Auch wenn es Kritik an der Umsetzung und an der Fragestellung gibt – die Volksbefragung über die Zukunft des Bundesheeres polarisiert. Wir bei neuwal wissen schon, wie wir abstimmen werden. Sehen Sie selbst.

unserheer
Bildquelle: Teligel von der Bundesheer-Serie. Modifiziert und bearbeitet von neuwal.

Stefan Hechl berufsheer385

 

Stefan Hechl: Auch wenn mir der Zivildienst momentan viel Spaß macht und ich das Gefühl habe, etwas Nützliches zu tun, trete ich vehement für die Abschaffung der Wehrpflicht ein. Sie ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten, das in einem Österreich als EU-Mitgliedsstaat nichts verloren hat. Eine kleine, aber effiziente Katastrophenschutz-Truppe reicht völlig aus. Die rund 10.000 Zivildienststellen können mit Freiwilligen gedeckt werden, außerdem können diese Stellen auch von Arbeitssuchenden besetzt werden. In der aktuellen Debatte ist mir egal, um wie viel ein Berufsheer teurer ist: die Befreiung junger Männer von staatlicher Zwangsverpflichtung sowie das Ende dieses sexistischen Systems sind mir jeden einzelnen Cent wert!

Ich hoffe, dass sich die österreichische Bevölkerung am 20. Jänner für die einzig vernünftige Lösung – die Abschaffung der Wehrpflicht – entscheiden wird.

Martin Schmidler berufsheer385

 

 Martin Schmidler: Ich werde am 20. Jänner aus den von Stefan Hechl bereits genannten Gründen ebenfalls für die Abschaffung der Wehrpflicht stimmen. Sie ist nicht zeitgemäß, diskriminiert junge Männer und nimmt ihnen unnötigerweise ein halbes Jahr (oder länger), das für Bildung verwendet werden könnte.

Ein beliebtes Argument gegen meine Position war und ist nachwievor, dass die Modelle der Minister Darabos und Hundstorfer (Berufsheer plus freiwilliges soziales Jahr) nicht genug ausgereift oder zu teuer wären. Tatsächlich sind weder die aktuelle Umsetzung der Wehrpflicht noch die Modelle von Darabos/Hundstorfer perfekt – die detaillierte Umsetzung müssen sich aber ohnehin die Parlamentsparteien ausstreiten. Das Argument der Umsetzung ist also legitim, verlagert die Diskussion aber auf einen Nebenschauplatz und lenkt nur von der viel größeren Frage ab, die tatsächlich am 20. Jänner gestellt wird.

thomas.gutmann berufsheer385

 

Thomas Gutmann: Für mich ist diese Volksbefragung eine Farce und das zeigt sich vor allem im Agieren der zwei partizipierenden Parteien. Nicht dass man vorher beide Modelle evaluiert, sie dem Volk präsentiert und dann erst zur Abstimmung bittet – nein, man sagt einfach „Volksabstimmung“, lässt die Leute uninformiert abstimmen und nimmt das Ergebnis als bindend hin. Ich weiß nicht, wie es bei den Abstimmungen um Zwentendorf oder dem EU-Beitritt war, aber  dilettantischer und populistischer konnte es damals nicht ablaufen.

Ich weiß über die Positionen der Opposition besser Bescheid als über die der Regierungsparteien und eigentlich sollte man dem Ruf des BZÖ folgen und diese Wahl boykottieren. Stattdessen und weil ich mein Wahlrecht viel zu sehr schätze und weiß/ungültig Wählen für keine Alternative halte, habe ich fürs Berufsheer gestimmt. Nicht weil ich davon überzeugt bin, sondern um ein Symbol zu setzen. Ein Symbol für eine grundlegende Reform der Politik in diesem Land.

Gregor_Portrait3 wehrpflicht

 

Gregor Plieschnig: Soll die Landesverteidigung wirklich nur jenen überlassen werden, die sich für den Kampf begeistern? Abseits von allen schwachsinnigen Argumenten wie „Das hat noch nie jemanden geschadet“ oder „Da lernen die Burschen Disziplin“, geht es um die Frage, wie ein Heer für den Krisenfall aufgestellt ist. Ich finde, dass der aktive Teil des Heeres, der eingesetzt wird, wenigstens teilweise von der Zivilbevölkerung gestellt werden muss.

Dabei rede ich nicht von einer Naturkatastrophe oder den zur Routine gewordenen Auslandseinsätzen, sondern wirklich von Krieg, sei es von Außen oder von Innen. Auch wenn es auf den heutigen Schlachtfeldern nicht nur mehr um Mannstärke geht, Fußtruppen sind immer noch wichtiger Bestandteil der modernen Kriegsführung.  Und bei einem Bürgerkrieg ist ein Heer aus Wehrpflichtigen wohl nicht einfach so gegen Zivilisten oder gar Wohnhäuser einsetzbar, wie es in Österreich 1934 der Fall war.

Unbestritten, das Österreichische Heer gehört massiv umgebaut und reformiert, Wehrpflichtige sollten während ihres Dienstes sinnvolle Aufgaben übernehmen. Das wäre mit Goodwill durchaus möglich, nur gibt es diesen Goodwill in den Parteien nicht. Aber dass Offiziere und Berufssoldaten durch die Rekruten täglich mit jener Zivilbevölkerung konfrontiert sind, die sie schützen sollen, finde ich wichtig.

Stefan Egger berufsheer385

 

Stefan Egger: Eine Volksabstimmung über ein derartig grundlegendes Thema wie die Struktur der Landesverteidigung sollte meines Erachtens nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Ein Beispiel wäre die Abstimmung über unterschiedliche Entwürfe einer noch nicht existierenden schriftlichen Verfassung, etwa in Großbritannien. Im konkreten Fall wird allerdings versucht, mit einer überhasteten Entscheidung politisches Kleingeld zu machen, weswegen es nur parteiische Werbung, aber keine Information gibt – ein Trauerspiel.

Am liebsten würde ich die Volksabstimmung einfach boykottieren. Nachdem dies mein Pflichtbewusstsein als aktiver Staatsbürger nicht zulässt, werde ich für ein Berufsheer stimmen – trotz der teils gravierenden Risiken, die damit einhergehen (Sammelbecken für Gewaltbereite, militärischer Separatismus, Entfremdung von der Bevölkerung, höhere Kosten), da ich mir davon umfassendere und tiefgreifendere Reformen erwarte. Eines ist mir – als ehemaliger Präsenzdiener – jedenfalls glasklar: Das derzeitige System, das sich durch Ineffizienz, Sinnlosigkeit und Wahnwitz auszeichnet, darf nicht länger auf dem Rücken der nachwachsenden Generationen zum Schaden aller aufrecht erhalten werden. Falls es in dieser Form jemals einen Sinn hatte, hat es sich überlebt.

Dominik Leitner berufsheer385

 

Dominik Leitner: Ich werde am 20. Jänner 2013 für das Berufsheer und das freiwillige soziale Jahr mit gerechter Entlohnung stimmen.

Nicht weil ich irgendwelche „Argumente“ der werbenden Parteien besser gefunden habe. Vor allem, weil sich SPÖ und ÖVP in erster Linie gegenseitig mit Dreck beworfen haben, nachdem man innerhalb von 10 Jahren vollkommen die Standpunkte getauscht hat. Diese Volksbefragung macht mir Angst vor „mehr direkter Demokratie„. Ohne Fakten kann man nicht ausreichend diskutieren und Modelle vergleichen.

Sondern weil ich nicht verstehen kann, warum Österreich jungen Männern sechs Monate ihrer Lebenszeit stehlen muss. Oder warum wir unsern Sozialstaat auf der Ausbeutung junger Männer aufgebaut haben, die für einen Minimalentlohnung wichtige Aufgaben erledigen. Auch wenn ich befürchte, dass die Volksbefragung pro Wehrpflicht ausgehen wird, die größte Enttäuschung ist, dass diese Befragung überhaupt durchgeführt wurde. Und die Politik in so vielen Belangen einfach nur versagt hat.

Dieter Zirnig berufsheer385

 

Dieter Zirnig: Nun, was braucht es? Es braucht ein neues System, eine neue Struktur und eine komplett neue Organisation des Heeres. Und das soll von jenen getragen werden, die es wirklich wollen und sich damit identifizieren möchten.

Es braucht eine Anamnese der Aufgaben, die in Zeiten vom politischen und sozialen Wandel benötigt werden. Es braucht auch klare Wertschätzung der eingebrachten Leistung statt sturem und stupidem Abarbeiten im System. Freiwilligkeit statt Verpflichtung. Wertvolle Zeit statt abgesessene Zeit. Weiterlernen statt in Reih und Glied stehen bleiben.

Ich werde daher am 20. Jänner 2013 klar gegen die Wehrpflicht und für ein Berufsheer und das freiwillige soziale Jahr mit gerechter Entlohnung stimmen.

Daniel Weber wehrpflicht

 

Daniel Weber: Ich bin nicht für die Wehrpflicht. Ich habe aber keinerlei Vertrauen in die regierenden Parteien und das, wenn man so will, System, nach einer Volksabstimmung etwas für alle Beteiligten zufriedenstellendes zu finden. Im Moment deutet nichts darauf hin. Ich halte es für unverantwortlich, eine derart komplexe Frage, an der jedenfalls mehr hängt, als nur mit einer Waffe durch den Schlamm zu robben oder eben nicht, verbindlich in einer Volksabstimmung zu entscheiden. Eine Reform ist dringend notwendig. In diesem Fall spiele ich den Ball zurück und sage: „ja zum Zivildienst.“ Eine genaue Begründung dafür liefere ich in diesem Kommentar.

Thomas Knapp berufsheer385

 

Thomas Knapp: Ich werde am 20. Jänner 2013 für die Abschaffung der Wehrpflicht stimmen. Ein Staat zwingt alle jungen Männer zu einer für sie persönlich sinnlosen Tätigkeit und nimmt ihnen Zeit die sie für Ausbildung und Verdienst oder mit Freunden und Familie verbringen können. Ein Eingriff in die persönliche Freiheit jedes einzelnen der den Staat auch noch Geld kostet. Geld, das ihm dadurch dass die jungen Männer nichts zur Wirtschaftsleistung beitragen können, entgeht.

Wozu ein solches System, dass in keiner Weise den Anforderungen der Zeit an ein modernes Heer entspricht, aufrechterhalten? Weil ein Wehrpflichtsheer nicht im Inneren gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden könne? Tunesien und Ägypten beispielsweise haben die Wehrpflicht. Weil dann nur „schießgeile“ Idioten zum Heer gingen? Warum haben wir dann eine Berufspolizei und keine Bürgerwehr? Eben weil es ordentlich ausgebildete Spezialisten braucht. Natürlich wäre die Abschaffung aller Heere die ideale Lösung, wie das aber ein Argument dafür sein sollte möglichst vielen jungen Männern Lebenszeit zu stehlen und ihnen Töten beizubringen, bleibt mir schleierhaft.

Elisabeth Luggauer berufsheer385

 

Elisabeth Luggauer: Wäre das österreichische Bundesheer ein reines Berufsheer, bestünde es ausschließlich aus Menschen, die Soldaten sein wollen, die kämpfen wollen. Durch die allgemeine Wehrpflicht besteht nicht das ganze österreichische Bundesheer aus Menschen, die Soldaten sein wollen, die kämpfen wollen, sondern umfasst dessen Infanterie zu einem großen Teil Menschen, die viel lieber gerade was anderes machen würden.
Stelle man sich nun einen Einsatz des österreichischen Bundesheers vor, würde ein reines Berufsheer vielleicht kampfwilliger vorgehen, als ein teilweise Wurschtigkeits-Heer. Das wäre ein Argument für die Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht.
Da im Falle eines Einsatzes des österreichischen Bundesheers irgendwo aber ohnehin nicht die für sechs Monate eingezogenen Grünschnäbel eingesetzt würden, sondern die ausgebildeten Soldaten, die sich länger verpflichteten – ergo Soldaten sein wollen, kämpfen wollen – ist eine Beibehaltung der allgemeinen Wehrpflicht nur Verpflichtung von Menschen zu einer sinnlosen Tätigkeit, die diese nicht tun wollen. Daher: gegen allgemeine Wehrpflicht.

 

Manuel Kreuzer berufsheer385

 

Manuel Kreuzer: Vorweg möchte ich sagen, dass ich prinzipiell mit der Volksbefragung zu diesem Thema nicht wirklich einverstanden bin. Die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes müssen eine Entscheidung über die Zukunft des Bundesheers und den Verbleib des Zivildienstes treffen, ohne ein wirkliches Konzept für beide Varianten zu kennen. Wir unterschreiben also einen so genannten „Blanko-Scheck“ in der Hoffnung, dass unsrer amtierende Bundesregierung sich in weiterer Folge gemeinsam an die Umsetzung der Entscheidung machen wird. In wie weit dies eintreten wird, möchte ich nicht prophezeien.

Ich werde am 20 Jänner für die Abschaffung der Wehrpflicht stimmen, da nur aus der dadurch entstehenden Situation die verantwortlichen Kräfte dazu gezwungen werden zu handeln, ohne eins sicherheitspolitisches Chaos zu riskieren . Bei Beibehält der Wehrpflicht befürchte ich, dass es als positives Votum für die Ist-Situation bzw. den Ist-Zustand gewertet wird und der Reformeifer dadurch überschaubar bleibt.

The following two tabs change content below.

Stefan Hechl

Neueste Artikel von Stefan Hechl (alle ansehen)