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Neuwal. Die Christen. (neuwal.com)Neuwal. Dr. Alfons Adam. Die Christen (neuwal.com)Neuwal. Plakat für Die Christen. (neuwal.com)

Die Christen sind seit vergangener Woche eine der neuen Kleinparteien, die bei der Nationalratswahl 2008 antreten und die Unterstützungserklärungen beisammen haben.

Wir haben uns mit „Die Christen“ näher beschäftigt und mit Dr. Alfons Adam, dem Bundesparteiobmann der Partei gesprochen: Die Christen möchten den gläubigen Christen in Österreich eine politische Stimme geben. Das Parteiprogramm basiert auf vier Werten. Ein wesentlicher Bestandteil sind Werte im Bereich Familie und Ehe, Erziehung und Bildung, Lebensschutz und Kultur.

Nicht verwunderlich war es für mich, dass in Fragen zum Thema Abtreibung, Homosexualität oder Adoption eine sehr starke konservative Haltung vertreten wird. Die Themen HIV, Aids und Kondom bzw. Sexualität vor der Ehe wurden angesprochen, sind aber kein politisches Thema.

Am 5. September ist Dr. Alfons Adam im Chat von derstandard.at. Ich denke, dass ist eine gute Möglichkeit für weitere Fragen und Diskussion.

Weitere Informationen gibt es auf der Website www.diechristen.at. Das Wahlprogramm ist hier abrufbar.


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Neuwal (Dieter Zirnig): „Die Christen“ haben die Unterstützungserklärungen beisammen und sind bundesweit bei den Nationalratswahlen dabei. Was kann man sich unter „Die Christen“ vorstellen?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Wir sind eine Partei, die den gläubigen Christen in Österreich wieder eine politische Stimme geben soll.

[podcast]http://neuwal.com/wp-content/uploads/2008/08/neuwaladam01.mp3[/podcast]

 

NEUWAL. Leserfrage.
Verbindet man damit Staat und Kirche?
(Leserfrage von karli)

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Nein, es hat mit der Verbindung Staat und Kirche nichts zu tun. Wenn Kommunisten oder Grüne sagen dürfen was sie wollen, dann möchten wir auch sagen dürfen, was wir in die Gesellschaft einzubringen haben.

 

Was sind die wesentlichen Punkte bei „Die Christen“ ?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Generell möchten wir die Aufmerksamkeit auf den Lebensschutz steigern und den Wert und die Würde jedes Menschens bewahren.

Wir haben ein Grunsatzprogamm mit vier Punkten:

1. Familie
2. Lebensschutz
3. Erziehung und Bildung
4. Kultur

Wir gehen davon aus, dass wir Österreicher wieder Kinder brauchen. Und zwar viele Kinder, da uns Statistiken zeigen, dass wir in einigen Jahren demographisch nicht gut dastehen werden: Das Pensionssystem sowie das gesamte soziale und wirtschaftliche System gerät in Gefahr.

Wir sagen daher: Wir brauchen nicht nur Kinder, sondern auch Kinder, die mit Leib und Seele gesund heranwachsen können.  Es ist auch kein Geheimnis, das Kinder am besten in intakten Familien aufwachsen.

Wir möchten auch bei Erziehung und Bildung ansetzen: Die Verspottung von Ehe und Familie darf nicht mehr vorkommen und mit Steuergeldern unterstützt werden. Wir möchten bei der Erziehung ansetzen.

Im kulturellen Bereich möchten wir, dass die Politik wieder Voraussetzungen schafft, damit es Familie mit intakten Ehen gibt.

Weiters möchten wir die wirtschaftlichen und steuerlichen Ungerechtigkeiten gegenüber Familien beseitigen.

 

Wie sehen sie die Familiensituation in Österreich?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Familien, vorallem wenn sie mehr Kinder haben, werden von der Gesellschaft nicht wirklich aufgenommen. Sie sind wirtschaftlich benachteiligt, es gibt enorme soziale Ungerechtigkeiten.

Bei diesen Punkten möchten wir ansetzen.

Die Scheidungsraten sind sehr hoch: In Österreich wird jede zweite Ehe geschieden. In Wien sind es sogar zwei Drittel. Es kommt zu Scheidungswaisen, Komatrinken schon im Kindesalter und Drogenabhängigkeit. Es gibt ausufernde Aggressivität unter Kindern und Jugendlichen, die es vorher nicht gegeben hat.

Das ist ja keine natürliche Entwicklung, sondern ist hausgemacht.

 

Wo sehen Sie die Gründe für die derzeitige soziale und familiäre Situation?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Wir sehen die Ursachen in einer Sexualisierung der Gesellschaft, beginnend mit dem Sexkoffer in den 80er Jahren.

Eine Erklärung kommt von Sigmund Freud, auch wenn er sicherlich kein gläubiger Christ war: „Wenn man die Kinder zu früh mit Sexualität konfrontiert, dann werden sie aggressiv.“

[podcast]http://neuwal.com/wp-content/uploads/2008/08/neuwaladam02.mp3[/podcast]

Das macht Kinder im späteren Alter bindungsunfähig. Wir sehen dies als Erklärung, warum es weniger Eheschließungen und Kinder gibt.

Auf der anderen Seite ist es so, dass seit Jahrzehnten bei allen Umfragen im Familienbereich an den ersten Stellen eine glückliche Familie und der Kinderwunsch gereiht werden.

 

Sie haben das Thema Sexualität angesprochen. Was verstehen sie darunter?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Es gibt den Begriff „Gender-Mainstreaming“ gegen den wir uns stellen.

Unter dem Begriff versteht man vordergündig die Gleichtstellung von Mann und Frau in wirtschaftlichen und sonstigen Bereichen. In Wirklichkeit geht es in eine Richtung der Abschaffung von Mann und Frau als biologisches Geschlecht. Dies lässt sich in einigen Papieren des Bundeskanzleramtes nachlesen. Es soll nur mehr ein funktionielles Geschlecht geben. Der Mensch hat Wahlfreiheit, welche Rolle er einnimmt.

Unserer Meinung nach ist das sexuelle Ausschweifung pur. Wir sehen diese Gleichmacherei als Fehler, da die Genderideologie besagt, dass es keine Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Nach soziologischen Gesichtspunkten und auf Grund Analysen im Bereich der Gehirnforschung ist dies nicht wahr.

Wir sagen daher: Das Leitbild in der Politik soll das christliche Menschenbild und nicht das Gender Mainstreaming sein. Gott hat den Mensch als Mann und Frau geschaffen.

Wir können hier in der Politik sehr viel dazu beitragen.

 

Wie sehen die Christen die Rolle der Frau?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Wir wollen, dass die Frau Entscheidungsfreiheit hat, ob sie Kinder haben möchte oder sich für einen Beruf entscheidet. Es gibt heute einen enormen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Druck, der Frauen diese Entscheidungsfreiheit abnimmt, da man mit der Aussage „Was Du arbeitest nicht, Du bist zu Hause“ konfrontiert wird.

 

Was wären Modelle, um es Frauen dabei leichter zu machen?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Wir fordern in diesem Punkt das Müttergehalt.
Wir sammeln derzeit Unterschriften für ein Volksbegehren. Es soll zumindestens einmal das Bewusstsein in diese Richtung gehen, dass dies vielleicht der wichtigste Beruf ist, den ein Volk überhaupt haben kann.

 

NEUWAL. Leserfrage.
Welche Standpunkte nehmen „Die Christen“ im Bereich Homosexualität ein?
(Leserfrage just4ikarus)

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Unsere Richtung ist klar: Wir möchten auf gar keinen Fall Homosexualität in irgendeiner Art und Weise diskriminieren.

Wir sind gegen homosexuelle Gemeinschaften und Partnerschaften, die Privillegien bekommen, die nur der Ehe zustehen.

Homosexualität hat sich der einzelne Mensch nicht selbst ausgesucht.

 

Wie ist es, wenn man sich „homosexuell verliebt“?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Nun, das kann man ja nicht vorschreiben, dass man nicht verliebt sein soll.

 

Geben Sie homosexuellen Partnerschaften die Möglichkeit ein Kind zu adoptieren?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Diese Neigung haben sich die Menschen nicht ausgesucht. Wir definieren Homosexualität als neurologische Erkrankung.

Daher ist es meiner Meinung nach Kindesmisshandlung, einem homosexuellen Paar ein Kind zur Adoption zu geben.

 

Wie stehen sie zur Abtreibung. Machen sie dabei auch „Ausnahmen“?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Der Wert des Lebens und jedes Menschens soll anerkannt werden: Ob geboren oder ungeboren.

Unser Fernziel ist es, die Fristenregelung abzuschaffen. Wir sagen, es gibt ein Lebensrecht eines ungeborenen Menschen.

Wenn ich ein Volk oder eine Gesellschaft in Ordnung bringe möchte, dann kann ich nicht sagen, dass Menschen kein Recht zu leben haben.

Im Falle einer Vergewaltigung kann das Kind auf keinen Fall etwas dafür. Eine Möglichkeit wäre, das Kind zur Adoption frei zu geben.

 

Gibt es ein europaweites politisches christliches Netzwerk?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Es gibt eine europäische Bewegung, der wir uns annähern.

 

NEUWAL. Leserfrage.
Kann ein Buddhist „Die Christen“ wählen?
(Leserinfrage von lovion)

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Klar. Wenn ihm der Name „Die Christen“ nicht stört und ihm das Programm gefällt ist seine Stimme herzlich Willkommen.

Wir sind eine politische Partei. Wir schreiben den Menschen nicht die Religion vor. Wir möchten alle Menschen guten Willens so behandeln, wie es einem Christen ansteht.

 

Im Bereich der Asylpolitik hat sich die Kirche vor einigen Monaten eingeschaltet (Arigona Zogaj). Gibt es eine Positionierung der „Die Christen“ zur Asylpolitik?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): In diesem Bereich haben wir noch keine Überlegungen angestellt – wir denken zum jetzigen Zeitpunkt noch „grundsätzlich“: Wenn wir Österreicher nicht untergehen und wieder eigene Kiner haben möchten, dann spielt ein Ausländeranteil von 10 % keine Rolle. Das verkraften wir, damit sich der Charakter unseres Landes und unserer Kultur nicht verändert.

 

Was ist mit Kindern, die aus einer bspw. „Österreich-Serbien-Partnerschaft“ entstehen?

Das ist alles katholisch geprägt. Sehen sie es so: Wir können auch einen schwarzen Papst vertragen.

 

Was ist ihr Ziel für die Nationalratswahl?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Um in der Sprache des Marxismus zu bleiben: „Wir möchten das Bewusstsein verändern: Veränderung“.

In Österreich bewegt sich derzeit sehr viel. Wir können die Situation nicht einschätzen, möchten auf alle Fälle weiterarbeiten und bestenfalls in den Nationalrat kommen.

 

Wie sieht ihr Wahlkampfprogramm aus und wie finanzieren sie sich?

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Wir sind derzeit dabei, eine Wahlzeitung mit unserem Programm zu drucken. Plakate und großflächige Werbung können wir uns nicht leisten.

Im Bereich des Wahlslogans gibt es mehrere Überlegungen („Christen ins Parlament“). Unsere Schwerpunkttehmen sind allerdings sehr plakativ und wird von den Leuten sehr gut angenommen.

Wir finanzieren uns aus einer Unmenge kleiner Spenden.

 

Vielen herzlichen Dank für das Gespräch und wir wünschen Ihnen alles Gute!

Dr. Alfons Adam (Die Christen): Vielen Dank.

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Der Weg zur Politischen Bildung führt bei neuwal über Onlinejournalismus und neuen Formaten. Ich liebe Digital, Medien, Politik und lebe den Digital Mindshift. Am liebsten setze ich für Medienunternehmen strategisch und operativ neue Formate und digitale Produkte um. 9 Jahre Führungspositionen im Bereich Global Digital Strategy in internationalen Konzernen, sieben Jahre selbständig in den Bereichen Digitale Transformation, Digitale Strategie, Journalismus und Medien Strategien, Digitales Marketing, Innovation, Web-Technologie. Nebenbei Bike and Yoga. Making journalism and politics a better place. Seit April 2018 bei der Rechercheplattform addendum.org.
  • Wah! Das ist die grauslichste Partei des Wahlkampfs überhaupt! Pfui Teufel. Sowas ekelhaftes, widerwärtiges, menschenfeindliches hab ich überhaupt noch nicht in der Politik gesehen. Zurück in die Beudeutungslosigkeit aus der ihr gekommen seid! Weiche, Dämon!

  • Pingback: Jugend gegen Abtreibung | Feuerhaken()

  • …willkommen im 18. Jahrhundert. Homosexualität als krankheit zu bezeichnen, ist diskriminierung qua Definition! Nicht nur aus persönlichen Gründen erschüttern mich solche Aussagen zu tiefs!

  • mark the shark

    Das sind keine Christen, das sind Kath-aliban.

  • carnivore

    Ich möchte Peter Kraus Recht geben. Doch selbst wenn wir uns auf die Argumentation der FUndamentalisten einlassen wirds unsinnig. Warum soll es „Kindesmißhandlung“ sein wenn neurologisch Erkrankte Menschen Kinder erziehen. Gilt das auch für Parkinson etc. ?
    Zum speien, diese Partei (obwohl sie sich in diesem Punkt gar nicht so stark von der ÖVP unterscheidet)!

  • wenn schon zeit für grossbuchstaben, dann zum Speiben, aber egal.

    wie es mich als österreicher ärgert, wenn es eine zeitung gibt, die denn namen dieses landes trägt, so ärgert es mich als christen noch mehr, wenn sich wer immer erdreistet, eine partei mit diesem namen zu gründen und denselben damit zu vereinnahmen.

    natürlich ist es keine kindesmisshandlung, wenn ein homosexuelles paar kinder erziehen. genausowenig wäre es im übrigen kindesmisshandlung, wenn ein solches ein (oder mehrere) kinder adoptieren würde.

    sogesehen ist der reflexartige untergriff richtung ÖVP des fleischfressers bedauerlich. denn so, wie es hier von seiten dieser – im grunde natürlich harmlosen – verwirrten runde (ich will und kann den namen so nicht verwenden) dargestellt wird, sieht die position der ÖVP ganz sicher nicht aus.

  • provokation

    “ Gott hat keinen freien Willen ! „

  • vernunft

    unaufgeklärt !!!!!!!!!!

  • Schön!

    Maria

  • christa

    Ich würde so eine Partei gar nicht zulassen, gerade weil ich Christ bin.

    Die befreiende Lehre Jesu und seine befreiende Kraft scheinen sie wohl nie erfahren zu haben.

  • Pingback: Schwule & Lesben: Menschen 2. Klasse? « a:bout queer life green politic:s()

  • Pingback: Österreich – “Christen Allianz” will gegen Regenbogenparade » actup.org()

  • auf das warten die ja schon, daß die Christen eine politische Stimme bekommen, damit sie sie in ihrer totalen Übermacht auf ihre unflätige Art nieder machen können. Das ist nicht nur kein Benehmen, sondern das geht auch gegen ihre Landsleute, die zumindestens soviel wert sind wie sie. Man sollte zu einem Wahlboykott aufrufen. Jeder der etwas auf sich hält sollte aus der Gesellschaft austreten. Der ganze Staat hat nichts mehr anderes zu tun, als gegen eine Obrigkeit zu revoltieren, die die paar letzten Christen sein sollen, die noch da sind. Die Idee ist so blöd, daß sich die Hühner tot lachen. Die Linken und Muffel ihrer eigenen Traditionen werden noch froh sein, wenn sie überhaupt jemand beachtet. Die sollen sich die Klippen hinunter stürzen. Sie wollen alle keine Familie mehr und keine zweierlei Geschlechter ! Und wem wollen sie damit etwas zu Fleiß machen ? Ist ein Christ vielleicht ein Burgois, ohne den ihr Sozialismus ein Dreck ist ?