht einmal gegeben, dass sagt ja nichts über die Qualität aus. Und die Qualität ist genau die, die Sie schreiben: Menschenverachtend, und und und. Das ist überhaupt keine Frage. Und ich kann nichts dafür, ich relativiere es nicht. Ich stelle das genau so fest, dass ich das in keiner Weise mit der EU vergleichen will. Das müssen Sie so…

Was aber schon auffällt, ist. Da sagen Sie Dinge und entschuldigen sich dafür. Dann sagen Sie wieder was, dann relativieren, dann entschuldigen Sie sich dafür. Da erscheint in Ihrer Zeitung diese Karikatur mit der Anspielung auf die sogenannte Reichskristallnacht…

Das haben wir aber schon abgehandelt.

…mit den Burschenschafter. Da haben Sie sich dann auch entschuldigt. In Wahrheit…

Wäre es Ihnen lieber, wenn ich mich nicht entschuldige?

Sie müssen das gar nicht machen möglicherweise. Es geht jetzt nicht darum, was mir lieber wäre. Sondern, in Wahrheit haben Sie doch die größte Lust an der dauernden Provokation ganz am rechten Rand.

(lacht) Das mit dem rechten Rand ist eine andere Geschichte. Aber eines gebe ich schon zu, dass ich natürlich gerne ein provokanter Diskutant bin. Und, das ist auch ein Fehler – ich habe erst letztes Mal zu Ihnen gesagt -, meiner Sünden ist es auch, überspitzt und manchmal ironisch oder allzu ironisch. Das ist ein Fehler. Und in diesem Fall ist das auch zu einem Resultat gekommen, mit diesen Formulierungen, die ich selber jetzt im nachhinein sage, geh hoppla, so geht’s nicht. Das werden Sie halt akzeptieren müssen.

Ordentliche katholische Sünder versuchen sich auch zu bessern.

Na, na, die dürfen. Werden dann aber auch… Bekommen aber auch die Absolution, hat mir mein Freund Ewald Stadler mitgeteilt im nachhinein.

Dafür bin ich nicht zuständig von Amtswegen.

Ja, Gott sei Dank. Weil Sie wären Inquisitor und kein Rechtsvater.

In der morgigen Kronen Zeitung, fordert Sie jetzt selbst Michael Jeanneé, wirklich kein Front-Kämpfer der politischen Korrektheit, zum Rücktritt auf.

Ja.

Und zwar, er begründet es damit: Ihr Rassismus sei nun unwiderlegbar auf dem Tisch.

Ja, was soll ich jetzt sagen. Ich meine, soll ich jetzt. Schauen Sie, es ist so. Zum Beispiel, heute lese ich, der Herr Hans Peter Martin tritt nicht mehr an. Da sagt keiner, dass er deswegen nicht mehr antritt, weil er mutmaßlich 1,9 Millionen Euro schweren Betrug begangen hat. Bei mir sind es Formulierungen. Und da lasse ich mich jetzt von hohen staatlichen Instanzen, wie dem Herrn Jeanneé, da mit Rücktrittsforderungen bombardieren. Was soll ich dann darauf machen?

Sie könnten zurücktreten.

Ich könnte. Aber ich tu’s nicht.

Haben Sie über Rückzug nachgedacht in den letzten 24 Stunden?

Nein… In den letzten 24 Stunden speziell. Das Leben besteht immer aus Weichenstellungen, die man dann auch in andere Richtungen definieren kann. In diesem Falle muss ich Ihnen eines sagen, dass was ich da gesagt habe und dass wofür ich auch sage, das sind überzogene Formulierungen, die nehme ich zurück, werden mich sicher nicht dazu bewegen. Da gibt es ganz andere Fälle. Schauen Sie in die ÖVP-Delegation hinein. Von sechs Abgeordneten, die gekommen sind, sind drei straffällig.

Ich weiß, dass Sie…

Und da gibt es keine Aufregung.

Ich weiß, dass Sie… Selbstverständlich habe ich das Herrn Karas das auch gefragt. Herr Mölzer, ich möchte sagen…

Jaja.

Aber. Nur, damit ich es zusammenfasse. Also, Sie werden als Spitzenkandidat antreten?

Das ist so.

Das bleibt so. Aber Sie werden aber den Vergleich mit der NS-Zeit nicht mehr verwenden. Habe ich Sie da auch richtig verstanden?

Ja, da haben Sie mich richtig verstanden. Da werde ich mich davor hüten. Ich werde allerdings mir das eine nicht nehmen lassen, dass ich darauf verweise, dass diese EU in dramatischer Art und Weise überreglementiert ist. Und, dass das ein Problem ist für unsere Bürgerfreiheit und für die Menschen in diesem europäischen Kontext.

Herr Mölzer, vielen Dank für Ihren Besuch im Studio.

Bitte, gern geschehen.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place. Seit April 2018 bei der Rechercheplattform addendum.org.